ADB:Manes, Joseph

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Artikel „Manes, Joseph“ von Rudolf Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 184–185, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Manes,_Joseph&oldid=2277013 (Version vom 21. Dezember 2014, 20:10 Uhr UTC)
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Manes: Joseph M., Maler, geb. zu Prag 1821, † daselbst am 10. Decbr. 1871, Sohn des Ant. M., erhielt gleich seinen Geschwistern Guido und Amalia, den ersten Kunstunterricht vom Vater, und bei ungewöhnlicher Befähigung mit solchem Erfolge, daß er schon während des ersten Studienjahres an der Akademie 1840 das Accessit des Compositionspreises „Libussens Urtheil“ erwarb, überdies mit einer verständnißvoll ausgeführten Aufnahme des Innern der architektonisch interessanten „Alt-Neuschule in der Prager Judenstadt“ nebst mehreren trefflichen Aquarellporträts auf der Kunstausstellung erschien. Bei der Vielseitigkeit seines Talentes längere Zeit ohne bestimmte Fachrichtung, wie die verschiedenartigen Arbeiten der Folgejahre auch deutlich zeigen, so die Ausstellungsbilder von 1841 „Des Adlers Horst“, „Männliches Porträt“, „Ein betendes Mädchen vor einer Kapelle“, „Ein Glasgemälde – nach einem Gedicht von Christ. Schmidt; von 1842 zwei männliche Porträts – gewann die Neigung für das historische Genre doch bald das Uebergewicht. Nach dieser Richtung gewissermaßen schon von Haus aus vorgeschult, befähigte ihn dafür besonders noch seine lebhafte Phantasie. Durch diese empfänglich für alle Sonderheit in der Erscheinung, übertrug sich stets von selbst etwas Originelles und Interessantes in seinen Darstellungen. – Nach der Einrichtung von Ateliers an der Akademie für bereits selbständig gewordene junge Maler, vom Director Ruben – 1842 – in ein solches einbezogen, vollendete M. das vorher begonnene, auf der Ausstellung von 1843 allgemein interessirende Bild: „Die letzten Augenblicke des Lucas von Leyden“, zu dem ein zweites „Die Todtengräber“ betitelt – in welchem auch schon das fein Capriciöse der meisten seiner späteren Schaffensfrüchte vortrat. Eine gleichzeitig von den jüngeren Künstlern aufgenommene Idee, die Illustration von Nationalliedern, entsprach nun vollends seinem Phantasieleben und fand auch die gewandteste Hand zur Verwirklichung, wie dies die Zeichnungen zur „Abschiedsgabe“ und zu „Bretislaw“ bewiesen. Leider [185] blieb das Unternehmen aus Mangel an einem opferwilligen Verleger auf ein Heft von 12 Illustrationen, welches 1845 bei Gottl. Haase Söhne in Prag erschien, beschränkt. – Gleich unerwartet wie zu diesem Ausgange kam es zur Entzweiung mit Ruben, dessen absolutistisches Vorgehen schon bei der nächsten Arbeit, einem größeren Gemälde: „Petrarca erblickt Laura in der Kirche Santa Agata zu Avignon“, den heißblütigen M. bewog, abzubrechen und die Vollendung nach München zu übertragen. Sein dortiger Aufenthalt ließ sich füglich ein verschleierter nennen, denn es wurde nichts anderes bekannt, als daß er das genannte Bild vollständig überarbeitete und selbes in den Besitz des Baron Heißler in München gelangte. Erst das J. 1848 brachte ihn wieder heim und fand in ihm einen feurigen Anhänger der herrschenden socialen Bewegung. Seine erste künstlerische Bethätigung bestand in der Porträtirung hervorragender Männer dieser Bewegung, des Bürgermeisters Dr. A. Strobach, des Dr. Pinkas und Dr. Franz Ladisl. Rieger. Regen Antheil nahm er ferner an dem Bauprojekte einer Kirche für die Prager Vorstadt Karolinenthal und stand mit hinter einem der Baubewerber – dem Architekten Ig. Ullmann, dessen plastisches Project er im Innern mit Frescoentwürfen versah, erwartend, sie würden auch durch ihn zur Ausführung kommen. Sie stellten eine Bilderfolge aus dem Leben von Cyrill und Method dar, welchen zu Ehren die Kirche erbaut werden sollte, und es ist einzugestehen, daß die Entwürfe auch von hoher Begabung für dieses Fach Zeugniß gaben. Der Bau sammt Ausschmückung überging in andere Hände und der enttäuschte M. bezog bereitwillig das ihm vom Grafen Sylva Tarucka auf seiner Herrschaft gebotene Asyl. Daß aber die Vertiefung in religiöse Darstellung eine Zeit lang nachwirkte, wird wahrnehmbar durch mehrere für den Grafen gemalte Bilder: „St. Johann Nepomuk“, „hl. Magdalena“, „Geburt Christi“. In dessen Besitz überging auch das Gemälde: „Albrecht Dürer auf der Reise nach Italien“. Das nächste, zugleich letzte Debut auf der Prager Ausstellung von 1860 war ein „Hausaltar mit Votivbild“, dem Kaiser Ferdinand zugedacht. Ein später noch in die Oeffentlichkeit gelangtes werthvolles Werk war die auf Grund der alten Idee in selbständig origineller Weise unternommene Renovirung des Zifferblattes der mittelalterlichen Prager Rathhausuhr, ein Werk, das man in jüngster Zeit durch eine Copie ersetzte, um es der Verwitterung zu entziehen und der Zukunft zu erhalten. Zu erwähnen ist noch eines geistreich gezeichneten Denkblattes für den Grafen Albert Nostiz anläßlich seines Rücktrittes von der Stelle eines Oberlandesmarschalls: einer eigenhändigen Lithographie „Die Heimath“, für den Künstlerverein, und der Illustration zu „Faust“ in dem deutschen Volksbuche von Schwab. Die letzten Lebensjahre nervös überreizt, dadurch menschenfeindlich geworden, wurde die Nachricht von seinem Ableben fast wie die von einem fernen lieben Freunde vernommen. Seinem Namen bleibt vermöge seiner Werke ein Ehrenplatz in der neueren Kunstgeschichte Böhmens.

Kunstblatt v. E. Förster. Bohemia. Eigene Aufzeichnungen.
Rud. Müller.