ADB:Luther, Paul
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Luther: Paul L., Arzt und Chemiker. Geboren den 28. Januar 1533 zu Wittenberg als der dritte und letzte Sohn des Reformators Dr. Martin Luther und dessen Ehefrau Katharina v. Bora, genoß er den vorbereitenden lateinischen und griechischen Unterricht durch Melanchthon und Vitus .Winheim und erweckte bei dem Vater schon damals große und erfreuliche Hoffnungen. Eine gewisse angeborene Vorliebe zur Natur und deren Erzeugnissen trat schon [693] in seinen Knabenjahren zu Tage und diese Neigung billigte und unterstützte durchaus der Vater, wie er denn dem Sohne die vollste Liebe entgegen trug, dabei aber dessen Umgang sorgfältig überwachte und ihn fast immer um sich hatte. Diese Liebe aber wurde von Paul eben so erwiedert und die väterlichen Ermahnungeu fielen auf keinen unfruchtbaren Boden. Und was guten Kindern nur erwünscht sein kann, daß sie dem Vater auf dem Todtenbette zur Seite stehen und ihm die Augen zudrücken können, d–aus wurde auch Paul zu Theil. Denn als der Vater zu Eisleben erkrankte und daselbst den 18. Februar 1546 starb, hatte auch er, der damals dreizehnjährige Knabe, an des Vaters Bette gestanden. Nachdem er in den philosophischen Wissenschaften so wie in der Kenntniß der alten Sprachen hinreichend ausgebildet hatte, wählte er, seiner natürlichen Neigung folgend und auf den Rath Melanchthon’s die Medicin zu seinem Lebensberufe und im Jahre 1557 erhielt er unter dem Decanate des Jakob Milichiuz den medicinischen Doctorhut. Daß er aber nach des Vaters Tode eben so fleißig wie bei dessen Leben seinen Studien obgelegen hatte; beweist, daß er schon bald darauf nach der Universität Jena als Lehrer der Heilkunde berufen wurde, wo er den 8. Decbr. 1558 die Ankündigung von Vorlesungen über des (3ts.1enus 1ib. äe eDrris Oo11Stjtutjo11O anschlagen ließ. Später ist er als Leibarzt mehrerer Fürsten bis zu seinem Tode beschäftigt gewesen. Zuerst leistete er dem Fürsten Johann Friedrich II. von Weimar Beistand und verweilte daselbst bis zur der Stadt Gotha, den 13. April 1567. Hierauf trat er in die Dienste des brandenburgischen Kurfürsten Joachim 11., und alß dieser den 3. Januar 1571 aus dem Leben geschieden war, in die des sächsischen Kurfürsten August, dem er sich um so beliebter machte, alsdieser Fürst neben seiner Liebe für Kunst und Wissenschaft im Allgemeinen und seiner treuen Anhänglichkeit an die lutherische- Confession, ganz besonders; die sogenannte 81zagzsijs d. h. die Scheidung zur Verwandlung der Erze, dessen Endziel aber damals wie später das Gokdmachen war, begünstigte. Denn auch L. beschäftigte sich mit solchen chemischen Vetsuchen, wie er denn auch in der That den Arzneischatz mit einer Anzahl neuer Medicamente, wie unguc-11tum c1e nitro- mzgist91–jum 1J91–15tru1n- 8urun1 pots„bj19 sowie mit aus Pflanzen gezogenen Arzneien bereichert hat. Nach Augusts Tode, 11. Februar 1586 , widmete er sich drei Jahre lang dem Herzog und Kurfürsten von Sachsen, Christian 1., zog aber 1589 nach Leipzig, woy er als einfacher praktischer Arzt bis 1592 verweilte, in diesem Jahre aber zu Leipzig von dem Administrator des sächsischen Kurfürstenthums, Friedrich Wilhelm, sowohl zu dessen eigener Behandlung als der der kurfürstlichen Kinder mit einem sehr ansehnlichen Gehalte als Leibarzt angestellt wurde. In dieser Stellung verlebte er noch mehrere Jahre, bis er den 8. März 1593 eben so fromm und unfträf1ich wie er als ein würdiger Sohn seines Vaters bis dahin gelebt hatte. das Zeitliche segnete, denn noch auf seinem Todesbette wiederholte er öfters und bestimmt, in welchem Glauben er sterben und zu Christus kommen wolle „in demjenigen nämlich, der gegründet sei auf dem alleinigenverdienste Christis in der Lehre vom h. Abendmahl aber bekannte er, daß er keiner anderen Meinung folge als die durch seinen Vater vertheidigt worden sei. Verheirathet war er seit 1553 mit Anna aus der alten edlen schwäbischen Familie der Warbek, und hatte von derselben sechs Kinder: drei Söhne, von denen dem ältesten, Ernst; am 10. August 1581, auf Befehl des Kurfürsten August, ein Canonicat in Zeitz übertragen wurde. Ernst verheirathete sich 1610 mit Martha verw. Gtahl. Unseres Paul’s Sohn gleichen Vornamens starb im Februar 1558. Eine Tochter, Margarethe, heirathete den Administrator des Magdeburger Erzbisthums, Hieron. Gottsteigz und eine andere, Anna, im Juli 1588 den Edelmann Nikolaus Marschalk in Oberschar in Sachsen. Der älteste Bruder Pauls, Johannes, war kurfürstlich sächsischer Rath und Kanzleidirector und der zweitälteste, [694] Martin, hatte Theologie studirt, starb aber unverheirathet. Ein directer Abkömmling von Pauls Oheim, Jakob: Herr Wilhelm L., lebt dermalen (1883) in Berlin als Procurist der Grunert’schen Leihbibliothek. Ein anderer, Herr Gustav Hermann L., gleichfalls in Berlin, ist zur Zeit Schutzmann. Der Vater des Schutzmanns L. war Pastor in Salzwedel und von seinen drei Söhnen war der eine Pastor in Niedereichstadt im Thüringischen, der zweite Stationsvorsteher in Gonz am Rhein. Die männlichen Glieder dieses Lutherstammes haben die Nutznießung eines ziemlich beträchtlichen, unter der Verwaltung des Consistoriums in Gotha stehenden Stipendiums. Jeder männliche Rachkomme erhält dreimal während seines Lebens eine erhebliche Unterstützung: bei der Confirmation, bei der Selbständigmachung und bei der Verheirathung, Ferner werden aus der Stipendiencasse die Schul-, Erziehungs und Studienkosten der männlichen L., wenn erforderlich bis zum 21. Lebensjahre des betreffenden, getragen. Es studiren daher auch fast sämmtliche Luther dieser Linie. Ein anderer Sprößling der dritten Tochter des Reformators, Herr von Kunheim-Juditten aus Ostpreußen, war als Deputirter der Stadt Königsberg 1883 beim Lutherfeste zu Worms anwesend. Ueber einen Pfälzer „Sebaftian L.“ vergl. Goedeke im Gr. l, 294. Von den Schriften unseres Paul, deren er nur sehr wenige veröffentlichte, wurden u. a. gedruckt 1598: „0mci0 C19 9.rte c-r Our:-m t11er1ä5te M1Stu(1i11js“. Vrztisi.- auch werden erwähnt „Medizinische Adversarien“. Außerdem exiftiren noch zwei anatomische bunt illutn. Zeichnungen so wie drei anatomische Tafeln, welche wahrscheinlich vonseinerHand sind. Anderweitigeinteressanteseiträge zu Pauls häuslichen: und amtlichem Leben gewährt die seit 1839 als -„.tzzc:t-–-t I.ut11Srorum“ imsBesitze der Leipziger Stadtbibliothek befindliche überaus reiche Sammlung von Originakakten und Documenten aller Art aus der Familie Dr. Mart. Luther’s, darunter auch Briefe an Paul von Herzog Moriz Kurfürst zu Sachsen, Joachim von Brandenburg, Joh. Georg von Brandenburg, Albrecht Friedrich von Brandenburg, Kurfürst Auust von Sachsen u. a. fürstlichen Personen, über welche Sammlung das Serapeum 1840, 46 ff. ausführlich berichtet.
Vgl. außerdem: 1V!. 1)resri C16 situ St m0rts 1). 1J. 1s. m9cli0i O18cj0. ä(1zmi 7jt9„O 1llec1jOorum (8.) p. 338–42 Sto.