ADB:Knutzen, Matthias (Religionskritiker)

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Artikel „Knutsen, Matthias“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 335–336, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Knutzen,_Matthias_(Religionskritiker)&oldid=1700048 (Version vom 23. September 2014, 05:32 Uhr UTC)
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Knutsen: Matthias K. (Knutzen), fahrender Candidat und Freigeist des 17. Jahrhunderts, geboren zu Oldenswort im Eiderstedtischen (Schleswig-Holstein) ums Jahr 1645, kam auf die altstädtische Schule zu Königsberg, entlief von da als 15jähriger Junge und bettelte sich nach Haus. Nachdem er sodann 1664 ff. in Königssberg Theologie studirt, wurde er Hauslehrer in Kurland und zuletzt nach langem Umherirren 1673 Hülfsprediger im Holsteinischen. Aber schon 1674 wurde ihm von dem Superintendenten Hudemann wegen falscher Lehre die Kanzel verboten, worauf er eine Zeitlang in großer Armuth bei einem Bruder in Tönning sich aufhielt. Dann zog er „als fahrender Bachant“ in seltsamem Aufzug (in grauem Reitrock und braunem Mantel, einen Knotenstock in der Hand) unter dem angemaßten Titel eines Magisters oder Licentiaten bettelnd und brandschatzend umher und streute atheistische Schriften und Flugblätter aus, in denen er die Lehre einer angeblichen neuen Secte „der Gewissener, conscientarii“ vortrug: „kein Gott als das eigene Gewissen, das die Natur Allen eingepflanzt; das Christenthum eine Fabel von Christo; die Bibel der christliche Koran; Obrigkeit und Geistlichkeit unnütz oder schädlich; zwischen Ehe und Hurerei kein Unterschied“. Er rühmte sich in verschiedenen Ländern, z. B. in Amsterdam, Paris, London, Stockholm, Kopenhagen, Rom unzählige Anhänger zu besitzen, insbesondere aber auch auf den beiden deutschen Universitäten Altorf und Jena einen Anhang von 700 Studenten und Bürgern zu haben. Dies veranlaßte in Jena eine gerichtliche Untersuchung, die das Ungegründete jener Behauptung ans Licht stellte, worauf K. für gut fand sich zu entfernen. Seine ferneren Schicksale sind unbekannt. Die Universität Jena aber glaubte es ihrem Ruf schuldig zu sein, sich in einer eigenen, von Musäus verfaßten Druckschrift zu vertheidigen unter dem Titel „Ablehnung der ausgesprengten abscheulichen Verleumdung, als wäre in Jena eine neue Secte der Gewissener entstanden“, [336] Jena 1674, 4°; 2. Ausg. 1675. – Knutsen’s Schriften oder „Scharteken“ hatten die Titel: „Epistola amici ad amicum“, Rom 1674, abgedruckt bei la Croze in seinen entretiens etc., S. 400; „Gespräch zwischen einem Gastgeber und drei Gästen ungleicher Religion“; „Gespräch zwischen einem Feldprediger und einem Musterschreiber“, 1673; „Schediasma de lacrimis Christi“, 1674.

Vgl. Valentin Grüßing, Exercitationes acad. II de atheismo Cartesii et M. Knutzen. Wittenberg 1677; Fr. Damii Relation, was mit M. K. und Lohrmann vorgegangen. Flensburg 1706, 8°; Moller, Cimbria lit.; Bayle, dict.; Arnold, K.- u. K.-Hist. III, 18; Schelhorn, Am. lit. II, 1; H. Rossel in Stud. u. Krit. 1844, Hft. 4, S. 969 ff.; Lipsius in der Hall. Encykl. LXVI u. d. A. Gewissener; Hagenbach in der theol. R.E. V, 142; Frank, Gesch. der prot. Theol. II, 113 ff.
Wagenmann.