ADB:Brüll, Nechemia

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Artikel „Brüll, Nehemias“ von Aron Freimann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 296–297, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Br%C3%BCll,_Nechemia&oldid=1695624 (Version vom 1. Oktober 2014, 16:16 Uhr UTC)
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Brüll: Nehemias B., geboren am 16. März 1843 zu Neu-Raußnitz in Mähren, starb als Rabbiner in Frankfurt a. M. am 5. Februar 1891. Er war der Sohn des Schriftstellers Jakob B., Rabbiners in Kojetein († am 29. Nov. 1889) und stammte mütterlicherseits vom mährisch-schlesischen Landrabbiner Nehemias Trebitsch ab. Von seinem gelehrten Vater erhielt er den ersten Unterricht im Hebräischen und wurde gleichzeitig für das Gymnasium vorbereitet. Nach Absolvirung des Progymnasiums in Kojetein besuchte er die Piaristenschule in Prag und trieb dort talmudische Studien unter Anleitung von S. L. Rapoport. In Prag, wo er nur ein Jahr verblieb, trat er, trotz seiner Jugend, in freundschaftlichen Verkehr mit Kämpf und anderen jüdischen Gelehrten, die bestimmend auf seine späteren Studien einwirkten. In Kremsier bestand B. im J. 1861 das Abiturientenexamen, widmete sich in Kojetein ein Jahr lang theologischen Studien und bezog mit der Approbation zum Rabbiner ausgestattet die Universität Wien. In diese Zeit fällt seine erste Arbeit für die von Leopold Löw (Oberrabbiner zu Szegedin) herausgegebene Zeitschrift „Ben Chananja“ (V. Jahrg. 1862), betitelt: „Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Kojetein“. Er blieb in der ganzen Zeit ihres Bestehens ein eifriger Mitarbeiter dieser Zeitschrift. Während seines Aufenthalts in Wien sammelte er in den dortigen Bibliotheken Material für seine späteren Arbeiten. Anregend war für ihn der Verkehr mit den Wiener Gelehrten: Jellinek, Mannheimer, G. Wolf, H. Weiß, M. Friedmann u. A. In dem von ihm mitbegründeten „Verein der Rabbinatscandidaten“„ hielt er zahlreich besuchte Vorträge über jüdische Geschichte und in dem von Jellinek begründeten Beth ha-Midrasch gehörte er zu denjenigen Predigern, die gern gehört wurden. Noch als Student veröffentlichte er in Geiger’s „Jüdischer Zeitschrift für Wissenschaft und Leben“ (II. Jahrg.) eine Studie über die „Alabarchen“. Auf Grund einer Arbeit „Die Römischen Kaiser in Talmud und Midrasch“ promovirte er in Leipzig. Hierauf berief ihn die Gemeinde Bisenz (Mähren) zu ihrem Rabbiner. Von Begeisterung für seinen Beruf durchglüht sind die in seiner Gemeinde gehaltenen Predigten (1. Sammlung, Leipzig 1869). Von seiner homiletischen Begabung zeugen alle seine Kanzelreden (Frankfurt a. M. 1878 und 1898 und zahlreich in den „Populärwissenschaftlichen Monatsblättern“, herausgegeben von Adolf Brüll). Philologische und geschichtliche Aufsätze Brüll’s enthalten die hebräischen Zeitschriften Hammagid (Lyck), Halebanon (Paris), Hakarmel (Wilna) und in deutscher Sprache Geiger’s Jüdische Zeitschrift, Frankel’s Monatsschrift, die Neuzeit [297] und Wertheimer’s Jahrbücher. Im J. 1870 berief ihn die israelitische Gemeinde zu Frankfurt a. M. zu ihrem Rabbiner. Hier gründete er 1874 die Zeitschrift „Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur“, die er in 10 Bänden bis 1890 fast ohne Mitarbeiter herausgab. Die Jahrbücher bergen einen reichen litterarischen Wissensschatz, sie erhielten eine Fortsetzung im „Centralanzeiger für Jüdische Litteratur“ (Frankfurt a. M. 1891), von dem B. aber nur 4 Nummern herausgab; die letzte Nummer (September-December 1890) redigirte M. Steinschneider, der nach Mittheilungen von Dr. Adolf Brüll einen kurzen Nekrolog schrieb, dem wir die thatsächlichen Angaben dieses Artikels verdanken. B. war Mitarbeiter der Allgemeinen Deutschen Biographie. Seine erstaunliche Belesenheit in der jüdischen Litteratur befähigte ihn zur Herausgabe der zweiten Auflage von Zunz’ Gottesdienstlichen Vorträgen (Frankfurt a. M. 1892). Die Ausarbeitung eines Ergänzungsbandes beschäftigte ihn die letzten Jahre seines Lebens, bevor er aber an die Niederschrift desselben ging, ereilte ihn der Tod. In seinem Nachlasse fanden sich nur planlose Notizen, aus denen kein Zusammenhang hergestellt werden konnte. B. huldigte den Reformbestrebungen des Judenthumes, ohne selbst führend vorzugehen. Seine Milde und übergroße Bescheidenheit hielten ihn stets zurück, Leiter einer Partei zu werden.

A. Freimann.