ADB:Kunckel von Löwenstern, Johann
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KUuckel: Johann K., berühmter Alchimist, geb. 1630 in Hütten bei Rendtsburg, † 17O3 in Dreißighufen, seinem Landgut bei Pernau. Schon sein Vater war Alchimist des Herzogs von Holstein und der Sohn beschäftigte sich früh mit Chemie, doch war er noch ganz in den alchimistischen Anschauungen befangen und hat einen großen Theil seines Lebens den Bestrebungen der Goldmacherkunft gewidmet. Diesen Bestrebungen verdankt er auch seine Austellungen bei den Herzögen Franz Karl und Julius Heinrich von Lauenburg C1654,), bei dem Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen und dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, deren Zufriedenheit er aber nicht vollkommen erwarb, weil er im Gegensatz zu seinen College:! niemals Erfolge heuchelte. UebrigenH wurde er doch bald nach dem Tode des großen Kurfürsten von Karl Kl. nach Schweden berufen, dort zum Bergrath ernannt und später mit dem Beinamen v. Lövenftjern geadelt. Von der Leopoldina wurde er zum Mitglied ernannt. K. glaubte fest an den Stein der Weisen, behauptete aber niemals , ihn gefunden zu haben. Offen deckte er die Vetrügereien anderer Alchimisten auf, zeigte namentlich, wie unrichtig der Glaube an ein allgemeins Lösungsmittel, daß Alkahest sei, wie die sog. Goldtinkturen keine Spur von Gold enthielten, und daß die Palingeuefie, die Wiedererweckung der Pflanzen aus ihren Aschen. auf einer Fälschung beruhe. Zur Erkenntniß des Begriffs der chemischen Elemente hat er, wenn auch in geringem Maße beigetragen. Jedenfalls bekämpfte er entschieden die damals noch weit verbreitete Ansicht von dem Vorhandensein des [377] Schwefels in allen Metallen, dagegen nahm er die Existenz des Queckfilbets in denselben an. Ueber den Vorgang der Verbrennung dachte er kaum klarer, als seine Zeitgenossen, doch kannte er die Gewichtszunahme bei derselben und zeigte, daß diese nicht von der Aufnahme einer wägbaren Feucrmaterie herrühre. Seine Erklärung dafür ist aber unverständlich, da er specifisches und absolutes Gewicht verwechselte. Seine wichtigsten Untersuchungen sind die über den Phosphor, den er zum zweiten Male, wahrscheinlich selbständig entdeckt, und über das Glatz, wobei er das Rubinglais auffindet, durch die er weiter den Glas blasetisch, ein heute unentbehrliches Hülssmittel der Chemiker, in die Laboratorien einführt und darauf hinweist, daß durch die mit Luft angeblasene Flamme (Löthrohr) die Reduction der Metalloxyde auf Kohle möglich sei. Weiter gilt er als der Entdecker des Zinnsulfids, vielleicht mit Unrecht als der des Knallsilbers (Silberoxydammoniath und mit Sicherheit als der des Salpeteräthers. Er ermittelte die Zusammensetzung des Knallgolds und fand den bekannten qualitativen Nachweis des Ammoniaks, die Nebelbildung bei Annäherung von Säuren. Von seinen größeren Schriften erwähnen wir hier: „Nützliche 0bser7atjo11es oder An- :terkungen von den fixen und flüchtigen Salzen, :u1ro er Argento p0tabi1i.81Jiritu mun(li„ u. dergl.“; „Chemische Anmerkungen von den 191–incipiis 011z–micis„ 8a- 1j11us0j(1es„ .41001jbus tizcjs er yoIztiIjbus"; „Oeffentliche Zuschrift von dem 1)k1Osp11o1 mjr:tbi1j etc."; „.4rs vjt1–:11i:t e1(perimO11w.1is oder vollkommene Glatzmacht-rkuust.“ (Et lehrte den Gebrauch des Terpentins beim Uebertragen einss Kupferstiches auf das Glatz.) – Nach seinem Tode erschien 1716 sein -„Oo11Osiun1 p11z´sj(:O–O11emico–eJcperi1nent:11e oder I.ub0rztoriu1n cllz–mi(:um““. Eine unvollständige Sammlung seiner Schriften wurde 17:31 unter dem Titek: „Fünf kuriose chemische Tractätlein“ herausgegeben.
- Klolksi–j (’jmbrj:1 litt. 1. p. 819 ss. – Kopp, Geschichte der Chemie 1. S. 173 u. f. – Gmelin, Geschichte der Chemie II. S. 15:3. – Wilhelm Wackernagel, Die Deutsche Glasmalerei. Leipz. 1855, S. 97. 100. 177. 179.