ADB:Kalisch, David
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Klllisch: David K., Humorist, der „Vater der Berliner Posse“ und der Begründer des Kladderadatsch. geb. am 23. Febr. 1820 zu Breslau, –i– am 21. August 1872 zu Berlin. Dem Schooße einer gebildeten Familie entstammend, besuchte K., bei dem sich schon in der Jugend ein humoristisches Talent geltend machte, bis 1827 verschivdene Gymnasien, wurde aber in diesem Jahre durch den Tod seines Vaters und die damit eintretende –1iothlage seiner Familie gezwungen, seine Studienpläne auszugeben und als Lehrling in ein Möbel- und Bijouterigeschäft einzutreten. Nach anderthalbjähriger Lehrzeit übertrug ihm sein Prinzipal die selbständige Leitung der Geschäftsfiliale in Ratibor, wo sich K. bald zum Mittelpunkt eines lustigen und geistig angercgten Kreises machte. 1843 kehrte er nach Bre2slau zurück, fand aber hier doch zu wenig Befriedigung, um dauernd auszuhalten und wandte sich deshalb im October 1844 nach Paris. Die vielseitigen Eindrücke der Weltstadt nahmen ihn völlig gefangen. Bald sah ek sich im Verkehr mit Herwegh, sMarx, Karl Grün, dem geistvollen Proudhou u. A., ohne in der Fülle der Erlebnisse an seine Zukunft zu denken. So war gr d.enn plötzlich ohne Mittel und mußte auf die verschiedenste Art suchen Uch Jess! Brod zu erwerben. Heine unterstützte ihn eine Zeit lang. dann aber ging K. mit einer Empfehlung Proudhon’s nach Straßburg und wurde Buchhalter glld deutsch-französischer Correspondent in einer großen Seidenhandlung. Als 11ch da.S Et1gJ1gement bald wieder zerschlug, wandte sich K. nach Frankfurt a. M , Von hler mtt einem Buchhändler nach Leipzig und machte dort seine ersten [24] Versuche als Possenschriftsteller („Die Proletarier“, „Auf der Eisenbahn") und veröffentlichte im „Charivari“ ein Gedicht, welches Heine zugeschrieben wurde. Aber nicht Leipzig, sondern Berlin war der Ort, wo Kalisch’s Talente zur Geltung gelangen sollten. 1846 kam er in die preußische Hauptstadt und zwar als Commis eines Speditionsgeschäftes. Nach einiger Zeit gab er indessen die kaufmännische Stellung auf, um sich ganz der Litteratur zu widmen. In Schöneberg kam zum ersten Mal sein lustiger kleiner Schwank „Ein Villet von Jenny Lind" zur Aufführung, gefiel und machte die Berliner zuerst auf K. aufmerksam. Bald darauf wurde im alten Königstädter Theater „Herr Karoline-` von ihm gegeben und am 23. Dec. 1847 errang seine erste großePosse „Einmal hunderttausend Thaler" auf eben dieser Bühne den durchschlagendsten Erfolg. Daß Berliner Leben war darin trefflich geschildert und durch die gänzlich neue Art der Benutzung des Couplets ein ungewöhnlicher Anziehungspuntt geschaffen. Jener Posse folgten „Berlin bei Nacht" und „Junger Zunder, alter Plunder“. Durch seine Beziehungen zu der humoristischen Gesellschaft „Rütli“, die eine von und für Mitglieder des Vereins geschriebene Zeitung edirte, kam K. auf die Idee ein Witzblatt zu begründen und so entstand 1848 der „Kladderadatsch“, für dessen Nummern K. zwar von dem Buchhändler A. Hofmann je 1 Friedrichsd’or erhalten sollte, aber selbst für die Kosten aufkommen mußte. Vcrfolgt, unterdrückt, zur Auswanderung nach Leipzig, Dessau und Neustadt-Cberiswalde gezwungen, rang sich daß geiftvolle Witzblatt doch durch und erhielt dann in Ernst T-ohm, der mit Rud. Löwenstein und Wilh. Scholz, Kalisch’s erster Mitarbeiter gewesen war, den Redactt–ur und glücklichen Erweiterer des ursprünglichen Planes. Die noch heute wirksame Figur des „Zwickauers stammt aus der Posse „Einmal hunderttausend Thaler" von K., dem auch die beiden stehenden komischen Figuren Müller und Schulze ihren Namen verdanken. An den Kladderadatsch schlossen sich andere vonK.besorgte1.1nternehmungenan, so der „Kladderadatsch-Kalender", „.bkladderatsch zur .Industrit–-Ausstellung in London" und „Schulze und Müllere.3 Retfen“. Auch wandte sich K. nun wieder der Bühne zu und schrieb zunächst für daß Friedrichstädtische, dann füris Wallnertheater eine Reihe von Vossen, die1nit geradezu unerhörtem Beifall aufgenommen wurden. Von Helmerding, :)ieusche, Neumann, von der Schramm, Wollrabe und Stolle verkörpert übten seine dramatischen Hervorbringungen eine zünderde Wirkung auf Berlin. Wenn auch großentheils die Handlung der Stücke von seinen Mitarbeitern herrührte, jo war doch er der Schöpfer all der ht-item Scenen, der treffenden Witze und derjenige, der alle Figuren individualifirte; es ist ohne Zweifel richtig, daß die Berliner Posse nie mehr die Höhe erreicht hat, wie zu Kalisch´s Zeiten. Die bekanntesten von Kalisch’s Vossen „Doctor Peschke“, „Ein gebildeter Hauck-kuecht“, „Der Aktienbudicker“, „Aurora in Oel", „Berlin wird Weltstadt“, „Einer von unsre Leut`“, „Verlin wie es weint und lacht“, „Die Mottenburger“ u. A., sind als „Betliner Volke)-bühne" (Berlin 4 Bde., N. A. 1864s) und „Luftige Werke“ (cbd. 1870, 3 Bde.) erschienen. Eine Reihe seiner Couplets vereinigte K. unter dem Titel „Verliner Leierkasten“ lebd. 1857, Aufl. 1862, N. F. 1863 und 1866.).