ADB:Ludwig (Erzherzog von Österreich)

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Artikel „Ludwig Joseph Anton, Erzherzog von Oesterreich“ von Johann Baptist von Hoffinger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 568–569, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ludwig_(Erzherzog_von_%C3%96sterreich)&oldid=1707205 (Version vom 30. Juli 2014, 15:11 Uhr UTC)
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Band 19 (1884), S. 568–569. (Quelle)
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Ludwig Joseph Anton, Erzherzog von Oesterreich, geb. am 13. December 1784 in Florenz, des Großherzog Leopold (nachmals römischen Kaisers) 15. Kind, der Söhne 11.), † zu Wien am 21. December 1864, erhielt seine Vorzugsweise militärische Jugendbildung unter den Augen des älteren Bruders [569] Kaiser Franz II. (I.). Als Corpscommandant in der Schlacht bei Abensberg „malgré ses talents et sa rare valeur“ von Napoleon geschlagen, wendete sich L. nun mit Eifer der Administration zu und machte im Winter 1816 auf 17 mit seinem Bruder Erzherzog Johann eine Art Studienreise nach Frankreich und Großbritannien, auf welcher seine scharfe, namentlich dem technischen Gebiete gewidmete Beobachtung den Beifall der praktischen Briten erregte und ihm das Ehrenbürgerrecht von Edinburg eintrug. Zurückgekehrt und zum Generalartilleriedirector ernannt, wurde er von Kaiser Franz in die Regierung eingeführt und erwies sich bald als „eigentlicher Geschäftsmann von strenger Rechtlichkeit und großer Arbeitsfähigkeit“, daher ihm der Kaiser sein volles Vertrauen zuwendete, sich oft von ihm vertreten ließ und noch sterbend ihn dem Sohne und Nachfolger als verlässigsten Rathgeber empfahl. Des viel behaupteten, von Erzherzog L. aber bestimmt in Abrede gestellten Versprechens keine Aenderung des Systems vornehmen zu wollen, hätte es in der That nicht bedurft, da er nicht bloß Franzens Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Neigung, Alles, selbst daß kleinste, selbst entscheiden zu wollen, sondern auch dessen unüberwindliche Abneigung gegen jede Neuerung vollständig theilte. Von Kaiser Ferdinand an die Spitze der (statt des Staatsconferenzrathes der Conferenzminister) neu errichteten, nur aus ihm und den zwei dirigirenden Ministern Metternich und Kolowrat als stimmenden, sowie dem Erzherzog Franz Karl als berathenden Mitglied bestehenden Staatsconferenz gestellt, wurde er der eigentliche Stellvertreter und faktische Mitregent des kränklichen Kaisers. Im Besitze „einer großen Kenntniß des Geschäftsganges und einer genaueren Wissenschaft der Verwaltungsgrundsätze und Regierungstendenzen gelang es ihm zwar meistens-, zwischen den genannten sich oft befehdenden Ministern eine nothdürftige Einigkeit zu bewirken, und daß System noch geraume Zeit im Gang zu erhalten“, dagegen zauderte er fortwährend, den unvermeidlichen Uebergang nach dem Bedürfniß der Zeit wenigstens durch die lang geplante Berufung vereinigter ständischer Ausschüsse vorzubereiten; es brach darüber das J. 1848 mit seinen Stürmen herein, die das System völlig stürzten und den Erzherzog in daß Privatleben zurückdrängten. Nun gab er sich ganz seiner Lieblingsbeschäftigung mit den Naturwissenschaften hin, die er stets; und zwar auch auf dem ihm sonst nicht angenehmen Wege des Vereinslebens gefördert hatte und verewigte sein Andenken in der Bevölkerung durch viele Werke der Nächstenliebe. Im Kreise der kaiserlichen Familie war der unverehelicht gebliebene Prinz ebenso heiter, witzig und anregend gesprächig als sonst ernst und zurückhaltend.

v. Wurzbach, Biogr. Lex., Bd. VI, S. 447. – A. V. Arnault etc., Biographie nouvelle des comtemporains t. 12, p. 132 (Paris 1823). – Ad. Schmidt, Zeitgenössische Geschichten, S. 493–523 u. 686 (Berlin 1859). – Anton Springer, Geschichte Oesterreichs seit 1809, Bd. I, S. 447 (Leipzig 1863). – Oesterr. Ehrenhalle, II. 1864. – Von Böhmen nach Italien, S. 98 ff. (Prag 1862).
v. Hoffinger.