ADB:Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, Alexander Prinz zu

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Artikel „Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, Alexander Prinz zu“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), ab Seite 683, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsf%C3%BCrst,_Alexander_Prinz_zu&oldid=804118 (Version vom 24. Dezember 2009, 23:44 Uhr UTC)
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Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst: Fürst Alexander Leopold Franz Emmerich H., katholischer Geistlicher, geboren den 17. August 1794 zu Kupferzell, f den 14. November 1849 zu Vslau bei Wien. Er war das 18. Kind des Fürsten Karl Albrecht aus dessen Ehe mit der ungarischen Freiin Judith v. Reviczky. Der Vater starb schon ein Jahr nach seiner Geburt. Von der Mutter für den geistlichen Stand bestimmt, erhielt er seine Vorbildung 1804–8 im Theresianum zu Wien, 1808– 10 an der Akademie zu Bern, 1810–13 in den Clericalseminarien zu Wien und Tyrnau. Im J. 1814 kam er auf den Wunsch des Königs Friedrich von Württemberg zu seinem Oheim, dem Weihbischof Fürst Franz Karl von Hohenloheschillingsfürst, nach Ellwangen, wo er an der neu errichteten (später als theologische Facultät nach Tübingen verlegtens) theologischen Lehranstalt seine Studien vollendete und, nachdem er schon im März 1814 von dem Domcapitel zu Olmütz zum Domicellar gewählt worden war, am 16. September 1815 zum Priester geweiht wurde. Sailer hielt bei seiner Primiz in Ellwangen die Predigt. Im März 1816 wurde H. Mitglied des J–ohanniterordens. Im Herbst desselben Jahres reiste er nach Rom, hatte aber dort anfangs Mühe, eine Audienz bei dem Papste zu erlangen, da man ihn denuncirt hatte, er habe in deutscher Sprache getauft und er sei Mitglied der Bibelgesellschaft, – Anklagen, von denen er sich, als er Audienz erhielt, völlig reinigen konnte. Im J. 1817 von Rom zurückgekehrt, hielt er sich einige Zeit in München auf, – er nahm dort Eduard v. Schenk in die katholische Kirche auf, – und wurde dann zum geistlichen Rathe, bei der Reorganisation der baicrischen Bisthümer im J. 1821 zum Domherrn in Bamberg ernannt. 1822–25 hielt er sich in Wien auf (Kaiser Alexander bat ihn dort einmal knieend um seinen Segen). 1824 zum Domherrn in Großwardein ernannt, reiste er 1825 dahin ab. 1829 wurde er Großpropst daselbst, dann Generalvicar und 1844– (Hals Bischof von Sardica ju 1m.1–tjbus’) Weihbischof. In den Jahren 1848 und 49 hielt er sich krank zu Innsbruck, Linz, Wien und Baden auf; er starb bei seinem Neffen, dem Grafen Fries zu Vötzlau. – H. war ein frommer Geistlicher und eifriger Prediger und Seelsorger. (Bedenkliche Mittheilungen über seinen Lebenswandel in jüngeren Jahren macht A. v. Feuerbach, Biograph. Nachlaß, II. 167.) Er hat auch seit dem J. 1819 eine Reihe von Predigten, Gebetbüchern und anderen Erbauungsschriften drucken lassen, von denen mehrere ins Französische übersetzt wurden. In weiteren Kreisen wurde zuerst von ihm gesprochen, als er im J. 1819 den erkrankten protestantischen Redacteur des „Fränkischen Merkur", br. Wetzel zu Bamberg, in die katholische Kirche aufgenommen; er vertheidigte sich in einer Broschüre gegen den Vorwurf der Proselytenmacherei (vgl. Scharold in der unten angeführten Schrift, S. 128). „ Noch größeres Aufsehen erregte er, als er, angeregt durch den fränkischen Bauern Martin Michel, durch Gebet und vertrauensvolle Anrufung des Namens Jesu Kranke zu heilen versuchte. Auf die Heilung der seit sieben Jahren contracten 17jährigen Prinzessin Mathilde Schwarzenberg zu Würzburg am 20. Juni 1821 (vgl. Bd. Fl. S. 355) folgten in den nächsten Wochen viele Heilungen [684] in Würzburg, Bamberg und Brückenau (hier erklärte der Kronprinz Ludwig von Baiern, er sei durch H. von seiner Harthörigkeit geheilt worden; s. Katholik 1821, II. 111). Die Vorgänge riefen eine Reihe von Broschüren hervor (Scharold verzeichnet aus den J. 1821 und 22 21 für, 17 gegen H. erschienene, für ihn u. a. von Fr. Nik. Baur, Graf C. v. Arco, den Professoren Onymus und Chr. A. Fischer zu Würzburg und G. Riegler zu Bamberg, gegen ihn von– den Professoren Fr. Brenner zu Bamberg und Cl. A. Gratz zu Ellwangen, Justizrath v. Hornthal, Fr. v. Spaur, Chr. Fr. Ammon; vgl. Schwab, Franz Berg, S. 507. Feuerbach a. a. O. II. 169, 171). Unter dem 28. ,Juli1821 veröffentlichte H. von Brückenau aus eine Erklärung; gleichzeitig bat er den Papst um eine Weisung, „wie und wiesern er von der durch Gott den Allmächtigen ihm verliehenen Gabe Gebrauch machen solle“ (beide Actenstücke abgedruckt im Katholik 1821, II. 197, 318, daß erstere auch bei Scharold, Beilagen, S. 27). Die baierischen Behörden befahlen H., alle öffentlichen Heilungsversuche zu unterlassen und sonst solche Versuche nur unter polizeilicher Aufsicht vorzunehmen; wegen Uebertretung der letzteren Verordnung wurde H. in eine Geldstrafe genommen. Auch Papst Pius VII. untersagte H. alle öffentlichen er äußerte einmal kopfschüttelnd zu Niebuhr: 0uest0 t“:11 (1ej 111jr-1o01i!), und H. änderte nun sein Verfahren dahin, daß er den Hülfesuchenden brieflich – in gedruckten Formularen – Tag und Stunde bestimmte, wann or mit ihnen gleichzeitig beten wolle (sein charakteristischer Bries von ihm vom 1834 steht in Rheinwald’s Repertorium, R11. 8:3). Für diese Gebete veröffentlichte er 1822 ein Heftchen (gewöhnlich als daß „Mirakelbüchlein“ bezeichnet) n1it dem Titel: „Andacht, welche in allerlei Leiden, Drangsalen, Krankheiten und Nöthen der Seele und des Leibes nach abgelcgter würdiger Ve-icht und empfangener h. Communion in dem festen Vertrauen auf die Krakt des Namens Jesu, in dessen Namen einzig unser Heil zu finden ist, heilsamst geübt werden kann“ (vgl. Darmstädter Allg. K.s. 1822, 667). – Außer den oben erwähnten Schriften erschien von im J. 1836 „Lichtblicke und Erlebnisse aus der Welt und dem Priesterleben, gesammelt in den J. 1815–38. Vom Verfasser genehmigte Originalübt-rsetzung aus dem Französischen", und 1845 in den „Historisch-politischen Blättern“ CR?. 501„) ein „Rundschreiben an die römisch-katholische Geistlichkeit Deutschlands“.

C. G. Scharold, LebenHgeschichte Alexanders F. v. Hohenlohe bis ins J. 1822, 1822. G. M. Pachtler, Biographische Notizen über den Prinzen Alexander zu Hohenlohe, 1850. Seb. Brunner, Aus dem Nachlasse des Fürsten Alexander von Hohenlohe, 1851. Wurzbach, Biograph. Lex.,11. 197.
Reusch.
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