ADB:Hahn, Franz Joseph von
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Hahn: Franz Josef von H., Weihbischof zu Bamberg, geb. zu Würzburg am 13. Juli 1699, war ein Sohn des fürstbischöflichen Lehenprobstes Philipp v. H. Während seiner Studienzeit zu Würzburg schloß er sich eng an den verdienstvollen Forscher Schannat an, der den jungen eifrigen Geschichtsfreund dem Mölker Benedictiner HieronymuLs Petz empfahl. Von Petz erhielt er in Dipl-Imatik und Paläographie treffliche Unterweisung; dann begab er sich nach Göttweih, wo ihm Abt Bessel Auftrag gab, eine Geschichte des Klosters zu [359] schreiben. Doch der reiche Urkundenschatz, den ihm theils das Kloster selbst darbot, theil2 Bessel’s Vermittlung aus andren Abteien verschaffte, weckte in H. den Gedanken, über Charakter und Werth dieser ältesten schriftlichen Denkmale selbst helleres Licht zu verbreiten. Somit ist durch den ersten, von ihm bearbeiteten Band des 011rO11jO011 0s0M7jOen8e zwar nicht die Geschichte des Klosters erläutert, wol aber das Diplomenwesen des Mittelalters, und zugleich zum ersten Mal der Versuch gewagt, in die mittelalterliche Geographie Deutschlands, wo bis dahin nur die vagsten und verworrensten Begriffe sich breit machten, mä Klarheit zu bringen. Das 0llronjOo11„ 1732 zu Tegernsee gedruckt, trägt nicht Hahn’s, sondern Vessel’s Namen; es unterliegt aber, wie aus den von Schneidawind mitgetheilten Beweisen erhellt, keinem Zweifel, daß H. der eigentliche Verfasser des Werkes, dessen Bedeutung für die Diplomatik von Gatterer Mabillon’s Kom 8miOr0rum orc1jnjsi;. BS118(1jOtjnj gleichgestellt wird. Nach Göttweih kam auf seinen Reisen nach Wien häufig Friedrich Karl Graf von Schönborn, Reichsvicekanzler und Kaiser Karls 7l. Vertrauter Freund. Dieser machte 1728 den jungen Priester zu seinem geheimen Secretär, und nachdem er bald darauf die Regierung der Fürstbisthümer Bamberg und Würzburg angetreten hatte, zum geistlichen Rath und Canonicus des Stifts Haug zu Würzburg und des Collegiatstifts St. Gangolf zu Bamberg. 1732 wurde H., der sich der Freundschaft und des Vertrauens seines Fürsten in hohem Maße ersreute, zum wirklichen geheimen Rath, 1734 zum Weihbischof und 7jOzrjus gsi1ere1„1js ju 8x-jrjtua1jbus ernannt und ihm außer anderen reichen Einkünften auch die Pfarrei St. Martin zu Bamberg überlassen. Am 19. September 1784 fand unter prächtigen Festlichkeiten die Bischofsweihe statt, worüber in dem im Bamberger Archiv verwahrten Hofdiarium ausführliche Schilderung geboten ist. Auch eine überaus große Anzahl von Originalreferaten Hahn’s findet sich in diesem Archiv; die verschiedensten Fragen weltlicher und geistlicher Natur erörternd, lassen sie H. als streng kirchlich gesinnten, aber toleranten und milden Priester, tüchtigen Gelehrten und eifrigen Freund wissenschaftlicher Studien erscheinen. Ein neues Feld ersprießlicher Thätigkeit ward ihm eröffnet, als er bei Erweiterung der Bamberger Akademie zu einer wirklichen Universität 17–41 zum Conservator gewählt wurde. Als solcher hatte er die Oberaufsicht über Professoren und Studirende, und bei den fortwährenden Streitigkeiten zwischen den Professoren geistlichen und weltlichen Standes, die im Allgemeinen im Widerstreit der alten scholastischen Lehrprincipien mit der Forderung wahrer Wissenschaftlichkeit wurzelten, fand er häufig Gelegenheit, für die Freiheit der Forschung als Vertheidiger aufzutreten. Er unterhielt mit den bedeutendsten Gelehrten nicht bloß Deutschlands, sondern fast aller europäischen Staaten lebhaften Briefwechsel, wozu insbesondere die von ihm angelegte Münzen- und Antikensammlung Anregung gab. Sie wird von Oberthür als eine der größten und schönsten gerühmt, dieFranken je besaß. H. selbst schätzt sie in seinem Testamente auf 60,000 Gulden; nach seinem Tode kam sie unter den Hammer, der größte Theil wurde für daß kurfürstliche Cabinet zu Mannheim erworben. Ebenso werthvoll soll seine Bibliothek und Handschriftensammlung gewesen sein, die von den Brüdern Veit zu Augsburg erworben wurden. H. widmete sich jedoch nicht ausschließlich dieser Sammelarbeit und gelehrten Thätigkeit; als Rathgeber des Fürstbischofs Friedrich Karl, der als Freund Karls V’l. und seiner Tochter Maria Theresia eine wichtige politische Rolle spielte und insbesondere während des österreichischen Erbfolgekriegs die Verhandlungen zwischen Baiern und Oesterreich leitete, konnte er bedeutsamen Einfluß auf die Politik der fränkischen Hochstifte und sogar des habsburgischen Erzhauses ausüben. Als aber 1746 Friedrich Karl starb, war mit ihm daß Ansehen, ja auch die Ruhe seines Freundes zu Grabe getragen. Wie es scheint, [360] hatte H. unter den Domcapitularen viele Neider und Feinde, und das beträchtliche Vermögen, daß er sich während seiner Amtsführung in Bamberg erworben hatte und zum Ankauf von Kunstschätzen und Büchern verwandte, gab Anlaß zur Anklage, H. habe die Freigebigkeit und Arglosigkeit seines Gönners in eigennütziger Weise mißbraucht. Schon sam ersten Tage nach dem Ableben des Fürstbischofs wurde H. als Vicarius und geheimer Rath suspendirt; in weiteren Kapitelsitzungen beschloß man noch andere Maßregeln, welche die Einkünfte und Nutznießungen des Weihbischofs beschränkten, außerdem wurde eine förmliche Untersuchung wegen widerrechtlicher Einziehung jener Gelder, die während der Erledigung der Suffraganstelle angewachsen waren, eingeleitet. Ehe es jedoch zur Entscheidung kam, erlöste der Tod den Angeklagten aus peinlicher Lage; H. starb am 4. Juli 1748, noch nicht 49 Jahre alt. Eine Herausgabe seiner politischen und gelehrten Correspondenz, die sicher viel Interessantes böte, wurde durch den Würzburger Bibliothekar Stumpf in Aussicht gestellt, daß Versprechen aber nicht verwirklicht.
lse1.brjoj118- Bib1. ms(1. St j11iimzs 18.tj11itztis„ 11b. 7l!- p. 230. – Auskunft über den nicht erschienenen zweiten Theil des 011r0njc:011 (3totrwjOen8e gibt Fr. Blumberger in Pertz’ Archiv, 17, S. 233. – Schneidawind, Versuch einer statistischen Beschreibung des kaiserlichen Hochstiftes Bamberg, S. 266. – (Oberthür), Taschenbuch für die Geschichte, Topographie und Statistik Frankenlands, Jahrg. 1798, S. 88. – Haas, Geschichte der Pfarrei St. Martin zu Bamberg, S. 598. –