ADB:Hinckeldey, Carl von
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Hinckeldey: Karl Ludwig Friedrich v. H., preußischer Generalpolizeidirector, geb. am 1. September 1805 auf dem Schlosse Sinnershausen (früher Kloster Rosenthal,) bei Wafungen im Herzogthum Sachsen-Meiningen als der jüngere von zwei Söhnen des (1835 gestorbenen) Geh. Reg.-Raths Karl v. H., besuchte daß Gymnasium in Eisenach, studirte 1823 –26 in Berlin und Göttingen die Rechte, trat am 30. Septbr. 1826 als Auscultator in den preußischen Juftizdienst, wurde 1833 als Regierungsassessor an die Regierung in Liegnitz versetzt, 1834 zum Regierungsrath ernannt, zeichnete sich als solcher in Arnsberg sosehr aus, daß er 1842 auf ausdrücklichen Befehl des Königs zum Oberregierungsrath und Vorstand der Abtheilung des Innern bei der Regierung in Merseburg bestellt wurde. Durch die hier bewiesene Energie und organisatorische Thätigkeit lenktt– er die Aufmerksamkeit des preußischen Hofes und des Ministeriums.- Manteuffel auf sich, welche;.-, alsbald nach seinem Amtsantritt C7. Nov. 1848y) nach einem energischen Mann zur Herstellung der Ruhe in Berlin sich umsehend, am 14. November H. zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannte. Diesen Erwartungen vollauf entsprechend, trug er in der Zeit hoher politischer Aufregung, zunächst in Unterstützung des Oberbefehleshabers in den Marken, Gencrals v. Wrangel, mit großer Schärfe und Rücksicht-Ilosigkeit dazu bei, den vollziehenden Behörden Achtung und ihren Erlassen Geltung zu verschaffen. InLJbesoudere war es mit eine Folge seines Auftretens, daß die demokratische Partei in Berlin sich vom öffentlichen Schauplatz zurückzog. Im Amtseifer, verbunden mit der Hingt-bung an die politischen Tendenzen jenes Ministeriums, verhängte er mitunter Maßregeln, ohne sich an gesetzliche Bestimmungen genau zu binden. Es war dies z. B. der Fall in Betreff der am Febr. 184:“ verfügten Schließung einer Druckerei. Ter erwähnte Zug blieb ihm aber auch eigen, nachdem längst die nächsten politischen Ziele jenes Ministeriums erreicht waren. Noch 1851 erließ er eine Verordnung über Theatercensur, ohne, wie es daß- Gesetz vorschricb, den Gcmeindevorstand gefragt zu haben. Auch bestand unter ihm die Einrichtung, daß die Gefangenen mit Umgehung des Staatan= walts dem 1111tersuchungsrichter vorgeführt wurden. Durch sein schroffes Verfahren zog er sich Vielseitig großen Haß zu und es erregte allgemeine Befriedigung, als im Processe Waldeck (December 1S4si der Präsident Taddel H., der als Zeuge ohne Achtung vor dem Gerichte auftrat, zwang, sich der Autorität desselben zu beugen. Dagegen bezeugten ihm im J. 18H2 über 130(“ angesehene Berliner Bürger, daß die Herstellung der Ordnung größtentheils ihm zu danken sei. Seine Hauptaufgabe bestand in der Neuorganisirung der gesammten Polizeiverwaltung. Fast jeder Zweig derselben wurde von ihm umgestaltet: die Executivpolizei militärisch eingerichtet, daß Armenwesen verbessert, eine Straßenreinigung eingeführt, Speise-, Wasch- und Badeanstalten, sowie Herbergen für vrrdieustliche weibliche Dienstboten errichtet, die Gefängnisse zweckmäßig umgestaltet, Berlin mit fließeudem Wasser versorgt und die Grundlage für die musterhafte Einrichtung des Feuerlöschwesens gelegt, deren Stationen er, wie die der Polizeiämter, telegraphisch verbinden ließ. Zum Generalpolizeidirector ernannt, zog er, nach Entdeckung Vins demokratischen Complotts, am 7. April 1853 die Berliner Fabrikarbeiter, namentlich die Maschinenbauer, nicht ohne Willkür und unter dem Widerspruche des Magistrats, in gesetzlich beaufsichtigte corporative Vereine. Als die wohlthätigen Wirkungen seiner vielfachen Reformen im täglichen Leben und Verkehr Berlins fühlbar wurden, ward H. trotz seiner vielen Anstöße eine in der Bevölkerung der Hauptstadt beliebte Persönlichkeit [438] und am 29. Januar 1858 wurde ihm von Berliner Einwohnern ein Ehrenfest veranstaltet. Auch beim König in hoher Gunst stehend, wurde er im März 1853 zum Geh. Oberregierungsrath und Leiter der Abtheilung für Polizei im Ministerium des Innern ernannt, wodurch ihm die gesammte höhere Sicherheitspolizei des preußischen Staats unter Oberleitung des Ministers in die Hand gegeben war. 1854 wurde diese Abtheilung, unter Abtrennung vom Ministerium, unter H. als selbständige Behörde centralisirt und er selbst zum Rath erster Classe mit dem Titel Excellenz ernannt. 1855 ließ H. ein „Preuß. Polizei- Lexikon“ herausgeben. – Infolge der im Juni 1855 erfolgten Aufhebung einer nächtlichen Spielersitzung des aus Angehörigen des Adels bestehenden Jockeyclub3 in Berlin entstand ein Zwist zwischen und einem Herrenhausmitgliede, dem 30jährigen Gardelieutenant v. Rochow-Plessow. Zwar war auf des letzteren Beschwerde ein Polizeilieutenant wegen des Verkahrt-us bei jenem Anlasse disciplinarisch bestraft; allein Aeußerungen Hinckeldey’s gegen Rochow über Dritte, die er nachher auf Vorhalt amtlich in Abrede stellte, zogen ihm von diesem den Vorwurf der Lüge zu. Dies und die Gefährdung seiner ganzen gesellschaftlichen Stellung durch Adeliche bestimmten H., Rochow zum ,Zwt–ikamps zu fordern. Während Staatsanwalt Nörner auf Befehl dces Königs, dem H. am Septbr. über den Streit berichtet, Material zur Beilegung desselben zu beschaffen suchte, wurde H. in dem von ihm mit Eile und Heimlichk1–it betriebenen Duell am 10. März 1856 in der Jungkernheide bei Charlottenburg von v. Rochow erschossen. Näheres enthalten die Bekanntmachungen de Unparteiischen v. d. Marwitz, Nörner’s, sowie der Brüder der Duellanten vom 12., 1s., 1s., 18. März. Au der Todesstätte ist ihm cinDenk1nal errichtet. Eine Sammlung für Hi11ckeldey’s Familie ergab 2C) 600 Thlr. Er war vermählt mit einer Freiiu v. Grundherr, aus dom Hause Altenthann in Nürnberg. Aus deren Fürsprache wurde der zu vier Jahren Festungshe1st verurtheilte v. Rochow in Magdeburg am L1. März 1857 begnadigt.
Des Hm. v. Hinckcldcy Stellung zur Presse und seinejü11gstt–n Maß- regeln gegen dieselbe von RVichardt, Berlin 184ks; Erinnesrungsblätter an daß dem Polizeipräs. v. Hinckeldesi) veranstaltete Ehrenfest, Berlin 1S5 ; gäuzungs Convc–rf.-Lex. v. F. Steger, Bd. Jil. (J–ahr 185Is–5O), Leipzig u. Meißen; Grenzboten 185es, 1. Sem. 1. Bd. S. 511; N. Preuß. Ztg. 18s t.;, Nr. 61, Os, w3; Unsere Zeit, 18-JZ, S. 43s A. Allg. stg. Nr. 7O von 18ses; Hassel, Die letzten Stunden des Generalpolizoidirectors v. Hi11ckeldey C.Vcrlin 1S5Os; Worte der Liebe, gesprochen am Sarge des verewigten Generalpolizeidircctors v. Hinckeldey vom Prediger Blanck und Rede des Pastors Siegel 1Berl. 18T-61.