ADB:Kraft, Johann Melchior

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Artikel „Kraft, Johann Melchior“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), ab Seite 13, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kraft,_Johann_Melchior&oldid=845464 (Version vom 24. Dezember 2009, 08:21 Uhr UTC)
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Kraft: Johann Melchior war geboren den 11. Juni 1673 zu Wetzlar in der Wetterau, wo sein Vater ältester Schüsse und Rathsverwandter war. Nachdem er erst die Schulen der Vaterstadt besucht, kam er 1688 auf das p:toclag0gium i11ustre in Gießen bis 162s0. Den folgenden Winter brachte er wieder im elterlichen Hause zu und wurde in der Zeit von dem Pastor Schulze, der Privatdocent an der Universität Wittenberg gewesen war, in p11i1oso1z11jcis unterrichtet. 1691 bezog er die Universität Wittenberg und promovirte hier 1693 zum Magister. Er reiste dann nach Hamburg den berühmten 1.i(:. Edzard in rs.bbjnicis zu hören. Dieser rieth ihm indeß lieber eine Hauslehrerstelle anzunehmen. Die Gelegenheit dazu bot sich bald dar, nämlich bei dem Pastor Wattenbach in Barlt in Dithmarschen. Jedoch verweilte er hier nur zwei Monate, da er in derselben Stelle zu einem Herrn Luden, der ein Privatgelehrter war, in Altenwörden ging, dessen Söhne er nachher auf die UnivetsitätKiel begleitete. Hier hörte er wieder Vorlesungen, besonderes bei den Professoren Dr. Christoph Frank, der ihn auf Spener aufmerksam machte, bei –Opitiues, Reyher, Seb. Kortholt. Hierauf, 1696, nahm er wiederum eine Haslehrerstelle an bei dem General Rantzau aus Puttlos. Nach einem Jahr siedelte er von hier nach Hamburg über, Frühjahr 1697, in Dr. Willich’s Haus und gab verschiedentlich Privatunterricht. Darauf aber ward er Hofmeister eines jungen Herrn v. Oppenbusch, mit dem er erst dreiviertel Jahr in Lübeck lebte, dann in Bremen und weiter. Währenddeß erhielt er auf Vorschlag des Landraths und Amtmanns Fr. v. Rantzau zu Gottorf die Vocation des Herzogs Friedrich zum Compastor in Süderstupel in der Landschaft Stapelholm in Schleswig=Holstein. Obwol er keine besondere Neigung zu diesem Amte spürte, glaubte er doch dieser Vocation sich nicht entziehen zu dürfen. Er nahm sie an. Er ward von dem fürstlichen Generalsuperintendenten Dr. Muhlius examinirt und ordinirt 1698. Er schreibt selbst von seinem dortigen Aufenthalt, daß er „unter Gottes Verhängnis; dort [14] viel ausgestanden.“ 1705 ward er zum Pastor in Schwesing ernannt, kam aber nicht zum Antritt dieses Amtes, indem er ungefähr gleichzeitig durch den Geheimrathspräsidenten MagmiS v. Wedderkop zum Prediger in Sandesneben im Lauenburgischen berufen ward, welches er vorzog. Doch schon nach drei Jahren ward er zum Compastor in der Stadt Husum vocirt und am 24. Juni 1709 dase1bst „introducirt, 1712 ward er zugleich zum inspector 8c11o18„e und bald nachher zum Hauptpastor daselbst bestellt. 1736 wurde er zum Consistorialrath und Mitglied des Oberconfistoriums auf Gottorp ernannt. Er starb am 22. ,Juli1751. K. war ein gelehrter Theologe und hat sich durch Schriften vielfach bekannt gemacht. Zuerst erschien seine „1)jsp. (1S vita aoterns. Wjtks:1b. 1692. Dann nahm er eifrig Theil an den theologischen Streitigkeiten seiner Zeit, namentlich in Schleswig-Holstein. Er schrieb: „Die gerettete Unschuld zweier . hochfürstlichen holsteinischen Generalsuperintendenten Sandhagenz und Muhlius wider die falschen Beschuldigungen des königlichen Generalsuperintendenten Dr. Schwarz", 1702, und unter dem Pseudonym Krato, „Wahrer Bericht von den schleswig-holsteinischen Kirchenstreitigkeiten und Spaltungen, entgegengesetzt Dr. Schwarz, ein Tractat von den chiliastischen Vorspielen“, 1705; „Nothdringende Anrede an 1)r. Schwarz wegen des offenbaren Unrechtß so derselbe &c.“, 17O9. Auch beschäftigte ihn sehr die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung. Dazu erschien Von ihm: „1)js. (10 9menä8.näjs er 0or1–jgenäis (1llih118ä9.111j11 Dr. .1. 1s’. I18„Is0ri r1isto1–js ysrsjonis (3erm. Bib1i01um Dr. KC. l-11t11eri etc. 1704; „1)1–Oc1rO1miS 11isto1–jz9 N-8rsjonjs 0erm. Bjb1.„ d. i. vorläufige Anzeige und Abhandlung der in die teutsche Sprache übersetzten Bibel“, 1714; „0o11ti– 11us.tiO 1716; „Zweifacher Anhang, Nachricht von der 1534 in Wittenberg gedruckten verteutschten Bibel Luther’s, 1735. Ferner erschien von ihm: „Das anderthalbhundertjährige Jubeljahr der evangelischen Kirche", 1717, und das für die Specialkirchengeschichte wichtige: „Zwiefaches zweihundertjähriges Jubelgedächtniß alß 1) von der K. 1522 zu Husum durch Herrmann Tasten angefangenen evangelischen Reformation, 2) dem A. 1522 von Luthero übersetzten und in solchem Jahr zweimal zu Wittenberg edirten Neuen Testamente. Nebst einer zulänglichen Kirchen- und Schulhistorie der Stadt Husum", 1723. Sein Hauptwerk ist aber: „Ausführliche Historie vom Cxorcismus, 1750. Er hatte, wie der gedruckte Katalog ausweist, sich eine ausgezeichnete Bibliothek gesammelt.

Vgl. Autobiographie in zweihundertjähr. Jubelgedächtniß, S. 209 ff. Mo118ri Ojmbr. 1jtt. II. 431. Laß, Husumsche Nachr. 1. Forts. 243.
Carstens.
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