ADB:Heinrich I. (Markgraf von Brandenburg und Landsberg)

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Artikel „Heinrich I., Markgraf von Brandenburg“ von Otto von Heinemann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 482–483, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heinrich_I._(Markgraf_von_Brandenburg_und_Landsberg)&oldid=1685426 (Version vom 19. September 2014, 02:57 Uhr UTC)
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Heinrich I., Markgraf von Brandenburg, mit dem unerklärten Beinamen Anelant (d. i. ohne Land), stammte aus der Johannneischen Linie der Askanischen Markgrafen von Brandenburg und war ein Sohn des Begründers dieser Linie, des Markgrafen Johann, aus dessen dritter Ehe mit Jutta, der Tochter des Herzogs Albrecht I. von Sachsen. Er muß als Sproß einer erst im späteren Alter seines Vaters eingegangenen Ehe weit jünger gewesen sein als seine Brüder, die Markgrafen Johann II., Otto mit dem Pfeil und Konrad, deren Mutter, Sophia von Dänemark, die erste Gemahlin Johanns I. war. Hieraus und nicht aus seinem angeblichen unfreundlichen Verhältnisse zu diesen seinen Brüdern erklärt sich, daß diese oft, ohne seiner zu gedenken, Regierungshandlungen vornehmen. Er scheint erst seit dem J. 1294 an der Regierung des Landes theilgenommen zu haben und erhielt dann bei der Auseinandersetzung mit seinen älteren Brüdern nach Pulkawa’s Zeugnisse zu seinem Antheil Gelicz, worunter wol die Stadt Delitzsch zu verstehen ist, welche zur Mark Landsberg gehörte. Die letztere war nämlich während der Zwistigkeiten des Markgrafen Albrecht des Unartigen von Meißen mit seinen Söhnen von jenem an die Markgrafen von Brandenburg verkauft worden und ward dann von diesen dem Markgrafen H. ohne Land von Brandenburg zugewiesen. Es erhellt dies daraus, daß H. in Urkunden fast ausnahmslos neben dem Titel eines Markgrafen von Brandenburg auch denjenigen eines Markgrafen von Landsberg führt. Mit verschiedenen benachbarten Fürsten hat H. Fehden geführt, ohne daß wir genau den Grund derselben angeben könnten, somit dem Erzbischofe Burchard von Magdeburg, der ihn in den Kirchenbann that und dem er die zu der Pfalz Sachsen gehörigen Schlösser Grillenberg und Raspenberg bei Sangerhausen abtreten mußte (1311). Eine andere Fehde mit dem Markgrafen Diezmann von Meißen, in welcher H. durch diesen eine Niederlage erlitt, scheint mit jenem Verkaufe der Mark Landsberg durch Diezmanns Vater, Albrecht den Unartigen, zusammengehangen zu haben. Nach dem Tode Heinrichs VII. von Luxemburg wurde Markgraf H. von seinem Neffen, dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg, als dessen zu wählender Nachfolger auf dem deutschen Königsthrone in Vorschlag gebracht. Er selbst scheint indeß mit dieser Candidatur nicht einverstanden gewesen zu sein, denn er versprach urkundlich, seine Stimme dem Herzoge Friedrich von Oesterreich und, im Fall daß dieser nicht durchzubringen sei, dessen Bruder Leopold zu geben. Trotzdem wählte er später in Gemeinschaft mit dem Mark [483] grafen Waldemar den Nebenbuhler Friedrichs, den Herzog Ludwig von Baiern, zum König. H. starb im J. 1318 und hinterließ aus seiner Ehe mit Agnes, einer Tochter Ludwigs des Strengen von Baiern, der Wittwe des Landgrafen Heinrich II. von Hessen, außer zwei Töchtern als einzigen Sohn:

Heinrich II., Markgrafen von Brandenburg, der unter der Vormundschaft des Herzogs Rudolf I. von Sachsen und des Herzogs Wratislaw von Pommern seinem Vater in der Regierung der von diesem besessenen Länder folgte. Nach dem Tode seines Vetters, des Markgrafen Waldemar (14. August 1319), erbte dieser jüngere H. dessen Lande und vereinigte so den gesammten Ländercomplex, den die Askanischen Markgrafen zusammengebracht hatten, mit Ausnahme der Oberlausitz, die einst als Mitgift der böhmischen Prinzessin Beatrix, der Gemahlin des Markgrafen Otto III., an die Ottonische Linie gekommen war, jetzt aber zur Zeit von Heinrichs Vormundschaft sich freiwillig wieder dem Böhmenkönig unterwarf. Am 16. Juni 1320 erklärte König Ludwig seinen Neffen, den jungen Markgrafen H., für mündig, obschon dieser noch nicht das volljährige Alter erreicht hatte. Aber bereits wenige Monate später (im Juli oder August 1320) raffte ein früher Tod den letzten Askanischen Beherrscher der Mark Brandenburg hinweg. Vermählt ist er nie gewesen.

v. Heinemann.