ADB:Kotschy, Theodor

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kotschy, Theodor“ von Heinrich Wilhelm Reichardt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 763–764, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kotschy,_Theodor&oldid=1738836 (Version vom 24. November 2014, 03:49 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 16 (1882), S. 763–764. (Quelle)
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Theodor Kotschy in der Wikipedia
GND-Nummer 11634444X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Online-ADB/NDB, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|763|764|Kotschy, Theodor|Heinrich Wilhelm Reichardt|ADB:Kotschy, Theodor}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11634444X}}    

Kotschy: Dr. Theodor K., Reisender und Botaniker, geb. den 15. April 1813 zu Ustron bei Teschen, † den 11. Juni 1866 zu Wien. Schon als Knabe zeigte K., von seinem Vater (Pastor zu Ustron und tüchtigem Pomologen) angeregt, eine lebhafte Vorliebe für die Pflanzenwelt und eine große Reiselust. Den ersten Unterricht erhielt er im elterlichen Hause; 1833 kam er nach Wien, um sich an der protestantisch-theologischen Fakultät weiter auszubilden. Die Ferienmonate benutzte K. zu botanischen Ausflügen nach dem Banate, Croatien, Slavonien und Siebenbürgen. 1835 entschloß sich K., an der montanistischen Expedition Rußeggers nach dem Oriente als Botaniker und Zoologe theilzunehmen. Mit Rußegger durchforschte er 1836 Syrien, sowie Cilicien und drang im folgenden Jahre über Nubien und Sennar bis nach Fazokel vor. Nach der Auflösung von Rußegger’s Expedition blieb K. allein in Aegypten zurück, und unternahm, mit den größten Geldverlegenheiten kämpfend, 1839 eine Reise nach Kordofan; in den J. 1840–43 durchforschte er Cypern, Syrien, Persien, Mesopotamien, erstieg am 1. August 1843 den Gipfel des Vulcanes Demawend und kehrte im Herbste dieses Jahres nach Wien zurück. Während der folgenden Jahre besuchte K. die österreichischen Alpenländer, ferner Siebenbürgen. 1847 wurde er Assistent, 1852 Custosadjunct am k. k. botanischen Hofcabinete in Wien, welche Stelle er bis zu seinem Tode bekleidete. 1853 durchforschte K. den cilicischen Taurus, 1855 den Libanon, 1859 Kurdistan; 1862 besuchte er mit Professor Franz Unger die Insel Cypern; dies war seine letzte Orientreise. Unermüdlich thätig, von kräftigem Körperbau, gewohnt Entbehrungen aller Art zu ertragen, leistete K. für die Erforschung des Orientes Außerordentliches. Er brachte von seinen Reisen nebst [764] Naturalien aller Art eine ungeheure Menge schön getrockneter Pflanzen (sie zählen nach Hunderttausenden) mit, welche die Runde durch alle Museen machten und die Wissenschaft mit einer ungeahnten Fülle neuer Arten bereicherten. Auch schriftstellerisch war K. thätig. Nebst zahlreichen kleineren Abhandlungen schrieb er namentlich: „Reise nach dem cilicischen Taurus“ (1858) – „Die Eichen Europas und des Orientes“ (1862) – „Die Insel Cypern“ (1865 in Gemeinschaft mit Unger verfaßt) – „Plantae Tinneanae“ (gemeinschaftlich mit J. Peyritsch bearbeitet und 1867 nach Kotschy’s Tode herausgegeben).

Ed. Fenzl, Theodor Kotschy, eine Lebensskizze, im Almanach der k. k. Akademie d. W. zu Wien, Jahrg. 1867. – O. Kotschy, Biographie in Schweinfurth’s Reliquiae Kotschyanae, S. VII–XL. – Neilreich, Gesch. d. Botan. in Nieder-Oesterreich. Verhandl. d. zool.-botan. Vereins zu Wien, V. (1855), S. 45. – Wurzbach, Lexikon, XIII. S. 41.
Reichardt.