ADB:Bürklein, Friedrich

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Artikel „Bürklein, Friedrich“ von Friedrich Pecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 624–626, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:B%C3%BCrklein,_Friedrich&oldid=1696941 (Version vom 24. April 2014, 20:01 Uhr UTC)
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Bürklein: Friedrich B., Architekt, geb. 1. März 1813 in Burk in Mittelfranken, † 4. Nov. 1872 in Werneck, gehört als Erbauer der Maximiliansstraße und Hauptträger jener dritten großen Bauperiode in München unter der Regierung des Königs Max zu den bekanntesten wie allerdings auch den meist angefochtenen Baumeistern seiner Zeit. – Nach Beendigung der Gymnasial- und Universitätsstudien einem unwiderstehlichen Drange folgend, kam er 1828 nach München um sich dem Baufach zu widmen, wo er bei Gärtner eintrat und gänzlich mittellos sich durch Unterricht in Anfertigung von Zeichnungen durchbrachte. Er gehörte indeß bald zu den hervorragendsten Schülern jenes Meisters, dem er bei vielen seiner Bauten, so speciell beim Salinen- und Münzgebäude als Baupraktikant an die Hand ging. – Nach glänzend bestandenem Examen rasch nach einander zum Hofbauconducteur, Regierungsinspector, Professor an der polytechnischen Schule avancirt, begleitete er Gärtner nach Griechenland und war dort beim Ausbau der Residenz in Athen thätig, bereiste dann Italien, Frankreich, England, die Niederlande und führte, sich der Gärtner’schen Richtung eng anschließend, in München eine große Menge Privathäuser meist in romanischem Stil auf, die sich durch gefällige Verhältnisse und bequeme Einrichtung auszeichnen. Von größeren Bauten aus dieser Zeit ist des Rathhauses in Fürth und des im romanischen Stil 1849 aufgeführten Münchner Bahnhofs zu gedenken, dessen anmuthige durch später angebaute Flügel freilich sehr entstellte Conception, [625] wie besonders die kühn construirte Einsteighalle damals große Bewunderung fanden und ihm einen Ruf erst nach Prag, dann als Professor an die Wiener Akademie eintrugen. Der indeß zum Generaldirections- und Oberbaurath erhobene Künstler lehnte beide ab, da sich ihm eben durch das Vertrauen des baulustigen Königs Max in München selbst die glänzendste Laufbahn öffnete, nachdem er inzwischen die neue Münchner Schießstätte und das Gebärhaus nicht ohne Glück gebaut. Als Specialarchitekt dieses Fürsten legte er die Maximiliansstraße an, die durch ihre eben so schöne wie zweckmäßige Ausführung heute die schönste, der Corso der Stadt geworden ist, und deren weitaus meiste Privathäuser wie die öffentlichen, das Münz- und Regierungsgebäude, von ihm herrühren. – Letzteres, ein gewaltiger Terracottenbau, ist wol sein bedeutendstes Werk und zeugt unstreitig von hervorragendem Talent und besonders großem technischem Geschick. Wie alle übrigen Gebäude der Straße ist es in dem seinerzeit viel angegriffenen „neuen Baustil“ ausgeführt, der, einem Lieblingswunsche des Königs sein Dasein verdankend, in B. seinen Hauptträger fand. Dieser angeblich neue Stil ist in Wirklichkeit eine mit allerhand Renaissance und romanischen Formen nicht immer organisch verbundene Spitzbogenarchitektur, die indeß bei dem Regierungsgebäude, Dank dem malerischen Sinne Bürklein’s, zu einem immerhin interessanten, der Eigenthümlichkeit keineswegs ermangelnden Resultat geführt hat. Gleichzeitig mit diesen Bauten führte der mit großer Arbeitskraft ausgestattete Künstler eine Menge Bahnhöfe an den baierischen Staatsbahnen aus, darunter die zu Augsburg, Würzburg, Nürnberg, Bamberg, Hof, Rosenhein etc., denen trotz der meist mangelnden harmonischen Durchbildung doch Zweckmäßigkeit und Gefälligkeit gewöhnlich nicht abzusprechen sind. Sein letztes Werk ist der den decorativen Abschluß der Maximiliansstraße bildende Prachtbau des auf dem erhöhten rechten Isarufer sich erhebenden Maximilianeums. Ebenfalls im „neuen Baustil“ angefangen, ward es nach dem Tode des Königs, angeblich auf dessen Wunsch, im Renaissancestil vollendet, was natürlich nicht ohne mannigfache Inconvenienzen abging. Bei einer kühnen Anlage zeigt daher der später nur sehr langsam und nothdürftig vollendete Bau doch überall den Mangel einer consequenten und organischen Durchbildung des Baugedankens, das an sich glücklich erfundene Motiv wirkt, wie schon beim Regierungsgebäude, durch zu häufige Wiederholung ermüdend, der Palast leidet jetzt an Einförmigkeit und Armuth der Formbildung, sowie an einer, B. überhaupt eigenen Magerkeit der Profilirung und Roheit der Detailausführung, um so mehr als der Künstler die Vollendung desselben nicht mehr zu leiten vermochte. Mancherlei häusliches Unglück sowie Ueberanstrengung hatten ihm eine Gehirnkrankheit zugezogen, der er bald erlag. Hat B. unstreitig die Erwartungen nicht erfüllt, zu denen sein großes Talent berechtigte, klebt all seinen Werken mehr oder weniger der Fluch des Eklekticismus und mangelnder künstlerischer Durchbildung des Details an, tragen sie fast alle die Spuren der Hast des fast überbeschäftigten Mannes, so lag doch die Schuld, wenn sein Einfluß der Münchner Architektur weit mehr geschadet als genützt hat, hauptsächlich an dem Fatum, welches gerade ihn mit dem König Max zusammenführte. Von den edelsten Intentionen ausgehend, voll feinen Gefühls und Geschmackes, aber auch allen Einflüssen zugänglich und daher ewig wechselnd in seinen Forderungen, hätte der König das Höchste als Bauherr leisten können, wenn er einen Architekten fand, der energisch Widerstand leistete, konsequent bei dem einmal Festgestellten blieb. Uuglücklicherweise hatte die Natur bei aller sonstigen reichen Begabung gerade diesen eisernen Willen B. versagt, demselben im Gegentheil eine sehr biegsame Natur und großen Reichthum an Auskunftsmitteln gegeben, so daß er seinen Ehrgeiz darein setzte, den beständig wechselnden Wünschen des Monarchen immer wieder zu entsprechen, was denn [626] freilich nur auf Kosten der Kunst möglich war, und so zuletzt beide um den größeren Theil der Früchte ihrer Bemühungen brachte.

F. Pecht.