ADB:Berner, Friedrich Wilhelm

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Artikel „Berner, Friedrich Wilhelm“ von Arrey von Dommer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 413–414, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Berner,_Friedrich_Wilhelm&oldid=2070022 (Version vom 25. Juli 2014, 18:15 Uhr UTC)
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Berner: Friedrich Wilhelm B., ausgezeichneter Organist, Clavierspieler, Componist und Lehrer, geb. zu Breslau 16. März 1780, † 9. Mai 1827; Sohn des Johann Georg B., Ober-Organisten an der St. Elisabethkirche daselbst. Schon im neunten Lebensjahre trat er öffentlich und zwar mit Beifall als Clavierspieler auf, und im dreizehnten wurde er Adjunct seines Vaters im Organistenamte. Nachdem er auch durch Franz Gehirne, Chorregenten an St. Matthias, Unterricht im Generalbaß und Contrapunkt empfangen, hörte er 1800 zu Halle Türk’s Vorlesungen, und studirte mit großem Fleiße Bach, Händel, Mozart, sowie Kirnberger’s Lehrbücher. Im Orgelspiele wirkten der Abt Vogler und der [414] tüchtige Organist Nicolai zu Görlitz fördernd auf ihn ein, im Clavierspiele Wölfl und später K. M. v. Weber, der 1804 nach Breslau kam, wo zwischen ihm und Berner ein freundschaftliches Verhältniß sich bildete. Im J. 1812 wurde letzterer mit Schnabel nach Berlin gesendet, um die Einrichtung der Zelter’schen Singakademie, zum Zwecke der Gründung eines ähnlichen Institutes in Breslau, kennen zu lernen. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, war er betheiligt an allen zur Hebung der dortigen Musikzustände beitragenden Unternehmungen, und wirkte als Universitäts-Musikdirector, Ober-Organist an St. Elisabeth, sowie als Lehrer und Mitdirector an dem neubegründeten, mit der Universität verbundenen und unter Karl v. Winterfeld’s Oberaufsicht stehenden kgl. Institute für Kirchenmusik. Die letzten Jahre seines Lebens aber kränkelte er viel und zog sich ganz in sich zurück, bis ein Brustleiden seinen Tod verursachte. Im October 1830 wurde ihm gemeinsam mit Chladni ein Grabdenkmal gesetzt. Sein Clavierspiel schildert die Allgemeine Mus.-Ztg. XXI. 782 als brillant und verständig, bei außerordentlicher Fertigkeit kraftvoll, klangschön im Anschlage und ungemein deutlich. Sein Orgelstil war weit einfacher, größer und gehaltreicher als der seines Vaters; die Gründlichkeit und kunstmäßige Durchführung seiner freien Phantasien, sein Extemporiren von Fugen und sein Geschick in der freien Choralfiguration wurden sehr gerühmt. Unter seinen zahlreichen Schülern im Orgel- und Clavierspiel nimmt der nachmals berühmte Organist Adolf Hesse den ersten Platz ein; nach ihm sind zu nennen Ernst Köhler, später Amtsnachfolger seines Lehrers an St. Elisabeth, und Berner’s Bruder Heinrich Ludwig, Organist an St. Barbara zu Breslau. – Seine Compositionen, von denen nur der kleinere Theil gedruckt ist, bekunden wenn auch nicht viel mehr, so doch den gründlich unterrichteten und die Form beherrschenden Tonsetzer; es gehören darunter: „Hymne für Männerstimmen, der Herr ist Gott“, an vielen Orten beifällig aufgenommen; „Friedenscantate“; „Opfergesang am Altare des Vaterlandes“; eine Anzahl verschiedener Kirchengesänge, von denen der 150. Psalm für eins seiner besten Werke gilt (Part. Breslau); viele Lieder und Gesänge für eine und mehrere Stimmen, Kanons etc.; zahlreiche Variationen, worin er ein vorzügliches Geschick besaß, Orgelstücke, Ouverturen und andere Instrumentalsachen; auch ein komisches Intermezzo: „Der Capellmeister“. Endlich hat er noch einige Abhandlungen und Lehrschriften verfaßt, von denen gedruckt sind: „Grundregeln des Gesanges“, nach Hiller entworfen, 1815; „Theorie der Choralzwischenspiele“, 1819; „Die Lehre von der musikalischen Interpunktion“, 1821.

Friedr. Wilh. Berner nach seinem Leben und Wirken etc., Breslau 1829. Viele Notizen über ihn und Kritiken seiner Werke in der Allgem. Mus. Ztg.
v. Dmr.