ADB:Hiller, Johann Freiherr von

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Artikel „Hiller, Johann Freiherr von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), ab Seite 423, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hiller,_Johann_Freiherr_von&oldid=720975 (Version vom 24. Dezember 2009, 19:52 Uhr UTC)
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Hiller: Johann Freiherr v. H., wurde am 10. Juni 1754 (?) zu Brody in Gallizien geboren. Der Vater war Oberst und zuletzt Platzcommandant in Brody, ihm war 1772 der einfache Adel nach 45jähriger Dienstzeit verliehen, 1726 war er als gemeiner Soldat in die österreichische Armee eingetreten. (sDie Angabe des Brockhaus’schen Converfationslexicons und anderer Werke, H. sei mit dem Frciherrn Hiller v. Gärtringen verwandt, ist unrichtig.,s trat 15 Jahre alt in das In?autcrieregiment Sachsen=Hildburghausen Nr. war 1763 Lieutenant im Würtembergischen Dragonerregiment, 1774 Capitän im Warasdiner Grenzregiment; in diesem nahm er mit Auszeichnung an dem T“ürkenkriege Theil, wurde Major und Oberstlieutenant und erhielt für seine au–Jgezeichnete Bravour bei der Erstürn1ung von Novi 1788 den Maria-Theresien-Orden, den ihm Feldmarschall Loudon selbst an die Brust heftete. Für seine Leistungen bei der Velagerung von Gradiska 178Ss wurde er Oberst, 1?S90 wählte ihn London zu seinem General-Adjutanten; nach dem in demselben Jahre erfolgten Tode des Feldmarschalls kehrte H. zu seinem Regimente zurück, wurde 17k14 Generalmajor und im folgenden Jahre General-Kriegß-Commissär bei der Armee in Italien. 1s96 erhielt er eine Brigade- bei der Rl)einatmet–, mußte aber in demfell7enJahre seintr Gesundheit wegen den Abschied nehmen und trat erst 17Sds bei der Armee, die damals am Lech stand, wieder ein. In der Schlacht bei Zürich 1799 warf er an der Spitze eines Rt–gin1ents den Feind aus dem Walde, erhielt aber einen Schuß in die Kniescheibe und hinkte seitdem. Als die Russen sich zurückzogen wurde er zu Suworow und Korsakow geschickt, um den Rückzug zu hintertreiben, doch blieb seine Sendung erfolglos – er wurde, schon im September zum Feldmarichall-Licutenant befördert, 6ommandant eines Corps im nördlichen Tirol. 1801 nach dem Frieden wurde er nach Agram versetzt, dann als Militär-Commandant nach J1misbruck, 1803 wurde er zum commandirenden General inTirol und Vorarlberg ernannt. Bei dem Ausbruch des; Krieges hatte er dir Eingänge Von Tirol zu vertheidigen und durch Demonstrationen auf dem rechten Ufer der Ctsch die österreichische Armee in Italien zu unterstützen. Nach der Capitulation von Ulm sollte er sich mit der Hauptarmee unter Erzherzog Karl vereinigen, waS rr durch einen geschickten Rückzug nach Cilli ausführte. Er führte dann die Avantgarde des Heeres. Nach dem Waffenstillstand wurde er Militär-Commandant in Salzburg und Oberösterreich, 1807 als commandirender General zur Karlsstadt-Warasdiner Militärgrenze versetzt. Bei Ausbruch des Krieges wurde H. der Besehl über das sechste Armee-corps, dann noch über die fünfte Armeeabtheilung und das zweite Reservrcorps übertragen, so daß er alle Truppen in Oesterreich ob der Enns – O4 Bataillone und 64 Escadrons – commandirte. Am 20. April griff ihn Napoleon bei Landshut an und drängte ihn zurück, – [424] bald darauf schlug H. Bessictzres bei Neumarkt (für diesen Sieg erhielt er daß Commandeur-Kreuz des Maria-Theresien-Ordens4), bei Eckmühl glückte es Napoleon das feindliche Heer zu trennen. H. führte seine Armee in Ordnung über Burghausen nach Linz zurück, hielt sich tapfer am 3. Mai bei Ebelesberg gegen die Angriffe der Franzosen, ging aber dann bei Mautern auf das linke Donauufer. Am 16. Mai hatte er ein Gefecht mit Lannes zu bestehen und vereinigte sich, nachdem Wien capitulirt hatte, an demselben Tage mit Erzherzog Karl. In der Schlacht bei Aspern (“21. und 22. Mai) führte H. den äußersten rechten Flügel bei Stammersdorf und warf nach hartnäckigen Kämpfen den Feind aus Aspern. Ebenso erbittert war das Gefecht in der Au. In der Nacht blieben Hiller’s Truppen unter Gewehr auf dem Kampfplatze. Am folgenden Tage erneuten die Franzosen die Angriffe. Neunmal wurde Aspern von den Franzosen genommen und wieder verloren, schließlich aber von H. behauptet. Für seinen ruhmvollen Anthril an dem glänzenden Siege wurde er zum Feldzeugmeister ernannt und erhielt eine Dotation von 50 000 Gulden. Bald erkrankte er und konnte an der Schlacht beiWagram nicht theilnehmen. Nach dem Frieden wurde H. commandirender General in Croatien, 1811 in Slawonien und Syrmien. Bei dem Autsbruch der Befreiung;zkriege 1813 erhielt er den Befehl über das Heer von Inner-Oesterreich, das später den Namen der Armee von Italien erhielt und nur die Stärke von 32 0sO Mann und 120 Geschützen, dem überlegenen Beauharnais gegenüber, besaß. H. sollte Jllyrien erobern, sich aber sonst dcfensiv verhalten. VonKlagenj11rt a11s drängte er den Feind im October und November über Tarvis und Vieenz,a nach Verona, aber es glückte ihm nicht Trient und Verona zu nehmen. Mitte December übernahm Graf Bellegarde den Obe–rbefehl. H. verließ erkrankt die Armee, wurde aber 1814 zum commandirendt–n General in Siebenbürgen, bald darauf in Gallizien ernannt; am 3. Juni 1819 starb rr nach langem Leiden in Lemberg. Der „Radetzky seiner (Zeit“ wurde von seinen Soldaten wie em Vater geliebt, er sorgte treu für sie, war im Kampfe kaltblütig, umsichtig und kühn, im gleichen Maße erwarb er sich die Liebe der Bewohner. Die Stände setzten ihm in Lemborg nach seinem Tode ein Denkmal. Kärnthen, Ste1)ermark und Tyrol ernannten ihn zum Landstande und Herrn, die Schweizer schon 17td9 zum Gotteshausmann in St. Gallen. Er warinder österreichischen Frciherrnstand erhoben, mit Patent vom Jahre 178Sd, war J21- haber eines Jufautcrieregitnv11ts und seit 1807 hatte er die Würde eines geheimen Raths.

v. Wurzbach, Biographisches Lexicon des Kaiserthums Oesterreich. Ritter v. Rittersberg, Biographien österreichischer Fcldhtrrn. Hirtenfeld, Oesterreichisches Militär-Conversations-Lexicon. Ersch und Gruber, Allgemeine Encyclopädie.
v. M.
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