ADB:Köpke, Balthasar

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Artikel „Köpke, Balthasar“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), ab Seite 663, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%B6pke,_Balthasar&oldid=668898 (Version vom 25. Dezember 2009, 13:07 Uhr UTC)
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KöPke: B-althafar K., ein mit Spener verk-und:-ner und von Spener in seiner Richtung bestimmter Theolog, war am 7. Juni 1646 als dritter Sohn des Pastors Balthasar K. zu Nennhausen bei Rathenow geboren. Er stammte aus einer Familie, deren Gedächtniß sich b1 auf die Mitte des 16. Jahrhunderts durch einen von Joachim Samuel K. um 1750 entworfenen Stammbaum zurückführen läßt. Ein ehrsamer Bäcker in Spandow übertrug seinen frommen evangelisch=lutherischen Sinn auf eine Reihe von Nachkommen, welche auf den Kanzeln [664] des Havellandes bis zum J. 1763 gestanden haben, da dann Sam. Anaftas. Christoph K. nach Pommern überstedelte und in Medow bei Anklam seine Pfarre fand. Ein Urenkel dieses Bäckermeisters war Balthasar K. Die Nachrichten, welche Rudolf K. (Kleiue Schriften S. 36, 37) von dem älteren Balthasar K., dem Vater des hier genannten gibt, erhalten ihre Berichtigung aus einer hölzernen Gedächtnißtafel aus der Kirche zu Nennl)ausen, jetzt im Besitz des Verfassers dieser Zeilen. Sie lautet: s. 1J. ’1?. j 7jr 1)j9„O rOO0rcr1„tjOr1js ] 13:A1t11sNr 1Löp1;jt18 V8-St01– NO1111useu1us N8.tus z1111O 1609 [ k’ztre .l0ao11jm0 liöp1ci0„ past0r9 1.i– pesns: l mztr6 .4111m IF18888118. I r’Ostquetm Oospt1S j11 SO11O1js pa1;rjs per I1e1r– (z11jemi 1jt.eret1–um ] 8tu(1jjs jisäOm(1ue j11 .40e1(1. Wjtt9bO1–gsvsj ke1j(:jtsr si„b801utjs RsOO9ttus Sumo 1687 M1 S S. Ilj11jstsrjum eOo1esje1S 011rjstj„ (1ue1O 11j0 O011j– 8itur Nen11us0 [ SO0;118 per :r1110S 40 g1rUnjtsi“ kunot11S 88SSt; ’1em(18n1 [ (1Smun1 e1. 1)8O ter OptjmO k1yOOutus anno 1677. cl. 29. OctObrj Ick1Je 11stO 1110rtenjtsi:S 8.11110 zc-tE1t: 811a9 68 AC1 S(:(Jl9Sjt1111 trj11miJ11.sm tem j11 (zoO1js ss1jqujt Agne- 8mm 8011111r2911 sjc1Uxin1- siOuno Rsj(1um“0- ur er S 1.jb01–Os 10 ] 11j111i1–um z .1051011j– mum ] IomJ11jmun1 y 1381t1r18Ar1un [ 8:tmue1em f Iiö1)I-1jOs -.4g118SjAm 1)orot11eE1m 0emä1A,rj11s0m j .411118–m g1.u0jA111 [ l(öp1;j.si8 I (;uOrun1 Primo g011itus St u1tjm0 gsi1jm to11eri :1(1bre sust–8te ] c1jsm o1Jjers SunIII. j R01jquj Superst.jt9S 0crO una Cum mettrc–z 1si1o9Stjsj13r1P BSM) 2 l’:1re1rcj j11 111em0rjmv pjz9 B(1uOstjonjs :t1jO– rumqus belleti0jO1sum?8tsi–11osun1 lloO pc-Sucre ] I1011un1611tum. Der hier als: di:itter Sohn genannte B. K. erhielt seinen für die Universitätsstudien vorbereitenden Unterricht auf den Schulen zu Rathenow, Brandenburg a„-“H. und Tangermünde und seit 1661 auf dem köllnischen Gymnasium zu Berlin. Er bezog dann 1665, wie seiner Zeit sein Vater, die Universität Wittenberg und etwa 1666 Jena. Im J. 1667 übernahm er eine Informatorstelle, wurde dann 1671 als Pfarrer der Gemeinden zu Fehrbellin und Tarmow am 14. Sonntag nach Trinitatis (23. August) eingeführt. Am 2–K. October heirathete er die Wittwe seines Amtsvorgängers, Frau Anna Marg. Havemann, geb. Wagner, welche ihm aus erster Ehe eine Tochter zuführte– In die Zeit seiner Amtsführung fällt die Schlacht von Fehrbellin, nach welcher er noch 20 Jahre die Kanzel in jener Stadt inne hatte. Im J. 1695 wurde er als Inspector nach Nauen versetzt; aber noch in demselben Jahre verzehrte eine Feuersbrunst einen großen Theil der Stadt und mit ihm die Kirche und das Pfarrhaus. Außer dem Verluste von Habe und Gut beklagte K. den seiner Bibliothek und seiner nur handschriftlich vorhandenen Arbeiten; er hatte nichts gerettet als seine Bibel. Da Jahre über den Wiederaufbau von Kirche und Amtswohnung vergingen, so siedelte er wieder zeitweilig nach Fehrbellin oder auch nach dem nahegelegenen Dorfe Lietzow über. Seine Gattin verlor er am 5. November 17O9; er selbst starb kinderlos am 28. Juli 1711. – Aus der Zeit seines Fehrbelliner Wirkensstammt seine persönliche Bekanntschaft mit Philipp Jacob Spener, der seit 1691 Propst von Berlin war. Am 6. October 1692 schreibt Spener aus Verkin: er habe einen sehr lieben Prediger vom Lande. Herrn Köpken, bei sich zu Tische gehabt. Die Gemeinsamkeit sowol ihrer Anschauungen vom Reiche Gottes, wie ihrer Bestrebungen, daßelbe den Gläubigen zuzuführen, hatte die beiden Männer verbunden. Ihre Glauben-2genossenschaft bezeugt ein Vergleich der Schriften Köpke’§, die ihn den Schulorthodoxen gegenüber als einen Pietisten kennzeichnen, der die Uebez:tragung der rechtgläubigen Lehre auf den Handel und Wandel des Gläubigen betonte und die erbauliche Kraft des Evangeliums wieder zu Ehren bringen half. Nicht Lehre, sondern That sollte daß Christenthum sein; es sollte erlebt, nicht formulirt werden. Im J. 1680 verfaßte K. den „1)jA-1Og118 c1S tribus SsmotO1–um grs,(1jbus, welcher noch in der Handschrift durch Freunde Spenern mitgetheilt wurde. So sehr derselbe mit dem Inhalte übereinstimmte, traute er sich doch nicht allein die Entscheidung über die Richtigkeit der vorgetragenen [665] Lehre zu. Erst als die theologische Faeultät zu Leipzig den Druck anstandslos gutgeheißen, wurde das Werk mit Spener’s Vorrede „von der christlichen Vollkommenheit" in erster Auflage ohne Köpke’s Namen im J. 1689 ver- öffentlicht. K. lehrt, das wie Gott daß Volk Israel aus der beweglichen Stiftö- hütte Mofis zu dem festbegründeten Tempel Salomonis hinübergeführt habe, so auch der gläubige Christ von dem alten Testament in das neue hineinwachsen müsse, vom Buchstaben des Gesetzes zum Geist, von der Geschichte zur Allegorie und Tropologie, zum Tempel Gottets, einem gotterleuchteten und geheiligten Herzen. Der Gläubige aber schreitet zuerst über die Schwelle dieses Tempels und den ersten Vorhof, wo die in Christo Anfangenden stehen, die Kinder im Glauben; darm in den zweiten Vorhof mit den im Glauben Heranwachsenden und endlich in daß Allerheiligste, wo die Erwachsenen ihn aufnehmen. Alle drei Lebensalter im Glauben werden mit ihren Vorzügen und Mängeln geschildert. Das Werk bezeugt von vornherein die mystisch-allegorisirende Richtung, welcher K. in seinen 15 bekannt gewordenen Schriften1.folgte. Ihm hatte die Bibel einen zwiefachen Sinn, einen buchstäblichen und einen geistlichen, den nur ein glücklicher Exeget aus jenem herauslieset. – Die Anonymität, unter welcher dieses -.cl’smiz1um 88.1on1O11js erschien, wurde bald aufgegeben. Spener nannte Köpke“ö Namen in einer anderen Vorrede.zu dessen „1?rsijs ce1tOO116cjOzt*; 1691; derselbe war ja auch „sonst aus einigen anderen Tractätlein bekannt geworden", und K. selbst wurde, obschon von Natur nicht streitbar, genöthigt, seine Glaubens und Lehrsätze zu vertheidigen. Denn von vielen Seiten wurde Widerspruch erhoben. Dan. Hartnack, Rector in Schleswig, bezüchtigte ihn 1609 im 13jb1jOt;11Ses.rjus focinianischer und arminischer Lehren, Dr. Josua Schwartze, Propst zu Rendsburg, bezeichnete in seiner Rede, mit der er 1694 den Kirchhof einweihte, K. und seine Freunde als neue Heilige, die eine hier wegen der menschlichen Schwachheit unmögliche Heiligkeit, als a(1u1tj und vollkommene, für möglich hielten, und griff im Anhang den Satz aus dem (1j:t10gus herauis, daß Gott im Neuen Testament einen höheren Grad der Heiligkeit verlange als im Alten, um an diesen die Anklage pharifäischer Verachtung anderer Leute und den Vorwurf valentinianischer, montanistischer und novatianischer Ketzerei zu knüpfen. Pastor Meyer in Hamburg schult 1695 auf Spener, daß er durch seine Vorrede die Verbreitung von Irrlehren begünstige. Spener vertheidigte seinen Freund durch eine eigene Schrift in der Rettung seiner reinen Lehre und K. suchte die Beschuldigungen niederzuschlagen durch seinen „Anhang von dem Vorzug der Gläubigen Neuen Testaments für denen im Alten Testament in der Gnade unsers Herrn Jesu Christi sowol in der Erleuchtung als Heiligung“, welchen er einer deutschen Uebersetzung beifügte, die er sammt Spener’s verdeutschter Vorrede, um sich auch dem Laien verständlicher zu machen, 1695 herausgab. Die Uebersetzung erschien in erster Auflage 1695, eine spätere aus dem Jahre 1706 ist im Besitze des Schreibers dieser Zeilen unter dem Titel „l)j-11Og11S c1e temp1o 88„1OmOnjsdaß ist: Ein geistlich Gespräch von. der Heiligung und deroselben dreyen Stuffen, der Anfangenden, Wachsenden und Geübten Heiligen, Nebst andern dahin gehörigen und zum Wachsthum im Christenthum nützlichen Sachen, genommen aus dem Fürbilde des Tempels Salomo und dessen dreyen Vorhöfen, wodurch man pflag in daß Heiligthum zu gehen, und nach Anleitung der Heiligen Schrifft kürtzlich beschrieben. Sammt der Vorrede Herrn 1)r. Phikipp Jacob Spener 1c.“ Auch eine zweite lateinische Auflage des „1)isiOgus c1O ’1’Omp1O 8.sz„1om011jsjvs c1e trj1Ouset110rOr11m gr9„äjb118“ liegt Vor UnS. Sie erschien zu Amsterdam 1698 bei Heinr. Wetstein. In der Vorrede zu derselben berichtet K. auch über die Streitigkeiten, welche ihm aus der ersten Ausgabe erwachsen seien; Und da I.ipsjAe 0mi1is SPSS SSOuncl-1S 1?1c1jrj0rtjs„(1SmiIm„ q11j11 Oo ksr9 rc-8 rec18ctz–e S88Ot.- ut su1go p1–0tj11us mt1qus.m O1si011Sum re-jjoizt111–„ c1u0c1 c:9u pjum [666] oOmmsmi8.tur„ so habe er die dargebotene Vermittlung seiner Freunde gern angenommen und sein Buch in Amsterdam erscheinen lassen. Gegen den Danziger Pastor Bücher, der 1607 Spener und dessen Freunde bezüchtigte, sie hätten die Ketzerei Rathmami’s durch ihren Pietismus wieder ins Leben gerufen; ihr Pietismus habe seinen Ursprung im Platoniömus, schrieb K. seinen 13Omitm7o1–t9ten R8„tbms„n11us 1se(1jvjyus„ Frankf. 1698, 4o, zu dem Spener wieder die Vorrede gab. Als aber Bücher seine litterarische Rauflust zu dem 1915ttO mz-8tic:118 steigerte und zu erweisen suchte, daß Plato’ß Philosophie „das giftige Ei gewest, welches so viel Wahrfager- und Zauberkunst ausgehecket“, und K. habe sich in seinen Läfterschriften von den Pietiften zu ihrem Instrumente mißbrauchen lassen, so antwortete K. mit der „83tpjentjs. (jsj j11 111zstOrjo 0rucjs 011rjsoj 8.b80o11c1jta. Die wahre ’1’119010gj.–z1.ICz–8ri0:1, oder .z918cetj0u Aller Gläubigen Alten und Neuen Testaments. Entgegengesetzet der falschen aus der Heydnischen Philosophie 1i’r1to11js und seiner Nachfolger. In zwey Theile abgefasset durch B. K., Inspector zu Nauen. Nebst Herrn Dr. Ph. J. Spener’s Vorrede. 1700. 2 37o11.“ gibt einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der mystischen Theologie und über ihre Gnadenwirkungen; auch stellt er die Urtheile zusammen, welche aus der Kirche selbst über sie gefällt waren. Er berührt somit das eigentliche Wesen des Pietisms, durch welches sich derselbe von der Kathederorthodoxie der theologischen Lehrer unterscheidet; diese könne ja doch die ganze Seele des Menschen nicht erfüllen, sondern bleibe nur als Gegenstand des Wissens in seinem Gedächtniß haften. Ausgehend von des Apostels Wort an die Cor. 1, s2, 7 sucht er nachzuweisen, wie die heimliche verborgeueWeisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unserer Herrlichkeit eigentlich die Lehre von der Dreieinigkeit und von dem Mensch gewordenen Gotte sei, die zuerst dem Abraham geoffenbart, von seinen Erben nach Aegypten getragen, dort bei Priestern vererbt und endlich an Pythagoras und Thales, an Plato und Aristoteles gekommen sei. Vorneh111lich hatte Plato, der Weifesten Einer, in seiner Lehre von der Seele erwiesen, daß er nicht als Urheber des Fanaticismus noch als Zauberer und Teufelskünstler anzusehen sei; er beschäme vielmehr manchen Christen heutigen Tages durch sein redliches Streben nach Weisheit und Wahrheit. Auch nach Spener–’s Tode sieht sich K. genöthigt, 1708 dessen Lehre von dem allgemeinen Priesterthum in der Schrift „Die Unschuld Herrn1)r. Spener’ts in der Lehre vom geistlichen Priesterthum“, daß er dasselbige nicht zu weit extendiret 2c. zu vertheidigen. Einen durchaus praktischen Charakter trugen die 1691 zu Frankfurt a. M. herausgegebenen „(gu:1tu01– 00110qujs„ CIS .kckraFx“(-e Vit-1e 1J:1r00I1jA1js j11 quib11S 7jt:1 xds18t0rum j13 9Oo1esj:1 nOstrer S)c:1111j1r1t11r juJct:1 11o1–msm ver!:-j C1jv–j11j“ und die „?1;11js (:t1ts(JbOtjOe1. Etlich Ausflüchte der gemeinen Leute auf dem Lande, womit sie ihre Sünde durch christliches, unbußfertiges Wesen pflegen zu entschuldigen 1c. Sampt einem Anhang von gleicher Materie, und einer Vorrede Herrn P. J. Speners.“ 1691. In der ersten Schrift mahnt K. zur Besserung des christlichen Hausstandefs und das Elend, welches über die deutsche Nation gekommen und die Mißachtung, mit welcher unsre Landsleute von auswärtigen Feinden übel tractiret worden, soll „uns ernstlich bessern, damit uns nicht dergleichen widerfahre“. Die letztere wendet sich gegen die sogenannte menschliche Schwäche sowol seiner Amtsbrüder, wie der Gelehrten und Mächtigen dieser Welt. Er tadelt ihre Zuchtlosigkeit im Eheleben, ihre Völlerei und Rauflust, ihr Br1mken mit Kleidern und Perüken, ihre Eitelkeit und Sucht nach Ehrerweisung. – Von seinen weiteren Schriften sind noch zu erwähnen: „1lls(1jts r.rjo von der Zankfucht“, 1692; „1iOc1jtus 1o1sO:ttj011uIII. Wiederkunft des Gebetes aus dem Himmel. Vormahlsin Englischer Sprache beschrieben von Thomas [667] Goodwin, Jtzo aber aus dem Lateinischen verteutschet“ 2c., 1693; „bCOletsmsts t O72u1ge1iOo–O-1te0119tiest. Evangelische Katechismus Luft", 1694; „0beOliO11tis 1)ej. Der neue heilige Gehorsam gegen Gott, in vier Theilen abgefasset“, 1701; „(3ctorjs pj0rum cum Or1rjstO i11 1)e0 8b8cO11(1j1;er o1im 111znikstem(18. Die für die Welt mit Christo in Gott Verborgene Herrlichkeit der wahren Christen, so künfftig wird offenbahret werden", 1703; „13re7js j11r1–O(1uctjO mj prop118ts“. Eine kurze Einleitung zu den Propheten. 1706, und „1’jto. 8. O11rzsosto111j e1 1?s .11xz„(1j0 !1jstorjs trix-Artjts u. e1; .st1jis k1(1S äjg11js.u0to1–jbt18 ulm cum Spe(:j1nille (1OOtrjt1ze–- S 8(z1–j1Jtjs eius 0011eOtst 1706.

R. Köpke, Kleine Schriften, S. 38 ff.
Ernst Köpke.
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