ADB:Geiler, Johannes
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Geiler: Johannes G. von Kaisersberg, so genannt nach dem Wohnort seines Großvaters, der ihn erzogen hatte, war geboren am 16. März 1445 zu Schaffhausen. In dieser Stadt, die damals noch unter österreichischer Herrschaft stand, war sein Vater Johannes G. als Gehülfe des dortigen Notars beschäftigt. 1446 als Stadtschreiber nach Ammersweiher im Elsaß übergesiedelt, starb der Vater Geiler’s schon 1448, indem er bei der Verfolgung eines Bären, der die Weinberge des Ortes verwüstete, eine tödtliche Wunde erhielt. Die Mutter, Anna Zuber, lebte bis zu ihrem hohen Alter mit dem Sohne zusammen. Den Knaben nahm sein trefflicher Großvater zu sich, ließ ihn aber die Schule im benachbarten Ammersweiher besuchen. 1460 ging G. auf die eben eröffnete Universität Freiburg über und ward hier 1462 b:-tcOs,1-tureus :-u–tju111- 1463 Magister. 14(z5 laß er über die 8u111ma des Alexander Hales, 1466 über die Bücher c1e anime; und bekleidete 1469 und 1470 daß Decanat der philosophischen Facultät. 1471 siedelte er an die ebenfalls vor Kurzem begründete Universität Basel über, wo er zugleich in die philosophische und theologische Facultät aufgenommen, an der letzteren als Stellvertreter des Titularprofessors Vorlesungen hielt. 1474 ward er Decan der philosophischen Facultät und Baccalaureus der Theologie, 1475 Doctor und ordentlicher Professor der Theologie. 1476 kehrte er auf einen durch die Freiburger Bürgerschaft veranlaßten Ruf an diese Universität zurück und ward hier für daß nächste Wintersemester zum Rector erwählt. Allein schon im folgenden Jahre verließ er Freiburg und überhaupt die Lehrthätigkeit an der Universität. Bürger von Würzburg, die ihn in Baden bei einem Kuraufenthalt hatten predigen hören, erwirkten seine Berufung als Prediger in ihre Vaterstadt, indem sie durch eigene Beiträge ihm ein Gehalt von 200 Goldgulden sicherten. Doch ei gelang anderen ihn vielmehr für die Hauptstadt seines Heimathlandes zu gewinnen. Als G. von Würzburg nach Basel reiste, um seine Bücher abzuholen, stellte ihm der Ammeister von Straßburg, Peter Schott, die Verpflichtung gegen seine elsässischen Landsleute so lebhaft vor, daß er sich bewegen ließ in Straßburg zu bleiben. Peter Schott Und seine Freunde erwirkten durch erhebliche Geldopfer (jährlich waren 30 Goldgulden an den Bischof zu zahlen; die Gesammtzahlung wird auf 500, selbst auf 1200 Goldgulden angeschlagen), daß G. als Prediger der Lorenzkirche und als Kapellan [510] des Bischyfs im Münster zu predigen beauftragt ward. Erst 1489 ward diese Anstellung endgiltig festgesetzt, nachdem Anträge von auswärts her das Verbleiben Geiler’s in Frage gestellt hatten. Namentlich hatte der 1486 erwählte Bischof von Augk-burg, Friedrich von Hohenzollern, der in Freiburg Geiler’s Nachfolger im Rectorat gewesen war und in Straßburg als Decan der Kathedrale sich innig mit ihm befreundet hatte, den lebhaften Wunsch G. in seiner Nähe zu besitzen. G. suchte mit anderen Straßburger Freunden noch im Juli desselben Jahres B. Friedrich in Dillingen auf; im September 1488 kam er nach Augsburg, um dort zu predigen und kehrte erstAnfang 1489 nach Straßburg zurück. Noch einmal besuchte er Bischof Friedrich, als er vom Kaiser Maximilian 1503 nach Füßen im bairischen Gebirge berufen wurde zur Besprechung wichtiger Angelegenheiten. Kaiser Maximilian hatte schon früher bei seinen häufigen Besuchen in Straßburg Geiler’s Predigten gern gehört und ihn 1501 zum kaiserlichen Kaplan ernannt. Für G. war an der Straßburger Stellung besonders angenehm, daß er hier zum Beichthören weniger verpflichtet war, da seine übergroße Gewissenhaftigkeit dieß Amt ihm und den Beichtenden beschwerlich machte. Auch fühlte er sehr wol, daß seine Begabung ihn auf ein Wirken in größeren Kreisen hinwies. Er predigte alle Sonn- und Festtage, in der Fastenzeit täglich; und zwar nicht nur im Münster, sondern überdies in mehreren Klöstern, besonders dem der Reuerinnen in der Magdalenengasse, in welchem er die reformirte Ordnung eingeführt hatte. Selbst außerhalb Straßburgs predigte er, besonderes an Kirchweihtagen, vor allem in der geliebten oberländischen Heimath. Als .Prediger des Münsters hatte er namentlich auch die Synodalreden und die Leichenpredigten beim Tode der Bischöfe zu halten, und hier machte er seine Reformbestrebungen mit aller Kraft geltend. Mit einem Freimuth ohne Grenzen, der am Grabe der verstorbenen Bischöfe selbst als Härte erscheinen mochte, schalt er die Verderbtheit des Clerus, wies er auf die Nothwendigkeit der Besserung hin. So am 17. November 1478 am Grabe B. Roberts, so bei der Eröffnung der Synode zu Straßburg am 18. April 1482 (die erste gedruckte Predigt Geiler’s), so in der Rede auf B. Albrecht am 14. October 1506. Daß B. Albrecht die päpstliche Erlaubniß in der Fastenzeit Butter und Eier zu essen auch für Straßburg erwirkte und sich freilich damit eine neue Einnahmequelle eröffnete, hat G. ihm immer wieder zum Vorwurf gemacht. Nicht minder entschieden aber trat G. den bürgerlichen Einrichtungen und Gewohnheiten Straß- burgs entgegen, wo -diese gegen seine strengen Forderungen verstießen. Auch in diesen Kreisen vertrat er die Armen und Verlassenen. 1481 bei einer Hungersnoth sollte er nach den Rathsprotokollen aufgefordert haben mit Gewalt die Kornvorräthe der Reichen zu nehmen und sie hinterdrein zu bezahlen. Und 1502 fand er in seiner Kanzel einen Zettel, er möge den Rath mahnen daß Volk mit seinen Steuern nicht zu erdrücken. Erfolgreich war 1485 seine Bemühung den zum Tode Verurtheilten die Communion zu erwirken, freilich erst nach harten Kämpfen gegen den Magistrat und die diesem zur Seite tretenden Mönchsorden, und erst nachdem G. und seine Freunde eine Entscheidung der Heidelberger Universität zu ihren Gunsten erlangt und den päpstlichen Nuntius um Beistand angegangen hatten. Weniger glücklich war G. den Gesetzen gegen- über, welche Testamente der Geistlichen nicht zuließen und den in daß Kloster tretenden die Erbfähigkeit absprachen. Ein Vorfall von 1493, in welchem er sich gegen die ersteren auflehnte, zog ihm heftige Feindschaften zu. Bittere Aeußerungen q über solche Erfahrungen – er sollte gesagt haben, daß die städtischen Behörden mitsammt ihren Vorfahren und Nachkommen alle des Teufels wären – zogen ihm 1500 eine Untersuchung zu, welche ihn 1501 veranlaßte seine Beschwerden in 21 Artikeln zusammenzufassen (jetzt gedruckt bei Dacheux s. u.). Außer den [511] s schon genannten Dingen sind es namentlich die öffentlichen Spiele und die davon den Stadtbeamten– zufallenden Einkünfte, über die er sich beklagt; ferner die Verwaltung der Spitäler, welche sich weigerten die an der damals einreißenden Lustseuche Erkrankten aufzunehmen; endlich die Entweihung der kirchlichen Feste – durch allerhand unschickliche Späße, besonders durch den Roraffen, eine Figur an der Kanzel, aus welcher zu Pfingsten den zu Procession und Messe Bersammelten höhnische, oft unfaubere Lieder und Witze entgegengesungen wurden. Der weitere Verlauf dieser Angelegenheit ist unbekannt. Vielleicht, daß der Rath diese Beschwerden stillschweigend fallen ließ. Er mochte glauben mit früheren Zugeständnissen genug gethan zu haben, durch die Abschaffung des aus uralter Zeit stammenden Umzuges des wilden Weibes von Geispoldsheim zu Fastnacht u. a. Es ist begreiflich, daß diese Volkslustbarkeiten doch auch ihre Anhänger hatten und daß diese die Zahl der Feinde Geiler’s vermehrten. Ganz besonders waren es aber die geistlichen Orden, welche sich G. feindselig entgegenstellten. War doch schon seine Anstellung gegen sie gerichtet. Um nicht den Orden die Predigt ganz zu überlassen hatten Peter Schott und seine Freunde die Stelle Geiler’s gestiftet, welche nur von einem Weltpriefter eingenommen werden sollte. Dann hatte G. selbst die härtesten Ausdrücke über die nicht reformirten Klöster gebraucht. Doch nicht alle Orden verurtheilte er: die Karthäuser und die Johanniter am grünen Wörd – dies freilich auch eine Stiftung frommer Laien – hatten seine volle Anerkennung und Freundschaft. 1480 hatte er auf einer Wallfahrt nach Einsiedeln auch Nicolaus von der Flüe besucht; einen Waldbruder in der Nähe seiner Heimath, Namens Sebastian, hielt er hoch. G. selbst fühlte zu Zeiten in sich den Trieb sich von der Welt zurückzuziehen und war 1501 im Begriff sich mit Wimpheling und Christoph von Utenheim in die Einsamkeit zu begeben, als durch die Wahl des Letztgenannten zum Bischof von Basel der Plan vereitelt ward. In diesen freundschaftlichen Verhältnissen zeigte G., daß er mit der klarsten Crkenntniß der Mißbräuche in Kirche und Gesellschaft und mit dem stärksten Willen, sie zu bekämpfen, auch ein Gemüth verband, daß friedlicheren Regungen sich öffnete. Es waren nicht nur hochstehende Männer, denen er als geistlicher Rathgeber diente: Kaiser Maximilian, die Bischöfe Friedrich von Augsburg, Christoph von Basel, später Philipp von Köln. Bor allem nahe trat ihm die Familie Schott. Peter Schott’s Gattin hatte den ersten Anstoß zur Berufung Geiler’s gegeben; sein gleichnamiger Sohn wuchs unter Geiler’s Obhut heran und vertauschte, dem Wunsche des Vatersentgegen, die mit glänzendem Erfolge begonnenen juristischen Studien mit den theologischen. Er gab die von G. mit großen Kosten auf Reisen nach Lyon und Marseille 1483 gesammelten Werke Gerson’s 1488 heraus. Als er 1490 kaum 33jährig starb, sammelte G. seine Briefe und Gedichte, welche unter dem Titel „1.u0ubratju110u18O“ 1498 erschienen. Der Herausgeber war ein anderer Freund Geiler’s, der Humanist Wimpheling. Dem Humanismus geneigt zeigte sich G. auch durch die Anerkennung, die er Sebastian Braut zollte. Dessen Berufung nach Straßburg 1501 hatte er lebhaft befürwortet und rechnete auf ihn für die Begründung des Gymnasiums zu Straßburg, welche Wimpheling damals betrieb und welche durch dessen Zögling Jacob Sturm, den Urenkel Peter Schott’s, später verwirklicht wurde. G. Iannte und schätzte die humanistischen Studien; seine Bibliothek, obwol überwiegend theologisch, umfaßte doch auch Poeten und Historiker. Sie zu benutzen, neben der ausgedehnten Predigerthätigkeit, machte er durch den sorgfältigsten Gebrauch seiner Zeit möglich. Bei Tisch ließ er sich daraues vorlesen, wenn er sich nicht mit Freunden in witziger Unterhaltung erging. Zum einfachsten Leben nöthigte ihn–schon seine Wohlthätigkeit, welche ihn auch die Geschenke seiner Freunde nicht schonen ließ. Seine Gesundheit war zuletzt durch ein Nierenleiden gestört. [512] 1505 machte er sein Testament, das uns erhalten ist, und fügte 1507 vor einer Reise noch einen Nachtrag hinzu. Er starb am 10. März 1510. Er ward im Münster begraben, !zu Füßen der Kanzel, welche 1486 Peter Schott für ihn hatte kunstreich herstellen lassen. Sein Leben beschrieb in eleganter Kürze Beatus Rhenanus. Diese Vita- 1510 erschienen, ist dann mehreren Ausgaben Geiler’scher Werke, z. B. den lateinischen Predigten über das Narrenschiff, angehängt worden. Als Ergänzung dient die ebenfalls 1510 erschienene Schrift Wimphelings „1u .1o:-mnjs 1LOis1sp0rgjj 1110rtem p1u,n(:rus er 1aments„tjo cum a1jqusij 7ite Sue (1es0rj1zti011S“„ welcher eine ganze Anzahl von Trauergedichten anderer Verfasser angehängt sind. Ein Bild Geiler’s findet sich auf dem Titel mehrerer Werke, die Predigten von ihm enthalten, so vor dem deutschen Paternoster und der deutschen Passion in Gestalt eines Lebkuchens, wo er auf der Kanzel stehend dargestellt ist; am besten aber ist daß Brustbild vor der Postille 1522, welches neuerdings öfter wiederholt worden ist, unter Anderem bei Dacheux. Es zeigt daß ernste Gesicht des Predigers, mit starker Nase und herabgezogenen Mundwinkeln, mit lockigem Haar. Seine Gestalt war groß und mager. Von Geiler’s rednerischer Begabung und Wirksamkeit geben die zahlreichen und umfänglichen Werke, die unter seinem Namen gedruckt sind, doch kein vollständiges und kein zuverlässiges Bild. Er war eben Redner,. nicht Schriftsteller. Unbekümmert um litterarischen Nachruhm, strebte er mit aller Kraft nach der tiefsten Wirkung auf seine Zuhörer. Wol sandte er zuweilen einzelne Predigten ausgearbeitet an befreundete Personen; aber nicht einmal daß, was er auszgearbeitet hatte, ließ er ohne besondere Veranlassung in den Druck kommen. Und die meisten Predigten sind niemals deutsch von ihm (jusgearbeitet worden. Wenn Beatus Rhenanus rühmt, daß er sich auf daß Sorgfältigste vorbereitet und die Predigten wörtlich, wenn auch ohne stilistische Sorgfalt, aufgeschrieben habe, so bezieht sich dieß auf die lateinischen Grundzüge, welche zum Theil allerdings noch in den letzten Jahren Geiler’s, aber von anderen veröffentlicht worden sind. Aber schon frühzeitig begann man seine Predigten nachzuschreiben und diese Nachschriften in den Druck zu geben. Dabei mußten natürlich dieselben Reden bei späterer Wiederholung, z. B. die in Straßburg gehaltenen bei nochmaligem Vortrag in Augsburg, in sehr verschiedener Weise aufgefaßt werden. Unmittelbar nach Geiler’s Tod entwickelte sich eine förmliche Industrie in der Veröffentlichung seiner Reden und Schriften. Besonders thätig erwies sich die Grüninger’sche Druckerei in Straßburg und sicherte sich durch die Erwirkung kaiserlicher Privilegien, wie sie hier ziemlich zuerst auftreten, gegen Nachdruck. Die Herausgeber nahmen überdies vielfach die damals so blühende Holzschneidekunst zu Hülfe und so erschienen die Augsburger Ausgaben mit Holzschnitten von Hans Burkmair, die Straßburger mit solchen von Hans Baldung Grün, Mentelin, Ursus Graf u. a. geschmückt. Manche der hierher gehörigen Passionen sind mehr Texte zu Holzschnitten, als: daß diese Illustrationen zu nennen wären. Es ist nun leicht zu ersehen, wie auf diesem Wege eine sehr verschiedenartige Litteratur entstand, die Geiler’s Namen trug; und die Nachlässi gkeit neuerer Litteratoren hat die Verwirrung noch vermehrt. Im Folgenden soll versucht werden diese Verwirrung aufzulösen, wesentlich auf Grund der reichen Sammlung von Werken Gciler’s, die die Freiburger Universitätsbibliothek besitzt. Hülfreich sind dabei allerdings besonders die bibliographischen Notizen und Uebersichten von Dacheux. – Von einer selbstpublicirten Schrift spricht G. (22-4rb0rs 11umA118.“ 1521 ko!. 173tt): „Was man aber ein fragen sol an dem totbet, ermanen und betten, als Gerson leret, das hab ich zuo tütsch gemacht und lassen trucken, es kost ein pfenning, das kauff.“ Er meint den kurzen Tractat(1): „Wie man sich halten sol by eim sterbenden menschen“ (o. O. u. J.; dann 1482). ZU Grunde liegt Gerson’s [513] 0pus trjpzrtjtun1„ das: G. später Vollständig übersetzt hat (l7). Im „1ntr0äuc– torju111 in Spec. ksb. 1r stellt er, wie es scheint, dieß Büchlein zusammen mit (1l) einem Beichtbüchlein, dessen Neudruck Dacheux in Aussicht gestellt hat. Vermuthlich ist es ein anderer Theil des „0pus trj138.rrjtum“; eine Bearbeitung davon scheint daß folgende Reimwerk: „Dis büchlin wiset wie sich ein yeglicher cristenmensch schicken soll zuo einer gantzen volkomnen vnd gemeiner beycht. vnd ist gebredig vnd corrigieret worden durch doctor Keiserßberg zuo Straßburg" (Basel, Nicolaus Lamparter, o. J.). Dann hat G. gewiß den Druck besorgt von der lateinischen Synodalrede des J. 1482 (ll1) „0rztjo 11zbjtz ju 8j110(10“ (o. J. Straßburg, Schürer; wiederholt u. A. in 1)c)(; übersetztvon Wimpheling, s. u. I0(11). Als ein (17) Werk, das er selbst veröffentlicht hat, ist die Sammlung von sieben Tractaten zu bezeichnen, welche sich näher oder freier, letzteres namentlich in den Einleitungen, an Schriften Gerson’s anschließen: „Das irrig schaf“, „Der hellisch lew“, „Die kristenlich künigin“, „Der dreieckecht spiegel“, „Der eschengrüdel“, „Das klappermaul“, „Der trostspiegel“ (o. O. u. J. bei Schürer, also zu Straßburg gedruckt; dann Straßburg, Grüninger 1514). Der dreieckecht spiegel (auch als „spiegel derseelen“ bezeichnet) ist daß- 01Jus trjpArtitum Gerson’s, woraus (1) und wol auch (11) als Einzelschriften Geiler’s schon früher geflossen waren; in der Gesammtübertragung werden die einzelnen Theile bezeichnet als „Von den gebotten, von der beicht, vnd von der kunst des wol sterbents. So war auch bereits früher einzeln, aber nicht Von G. selbst in den Druck gegeben, erschienen (7) „Der Troftspiegel“, o. O. u. J.; Basel, Olpe o. J.; Straßburg 1503, 1511, 1519; Augsburg 1505, 1507, 1508, 1513; auch in später Zeit ward diese Schrift öfters wiederholt. Gleichfalls von G. abgefaßt, aber nicht zum Drucke besorgt, sind (D’1) „Ein heylsame lere und predig“ o. O. u. J.; o.O. 1489, 1490; und unter dem Titel „Der bawm der selen heil und der seligkeit“, Frankfurt a. O., Martin Tretter 1502, nachgedruckt; (k’11) „J. G. v. Ein sendtbrieff gethon an die würdigen Frauwen zu den Reuweren zu Freiburg im Breisgau“, Straßburg 1499. Sicher durch andere, aber mit Geiler’s Zustimmung, veröffentlicht sind: (D’11l) -.1Jpjst018 e1ege1,ntjsjmz t1. 1c. (ls 1110(l0 1Jre(ilj(“ä11(1j c10mj11iOA111 1J88Sj011Sm er c1(z 11u(1jtstts 0ruciti1j“„ in Wimpheling’s Schrift VS j11tsgrjtats 1505 aufgenommen;,(1F) „l9asj011is 0111–istj u11um er quettu01– emi1g’sijstjs tsitums wozu die Vibelworte zusammengestellt Und Ringmann Philesius die Correctur und die Verdeutschung übernommen hatte glateinisch o. J.; dann Straßburg, Knobloch 1508 u. ö., deutsch 1506 u. ö.); endlich ebenso wie dieß mehr ein Bilderwerk mit biblischem Text: 0c) „Der Passion oder dz leyden C. noch dem text der fyer Evangelisten wie jn dann der hochgelert J. G. von K. zu Straßburg järlich geprediget hatt“ (s. u. zu 1IW111). Wichtiger sind die Publicationen, mit denen in den letzten Jahren Geiler’s und nach seinem Tode sein„Hausgenosse, der Priester am Kloster der Reuerinnen Jacob Otther aus Speier mehrere Predigtsammlungen Geiler’s bekannt machte: sie enthalten die lateinischen Aufzeichnungen des Predigers, zwischen denen einzelne deutsche Ausdrücke erscheinen. So 0(1) „1?rsgmsi1ts„ pASSi0nis Sub tz–p0 p1a0ente 111z11es Straßburg, Schürer 1508. 1510. 1511; (?cIl) .-1)8 0r8tjo11S ä0111jnj0a Straßburg, Schürer 1509. 1510. 1515; (IcllI) „Na– 3–j0u1E1 Sjye Spe0u1u111 t“ettu0rum“ o. O. u. J., 1511, Straßburg, Knobloch 1513; 0(1l’ ) „N8„yj(:u1a pc–z11jtentjs Straßburg, Schürer 1511. 1512. 1518. 1517. 1519; Augsburg, Otmar 1511; und schon 1512 von Dr. J. v. Eck zu einem Schiff des Heils umgearbeitet; 00’) „k’sregrjnus„ Straßburg, Schürer 1513. Außerdem gab Otther noch folgende deutsche Sammlungen heraus: nach den Aufzeichnungen der Reuerinnen in Straßburg, deren Text G. 7III. 33 [514] noch selbst durchgesehen hatte 0c71) „Der feelen paradiß“, Straßburg, Schürer 1510; und „nach Meinung und Unterweisung eigener des Verfassers (I(71l) „Christenlich bilgerschafft“, Basel, Adam Petri von Langendorff 1512, wobei Otther frühere Drucke unvollkommen und ungerecht und ohne Zuthun Geiler’s ihm zugeschrieben nennt. Damit ist offenbar gemeint (1711l) „Der Pilger", 1494 zu Augsburg erschienen; wiederholt in 0(1?c) „Predigen teutsch und vil guetter leeren“, Augsburg, H. Otmar 1508 (1510), welche allerdings nach dem Schlußwort ohne Geiler’s Wissen und ohne sein Zuthun gedruckt sind. Eben da erschien 0T?c) „Das buch Granatapfel . . mitsampt . . außgangs der kinder Israhel . . . de’r gaistlichen spinnerin . . von dem hasen im pfeffer . . von siben schwertern und schayden“, 1510, wiederholt Straßburg 1511. 1516; ferner (?LI(l) „Das schiff der Penitentz“, übersetzt aus R17, 1514; nachgedruckt in Straßburg, bei Hüpfuff 1515. Wie in Augsburg, so hatte man auch sin Straßburg schon bei Geiler’s Lebzeiten seine Predigten ohne seine Erlaubniß veröffentlicht. Zuerst befaßte sich besonders damit der mit der Grüningerschen Druckerei in Verbindung stehende Arzt und Litterat Johann Adelphus Müling. Er ließ in einer „1V1a1–g“8.1–jta t“aostj:-11–um“ 1509 auch eine Sammlung von witzigen Bemerkungen Geiler’s unter dem Titel „8O0me1tet“ drucken, wodurch er G. in nicht geringe Entrüstung versetzte. Er ließ sich aber nicht abschrecken. Er übersetzte Jil unter dem Titel (F)(11) „Doctor Keiserspergs Passion . . in stückesweiß eins süßen Lebkuchen“, Straßburg, Grüninger 1513 und 1514; und R11 als (F1ll1) „D. K. Paternoster“, Straßburg, Hüpfuf 1515. Dagegen hat – Dacheux mit Unrecht auf G. zurückgeführt daß von Adelphus veröffentlichte Bilderwerk „Das ist der Passion in Form eins gerichtshandels darin missive Kauffbrieff Urtelbrieff und anders gestelt sein kurtzweilig und nütz zuo lesen“ o. O. u. J., dann Straßburg 1514-, München 1516 und hier allerdings mit Geiler’s Namen gedruckt. Allein abgesehen von der läppischen, gar nicht für die Predigt geeigneten Einkleidung der Pafsionsgeschichte in juristische Formen, welche G. nicht zugetraut werden darf, ist sein Name vom Münchener Heraus= geber nur durch Mißverständniß der Zueignung gebraucht worden, in welcher Adelphus sagt: „Wer hunger hat, der mag es wol nützlich lesen, dis und ander vßlegung des heiligen pasfions, deren wir dan auch ein ietzo vß latinischer zung in teutsch sprach transferiert, so der durchlüchtig herr Johann Geiler von Kaisersperg doctor und predicant der loblichen stat Straßburg seinen kinden da selbst hat geprediget vnd vßgelegt, welche ietzund in truck auch nüwlich ist vßgangen.“ Hier spielt Adelphus deutlich auf 1)Lll an. Nach Adelphußz war es insbesondere der Barfüßer Joh. Pauli, der sich mit der Reproduction Geiler’scher Predigten abgab. So gab er heraus (1FlR’) „Das Cvangelibuch, . . aus Geiler’s Munde von Wort zu Wort geschrieben", Straßburg, Grüninger 1515, wiederholt als „Evangelia mit vßlegung“ 1517, – als „Evangelia daß Plenarium`“ 1522, in den Schlußworten auch die Postill genannt. Ferner 0TIiR’; „Die Emeis, zusammen mit Her der küng ich diente gern", Straßburg, Grüninger 1516, wiederholt 1517: so wie es Pauli „von jeglicher Predigt behalten in seinem Haupt, danach abgeschrieben“; dann 0(J(R’1) „Die Bröfamlin doct. Keiserspergs vffgelesen von frater Johann Paulin . . und sagt von den funfftzehen Hymelschen staffeln die Maria vffgeftiegen ist, und gancz von der vier Leuwen geschrei, auch von dem wannenkromer“, Straßburg, Grüninge1– 1517; endlich übersetzte er J(ll1 unter dem Titel 00(711) „Des hochwirdigen doctor Keiserspergs narrenschiff“, Straßburg, Grüninger 1520. Ein Dritter, der in Straßburg Predigten Geiler’s „nach seinem Mund nachgeschrieben“ herausgab, war Heinrich Weßmer, der (I00’1ll) „Doctor Keiserßbergs Postill: uber die fyer Euangelia durchs jor, sampt dem Quadragesimal, vnd von ett- [515] lichen Heyligen, newlich vßgangen“, Straßburg bei Schott 1522, erscheinen ließ, mit Bildern die sich- zum Theil auch in IT vorfinden. Gegen daß Verfahren von Adelphus und Pauli sprach sich nun nachdrücklich aus der Erbe und Amtsnachfolger GeilerJ, sein Neffe Peter Wickram. In Besitz der Geilerschen Handschriften gelangt, suchte er diese gegen seine Concurrenten zu verwerthen, blieb aber nicht wie Otther bei einer einfachen Wiedergabe der handschriftlichen Notizen stehen. So erschienen mit einer Vorrede von Jacob Biethen (Ic)L11) „88r1n011es pr08tmitjsjmi (100torjs .1. (3t. 1c. t’ru0tuosjsjmi (1e tem– 1zore St äe 8-u1(:tjs000m0ä8„11c1j dabei auch „1)9 c-trb0rs bumz118- (1e K11 O1- 0S11entjjsrb0rjs OruOjiiJcj- äe X11 kru0tjbuspjrjtus5m0tj„ ä9 IcJc111 0011– (1jtj011jbus m0rt–js (j9 morts yjrtusij 8jyO grs,rjs endlich ein Tractat „1)9 c1js– 1308jtj011e 8(1 mortem per m0(1um a1p1rtb8tj Straßburg, Grüninger 1514. 1515. 1519; ferner (I0C0 „891–111011es St ym“jj tret0tst118 IisjsersiJOrgij“’ Straßburg, Grüninger 1518. 1521, worin namentlich lateinische Fassungen der in der Sammlung „Predigen teutsch“ 0(1)L) schon publicirten zu finden sind. Hier ist auch die Synodalrede (111) aufgenommen, welche inzwischen Wimpheling 1518 unter dem Titel 0L)0L1) „Ein heilsam trostliche predig doctor J. G. v. K.“ übersetzt hatte. Schließlich sind noch mehrere Straßburger Einzelausgaben in deutscher Sprache zu verzeichnen, deren Herausgeber unbekannt sind: 0L)L)Lll) „Predig der himelfart marie, .. von seinem Mund abgeschrieben“, Straßburg, Grüninger 1512 ; 0i)L)L111) „Von den Sünden des munds, dabei Alphabet in )0L111 predigen“, am Schluß auch „F)L111 predigen von dem baum des ewigen lebens genannt, Straßburg, Grüninger 1518; 0c1I1l’) „Von den dry Marien wie sie unsern hern J. C. woltenfalben“, „von einer ehrsamen Jungfrau angeschrieben“, Straßburg, Grüninger 1520; 00L1R’) „Das buoch .4tr1o01–e 11u– 111a11x1 eine Uebersetzung aus 1)i1J(, Straßburg, Grüninger 1521. Will man nun auf Grund eines so verschiedenartigen Materials sich ein Bild von Geiler’s Denkart und Redeweise machen, so wird man zunächst die wenigen von ihm selbst herausgegebenen oder doch ausgearbeiteten Predigten und Abhandlungen durchgehen müssen. Dabei ist freilich in Betracht zu ziehen, daß für den Leser sich offenbar anders darstellen wollte als: für den Hörer. “– Ersterer sollte nur daß empfangen, was vor jeder Kritik bestehen konnte, während der Prediger auf der Kanzel sich freier gehen ließ. Eben deshalb sind auch die lateinischen Predigten, die Otther und Peter Wickram veröffentlichten, nicht das volle Spiegelbild seiner Reden, so authentisch sie an sich auch sein mögen. Am genauesten dürfte Geiler’s gesprochenes Wort in den von Zuhörern und Zuhörerinnen nachgeschriebenen Predigten vorliegen, namentlich in deu Augsburger Sammlungen „Predigen teutsch“ und „Granatapfel“. Dagegen haben die geringste Gewähr die erst später aus dem Latein ins Deutsche zurückübe1- setzten oder nachträglich aus dem Gedächtniß hergestellten Predigten, welche Adelphus und Pauli veröffentlicht haben. Freilich sind gerade Pau1i’s Publicationen besonder`s untcrhaltend, reich an Zügen aus Volksleben und Volksglauben, an Wendungen aus der Volkssprache. Aber sie enthalten auch Unschicklichkeiten, die man doch vergebens in den echteren Schriften suchen würde. Geiler’s Art freimüthig, zuweilen derb die sittlichen Gebrechen aller Stände zu schildern und zu rügen, ist doch noch wesentlich verschieden von der Pauli’s sich mit Behagen daran zu weiden. Hier streift Pauli die alte Art der Mönchspredigten an, der sich gerade G. auf das entschiedenste und mit dem größtem Erfolge widersetzte. Geiler? Predigt war auf das sorgfältigste vorbereitet: er sagte daß frisch aus dem Ei geschlüpfte Hühnchen nicht schmackhaft wären. Ueberboten sich die früheren Prediger mit der Länge ihrer Reden, die bis zu 10 Stunden dauerten, – nach Geiler’s Ausdi–uck, wie ein Kukuck den andern überschreien 38* [516] will, – so schloß er pünktlich mit der Stunde; ja er wußte dies Abbrechen kunstvoll zu verwerthen. Sich selbst und den Hörern machte er Auffassen und Behalten leichter durch den strengen Schematismus, der besonders die Zahl sieben bevorzugte. Er dreht und wendet die Gegenstände, die er behandelt, hin und her, gewinnt ihnen aber immer neue Seiten, überraschende Vergleiche ab. Gern knüpft er dabei an Dinge des gewöhnlichen Lebens an und findet auch im Bibelwort meist irgend einen Punkt, der ihm erlaubt an Alltägliches, Allbekannteszu erinnern. So nimmt er z. B.. aus den Plagen Egyptens (Exod. 9) die Blasen vor, die am Munde der Egy’pter entstanden, als Moses Sand ausstreute: er erinnert an die ähnlichen eben in Straßburg ausgebrochenen Seuchen, und vergleicht mit ihnen fünfundzwanzig Sünden, die man mit Reden, oder auch – dies ist die letzte – mit Schweigen begehen könne. So geht er auch sonst von gleichzeitigen Ereignissen aus. Daß Jubeljahr 1500 wird ihm zum Anlaß eine Pilgerfahrt zu schildern und geistlich zu deuten, von dem Sack des Glaubens, dem Stab der Hoffnung, von dem Mantel der Liebe zu reden, Auch scherzhafte Anhaltspunkte verschmäht er nicht. Als zur Messezeit in Straß- burg ein lebendiger Löwe gezeigt wird, predigt G. vom höllischen und einigen andern allegorischen Löwen. Die Passion zu erzählen, kam ihm so oft wieder: da versuchte er dem Gegenstand eine neue Würze zu geben, indem er sie einem Lebkuchen verglich, den er zur Fastenzeit seinen Zuhörern austheile. Noch seltsamer erscheint es, wenn er den Nonnen die Unterweisung zum klösterlichen Leben als einen Hafenpfeffer darstellt, ihnen das scheue, verachtete Thier als Vorbild schildert: seine langen Ohren sollen sie mahnen Gottes Wort fleißig zu hören, sein beständiges Lippenbewegen ihnen daß Gebet anschaulich machen. Man würde aber dem Prediger Unrecht thun, wenn man diesen Ton für den ihm am meisten eignenden hielte. Wie er sich hier zu denen herabläßt, die in Demuth und Entsagung leben sollen, so stellt er sich kühn und stolz dem Bischof, dem Stadtregiment entgegen. Großartig läßt er daß Todtengericht über Bischof Robert aus seinem eigenen in der Grabesnacht redenden Munde ertönen. Und der Tod ist ihm eine vertraute Vorstellung, die er seinen weichlichen Zuhörern zum Trotze immer wieder bringt: seine wenigen eigenen Publicationen behandeln hauptsächlich dieß Thema, bald zur Buße mahnend, bald tröstend. Aber er geht nicht auf in der Flucht vor der Welt. Berühmt ist seine Schilderung der guten Ehefrau in dem Buche .-11–bors 11u1nA11a; in den Sünden des Mundes erinnert er an die Sorgfalt, mit der die Hausfrau dem Manne verheimlicht, daß sie ihm daß Leibgericht koche, bis sie es ihm auf den Tisch setzt. Für die Thorheiten der Mode hat er ein offenes Auge: wie sie alle natürlichen Unterschiede verwischt, den Frauen die Barette der Männer, den Männern Frauenhauben aussetzt, wie sie in Straß- burg Wälsche und Böhmen, Ungarn und Franzosen zugleich zu sehen gestattet, wie sie, was vor ein paar Jahren noch als sein gegolten hat, jetzt in daß Gegentheil umkehrt. Gern legte er daher auch solche Texte zu Grunde, die ihm Blicke auf daß gewöhnliche Leben und Treiben nahe brachten. 1494 war Brant’s Narrenschiff erschienen: 1498 hielt G. seine Predigten darüber, die wol unter seinen Werken die größte Berühmtheit erlangt haben. Es war aber, wie er 111troä. III. bemerkte, nicht das erste Mal daß er an deutsche Dichtung anknüpfte. Er hatte schon früher das Gedicht eines Bauern so behandelt: vermuthlich ist daßelbe gemeint wie später (’1’urba J(111- F018 1)0’11l)- wo von einem Spottlied eines Barbiers auf die Liebe die Rede ist, nicht aber, wiesarncke, Narrenschiff S. 262, vermuthete, der Ackermann aus Böhmen. Denn dieß Werk ist ja kein Gedicht, und die bei G. daneben vorkommende Erinnerung an die Predigten über den Tod bezieht sich vielmehr auf die Sammlung .4rb0re 11umzn-t„ deren Eingang gerade daß Abschreckende dieses Thema’s behandelt. Einem Kinderspiel ist der [517] Predigttext entlehnt in ICM. Für die meisten Predigten nahm übrigens G. . die Werke der kirchlich angesehensten Prediger zum Muster und zur Quelle. Insbesondere legte er die Werke Gerson’s zu Grunde, wie namentlich für die sieben Tractate (lv) bemerkt worden ist. Aber auch andere Theologen werden benutzt: so im Seelenparadies Albertus Magnus und Humbertus, in der Emeis Doctor Thomas Brabantinus, in anderen Nicolaus von Lira u. s. f. Eine gründliche Würdigung Geiler’s würde natürlich die Bestimmung dieser entlehnten Gedanken und Bilder voraussetzen. Selbst da, wo man am meisten Originalität vermuthen möchte, in der Schilderung und Bekämpfung des Aberglaubens an Hexen, Werwölfe u. a., welche die Emeis enthält, lehnt er sich an Vorgänger an: s. Geffcken, Bildercatechismus S. 53 ff. Original bleibt seine Ausdrucksweise, seine Beherrschung der deutschen Sprache, die sich in einer Fülle von Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten, in der Lust an Wortspielen und Worterklärungen kund gibt. Manchmal geht er freilich zu weit, wenn er z. B. die Pflicht des Vischofs, seine Diöcesanen nicht zu verlassen schon im Namen finden will: Bischoff sei „bi schof“, bei den Schafen (800msts.), oder wenn er 1(ü11jg von 1(ü1111S11 ableitet (Emeis). Auch die Deutung der einzelnen Buchstaben eines Wortes wird uns nicht besonders erbauen; ebenso die mehrfach und schon in V1 angewandte Aufzählung der Tugenden nach dem Alphabet. Hier zeigt sich ein Hang, den später Abraham a S. Clara noch weiter ausbildete: zwischen ihn und Bruder Berthold hat Wackernagel mit Recht G. gestellt. Die tiefste Kluft aber trennt G. von der mystischen Richtung, die im vierzehnten Jahrhundert in Straßburg selbst durch Eckhart und Tauler vertreten war. Ihrer Gefühlesüberschwänglichkeit setzt er seinen Sinn für daß Wirkliche entgegen, sein Mitgefühl für das Volk, seine Forderung der strengsten Sittlichkeit im täglichen “ Leben. Weil er von diesem Standpunkt aus ganz besonders die Verderbtheit der Kirche schilt, hat man ihn vielfach und schon früh für einen Vorläufer der Reformatoren erklärt. In der That trifft er mit diesen in vieler Beziehung überein. Er ist mit dem Ablaßhandel nicht einverstanden; aufgefordert Beisteuern zu einem Türkenzug zu sammeln, bemerkt er, daß dieser Ruf schon so mißachtet werde, wie der des Hirten, der lügnerisch behauptet hatte, der Wolf sei da. Daß Wunder oft betrüglich erfunden werden, nur um durch Wallfahrten einer Landschaft oder vielmehr ihren geistlichen und weltlichen Herren Geld zuzuwenden, sagt er ungescheut. Die vielen Feste sind ihm eine Beschwerung des gemeinen Mannes. Er tadelt die frühe Bestimmung Unmündiger zum Kloster, die den Eltern nur die Flüche ihrer Kinder zuziehe. Das gewaltsame Verfahren des Ketzergerichtes über Johann von Wesel mißbilligte er durchaus. Eine Reformation sagte er als unausbleiblich vorher: es muß brechen, ruft er einmal vor Kaiser Maximilian aus. Aber diese Mißstimmung ist freilich verbunden mit einem unerschütterlichen Glauben an die kirchliche Lehre. Waldenser und Brüder vom freien Geiste bekämpft auch er. Und so gehört er, an der Schwelle der neuen Zeit, doch dem Mittelalter an: wie durch die Art seiner Wirksamkeit, die mündlich, nicht schriftstellerisch war, so auch durch seine gesammte Geistesrichtung. Sein Vorbild ist Gerson, der Pariser Kanzler, der – Träger der Ideen der Concilien zu Constanz und Basel: nur daß diese Ideen bei G. durchaus volksthümlich, durchaus deutsch au-5geprägt sind.
- (J. A. de Riegger), A1110enitAts1ite1–Arjs„e I’rjburgenSes ks.80. l. II. lJ1ms 1775. – Der Teutsche Merkur, 1783, Band ls, S. 121–144. 193–212. – L. F. Vierling (vielmehr Jer. Jac. OberlinI, 1)e .1o1rmi1js (3tsj1erj CJ:-tese1.ren1onmi1j S01–jptjs g9r111Smiojs„ t41–gz11torm:i 1786. 4o. – F. W. Ph. von Ammon, Geiler von Kaisersberg’s Leben, Lehren und Predigen, Erlangen 1826; recens. von J. Grimm, Gött. Gel. Anz. 1827 (Kl. Schr. 5, 18–18).–Aug. Stoeber, 1–IsSaj 11ist0rjqu9 er 1jttsraire Sur 1s t Vie er 1es
[518] 8e1–m0118 ä(s .1. S. (1e K.- Straßburg 1884. 4o. – Tim. Wilh. Röhrich, Testament Joh. Geiler’s v. K. in Jllgen und Niedner, Zeitschrift für historische Theologie 1848, S. 572–586. – Joh. Geffcken, Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts 1, Leipzig 1855, S. 10–12 u. ö. Anhang 29–47. – Aug. Stöber, Zur Geschichte des Volksaberglaubens im Anfange des )c71. J“ahrhunderts. Aus 1)r. Joh. Geiler’s v. K. Emeis, Basel 1856. – Ders., 8ur 1e 1isu (1e 118jsmi(:9 (10 S. (1jt (1e 1c. in der Rey-ue c1’*418A.ce- 1866„ p. 59 Sqq. – O. Lorenz und W. Scherer, Geschichte des Elsasses (Berlin 1871) 1, 149–153. – Birlinger, Alemannia Z, 1 fg. 129 fg. (1875). – W. Wackernagel, Altdeutsche Predigten (1876) S. 441 bis 444. – 1.’sbb(s 1J-. 1)80beuJc- lI11 1–9t“ormztsur 0ak1101j(1us Tt 18„ tin (1u )(79 8j(301O- .1es„n (3Sj1er (1S 1c-1)sersberg„ 198u–js St 8tr8.8b0urg 1876. – (Ders.), Die ältesten Schriften Geiler’s von Kaisersberg1, Freiburg i. B. 1877.