ADB:Mayer, Andreas
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Mayer: Andreas M., Mathematiker, Astronom und Kartograph, war der Sohn des Baumeisters Andreas M. zu Augsburg. wo er am 8.Juni1716 geboren wurde und seinen Schulunterricht genoß. Vom Rath seiner Vaterstadt unterstützt, studirte er seit 1783 in Wittenberg unter Joh. Math. Hase Mathematik und Physik, und widmete sich seit1735 unter der Leitung von Chtistfried Kirch in Berlin der Astronomie. Bei Fortsetzung seiner Studien in Marburg wurde er (1735) mit Christian Wolf bekannt, der durch seine philosophische Richtung einen so großen Einfluß auf M. gewann, daß dieser, als er, nach vollendeter Promotion in Wittenberg (1736), sich dort habilitirte, seine Schrift „kJ1ement–z t11S010gjs ns.mi1–st1js met110(10 1740 herausgab. Als mm Albert v. Schwarz, nach dem Abgange des Greifswalder Mathematikers Jer. Papke (ss. d. Art.), sich bei der Besetzung dieser Stelle den Rath von Wolf erbat, empfahl dieser M. als geeigneten Nachfolger. So begann er in Greifswald seit 1741 seine erfolgreiche Thätigkeit, nicht nur als akademischer Lehrer und Schriftsteller im Gebiet der Astronomie und Mathematik, sondern auch [88] durch praktische Unternehmungen, welche für die Entwickelung von Rügisch- Pommern eine große Bedeutung erlangten. In derselben Weise, wie letztere dem Princip des Nützlichen in der Wolf`schen Philosophie ihren Ursprung verdankten, läßt sich auf deren Toleranz und freiere religiöse Anschauung eine andere Schrift Mayer’s zurückführen: „1zu 8pi11o28. zt11Sus (1i(:j pOtestl- welche er in den von Dähnert herausgeg. Pom. Nachr. v. gel. Sachen, S. 266, veröffentlichte, und die in Jak. Heinr. Balthasar?, Greifsw. Wochenblatt, oder Verm. Samml. v. gel. Sachen, S. 145, eine herbe Entgegnung erfuhr. Dieselbe ist aber um so wichtiger, als M. einets der ersten war, welcher Spinoza’s Lehre einer unbefangenen Beurtheilung unterzog. Für seine praktischen Unternehmungen von der schwedischen Regierung unterstützt, bestimmte er mit den neu angeschassten Instrumenten (1753) die Lage und Polhöhe GrciFöwalds, und ermittelte durch genaue Messungen auf der Eisdecke des (1757) völlig zugefrorenen Meeres, so genaue Resultate, daß er (si763) seine neue Karte von Schwedisch-Pommern herauszugeben vermochte, welche der wirklichen Gestalt des Landes entsprach und die Mängel der älteren Karten von Lubin (1600), Merian (1671) und Homann (1715) berichtigte. Auch für das (1747–50) neu errichtete, noch jetzt bestehende Universitätsgebäude entwarf er den Riß, und leitete den Bau des selben, sowie von mehreren Kirchen und Privathäusern. Bei der Einweihung der neuen Universitättzräume hielt er als Dekan eine Rede und promovirte Anna Chr. Balthasar (ss. Bd. 1l, 28 f.) zur Bacc. der Philosophie. Vom Könige von Schweden und den Akademien von Stockholm, Upfala, Berlin, Mainz und Vologna als Mitglied geehrt, starb er am 19. December 1782. Sein älterer Sohn Joh. Christoph Andreas M. wurde Professor der Medicin in Frankfurt a. d. O., der jüngere Ernst Friedrich Christian M. Pastor in Königsberg. Lamb. Henr. Röhl, sitz .4n(jreue Il:t)sOri in den sitze 1’ome1–anorunr Biederstedt, Leben u. Schriften Neuvorpomm. Gel. S. 127; Kofegarten, Gesch. der Univ. 1, S. 292; Dähnert, Pom. Bibl. 1, S. 35–47; Berghaus, Handbuch des Herz. Pommern l7, 1, S. 697; Pyl, Pom. Gesch.Denkm. R’, S. 80.