ADB:Ludwig III. (Landgraf von Thüringen)

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Artikel „Ludwig III., der Fromme, Landgraf von Thüringen“ von Karl Robert Wenck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 593–594, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ludwig_III._(Landgraf_von_Th%C3%BCringen)&oldid=1707393 (Version vom 28. August 2014, 15:30 Uhr UTC)
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Ludwig III., der Fromme, Landgraf von Thüringen, 1172–1190, Sohn des Vorhergehenden, überließ für eine Reihe von Jahren (bis 1180) die hessischen Besitzungen seinem dritten Bruder Heinrich Raspe II.[WS 1] Nach dessen Tode nennt er sich bisweilen Landgraf von Thüringen und Hessen, Den Beinamen des Frommen verdankte er seiner Fürsorge für die Klöster des Landes und seiner Ergebenheit gegen die Curie, indessen hielt ihn seine Frömmigkeit weder davon ab den kirchlichen Stiftern (Hersfeld, Mainz) gegenüber sein Besitzthum nach Kräften zu wahren und zu vermehren, noch wurde er durch sie zu einer mehr als vorübergehenden Untreue gegen den Kaiser, seinen Oheim, bewogen. Gleich zu Anfang vereinigten sich ihre Interessen gegenüber den Söhnen Albrechts des Bären. Der Kaiser wünschte Bernhalt von Anhalt die Burg Plötzkau zu entziehen, ein Bruder Bernhards, Hermann, mochte als Inhaber der weimar-orlamündeschen Besitzungen den Landgrafen zum Angriff reizen, so kam es zur Fehde zwischen L. und den drei Askaniern Bernhard, Dietrich von Werben und Hermann von Orlamünde. Diese verwüsteten Thüringen, der Landgraf dagegen zerstörte Weimar (zwischen 1172 und 1174) und belagerte dann auch Werben. Eine Verwundung, die er dabei erhielt, zwang ihn die Fehde abzubrechen. Als aber 1175 Graf Bernhard von Anhalt die Feindseligkeiten erneuerte, fand L. an Heinrich dem Löwen einen starken Bundesgenossen, sie bekämpften vereinigt Bernhard in seinem eigenen Land und zerstörten Aschersleben. L. allein nahm Helfta bei Eisleben mit List. Nach solchen Mißerfolgen scheinen die Askanier Frieden gesucht zu haben. 1177 war L. siegreich in einer Fehde gegen Erfurt und dessen Verbündete, die Grafen von Gleichen und Schwarzburg. Drei Burgen des Letzteren nahm er mit Sturm, das waren in wenigen Jahren glänzende Erfolge, die seinen Namen gefürchtet, seine Freundschaft werthvoll erscheinen lassen mußten. Deshalb bemühten sich auch die Gegner Heinrichs des Löwen, die endlich mit dem Welfen Abrechnung halten wollten, eifrig L. von seinem früheren Kampfgenossen abzuziehen. L. erntete freilich in dem Krieg gegen Heinrich trotz aller persönlichen Tüchtigkeit, die der Erfurter Annalist nicht genug rühmen kann, wenig Lorbeeren. Noch ohne Heinrich abzusagen, nahm er 1179 an der verunglückten Belagerung von Haldensleben Theil. Vor Beginn des neuen Kampfes im nächsten Jahre wurden ihm auf dem Reichstage zu Gelnhausen die Würde eines Pfalzgrafen von Sachsen und die dazu gehörigen Reichslehen zu Theil – durch den Tod des Pfalzgrafen Adalbert von Sommersenburg waren sie erledigt. Vielleicht war diese Verleihung der Preis, um welchen sich L. ganz von Heinrich lossagte, dem eben auf jenem Tage seine Herzogthümer abgesprochen worden waren. Während Heinrich im Frühjahr die Umgegend von Goslar verwüstete, war der Landgraf in sein Gebiet eingefallen; da wendete sich Heinrich gegen Thüringen. Sofort folgten ihm L. und sein Bruder Hermann zum Schutz ihres Landes mit zahlreichem Heer, Bernhard von Anhalt, der neue Herzog von Sachsen schloß sich ihnen an, aber in der Schlacht von Weißensee am 14. Mai 1180 erlitten sie von Herzog Heinrich eine völlige Niederlage, die Thüringer waren sofort dem Angriff gewichen und L., der „wie ein zweiter Maccabäus kämpfte“, vermochte nicht das Geschick zu wenden, ja er fiel sogar mit seinem Bruder und mehreren Hundert der Seinigen in die Gefangenschaft des Welfen. Dessen Sturz konnte freilich bei der Einigkeit zwischen Fürsten und Kaiser dadurch nur wenig verzögert werden, der Feldzug Friedrichs nach Sachsen im nächsten Jahre nöthigte Heinrich einzulenken. Um den Kaiser friedlich zu stimmen, entließ er im Sommer 1181 seine Gefangenen, den Landgrafen und dessen Bruder Hermann, der Erfurter Reichstag im November 1181 entschied endgültig den Sturz seiner Macht. Auf dem Erfurter Reichstag verständigte sich L. mit seinem Bruder Hermann unter Billigung des Kaisers dahin, [594] daß Hermann die Pfalzgrafschaft Sachsen übernahm, dafür aber an L. die Erbschaft Heinrich Raspes in Hessen allein überließ. Kaiser Friedrich vermittelte, daß die Hersfelder Lehen, die nach dem Tode Heinrichs dem Stifte heimgefallen waren, L. möglichst ungeschmälert verblieben. Ueberaus günstig war den Landgrafen das Pontificat Christians von Mainz (1165–1183) gewesen. Während der streitbare Erzbischof Thüringer Herkunft tief in die Händel Italiens verwickelt war, hatten sie sich manchen Uebergriff erlauben dürfen, nun aber kehrte Konrad von Wittelsbach auf den Mainzer Erzstuhl zurück und kam in dem Bestreben, die entfremdeten Besitzungen wieder an sich zu ziehen, immer aufs Neue in Conflict mit L. Wir hören 1184 und 1186 von feindlichen Zusammenstößen. Stets war L. bereit mit gewaffneter Hand allen denen entgegen zu treten, die neben ihm in Thüringen einen Platz behaupten oder erwerben wollten. Markgraf Otto von Meißen hatte durch Kauf Landbesitz in Thüringen an sich zu bringen gesucht, da brach L. zu Anfang des Jahres 1184 gegen ihn los und führte den unkriegerischen Markgrafen gefangen nach der Wartburg. Auf die Klage der sächsischen Fürsten wider den Friedensbrecher erwirkte der Kaiser die Freilassung des Markgrafen und weiter suchte der Sohn des Kaisers, Heinrich VI., im Sommer zu Erfurt auch zwischen L. und Erzbischof Konrad zu vermitteln. Beide begleiteten den Kaiser auf seinem letzten Zuge nach Italien. Die Reinhardsbrunner Tradition berichtet von hohen Ehren, welche Papst Lucius bei der Zusammenkunft mit dem Kaiser in Verona dem Abt von Reinhardsbrunn auf Fürsprache des Landgrafen gewährte. Wenn aber L. in dem folgenden letzten Streite Friedrichs mit der Curie unter den Gegnern des Kaisers auf der Seite des Kölner Erzbischofs stand, so war sicher nicht blos Ergebenheit gegen den Papst, sondern auch ein hochentwickeltes Selbstgefühl des Landgrafen, dem die Beschränkung durch das starke Kaiserthum Friedrichs in seinen Unternehmungen gegen Mainz und Meißen lästig geworden sein mochte, an dieser Oppositionsstellung schuld. Indessen zu offener Erhebung gegen Friedrich ist er nicht geschritten: im Sommer 1187 war er sichtlich mit dem Kaiser ausgesöhnt und nahm auf dem „Hoftag Christi“ im März 1188 mit dem greisen Oheim das Kreuz. Aber auch bei der Ausübung seines Gelübdes bezeugte der Landgraf seine Selbständigkeit – er schloß sich nicht dem Zuge des Kaisers durch Ungarn an, der mancherlei Gefahren in sich barg, sondern nahm den Zug durch Italien und dann zur See von Brindisi nach Tyrus. Bei der Belagerung von Akkon (1189–90) verrichtete er Wunder der Tapferkeit, die, von den Zeitgenossen gepriesen, Anfang des 14. Jahrhunderts Verherrlichung in einem deutschen epischen Gedicht fanden. Ein chronisches Leiden nöthigte ihn Anfang October 1190 das heilige Land zu verlassen, aber er sollte die Heimath nicht wieder sehen. Auf dem Meere ist er am 16. October gestorben, in Cypern wurden die verweslichen Reste beigesetzt, seine Gebeine fanden in Reinhardsbrunn am Weihnachtsfest 1190 die letzte Ruhestätte. Unter den weltlichen Fürsten seiner Zeit ist er einer bedeutendsten und mächtigsten. Auf dem großen Mainzer Fest zu Pfingsten 1184 hatte nur der König von Böhmen und der Kölner Erzbischof ein zahlreicheres Gefolge als der Landgraf, den tausend und mehr Ritter begleitet hatten. Der Sturz des Welfen begünstigte die Entwickelung der landgräflichen Macht. L. nimmt zwischen seinem Vater und seinem Bruder Hermann, dem Urbild dynastischer Selbstsucht, eine Mittelstellung ein.

Knochenhauer, Geschichte Thüringens.
Wenck.


Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. gemeint ist Heinrich Raspe III. (* um 1155; † 18. Juli 1180) und nicht Heinrich Raspe II. (* etwa 1130; † etwa 1155/57).