ADB:Barth, Carl

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Artikel „Barth, Carl“ von Georg Brückner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 100–101, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Barth,_Carl&oldid=1687143 (Version vom 21. Mai 2012, 20:08 Uhr UTC)
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Barth: Johann Karl B., Kupferstecher und Zeichner, geb. zu Eisfeld 12. Oct. 1787, † 11. Sept. 1853. Zu Hildburghausen erzogen, zeigte er frühzeitig ein entschiedenes Talent für die Kunst, zu dessen Ausbildung die Fürstin von Thurn und Taxis die Mittel gab. Unter der Leitung von J. G. v. Müller’s betrieb er die geeigneten Vorstudien und bildete sich in München und dann in Rom, wo er mit Cornelius, Rauch, Amsler, Fohr und Rückert zusammen lebte, zu einem der trefflichsten Zeichner und Kupferstecher aus, dessen künsterlische Eigenthümlichkeit hauptsächlich auf der engen Schraffirung beruht, bei der er doch Weichheit, Eleganz und Wahrheit zum lebendigen Ausdruck bringt, was vor ihm keinem Künstler gelungen war. Seine erste berühmte Arbeit war das Portrait des begabten und schönen Karl Fohr, dann folgten das mit Amsler gearbeitete Titelblatt zu Cornelius’ Nibelungen, das Christusbild nach Holbein, die 7 magern Jahre, die Portraits von Fr. Schlegel, vom Fürsten Alexander von Thurn und Taxis, von Rückert und Chamisso, das Brustbild der betenden Madonna nach Holbein, das Portrait des Philosophen Hegel und ein Blatt der 6 Darstellungen zu Fouqué’s Undine. Neben seiner Meisterschaft im Kupfer- und Stahlstich (12 Blatt im historischen Fach, 54 im Portrait, 11 freie Radirungen und 24 Vignetten) war er einer der vorzüglichsten und thätigsten Zeichner. An 400 nach dem Leben gezeichnete und gemalte Bildnisse sind von ihm vorhanden. Auch hat er sich durch Dichtungen, unter denen das kleine Lied „Alles nur ein Hauch“ einzig in der deutschen Litteratur ist, durch volksthümliche Erzählungen und durch die verdienstvolle Schrift „Die Kupferstecherei“ einen Namen gemacht. In seinem Wesen war er oft schroff, doch durch und durch bieder un seelenrein. Leider durchzog seit dem Tode seines in der Tiber ertrunkenen Freundes Fohr, den er zu retten bemüht war, aber preisgeben mußte, als er sich durch dessen Anklammerung in eigene Gefahr gebracht sah, sein Leben der trübsinnige Gedanke, daß er von den Jesuiten verfolgt werde, ein Gedanke, den später die Furcht vor Verarmung und das Sturmjahr 1848 bedeutend steigerte. Sein Freund Felsing lud ihn gen Darmstadt und versuchte daselbst den Kranken zu beruhigen, doch der Wahn wuchs. Auf der Rückreise noch Hildburghausen [101] stürzte sich B. trotz aller Vorsicht des ihn begleitenden und bewachenden Felsing am 19. Aug. 1853 aus dem Oberstock des Gasthauses zu Guntershausen herab mit dem Ruf: „Sie kommen, sie kommen“. Den Schwerverletzten brachte man nach Cassel ins Landkrankenhaus, wo er den 11. Sept. d. J. starb und sein Grab auf dem Unterneustädter Todtenhofe fand.

Brückner.
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