ADB:Friedrich (Erzbischof von Mainz)

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Artikel „Friedrich, Erzbischof von Mainz“ von Ernst Ludwig Dümmler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 549–552, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_(Erzbischof_von_Mainz)&oldid=1703238 (Version vom 25. Juli 2014, 18:18 Uhr UTC)
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Friedrich, Erzbischof von Mainz, Nachfolger des am 31. Mai 937 verstorbenen Hildebert auch als Erzcaplan und durch Ernennung P. Leo VII. päpstlicher Vicar für Deutschland, wurde wegen seiner geistlichen Tugenden gerühmt, zeigte aber in politischer Hinsicht sich nur insofern zuverlässig, als er stets zu den Gegnern Ottos des Großen zählte. Die Gründe seiner reichsfeindlichen Haltung bleiben uns unklar und vergeblich suchen wir nach Belehrung bei den Zeitgenossen. Als Zeuge der Stiftung des Morizklosters tritt uns F. zuerst im September 937 auf einer Versammlung in Magdeburg entgegen, seiner Vermittlung verdankt es sodann Herzog Eberhard von Franken, daß er mit einer leichten Haft als Strafe seiner ersten Auflehnung im Herbste 938 davonkam. Als im folgenden Sommer Otto gegen die aufsässigen Herzöge vor Breisach im Felde lag, übernahm der Erzbischof abermals die Vermittlung, doch nur um Eberhard in die Hand zu arbeiten und bald darauf, nachdem er noch andere Bischöfe zum Abfalle verleitet hatte, verließ er selbst heimlich das Lager, sich in Metz mit den anderen Aufständischen zu verbinden. Der jähe Untergang Eberhards und Giselberts bei Andernach machte alle diese Pläne zu Schanden, F., dem selbst die Mainzer ihre Thore verschlossen, mußte sich dem Könige gefangen geben, der ihn wahrscheinlich nach der fuldischen Besitzung Hamelburg, unter [550] Aufsicht des Abtes Hadamar[WS 1] verbannte. Schon im folgenden J. 940 erlangte er die Freiheit wieder und kehrte mit bitterem Grolle gegen den Abt, der ihn bei unerlaubtem Briefwechsel ertappt hatte, an seinen Sitz zurück. Bald nachher schon traute man ihm wieder zu, an dem verruchten Anschlage betheiligt gewesen zu sein, durch welchen auf Anstiften des jüngeren Bruders Otto zu Ostern 941 ermordet werden sollte. Die Abendmahlsprobe, der F. sich vor allem Volke unterzog, mußte jedoch diesen Verdacht entwaffnen. Es folgten friedlichere Tage, in denen wir den Mainzer Erzbischof, wie es seine Stellung erforderte, öfter in der vertrauten Umgebung des Königs erblicken. Er begleitete ihn auf jenem großen Kriegszuge, welcher im J. 946 die Deutschen als Verbündete der westfränkischen Krone bis vor Rouen brachte und nahm thätigen Antheil an der Zurückführung des verdrängten Erzbischofs Artold von Reims auf seinen Sitz. In dem gleichen Sinne wirkte er auf der großen Synode zu Ingelheim am 7. Juni 948 mit, welche der päpstliche Legat Marinus unter sehr zahlreicher Betheiligung der deutschen und mit einigen französischen Bischöfen abhielt, um gegen den Herzog Hugo und seine Pläne sowol die Reimser Kirche als auch Ludwigs königliche Würde zu sichern. An diesen Aufenthalt des päpstlichen Legaten auf deutschem Boden knüpfen sich zwei kirchliche Stiftungen, die den Erzbischof F. aufs nächste berührten und zum Theil von ihm ausgingen. Für die slavischen Landschaften zwischen der unteren Elbe und der Oder wurden, wahrscheinlich gleichzeitig am 1. October 948, die beiden Bisthümer Havelberg und Brandenburg errichtet, durch welche der ohnehin schon soweit ausgedehnte Mainzer Metropolitansprengel nun auch über die Elbe hinaus sich erstrecken sollte. Wie wir hier den Erzbischof und den König in gutem Einvernehmen zusammenwirken sehen, so schien es auch weiterhin der Fall zu sein, als Otto im Herbste 951 zum ersten Male die Alpen überschritt und mit der Hand Adelheids zugleich die italienische Königskrone gewann. F. begleitete den König und reiste von Pavia aus zusammen mit dem Bischofe von Chur nach Rom, um Otto bei dem Papste Agapit eine geneigte Aufnahme zur Kaiserkrönung zu erwirken. Seine Sendung scheiterte an dem Widerstreben des in Rom gebietenden Fürsten Alberich[WS 2]. Gleich darauf kehrte er nach Deutschland mit Ottos Sohn, Liudolf, zurück und feierte mit diesem bereits das Weihnachtsfest zu Saalfeld in Thüringen. Von hier sollen die ersten Fäden zu einer neuen Verschwörung angesponnen worden sein, zu welcher Liudolfs Mißvergnügen über die zweite Vermählung seines Vaters und die daran geknüpften Befürchtungen, den ersten Anlaß gaben. Sogleich kam indessen diese Bewegung nicht zum Ausbruche, vielmehr fand Anfang August 952 zu Augsburg noch unter allseitiger Betheiligung ein Reichstag und eine große Synode, letztere unter dem Vorsitze des Erzbischofs F. statt. Während auf jenem die Könige von Italien Otto als Oberherrn huldigten, beschloß diese 11 Kapitel über Kirchenzucht und über die Zehnten, wodurch sie meist nur äußere Satzungen wiederholte. Inzwischen hatte sich die Verstimmung in der königl. Familie gesteigert, Ottos Schwiegersohn, Herzog Konrad von Lothringen, trat auf Liudolfs Seite, Herzog Heinrich von Baiern, Ottos jüngerer Bruder, der am Hofe durch die Gunst der Königin Adelheid jetzt in hoher Geltung stand, bildete durch seine Anmaßung den Gegenstand ihres gemeinsamen Hasses. Dafür, daß jetzt auch der Mainzer Erzbischof ihre Partei ergriff, ist außer seiner alten Abneigung gegen den König kein rechter Grund ersichtlich, es sei denn, daß er sich durch die Erhebung von Ottos Bruder, Brun, zum Erzcaplan auch für Deutschland verletzt und beeinträchtigt glaubte. Schon waren die Lande am Oberrhein in unruhiger Bewegung, als Otto zur Osterfeier 953 nach Mainz kam, wo F. während der 40tägigen Fasten mit frommen Uebungen beschäftigt, zu seinem [551] Empfange übel gerüstet war. Zu dem Könige, der als Gast einige Tage in Mainz verweilte, kamen auf Friedrichs Veranstaltung scheinbar unbefangen Konrad und Liudolf, um sich vor ihm zu rechtfertigen. Unter Vermittlung des Erzbischofs mußte Otto, der sich in der Gewalt der Verschwörer sah, auf alle ihre Beschwerden gegen Heinrich eingehen und durch einen verbrieften Vertrag Erfüllung ihrer Wünsche verheißen. Zu Dortmund in der Mitte der Seinigen zerriß der König alsbald die erzwungene Zusage und entschloß sich zu feindlichem Vorgehen gegen die Widersacher, doch wandte sich der allgemeine Unwille nicht am wenigsten gegen den Erzbischof, der heuchlerisch unter dem Scheine des Vermittlers ihre Absichten gefördert hatte. Eine Reichsversammlung zu Fritzlar, etwa im Mai, machte den Bruch nur unwiderruflich und auch der Erzbischof wurde nach den Anschuldigungen Heinrichs als ein Genosse der Empörung betrachtet. Offen schloß er sich ihnen dennoch nicht an, vielmehr zog er sich aus dem Getümmel des Bürgerkrieges zu beschaulicher Ruhe nach Breisach zurück. Seinen Sitz, Mainz, hatte er vorher den Gegnern des Königs als Hauptwaffenplatz überlassen und dadurch das Unheil des Krieges vorzüglich gegen diesen Ort gelenkt, der bald von dem Könige belagert wurde. Er selbst, dem Otto seit dem Frühjahr das Kanzleramt entzogen hatte, blieb den Ereignissen gänzlich fern und lebte, ohne seines Amtes zu warten, als Einsiedler. Erst Mitte Juni 954 tauchte er auf einer Versammlung zu Langenzenn bei Nürnberg wieder auf, welche zur friedlichen Verhandlung mit der Gegenpartei verabredet worden. Hier erbot sich F., seine Unschuld vor welchem Gerichte Otto wolle durch einen Reinigungseid zu erweisen, da er niemals Widriges gegen ihn im Schilde geführt und nur seinem Zorne sich entzogen habe. Dem Könige genügte diese Bereitschaft, er erbat sich von ihm die Zusage, fortan wenigstens durch seine Rathschläge Frieden und Eintracht zu fördern und in der That kehrte unter seiner Mitwirkung Konrad zur Treue zurück, während die Unterhandlungen mit Liudolf noch nicht sogleich zum Ziele führten. Den Abschluß dieser Händel, welchen ein Reichstag zu Arnstadt bringen sollte, erlebte F. nicht mehr, er starb nach längerer Krankheit in christlicher Ergebung am 24. oder 25. Octbr. des nämlichen Jahres, um Ottos Sohne, Wilhelm, Platz zu machen. Der kirchliche Eifer Friedrichs, der außer auf den beiden großen Synoden von Ingelheim und Augsburg auch auf einer Mainzer Provinzialsynode (zwischen 950 und 954) Ausdruck fand, wird von allen Zeitgenossen rühmend anerkannt. Man pries ihn als einen sehr frommen Mann von großer Strenge und Enthaltsamkeit, freigebig in Almosen und von beredter Predigt. Lebhaft lag ihm die Bekehrung der Juden am Herzen, über deren Behandlung er sich von einem gelehrten Priester Gerhard Auskunft aus älteren Autoritäten erbat. Auch den Papst Leo VII. fragte er um Rath, ob es besser sei, die Juden zum christlichen Glauben zu zwingen oder gewaltsam auszutreiben. Der Papst verbot, sie wider ihren Willen zu taufen, gestattete aber ihre Vertreibung, wenn sie sich nicht gütlich wollten bekehren lassen. In Mainz wird auf F. der Bau des St. Petersklosters zurückgeführt, er wirkte übrigens gleich seinem Zeitgenossen Adalbero von Metz für Herstellung der strengen Benedictinerregel in den lau gewordenen Klöstern seines Sprengels, freilich, wie man argwöhnte, nicht in lauterer Gesinnung, sondern um damit dem verhaßten Abte Hadamar von Fulda etwas anzuhaben. Bei der Stiftung der beiden slavischen Bisthümer ist seine Mitwirkung urkundlich bezeugt. Seine politische Gegnerschaft gegen Otto, welche in den Augen der Menge der Sache Liudolfs und Konrads großen Vortheil brachte, wurde von manchen entschuldigt und in Schutz genommen: wir vermögen, da uns die wahren Beweggründe seines Handelns verborgen bleiben, nur in das verwerfende Urtheil der siegreichen Partei einzustimmen, doch hat ja auch Otto ihm zuletzt [552] seine Schuld verziehen, so daß sein Tod ein versöhnender war. Zu St. Alban in Mainz wurde er begraben.

Köpke und Dümmler, Kaiser Otto der Große, Leipzig 1876. Will, Regesten d. Mainzer Erzb., Innsbr. 1877.
E. Dümmler.


Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. Hadamar, Abt von Fulda (gest. 956)
  2. Alberich II. von Spoleto, (vor 915 bis 954)