ADB:Gesner, Johann Matthias
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Gesner: Johann Matthias G., Schulmann und Philolog, geb. am 9. April 1691 in dem kleinen Städtchen Roth an der Rednitz, damals ANB- bach’schen Gebiets, † am 3. Aug. 1761 in Göttingen. Sein Vater war Prediger in jenem Städtchen, starb aber, ehe dieser jüngste von seinen drei Söhnen daß zwölfte Lebensjahr erreicht hatte. Sein Stiefvater, der Pfarrer Zuckermantel, th sorgte für die Ausbildung des talentvollen Knaben und brachte ihn auf das Gymnasium in Ansbach. Bei einer zahlreichen Familie konnten ihn seine Eltern wenig unterstützen; er mußte als Currentschüler vor den Häusern fingend sein Btot suchen, fand aber bei dem Rector Köhler die eifrigste Förderung seiner wissenschaftlichen Ausbildung. 1710 bezog er die Universität Jena. Auch hier hatte er mit den größten Entbehrungen zu kämpfen, bis der Theolog Buddeues ihn 1712 in sein Haus aufnahm und den Unterricht seines Sohnes ihm übertrug. Durch diesen Umgang und durch die Benutzung der Bibliothek seines Gönners wurden seine gelehrten Kenntnisse erweitert; schon 1714 konnte er in einer Schrift über Lukians Philopatris dieses Werk in die Zeit Kaiser Julians verweisen und 1715 ließ er eine Ausgabe dieses Gesprächs mit Uebersetzung und [98] Anmerkungen folgen. Bedeutender noch waren die in demselben Jahre erschienenen g „1118titutjo11es rei 80110188tjes.S in welchem Grundrisse der Pädagogik –diewi Ansichten der.Reformer des 17. Jahrhunderts geschickt benutzt und mit eigenem reifen Urtheil von allen Uebertreibungen befreit werden. Das Buch sollte eigentlich den Vorträgen in einem pädagogischen Seminare zu Grunde gelegt werden, s dessen Gründung in Jena beabsichtigt wurde, aber es kam nicht dazu, weil G. in den ersten Monaten des J. 1715 als Conreetor nach Weimar berufen wurde. Hier heirathete er 1718 die Tochter des Pfarrers Eberhard im Amt Gehren. Als s ihm bald zwei Kinder geboren waren, mußte er bei geringem Einkommen , streng Haus halten. In rastloser litterarischer Thätigkeit verfaßte er eine Reihe gelehrter Arbeiten und knüpfte Verbindungen auch mit dem Auslande an, wie mit Hemsterhuys, der sich mit ihm zu einer großen Ausgabe Lukians vereinigte. Wenn schon sein eigener Trieb nach allseitigem Wissen ihn vor Einseitigkeit bewahrte, so begünstigte ihn dabei noch daß volle Vertrauen des Geheimen Rathes Fr. Gotthilf von Marschall, genannt Greiff, in dessen Umgange er die Feinheit der Formen und die Freiheit der Bewegung gewann, die ihn auch als gewandten Gesellschafter auszeichneten. Diesem Gönner verdankte er auch die Verwaltung der herzoglichen Bibliothek und Münzsammlung, wodurch er in seinen gelehrten Arbeiten sehr unterstützt wurde. Der Nachfolger des 1728 gestorbenen Herzogs Wilhelm Ernst entließ alle Diener desselben und entzog auch G. daß Amt des Bibliothekars, weil er dadurch Marschall am tiefsten weh zu thun überzeugt s war. Der Aufenthalt in Weimar war ihm dadurch verleidet und er entschloß sich 1729 rasch daß Rectorat in Ansbach anzunehmen. Dies neue Amt brachte viel Mühen, weshalb von wissenschaftlichen Arbeiten nur wenig vollendet werden konnte. Darum folgte er im September 1730 gern dem Rufe zu dem Rectorate der Thomasschule in Leipzig, zu dem wohl einflußreiche Buchhändler und der günstige Eindruck, den er bei einem früheren Besuche in dieser Stadt zurückgelassen hatte, ihn dem Rathe empfohlen haben mochten. In den vier Jahren dieser Verwaltung ist es ihm gelungen den Ruf der wissenschaftlichen Tüchtigkeit der Schule herzustellen, die verwilderte Zucht der Alumnen zu verbessern und im Vereine mit seinem jungen Amtsgenossen Ernesti in den Schülern die Lust an den Studien zu wecken. Die Gunst des Rathes als Patrons der Schule machte ihn mißliebig bei der Universität, die sein Verlangen nach einer akademischen Thätigkeit nicht erfüllte, obgleich er bereits wenige Wochen nach seiner Ankunft die ju1–8 11mgjst01–jj l–.i1)8jsi1Sjs erworben hatte. Er sehnte darum fort von Leipzig und brauchte auch auf die Erfüllung dieses Wunsches nicht lange zu warten. Gleichzeitig erhielt er einen Ruf nach Preußen zur Beaufsichtigung des Unterrichtswesens und nach Göttingen als Professor der Poesie und Beredsamkeit– Im October 1734 trat er diese Stelle an, obgleich die Einweihung der Universität CG. hat die ausführliche Beschreibung aller Festlichkeiten in einem stattlichen ap Foliohefte geliefert) erst 1737 durch sein Programm und seine Festrede erfolgte. 27 Jahre ist er trotz eines geringen Einkommens (700 Thaler) der Georgia Augusta treu geblieben, er fand in seiner Thätigkeit eine solche Befriedigung, daß er ohne Bedenken die ehrenvollsten Anträge zu glänzenden Stellungen aus schlug. Ihm verdankt die Universität ihre Richtung auf die historischen Wissenschaften im Gegensatz zu den speculativen, ihm die Begründung der Bibliothek, die unter seiner Verwaltung schon damals eine der bedeutendsten Deutschlands wurde, ihm die Förderung der Wissenschaft in der königlichen Societät, in der er 1751 Secretär der historisch-philologischen Klasse und 1753 alternirender . Director wurde, ihm die Errichtung des philologischen Seminars, in welchem die Lehrer der gelehrten Schulen eine geeignete Asbildung erhielten, ihm 1738 die deutsche Gesellschaft, für deren Gedeihen er sich bis zu seinem Tode eifrigst [99] bemüht hat. Er war der stets bereite Abgesandte, Redner und Schriftsteller der H Universität; zahlreiche Programme, Reden, Festgedicht e, Denkschriften, darunter auch auf Frauen und junge Leute, eine Menge von Relegation2patenten zeigen; wie vielfach er in Anspruch genommen war. Das Prorectorat hat er nur einmal 1743 verwaltet. Und das waren doch nur Nebenarbeiten neben seinen Vorlesungen, die sich auf die Schriftsteller Homer, Horaz, Plinius, Sueton und Cicerp’s Briefe, auf griechische und römische Alterthümer, auf Kunstarchäologie, lateinischen Stil, Rhetorik und allgemeine Encyklopädie bezogen; auch neutestamentliche Schriften hat er philologisch erklärt. Die Inspection über die höheren Schulen der braunschweigisch-lüneburgischen Lande war in ihren Ergebnissen weniger reich als man von seiner Einwirkung hätte erwarten sollen, weil die städtischen Patronatsbehörden und selbst viele der alten Lehrer seinen Erinnerungen mit Widerwillen entgegentraten. Alle diese verschiedenartigen Geschäfte hinderten ihn nicht eine Reihe großer selbständiger Werke zu vollenden. Bei aller seiner Polyhistorie blieb doch das classische Alterthum der Mittelpunkt seiner Arbeiten; dieselben nehmen besonders auf dem Gebiete der römischen Litteratur eine hervorragende Stelle ein. Wenn man genau den Fortschritten folgt, welche er seit der Heraus gabe der „80rj1ztor0S rei r118tj08„8“ (1735) im „Quintilian“ (1738), Plinius’ „1IIpjsts018z St- 1J9.n9gzsrj(3us (1739) und endlich in „Claudian“ (1759) gemacht hat, wird man überall finden, daß er bei der Kritik zaghaft, höchstens mit nachbessernder Hand verfährt, daß aber seine Methode in lichtvollen und verständigen Einleitungen, in der geschmackvollen und klaren Entwickelung der Gedanken und in dem seinen Geschmack des nicht gerade tiefen, um Sprache und Metrik sich wenig kümmernden, aber die dichterischen Schönheiten kurz andeutenden Commentars sich immer mehr entfaltet und in Claudian einen Abschluß gefunden hat. Er hat sich fern gehalten von der massenhaften Gelehrsamkeit und Weitschichtigkeit holländischer Commentare, hat aber für die Kritik eines Bentley kein Verständniß und der Versuch in dem 0iOsr0 restiturus steht auf schwachen Füßen. Die Wiederholung der Baxterkschen Ausgabe des Horaz, so oft dieselbe auch seit 17s . gedruckt ist, hat keinen besonderen Werth; der „Livius (1735) ist ein incorrecter Abdruck der Ausgabe le Clerc’s und verdient nur wegen der Vorrede Beachtung; der Abdruck einiger lateinischer Rhetoren 1745 ist ohne Selbständigkeit. Der große Plan den Hardouinschen Plinius in einer vermehrten Autsgabe in vier Quartbänden drucken zu lassen, ist nicht über die Ankündigung 1738 hinausgekommen. Bereits 1736 hatte G. die Grundsätze, welche bei der Abfassung eines wissenschaftlichen lateinischen Lexikons maßgebend sein müßten, entwickelt, nicht aus der Theorie heraus, denn bereits 1726 hatte er Faber’s „’1?110s8ur11S eruäj– tiO11jsO11o18stjOs„S“ herausgegeben (wiederholt 1735). Aber er ging in seinen Anforderungen zu weit, wenn er alle, was für die Kenntniß des antiken Lebenss nach allen Seiten hin von Wichtigkeit ist, aufgenommen wissen wollte. Eher wird man etz- gelten lassen, daß er eine geschichtliche Behandlung der einzelnen Wörter verlangte- daß er die Bedeutungen aus einer Grundbedeutung entwickelte, daß er die phraseologische Verwendung nachwies. Daß deutet der Titel seines Hauptwerks an „I.ingus.e St 0ruäit.j011is 18.rir18.S t11088.urus (1749 in vier Folianten); daß G. sein Ideal nicht erreicht hat, wird ihm Niemand zum Vorwurfe machen, zumal auch heute noch ein solcher Thesaurus unter die Wünsche gehört. Jedenfalls behauptet das Werk noch jetzt seinen Platz und sichert dem Verfasser eine ehrenvolle Stelle in der Geschichte der lateinischen Lexikographie. – Spärlicher sind seine Arbeiten auf dem Gebiete der griechischen Litteratur. – Von Schriftstellern erschienen die lateinische Uebersetzung des Lukian und kritische Bemerkungen in der großen Ausgabe von Reitz (1743) und die Orphischen Gedichte [100] und Bruchstücke, deren Sammlung und Bearbeitung von ihm in seinen letzten Tagen vollendet, aber erst nach seinem Tode von Hamberger 1764 ver- öffentlicht wurde. Seltsamer Weise hat er gerade dieses Werk am höchsten geschätzt, obgleich man darin am meisten Schärfe der Kritik vermißt. Zu den Schriften der Societät hat er meist antiquarische Abhandlungen geliefert, zu den 1747 begonnenen Gelehrten Anzeigen viele philologische Artikel, ebenso zu den 4 Acta 8ooiets.tjs 1s ttj11ze .len6118js mehrere lexikalische Beiträge. Eine Sammlung kleiner Arbeiten geben die „0pusOu18 mj1torz“ in 8 Bändchen (1784), in denen auch die Gedichte nicht fehlen; die Denkschriften hat Eyring unter dem Titel „0tesi1erj bj0grsp11jz 8cuä6mjOs„“ (seit 1768) in drei Bändchen vereinigt. Die kleinen deutschen Schriften hat G. selbst 1756 herausgegeben. Für seine encyklopädischen Vorlesungen an der Universität hatte er zuerst 1756 einen Leitfaden drucken lassen „19rjmse 1i11088 js.g0gs ju eruc1itj011Sm unj7Srsz1Sm“ ; wie er in lateinischer Sprache nach diesen trockenen Paragraphen gelesen hat, wie harmlos und liebenswürdig er sie commentirt, davon haben wir ein treues Bild in der Nachschrift, welche sein Schüler J. N. Niclas in zwei Bänden wiederholt herausgegeben hat (1774 und 1784). Der „’1’111eszurus epjsto1j0us (3esne1–js„11us von Klotz (1768) hat mit dem ersten Bändchen sein Ende gehabt; der auf die Ausgabe des Lukian bezügliche Briefwechsel steht in der 13jogrsp11js, zOz(1en1j(:8. ’1’. III. p. 365. – Nicht minder verdienstlich ist seine Wirksamkeit für die Schulen; mit vollem Rechte hat man ihm in der Geschichte der Pädagogik einen Platz unter den reformatorischen Philologen angewiesen. Es war ein Vortheil, daß er erst nach längerer Arbeit in der Schule zu einem academischen Lehramte überging und auch in diesem der Schule und ihren Bedürfnissen seine Aufmerksamkeit zuzuwenden vielfach Veranlassung hatte. Mit den „111Stjtutjones rei 80110– 1asrj(:Ae“ war er bereits 1715 hervorgetreten, als er nur seine historischen Kenntnisse von der Didactik zusammenstellen und die Leistungen Anderer beurtheilen konnte, weil ihm die eigene Erfahrung noch ganz abging. Dazu gelangte er s erst später. Die Ansichten aus dieser Zeit liegen zerstreut in den Vorreden verschiedener Bücher, in den Vorlesungen über die 188.goge und in der fünften Abtheilung der kleinen deutschen Schriften (1756); daß er selbst nicht zu einer systematischen Zusammenstellung gekommen ist, müssen wir beklagen. Für seine Schulpraxis besonders in Leipzig fließen uns reiche Quellen. In Betreff der Organisation haben wir die 1788 erschienene „Schulordnung vor die braunschweigisch-lüneburgischen Lande“, in welcher wir die Erfahrungen seines Lehrerlebens und die Früchte ernsten Nachdenkens über die beste Einrichtung der gelehrten Schulen finden; für die Thomasschule hatte er 1733 Gesetze in lateinischer und deutscher Sprache aufgestellt. Was man nicht willig und gern lerne, pflegte er zu sagen, das lerne man nicht recht. Darum erklärte er sich gegen das Buchstabiren und empfahl die Lautirmethode, darum gegen daß unverständige Auswendiglernen der lateinischen Grammatik. Sein Aufsatz, ob man aus der Grammatik die lateinische Sprache zu lernen anfangen müsse, schoß leider über das Ziel hinaus, was bei den damals allgemein herrschenden Miß- bräuchen leichter zu entschuldigen ist. Die Genossenschaft der Nützlichkeitsapostel des Philanthropinismus, die sich auf seine Autorität stützen wollten, würde er niemals anerkannt haben. Für die Uebungen im Lateinschreiben hat er die sogenannten Extemporalien eingeführt und das Sprechen frühzeitig begonnen in Verbindung mit den Schreibübungen. Für die freien Aufsätze begnügte er sich mit progymnasmatischen Uebungen, ließ daneben höchstens Reden zu und lieferte – in den „k’rj1ns artjs orstorjze linsts (1730. 1745. 1753) ein gedrängtes Lehrbuch. In Bezug auf die Wahl der Lectüre trat er denen entgegen, welche im Interesse der lateinischen Darstellung Neu-Lateiner an die Stelle der Classiker [101] gesetzt hatten; bei dieser bekämpfte er die damals allgemein übliche Unsitte sehr langsam in der Erklärung vorwärts zu gehen und bei der Erklärung der einzelnen Wörter allerlei Gelehrsamkeit auszukramen. Er hat entschieden hervor- s gehoben, daß man auf den Sinn und Zusammenhang der Gedanken eingehe, des behandelten Gegenstandes sich bewußt werden und Rechenschaft davon geben müsse. Daher stammt der von ihm zuerst aufgestellte Gegensatz zwischen cursorischer und statarischer Lectüre, der zu jener Zeit seine volle Berechtigung hatte und der auch jetzt aus den Schulgesetzen noch nicht verschwunden ist. Zur Aueführung solcher Grundsätze sorgte er durch seine Schriften: für die Grammatik durch seine Bearbeitung der „Cellarianischen Grammatik“ (zuerst 1740, zuletzt 1786), die sich durch ihre Kürze und Klarheit allgemein empfahl und an vielen Orten Eingang fand. Für den Wortschatz sorgte er durch Happach in dem „1n– c1eze etz-mo10gjcus 18.tinjtzrjs (1749), in welchem außer der deutschen auch eine französische Uebersetzung der Phraseologie gegeben ist. Andere lexicalische Hülfs mittel, wie Apin’s Grammatikalisches Lexikon (1727), daß ’1’11es.trumiztj11i– mrjs (1783) und Matthiä’s Lexikon (1748) hat er durch seine Vorreden empfohlen. Für die Stilistik sorgte er durch eine neue Ausgabe von „7orstjus (1S 18.t.i11jts.te Select-t“ (178) und noch mehr durch die wiederholten Bearbeitungen von Heineke’s„-k’uuä8mentstj1j 0u1tjo1–js (seit 1748 oft wiederholt, zuletzt 1790), die nur durch Gesner’s Anmerkungen einigen Werth erhalten haben. Bei der Seltenheit brauchbarer Schulausgaben war es damals ein Verdienst, daß er in der -„0hrsromztbjs 0j00r0t1jsms.“ (1717 –1775) und in der -,0llrsto1ns.t11j-1„ l91j11jz11z“ (1723 –1776) geeigneten Lesestoff verbreitete; obschon die Aengstlichkeit, Schülern ganze Reden des Cicero in die Hände zu geben, doch zu weit geht und bei Plinius der allein zulässige realistische Standpunkt in der Erklärung nicht genügende Berücksichtigung findet. Heinze’s (J11r98t0ms„t11jz p0erj08 (1755) hat er mit einer Vorrede versehen. – Das Verdienst, das Studium des Griechischen in den deutschen Schulen wieder erweckt zu haben, nimmt er selbst für sich in Anspruch. Er hat sich von dem Vorurtheil frei gemacht, daß der Anfang in dieser Sprache mit dem neuen Testamente gemacht werden müsse; eher ist er für die Homerischen Gedichte, wenn es möglich wäre dafür geschickte Lehrer zu finden, ebenso für ganze Bücher des Xenophon und Herodot, wenn die Exemplare davon vorhanden wären. So mußte er sich mit einer Auswahl in der „011restomztllje1 grzzOs“ (seit 1731) begnügen, in der er von den Vorurtheilen, die damals noch in Betreff der prosaischen Lectüre herrschten, nicht frei ist. Aber die lateinische Uebersetzung, ohne welche man damales kein griechisches Buch herausgab, hat er mit richtiger Einsicht verbannt. “ Auch die Lectüre der Tragiker hat er nicht gemiß- billigt; daß zeigt die nach seiner Anweisung von Eyring veranstaltete „0llrOst0– 1ns tbis. trs.gi08“ (1762), in welcher je eine Tragödie von jedem der Tragiker gedruckt ist. Schon 1724 hatte er Müller’s „1N1e(1un8 grzeos 1jt1guz9 SA01–2t“ verbessert und mit einem guten „Osta10gus znomz10rum“ vermehrt, der in die damals gangbarsten Grammatiken aufgenommen ist. – Das Betreiben der Muttersprache auch in den Schulen lag ihm sehr am Herzen. Der Aus bildung in derselben durch grammatischen Unterricht (natürlich nach Gottsched) ist er nicht abgeneigt, aber für förderlicher erachtet er die Lectüre classischer Schriften und die Uebersetzungen aus den alten Schriftstellern. Sein Ideal ist das gute Muster der deutschen Gesellschaft in Leipzig, seine Classiker Rabener, Gellert, Gottsched, Motz-heim und Bünaus Klopstock ist ihm schon um des Hexameters willen und noch mehr in den Oden ein Gräuel. Um seinen Satz „C1o– 0t0rem äe 8(JbO18- (10bere pstrjs.8 1j11guze ps.ene magjs 1srit-um ese c1uEun 18tinse“ zur Geltung zu bringen, hat er für die Ausbildung künftiger Lehrer nicht blos [102] im Seminar gesorgt, sondern auch in der von ihm geleiteten deutschen Gesellschaft. -– Nach seinem Grundsatze „yerborum (1js0jp1ins z re1–um OOg11jtj0u9 11um(1us.m 8epsrsu1(1z“ war ees, erklärlich, daß er auf den Unterricht in den sogenannten Realien größeres Gewicht legte. Er empfiehlt eifrigst die Geographie, gibt beachtenswerthe Winke für den geschichtlichen Unterricht, hebt die Geometrie hervor, redet den Naturwissenschaften daß Wort, verkennt die Wichtigkeit dres Zeichnens nicht. Auch die Kräftigung und Uebung des Körpers hat er nicht vernachlässigt. So ist er in vielen Fragen weit über seine Zeit hinaus, namentlich auch, wenn er in dem Plane für ein Gymnasium in einer fürstlichen Residenzstadt durch drei Arten von Lectionen für die verschiedenen Classen von Schülern Sorge tragen will. In einem Punkte beschließt er eine frühere Zeit, in der Beachtung des äußeren Betragens der Schüler, zu der den feingebildeten Weltmann zunächst wol die Leipziger Verhältnisse veranlaßt haben mögen. Darauf gehen fünf p1–01usjo11es SOb01stj0ets äe 3senusta zpu(1 :111tjqu08 11umanj– rzte- (1uum 0jyj1jts.tsi11 Dsu1g0 8„p1zenA11t- z. B. über das Entblößen des Kopfes, die Verneigungen, daß aus dem Wege Gehen u. a.; auch noch in Göttingen hat er 1745 „1)e pren88tj011e„ 0Scu1o„ ks0iu1n St Sig110rum i11 11ayjbus Sub111jsjone“ geschrieben. Nur für akademische Vorlesungen war das „15J11o11jrj(1j011 Sen 1J1–u– .51ent–js„ p1–jy8.t:1 8„e cjyj1js (1745) bestimmt, auch eine ArtChrestomathie, denn er gibt für das Privatleben den Atticus des Nepos, für das öffentliche Ouintus Cicero ..1)e (:011Su18„tu“ und aus.s Marcus Stellen über das Procousulat und in Bezug auf Krieg den Agricola des Tacitus, für das Kaiserthum den Panegyricuis des Plinius – alles dies sollte eine praktische Anleitung zur Lebensweisheit und politischen Einsicht geben. – Nach dieser gedrängten Uebersicht wissenschaftlicher Thätigkeit kehren wir zurück zu seinem Leben. 1756 war G. zum Hofrath ernannt worden. Sein einziger Sohn wurde als Leibarzt nach Warschau berufen, die einzige Tochter zog 1742 mit ihrem Gatten, dem Leibarzt Huber, nach Cassel. 1761 verlor er seine treue Lebensgefährtin, deren Biographie er selbst verfaßt hat. Die Unruhen des siebenjährigen Krieges brachten ihn wegen seiner Bekanntschaft mit der französischen Sprache vielfach in Berührung mit den fremden Feldherrn und veranlaßten seine Abordnung in Deputationen. So schickte man ihn an den Prinzen Xaver von Kursachsen, der in der Nähe von Göttingen ein Lager bezogen hatte; hierbei hatte er sich eine Erkältung zugezogen, in Folge deren sein Körper immer schwächer wurde. Wohl vorbereitet ging er seinem Tode entgegen, der am 3. August 1761 erfolgte. Sein Leichnam wurde in der Universitätskirche beigesetzt. G. ist einer von den Philologen, deren Arbeit auch für die Schule unmittelbar segensreich geworden ist; er hat zuerst richtige Grundsätze für die Erklärung der alten Schriftsteller aufgestellt und das Verdienst, dieselbe geschmackvoll behandelt zu haben, gebührt ihm bereits vor Heyne. Diesen besseren Geschmack brachte er auch in die lateinische Darstellung durch Lehre und Beispiel, wenn man auch seinen Schriften größere Strenge in der Wahl des Ausdrucks wünschen könnte. Da er ohne große Vorbereitung das, was er scharf durchdacht hatte, niederschrieb, so war die Leichtigkeit, Gewandtheit und Klarheit der Darstellung nicht zu verwundern. Sein deutscher Stil ist steif geblieben. Sein Wahlspruch war „Hs(3 :x0cgscJ2- 8cJ 7s0esX2-“; ihm ist er im Leben gefolgt. Gesellig und heiter, freundlich und liebenswürdig zeigte er sich überall; seine würdige Gestalt und die seinen Formen ließen in ihm nicht den Stubengelehrten vermuthen. Ernesti charakterisirt ihn als einen religiösen und darum in guten und bösen Tagen gleich heitern Mann, nachgibig gegen Andere, bereit zu helfen, bescheiden und Voller Anerkennung für jede fremde Leistung. Es gibt von ihm viele Bildnisse; der Kupferstich vor dem Thesaurus ist am bekanntesten.
- [103] J. Dav. Michaelis, 1spslemOrjst J. 1U. ci.- ktotting. 1761 (abgedruckt in der Bjogrsp11isszz(1. 0ottjJ1g. I. p. 245–276, und bei Frotscher II. 1J. 340). Fr. Beßuntster, 0rz(“;1o Fzzn9g0;ries (3. m0morjs80rz„ 0tor1ic. 1762. 4. J. . rne i, .’urrs,tj0 e . VII. . 8„(1 1)8-yj(1Sm Rull111cenjum- 1.js .1762. 4 (gbgedr. in .den 0pusou18„ 0rst. p. 305- in der Bi0grspbis. zOz(1. p. 277 F1S u13d 1nlsr Fr tsclxer’schen Sammlung der dls,1–1–ztj011es 701. II. 1J. 1 – 78). . J. ’j(J 8.8jj pist0 8. 8„mj1isrjs c1S .I. 17l. es. 8.(1 1SJ)sringju1n in der 13iog1–. ?F3J8T;jLIItz zI;2Its IR LaMs b1? FmächFr1II’ p“2IZ)“ öIc?“ IM n m 811r1m er 1og1s.:-wet . .p. .–4. . . auppe, 33ortWg. ubexs Gl., dschuxprosgr;1mttö;Is:n Wein;ar,(L856. 4 (abgedr. in en e1mar1 en u re en . 7 . ein in er e kl. v Es . Gruber, Bd. 64 S. 27J, sin Schmid’s Encykl. II. S. 8T?)), urs .:! disie:e fzer Gesners TxJksa1nHW lfür1Tis9Bgrbesserung der höheren Schul:kn in dem rogramm er oma u e, .