ADB:Heyden, Sebald
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Heyden: Sebald H. Ein dieser Form steht der Name im Nominativ auf dem Titel der u1S esi12O11c1i: sonst auch Heiden, vielleicht ursprünglich He1)d oder Heid; der ihm hicund da beigelrgte Vorname Sebastian beruht auf Irrthum), ein berühmter Sch11lmann des 1s;. Jahrhunderts, verdient um die Kirchenoerbefscrung und noch mehr um die Musikwissenschaft. Ueber seine Grburt schwanken die Angaben. Ein von Will im Nürnberger Gelehrten-Löz–ikon citirter „Hirsch“ läßt ihn am 1J. Dec. 1ssCs zu Bruck an der Rt–dnitz geboren werden; nach Andern wäre er zu Nürnberg selbst 14ts, nach Will’s Muthmaßung 1–1ts4, nach derjenigen scltntr’–5 es. u.) 1–x88 geboren. Er eutstan1mtc einer alten Nürnberger Patricie1–familic. Nachdem er in Nürnberg die Lorenzund Sebaldschule besucht hatte, studirte er zu Ingolstadt und erwarb sich den Magistertitel, vtrsah darauf kurze Zeit den Schuldic11ft in einer kleinen Stadt Steiermarks und einen Cantordienst in Bruck a. d. Leitha esosern hierbei nicht eine Verwechslung mit seinem muthmaßlichen Geburt–sort Bruck im Spiel sein sollte; oder umgekehrs oder sofern nicht Bruck in Steiermark gemeint und dieß eben jene kleine Stadt wäre, in der er vorher einen Schuldienst versah). J–m Jahre 152O berief ihn Nürnberg zum Rector der Spitalschule. Schon damals zeigte er seine Hinneigung zur Reformation, indem er den Mariengesang „.St1lu–c 1–9gj1r1** in einen dem Evangelio gemäßen Lobgesang auf Christum umänderte, wofür ihn der Franciscaner Kas var Schatzge1)er heftig verfolgte. Dies hinderte aber die Nürnberger nicht, ihn 1524 als Nachfolger Joh. Denk’s Es. Bd. V. S. zum Rector der Sebaldschule zu befördern, die er in so hohen Flor brachte, daß sie 1–JLs4 von fast MO Schülern besucht ward: Er führte dort zuerst den Unterricht im Griechischen ein. – 1525 wohnte er dem Religionss gesptäch auf dem Nürnberger Rathhaussaal als Protocollführer bei, sowie noch 1554 dem Gespräch in Anlaß der –Osiandrischen Streitigkeiten. In der Abendmahlslehre schien sich H. mehr den Ansichten Melanchthon’s zuzuneigen, ohne daß er dafür zur Verantwortung gezogen worden wäre. 1523 in den Ehestand getreten, ward er Vater von 8 Kindern, von denen Christian Professor der [353] Mathematik und Johann Organist zu Nürnberg wurde. – H. starb am 9. Juli 1561.
Neben seinen zahlreichen gelehrten Schriften, deren Verzeichniß bei Ersch – und Gruber (.f- u.) zu finden ist, sind es hauptsächlich seine geistlichen Lieder und sein theoretisches Werk über Musik, welche ihm einen dauernden Namen sichern. Letzteres, zuerst als „I1usj(:ue- jc1 9St 81–tjs (r1118n(1j- 1ib1i (1u0. Autor SOtmi(1us llczs(1en.“ Ko1–i1nbe1–gs 1.587. (2t Aufl. 1540) erschienen, verdient vermöge seiner klaren Darstellung und seiner vortrefflichen Musikbeispiele noch heute die höchste Beachtung. Ihm vorzüglich entnimmt Bellermann in seiner Schrift über die Mensuralnoten und Tactzeichen des 15. und 143. Jahrhunderts CBerlin 18k-8) seine Lehren und Beispiele. – Heyden’s geistliche Lieder erschienen zunächst in wiederholten Einzeldrucken; der älteste, falls nicht die Titeleinfasfung, welche die Jahreszahl enthält, einem ältern Werke entlehnt ist, schon im Jahre 1ss . Es ist dies eine sog. Passion, d. h. eine poetische Erzählung von dem Leiden Jesu, in 23 zwölfzeiligen Strophen, mit dem Anfang: „O Mensch, bewein dein Sünde groß, darum ChristuiJ seines Vaters Schoß äußert und kam auf Erden", ein Lied, das bald ungemein verbreitet ward und daß trotz seiner Länge krüher in vielen Gesangbüchern Aufnahme gefunden hat und dem jetzt bekanntrwn Paul Gerhardt’schen „O Mensch, beweinO deine Sünd“ zu Grunde liegt. Sein Abendmahlslied: „Als Jesus Christus unser Herr" findet sich zuerst in Veit Dietrich? Agendbüchlein 1s4s. Im Ganzen kamen sieben seiner Lieder, die Goedeke und Koch nach ihrem Aufange an?ühren und die Wackernagel nach den frühften Drucken hat vollständig abdrucken lassen, in den Nürnberger Kirchen in Gebrauch; bis auf zwei oder drei waren sie dann auch in manchen andern deutschen Kirchen bis ins vorige Jahrhundert hinein bekannt; dir „Pasfion“ fand selbst bei Katholiken Eingang. Taz zuerst im Enchiridion, Lübeck 1sz45, gedruckte Lied: „T Mynsche, wyl gedencken myu bytter lydt–nt grot“ wird ihm nur aus Versehen ab und an zugeschrieben.
(S3. G. Zeltner, Kurze Erläuterung der Nürnl7. Schul-1mdRcformationesgeschichte aus Leben und Schriften Sch. -LJe1)den. Nürnberg 17:32. 4t“. – Will, Nürnb. Gelehrtrnlrz–ikon. – Rotermund bri Ersch und Gruber R’11 (ls:0) S. 36–1–. – Gocdcke, Grundriß, S. 1?7. – Koch, Gesch. des Kirchenlieds Aufl.) 1. S. s26 f. II. S. 471 f. – Wacke–rnagel, 1l!. S. IsLs – Ueber dir Verbreitung seiner Lieder vgl. vor Allen Fischer, Kirchenliederlex. an den II. S. 4y–les citirten Stellen.