ADB:Erchanger

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Artikel „Erchanger“ von Paul Friedrich von Stälin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 186–187, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Erchanger&oldid=1785380 (Version vom 24. April 2014, 12:10 Uhr UTC)
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Erchanger, Prätendent des schwäbischen Herzogstuhls, † 917. Als sich in den Zeiten der späteren Karolinger bei den einzelnen deutschen Stämmen die herzogliche Gewalt entwickelte, fehlte es auch in Schwaben nicht an derartigen Bestrebungen. Sogleich nach dem unglücklichen Ende Burkhards[1], Markgrafen von Rätien[2] und Grafen in der Baar, tritt das Gebrüderpaar E. und Berthold[3] mit ähnlichen Versuchen auf, allein ihre, wie es scheint, dereinst in Liedern und Sagen verherrlichte Geschichte ist im einzelnen mannigfach dunkel. Ihrer Abkunft nach werden sie am wahrscheinlichsten für Enkel des Grafen Erchanger vom Nordgau und Breisgau gehalten; ihr Amt – der freilich für ihre Geschichte nur mit Vorsicht zu benutzende ausführlichste Darsteller ihrer Geschicke, Ekkehard II., nennt sie nuntii camerae, Kammerboten – wird wol am richtigsten [187] als ein Uebergang von den karolingischen Königsboten zu den späteren Pfalzgrafen aufgefaßt. Im J. 913 erfochten beide in Verbindung mit den Argengaugrafen Ulrich und dem Herzog Arnulf von Baiern am Inn einen glänzenden Sieg über die damalige große Plage Deutschlands, die Ungarn. Zwar waren sie zur Zeit bereits mit König Konrad I. in Zwist gerathen, allein es erfolgte jetzt eine Aussöhnung, welche die Vermählung Konrads mit ihrer Schwester Kunigunde, Wittwe des Grafen Luitpold und Mutter des Herzogs Arnulf von Baiern, bekräftigen sollte. Allein im J. 914 kam E. mit dem ehrgeizigen und vielvermögenden Bischof Salomo von Constanz, Abt von St. Gallen in Conflict und nahm ihn gefangen, worauf er selbst in die Hände König Konrads fiel und mit Landesverweisung bestraft wurde. Nach einer vergeblichen Erhebung Herzog Arnulfs für seinen Oheim steckte nun aber der Sohn des genannten Burkhard[4], Burkhard der Jüngere, die Fahne der Empörung in Schwaben auf, mit ihm verband sich der zurückgekehrte E. sammt seinem Bruder, und sie siegten im J. 915 bei Wahlwies unfern Stockach über die Anhänger des Königs, worauf E. in Schwaben als Herzog anerkannt wurde und auch der vertriebene Arnulf nach Baiern zurückkehrte. Vor die im September 916 zu Hohenaltheim im Ries tagende Synode der deutschen Bischöfe wurden alle diese Aufrührer vorgeladen: E. insbesondere erschien in der Hoffnung gütlicher Ausgleichung der Sache und wurde wegen Versündigung am König und am Bischof Salomo zur Niederlegung der Waffen und zu lebenslänglicher Buße im Kloster verurtheilt. Allein vier Monate nachher wurde er mit seinem Bruder, dessen Verhalten zu obiger Synode nicht ganz klar ist, und seinem Neffen Luitfried den 21. Jan. 917 auf Befehl König Konrads, gegen welchen deshalb schon von alter Zeit her schwere Anklage wegen Arglist und Treubruchs erhoben worden, zu „Adingen“ (einem nicht sicher zu ermittelnden Ort) durch das Schwert gerichtet, während es dem Genossen seiner Empörung, obigem Burkhard[4], alsbald gelang, sich für die Dauer zum Herzog von Schwaben zu erheben.

Vgl. Christoph Friedrich v. Stälin, Wirtemberg. Geschichte I. 266–272. K. H. Frhr. Roth v. Schreckenstein in Forschungen zur deutschen Geschichte 6, 131–146. Ernst Dümmler, Gesch. des ostfränkischen Reichs, Bd. II, öfters (s. das Register).
P. Stälin.

[Zusätze und Berichtigungen][Bearbeiten]

  1. Z. 8 v. u. l.: Burchards. [Bd. 6, S. 795]
  2. S. 186. Z. 7 v. u. l.: Rhätien. [Bd. 6, S. 795]
  3. Z. 7 v. u. l.: Bertold. [Bd. 6, S. 795]
  4. a b S. 187. Z. 13 und 27 v. o. l.: Burchard. [Bd. 6, S. 795]