ADB:Hermann (Markgraf von Baden-Baden)
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Hermann, Markgraf von Baden, aus dem Hause Baden-Baden, fünfter Sohn des Markgrafen Wilhelm von Baden=Baden von Gräfin Katharina Ursula von Hohenzollern-Hechingen, wurde am 12. October 1628 in Baden geboren. [121] Als jüngerer Prinz wurde er zu dem geistlichen Stande bestimmt und Domherr zu Köln und Paderborn. Er genoß eine gute, freilich sehr streng katholische Erziehung und regte den Badener Jesuiten JohanneS Gaman8 dazu an, eine badische HauZgeschichte zu schreiben. Bei den Wirren in Polen dachten viele Magnaten« an die Berufung He-t:mannS oder seines:- Neffen Ludwig Wilhelm auf den erledigten Thron, zumal Beide mit dem königlichen Hause Wasa verwandt waren. Da H. geneigt gewesen wäre diesem Rufe zu Folgen, so entsagte er1661 dem geistlichen Stande, legte seine Canonikate nieder und widmete fich fortan dem Kriegerberufe. 1663 führte er dieTruppen dt-S burgundifchen Kreises gegen die Türken nach Ungarn. A18 1665 der Gouverneur der spanischen Niederlande den Kaiser Leopold um Hülse gegen Frankreich anging, übergab dieser den Befehl über 80,000 Mann an den Markgrafen und dieser langte trotz vielfacher Proteste Ludwig8 JLU?. einftweilen mit 300C) Mann in den Niederlanden an; durch die Lift, daß er weitere 2000 für Diener 1c. auSgab, hatte er bald 5000 Mann zusammen. 1667 gab H. sich große Mühe, einen neuen AuSbruch dez Krieges zu verhindern. Dem Kaiser treu ergeben, ging er im Auftrage deS GouverneurS der spanischen Niederlande, Marquis?- von Castel Rodrigo, Hm Juli 1667 nach Berlin, um den Kurfürsten von Brandenburg zum Bündnisse mit Spanien gegen Frankreich zu bestimmen, überwand seine Bedenken durch daß Versprechen von Subsidiengeldern und Sicherstellung gegenüber Schweden und kehrte im August nach Brüssel zurück. Hier veranlaßte er am 16. November 1667 den Abschluß eineS Bündnisse-?- Castel Rodrigo?- mit dem brandenburgischen Abgefandten Blaspiel, wodurch der Kurfürst sich verpflichtete, Spanien für bestimmte HülfS- gelder mit 15,O00 Mann beizustehen ––– der Kurfürst genehmigte jedoch dietz Bündniß nicht und trat zu Frankreich, December 1667. 1671 fpann Frank- reich abermalZ Jntriguen gegen daß deutsche Reich und gegen Holland, dem Reiche war ein Bündnis; mit Schweden nützlich; diese Krone schickte darum den berühmten Pufendorf nach Wien und Hermann verwandte sich nach Kräften für eine Allianz mit Schweden. Aber den Fürsten Lobkowitz und Windifchgrätz, die von Ludwig I(l’i’. bestochen waren, gelang etz den Kaiser einzufchüchtern und die Allianz zu hintertreiben. 167Z ging ebenso gewandt als Diplomat wie tapfer alS Krieger, unter Montecuccoli’«S Oberbefehl an den Rhein alS kaiserlicher Generalfeldzeugmeister und Befehl-2haber der Artillerie und focht ruhmvoll gegen die Franzosen. Am 4. October 1674 ftritt er mit dem Geueralfeldmarschall Bournonville bei Holzheim und siegte, wenngleich auch die Franzosen den Sieg beanspruchten; hingegen war er bei Mühlhausen am 29. December 1674 und bei Türkheim am 5. Januar 1675 unglücklich und mußte über den Rhein zurück. 1675 übertrug Mont-ecuccoli ihm die Vertheidigu11g des5 VreiSgau; H. zog mit kaiserlichen und schwäbischen KreiStruppen an den Rhein und erfchwerte dem Marquis von Vaubrun den Brückenschlag bei Rheinau. Trotzdem kam Turenne über den Rhein; H. warf nun eine starke Besatzung nach Offenburg, die sich standhaft gegen Vaubrun hielt und nahm Theil an der Belagerung von Hagenau. AlS General Montclair mit 2000 Mann auS Breisach auSgezogen war, um did Gegend zu brandfchatzen, sandte der Markgraf 1200 Reiter unter General Graf Schultz gegen ihn; dieser überfiek den Feind bei Buchholz, zerfprengte ihn und fing viele Franzosen, Montclair selbst am Spieltifche; nun hielt sich der Feind ruhig in Breisach und ließ die Umgegend in Frieden. H. beschoß Zabern, zog aber auf Montecuccoli’S Befehl ab und traf mit ihm in den Winterquartieren zu Eßlingen ein. 1676 stand H. nach Montecuccoliss5 Abgang unter dem Ober- befehle det? Herzog:? Karl 1s. von Lothringen am Rheine und als die Franzosen die Festung Philipp?-burg verstärken wollten, zwangen er und Karl die Verstär- kungZtruppen zur Umkehr. Au- der Belagerung von PhilippSbu1g nahm nun H. mit seinem Vetter, Markgrafen Friedrich V1. von Baden-Durlach, Theil seit Ende [122] April; erst am 17. Sept. 1676 capitulirte Philippsburg und H. ehrte die Auß- dauer deS tapferen Commandanten, Charles Faitrien du Fay, durch Ueberreichung eine2 prachtvollen DegenS. 1677 betheiligte sich H. an der Expedition Karls von Lothringen, der freilich erfolgloS in dieChampagne eindringen wollte, 1678 kämpfte er unter ihm gegen die Franzosen und befehligte eine Zeit lang al-Z Commandant in Straßburg gegen den Marschall v. Crcs5qui, biz Krankheit ihn überfiel. Nachdem in Nymwegen der Friede abgeschlossen worden, bereiste H. verschiedene Höfe, um sie für den Kaiser zu gewinnen; so begegnen wir ihm 1680 abermals in Berlin, wo er aber wenig Entgegenkommen fand. 1682 wurde er nach Montecuccoli’S Tod Präsident deS kaiserlichen HofkriegSratheS und 1688 nach Ungarn geschickt, um Vorbereitungen zum Türkenkriege zu treffen. Er be- fchwor den Kaiser, doch ja keine Ersparnisse am Heerwefen zu machen, wo man jetzt einer gewaltigen Kraft bedürfe. H. wurde kaiserlicher Feldmarschall und leitete die Geschäfte alS HofkriegSrathSpräfident und erster Minister LeopoldS8 I. Trotz seiner dringenden Vorstellungen war Wien von Garnison und allen Mitteln zur Vertheidigung entblöft, waS ihm tiefen Schmerz verursachte; als:- der Kaiser nach Linz floh, 7. Juli 1683, erbot er sich in Wien zu bleiben, doch gestattete Leopold e3 ihm nur für die folgende Nacht. Sofort ließ H. Geschütz auf die Wälle der von den Türken belagerten Stadt Führen, traf Verabredungen mit dem Herzoge von Lothringen, ermahnte den Magistrat zu muthigem AuSharren und reiste am 8. Juli zu Leopold nach Linz. Von Leopold abgesandt, wohnte er am 3. September in Städteldorf dem großen KriegZrathe Johann SobieSki’S und der Führer der Alliirten an, auf seinen Antrag beschloß man die Concen- trirung dez HeereS bei Tulln und am 8. September übernahm er ein Commando unter dem Herzoge von Lothringen. JN der Schlacht vom 12. September hielt er sich zuerst neben SobicSki, führte dann die in Reserve stehenden kaiserlichen Bataillone den Kahlenberg hinab und kam den Türken in die Fronte. Jm October 1684, alS die Feldherren die Belagerung von Ofen aufheben wollten, erschien H., der seit Monaten dagegen gearbeitet, im kaiserlichen Auftrage vor Ofen; sein Gegner, der Herzog von Lothringen, hatte Leopold veranlaßt, ihn mit der Leitung der Belagerung zu betrau5–n. Vergeblich hatte H. bisher um ein Commando im Felde angehalten, jetzt übertrug man ihm eine verlorene Sache, aber gewöhnt alS Soldat zu gehorchen, folgte er foFort. ES handelte sich nur noch darum, die Trümmer dez fast vernichteten Ht–ereS und daß große Be- lagerungSmaterial zu retten und H. that diesS am 29.––Z0. October. Seit 1685 machte die Pforte wiederholt Frieden?-anträge, aber H. wußte sie zu hintertreiben; er hielt etz für Ehrensache mit aller Kraft den Krieg fortzuführen. Anstatt Großwardein zu bclagern, rieth er, die Drau- und Donauübergänge sollten. durch ein detachirte8 Corp?: beobachtet werden und die Hauptarmee Szigeth angreifen. 1687 wollte der in Ungarn blutig hausende Antonio Caraffa H. verdächtigen, al5 stehe er in geht-imem Einverständnisse· mit dem Rebellen Tököly; hierüber befchwerte sich sein Neffe, Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, »der TürkenlouiS«, bei dem Kaiser und dieser Fall gab den Anlaß zur Aushebung des BlutgerichtS in EperieZ, November 1687. H. wohnte al8 Gouverneur von Raab am 9. Dec. 1687 der Krönung deS Erzherzog8 Joseph zum Erbkönige von Ungarn in Preß- burg bei. 1688 ernannte ihn Leopold 1. zum PrincipalcommisfariuS in Regenz- burg am ReichStage, in der Hoffnung auf AuZnützung seineS großen Einflusses? bei den ReichZftän.den, da ein Bruch mit Frankreich vor der Thüre zu stehen schien. Mit dem innigften Jubel erfuhrH. noch den g1orreichen Sieg dcZ Türken- loui8 bei Szalankemen, dann raffte ein Schlag am 2. October 1691 den Grei8 in Regen8burg weg. Am Z0. October wurde er dort bestattet. Er war un- vermählt.