ADB:Kalckreuth, Stanislaus Graf von

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Artikel „Kalckreuth, Stanislaus Graf von“ von Friedrich Haack in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 813–814, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kalckreuth,_Stanislaus_Graf_von&oldid=1695935 (Version vom 2. September 2014, 01:54 Uhr UTC)
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Kalckreuth *): Stanislaus Graf von K., Landschaftsmaler, geboren am 24. December 1821 zu Kozmin in Posen, † am 25. November 1894 in München, besuchte zuerst das Gymnasium zu Berlin, dann zu Polnisch-Lissa. Nach bestandenem Abiturientenexamen trat er in das 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam ein, dem er fünf Jahre als Secondlieutenant angehörte. Schon während dieser Zeit genoß er den Unterricht des Landschafters und Marinemalers „Hofmaler“ Prof. Karl Gustav Wegener († 1887 zu Potsdam). Im Jahre 1845 reichte er seinen Abschied ein und widmete sich völlig der Kunst. Eduard Hildebrandt zog ihn am meisten an. Dieser aber wies ihn auf seinen eigenen Lehrer, den Berliner Marinemaler Wilhelm Leopold Christian Krause (geboren 1803 in Dessau, † 1864 zu Berlin). Bereits im Jahre darauf bezog aber K. die Düsseldorfer Kunstakademie, an der er in J. W. Schirmer seinen eigentlichen Meister fand; außerdem erhielt er bestimmende Einflüsse, namentlich in Bezug auf Stoffwahl und Auffassung, von dem Genfer Hochgebirgslandschafter Calame. Leicht bemächtigte er sich alles in Düsseldorf Lernbaren und begab sich bald auf größere Studienreisen nach der Schweiz, Tirol und Oberitalien. Mit einer Tochter des Bildhauers Cauer vermählt, von Friedrich Wilhelm IV. zum Professor ernannt, nahm er seinen ständigen Wohnsitz in Köln und dann wieder in Düsseldorf bis zum Jahre 1853, bis zum Fortgang Schirmer’s nach Karlsruhe. Er selbst unternahm 1854 eine Studienreise in die Pyrenäen, als deren reifste Früchte die Gemälde „Lac de Gaube“ und „Canigaithal“ zu betrachten sind. In demselben Jahre wurde er von dem Großherzog von Weimar nach dessen Hauptstadt berufen. um daselbst die Gründung einer Kunstschule in die Wege zu leiten. Nach langjährigen Vorbereitungen wurde diese im October 1860 eröffnet, und Stanislaus Graf K. trat als Director an ihre Spitze. Männer wie Böcklin, Lenbach, Reinhold Vegas, Gussow, v. Ramberg, Hagen, Albert Baur, Ferdinand [814] Pauwels wirkten und lehrten neben ihm, deren Berufung seinem vorurtheilsfreien und gesunden B1ick für alles wahrhaft Gute und Bedeutende zu danken war. Sechzehn Jahre waltete er in Weimar seines Amtes; dann legte er, 1876, das Directorat nieder, siedelte sich in Kreuznach an und unternahm Studienreisen in die Alpen, nach Italien und Spanien; auch hielt er sich längere Zeit in Wien auf. Endlich zog er 1883 nach München, wo er bis zu seinem Tode verblieb.

K. war Mitglied der Akademien von Berlin, Amsterdam und Rotterdam, Inhaber mehrerer Medaillen, z. B. der großen goldenen Medaille Berlin 1868. Gemälde von ihm hängen in der Berliner Nationalgalerie, im Walraf-Richartz-Museum zu Köln, in den städtischen Museen zu Stettin und Königsberg, in mehreren fürstlichen Privatsammlungen, im Officierscasino des 1. Garderegiments zu Fuß in Potsdam, eine Folge von 25 Landschaften in den so genannten Cavalierzimmern der Orangerie bei Potsdam. Zu seinen Hauptwerken gehören Rosenlauigletscher, Montblanc, Alpenglühen, Lac de Gaube, Canigaithal.

K. beherrschte mit vollendeter Sicherheit die zu seiner Zeit in Düsseldorf erlernbare und übliche Technik. Er hatte sich an Schirmer’s Größe der Auffassung auferbaut und verpflanzte Calame’s Hochgebirgsmalerei nach Deutschland. Wie dieser begeisterte auch er sich für „die Natur in ihren großartigsten Offenbarungen“, wie sie im Apennin, in den Pyrenäen und besonders in den Alpen in majestätischen Gebirgsketten, in blauschwarzen Tannenwäldern und smaragdgrünen Bergseen, in tosenden Sturzbächen und saftig grünen Matten, in „starrenden Felsenschroffen, ewigem Gletscherschnee und über all dem im klarblauen Himmel zu Tage tritt. Ganz besonders liebte er es, die überwältigende Erscheinung des Alpenglühens zu malen. Was seit den Tagen der Romantiker bis zur Gegenwart die europäische Menschheit nach Tirol und in die Schweiz zieht, hat er in seiner Kunst bewußt festzuhalten gesucht und damit Tausenden und Abertausenden vor seinen Gemälden das Herz höher schlagen lassen. Allein der maßgebenden Kritik der Gegenwart entspricht seine Kunst nicht. In den neueren wissenschaftlichen Werken wird er kaum oder gar nicht genannt. Indessen ist der Abstand noch zu gering, um ein endgültiges geschichtliches Urtheil zu fällen, was auch erst möglich sein wird, wenn namentlich seine Jugendwerke, die von einer „überwältigenden Größe und Naturbegeisterung“ erfüllt sein sollen, gegenwärtig aber in Schlössern ein unbekanntes Dasein führen, dem Publicum zugänglich gemacht sein werden. Inzwischen lebt des Künstlers Name in der Kunstgeschichte fort in seinem Sohne Leopold Grafen v. Kalckreuth, einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Vertreter der naturalistischen und impressionistischen Malerei in Deutschland.

Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst II, 423/424. – Friedrich v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts I, 2, S. 635/6. – Müller-Singer, Künstlerlexikon II, 303. – Muther, Geschichte der Malerei im 19. Jahrhundert II, 274. – Max Schmid, Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts II, 190.
Friedrich Haack.

[813] *) Zu Bd. LI, S. 1.