ADB:Glümer, Adolf von
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Glümer: Adolf von G., königlich preußischer General der Infanterie, am 5. Juni 1814 zu Lengefeld im Kreise Naumburg an der Saale[1] geboren, [400] trat am 1. März 1831 beim 26. Infanterieregimente zu Magdeburg in den Dienst, wurde am 14. Juni 1832 Secondlieutenant, besuchte von 1835 bis 1838 die PAllgomekne Kriegsschu1e (jetzt Kriegsakademie), rückte, nachdem er zum Topographischen Bureau des Großen Generalstabes, als Adjutant wie als Compagnieführer zur Landwehr commandirt gewesen war, als Divisionsadjutant unter General Graf von der Groeben den Feldzug vom Jahre 1849 gegen die Aufständischen im Großherzogthum Baden mitgemacht hatte, am 6. December 1851 zum Hauptmann und Compagniechef auf, ward 1856 zum Major im Generalstabe befördert, kehrte 1859 a1s solcher beim 23. Infanterieregimente zu Neiße in den Truppendienst zurück, war daneben Director der dortigen Vereinigten Divisionsschule, trat am 18. August 1861 an die Spitze des Grenadierregiments Nr. 6 zu Posen und wurde am 18. October d. J. Oberst. Als der Krieg vom Jahre 1866 bevorstand, wurde er an die Spitze einer aus Truppen, welche bis dahin in verschiedenen Standorten im Westen sich befunden hatten, gebildeten „Combinirten Infanteriebrigade“, aus 12 Bataillonen Infanterie und 5 Eseadrons Carallerie bestehend, gestellt. Sie gehörte zur „combinirten Division“ des Generalmajors v. Beyer, dessen nächste Bestimmung war, sich des Kurfürstenthum98 Hessen zu bemächtigen und seine Truppen unschädlich zu machen. Dann wandte sie sich gegen die hannoversche Armee. Bei diesem Unternehmen ward dem nunmehrigen General, V. G. Gelegenheit geboten, auf den gesammten Gang des Feldzuges einen schwerwiegenden Einfluß auszuüben. Er hatte am 21. Juni in Reichensachsen die sichere Nachricht von dem in der Richtung gen Süden erfolgten Abmarsche der Hannoveraner aus Göttingen erhalten und beschloß am folgenden Morgen gegen sie aufzubrechen. Da erhielt er den durch den Generalstabsofficier der Division, Hauptmann v. Scherff, ihm überbrachten Befehl, statt nach Osten, sich nach Norden in Marsch zu setzen, wo kein Feind mehr stand. Er glaubte, im Widerspruch mit seiner Ueberzeugung von der Unrichtigkeit der Bewegung, dem Befehle nachkommen zu müssen und unterließ es auf eigene Verantwortung einen Schritt zu thun, der ohne Zweifel bedeutende Folgen gehabt, ihm selbst hohen Ruhm eingetragen haben würde (v. der Wengen, Kriegsereignisse zwischen Preußen und Hannover, Gotha 1886, S. 501). Am weiteren Verlaufe des Mainfeldzuges nahm er mit der Division Beyer theil und zeigte namentlich im Gefechte bei Hammelburg richtigen militärischen Blick (F. Hoenig, Die Entscheidungskäm-pfe des Mainfeldzuges , Berlin 1890, S. 238)–. Nach Friedensschluß wurde er Commandeur der 32. Infanteriebrigade zu Trier. Der Ausbruch des Krieges gegen Frankreich im Jahre 1870 führte den General V. G. wiederum in einen neuen Wirkungskreis. Er wurde zum Com- 4 mandeur der 13. Infanteriedivisi-on ernannt. Mit dieser zog er im Verbande des zur I. Armee unter Steinmetz gehörenden 711.Armeecorps un:ter General v. Zaftrow zu Felde. Am Tage des ersten Zusammentreffens des letzteren mit dem Feinde, in der Schlacht bei Spicheren am 6. August, ließ er sich wiederum die Gelegenheit entgehen schwerwiegenden Einfluß auf den Gang des Kampfes auszuüben und Lorbeeren zu pflücken. Er versäumte in diesen einzugreifen und, wenn es für diese Unterlassungssünde auch mancherlei Erklärungen und Entschuldigungen giebt, so trifft ihn jedenfalls der Vorwurf, daß er unterlassen hat, sich genügende Nachrichten; über das stattfindende Gefecht zu Verschaffen. Wenn er über den Stand der Dinge nur einigermaßen unterrichtet s gewesen wäre, so würde er wohl die Scheu überwunden haben etwas zu thun was den Absichten und Befehlen des Generals v. Steinmetz, den er von Posen her kannte, zuwider gewesen wäre. Seine Nichtbetheiligung rettete das Corps F rossatd vor einer vollständigen Niederlage (Cardinal v. Wtddern, Kritische [401] Tage, 1. Theil; 3.P Band, 3. Heft, :Berlin 1900, -denMich sMt Gelegenheit, am 14. August– in der Schlacht bei Coltzmbey yzNouikIy,?stt cheke er „ das Versäumte gus zu machen. General v.5;der Gcltz s(s.- jznten„ ;449) riß sihn an diesem Tage P mit sich fort und G. ssließ ihn nicht im Stiche; Am 18. August nahm er im Corp sverbande cm: der“ Schlacht bei .– Grewe1ottc- St. Privat thätigenAntheil, dann gehsrte er zu der–Motz einschließenden Armee des Prinzen Friedrich Karl bis ihm am 30. September P dasICommando der badischen Felddivision übertragen wurde. Schwerer Erkrankung wegm,Pwelche H ihn in Straßburg zurückhielt, konnte ser dieses: jedoch erst am 9.Q December antreten. Er traf die Division bei– Dijon. Von hier mit 10 000–11 000 Mann gegen General Cremer zu einem Vorstoße auf Nuits entsandt, bestand er dort am 18. December ein siegreiches Gefecht, in welchem er leicht verwundet wurde, blieb jedoch bei der Truppe, räumte am 27. December Dijon und war am 9. Januar 1871 im Gefechte bei Villersexel, dann an den zur Vertheidigung von Belfort in den Tagen vom 13. bis 17. stattfindenden Kämpfen und bei der Verfolgung des geschlagenen Feindes thätig. Nach dem Kriege verblieb er in Baden, indem er zum Commandeur der 29. Division in Freiburg ernannt wurde; auch nachdem er am 8. März 1873 zum Gouverneur von Metz ernannt, aber schon am 15. October des nämlichen Jahres in Genehmigung seines Abschiedsgesuches als General der Infanterie zur Disposition gestellt war, kehrte er dorthin zurück und ist in der Stadt, die ihn 1892 zu ihrem Ehrenbürger ernannt hatte, am 3. Januar 1896 gestorben.
Im Jahre 1878 betraute ihn Kaiser Wilhelm I., Vermuthlich auf Anregung des Großherzogs von Baden, mit dem Auftrage das gesammte Kriegervereinswesen des Deutschen Reiches zu einem einheitlichen Ganzen zu verschmelzen. Es war eine schwierige und kaum durchführbare Aufgabe. Kriegervereine gab es überall. In einigen Staaten – in Baiern, Sachsen, Württemberg und Hessen – waren sie in Landesverbände zergliedert; in Baden und in Preußen hingen die bestehenden Vereine loser zusammen. Alle waren von dem dunkeln Drange erfüllt einander näherzutreten, nur einen Körper zu bilden. Aber jeder wollte dieses Ziel auf einem anderen Wege erreichen, keiner dachte daran von seiner Eigenart etwas aufzugeben. Besonders Baiern und Sachsen Verhielten sich ablehnend. Damit war die Angelegenheit eigentlich erledigt. Es fanden freilich noch mancherlei Verhandlungen statt, da sie aber keine Aussicht gaben, daß der Zweck erfüllt werden würde, gab G. im Juni 1880 die Versuche auf und meldete dem Kaiser die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen.
[Bearbeiten] [Zusätze und Berichtigungen]
- ↑ Glümer, Adf. v. XLIX 399 Z. 1 v. u. l.: Lengefeld auf dem Eichsfeld bei Mühlhausen (statt im Kreise Naumburg a./S.). [Bd. 56, S. 396]