ADB:Mayr, Georg (Kartograph)

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Artikel „Mayr, Georg (Kartograph)“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), ab Seite 137, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mayr,_Georg_(Kartograph)&oldid=560785 (Version vom 25. Dezember 2009, 03:12 Uhr UTC)
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Mayr: (Johann) G e o rg M., Kupferstecher und Kartograph, geb. am 24. Juni 180O zu Brixlegg in Tirol, folgte 1810 seinen Brüdern nach München, erhielt daselbst Unterricht im Stechen und fand, erst 14 Jahre alt, schon Verwendung im Topographischen Bureau als Kupferstecher-Eleve. Unter der Leitung des trefflichen Kupfetstechers Joh. Bapt. Seitz, sowie durch weitere Studien an der Akademie der Künste, vervollkommnete sich M. in seinem Fache so rasch, daß er schon nach drei Jahren durch ein dem damaligen Vorstande des Bureaus, dem Generallieutenant von Raglovich vorgelegtes Blatt volle Zufriedenheit und großes Lob erwarb. So erhielt M. Von seinem 24. Jahre an eine definitive Anstellung und warf sich mit dem eisernen Fleiße und dem Pflichteifer, womit er jedes auch noch so schwere Unternehmen rasch und stets gelungen zur Vollendung brachte, auf das große Werk des topographischen Atlas von Baiern. Viele der vorzüglichsten Blätter, welche sich alle durch die Reinheit des Stiches, charakteristische [138] Schärfe und Kraft der Darstellung auszeichnen, sind aus seiner Hand hervorgegangen und haben vielleicht zum guten Theile beigetragen, dem ganzen Kartenwerke die europäische Berühmtheit, welche dasselbe genießt, zu erringen. M. avancirte 1826 zum Revisor und 1840 zum Inspector, wurde aber schon 1852 in den Ruhestand versetzt. Außer seinen Berufsarbeiten fertigte M. die Pläne und Uebersichtskarten zu Völderndorff’s „Kriegsgeschichte von Baiern“ (München 1826), welche den strebsamen Geist des Jünglings bekunden, der sich zur Förderung seiner Bildung so tief eingehend mit dem historischen Studium befaßte. In rascher Folge erichienen eine „Postkarte von Baiern“ (München bei Piloty und Löhle), eine „Karte von Europa“, ein elegant gearbeiteter „Plan von Rom“, welchen Papst Gregor )(7l. durch Verleihung des Ordens vom goldenen Sporn auszeichnete. Das auf seinen Erholungsreisen nach der Heimath gesammelte Material verarbeitete M. zu einer meisterhaften „Karte von Tyrol“ (1838 im Verlag der litterar.-artist. Anstalt (Cotta) in München), deren Vorzüge – große Reichhaltigkeit bei sehr beschränktem Raum, prägnante Gebirgszeichnung und die hohe Zuverlässigkeit und Naturwahrheit – ihr bei allen Touristen eine vordem unerhörte Verbreitung erwarben. Daran reihten sich die Stadtpläne von Salzburg und München (1837 bei G. Franz), eine Karte von Palästina (Utrecht bei Kemink in 3 Auflagen) von Italien (München bei Palm), eine „Reise- und Uebersichtskarte von Deutschland“ (München 1862 bei Rieger). Zweimal wurde ihm ein ehrenvoller Ruf ins Ausland angeboten: erst von Schweden, dann suchte ihn General von Berg, Chef des russischen Generalstab8, (H1846) für die Dienste Rußlands zu gewinnen; aber M. lehnte jedesmal ab. Nach seiner Pensionirung begann M. den „Atlas der Alpenlünder“, welchen er auch von 1858–62 in neun Blättern für Perthes in Gotha vollendete. In dieser trefflichen Arbeit gipfelt das ganze Wirken seines Lebens. M. hat „mit einer lichtvollen Uebersichtlichkeit, welche durch den Re-ichthum und die Genauigkeit di-s behandelten Stoffes nicht die geringste Einbuße leidet, die größte unserer continentalen Gebirgsketten vielleicht zum ersten Male in ihrem totalen Zusammenhange, in allen Gruppirungen und EinzelfOrmationen zum klaren Bewußtsein gebracht“. Eine „Karte von Italien“, welche M. in Verbindung mit einem italienischen Topographen bearbeitete, blieb unvollendet, da M. am 17. Januar 1864 starb. Das Hauptverdienst dieser Karte fiel auch hier an M., da seine Arbeit nach dem Urtheil des Turin-er Professors Luigi Schiaparelli „jede andere Karte der Art, die wir gegenwärtig besitzen, bei We-item übertrifft“. M. hat sich übrigens auch als Schriftsteller versucht, sein Buch „Der Mann von Rinn (Joseph Speckbacher) und Kriegsereignisse in Tirol 18O9“` (Inn-sbruck 1851 bei Ostermann) ist nicht allein aus den bekannten –Ouellenschriften geschöpst, sondern auch aus der dem Autor noch erreichbaren mündlichen Ueberlieferung aufgebaut und mit einer so lebenstvarmen Empfindung geschrieben, daß man den etwaes zu blumigen und verzierten, ganz autodidaktischen Styl gerne darüber vergißt. Im Ganzen wird Speckbacher vielleicht zu sehr und auf Kosten Hofer’s , in den Vordergrund der Tiroler Erhebung gerückt und Manches aus der Tradition allzu vertrauensvoll erzählt, was doch unser kritisches Bedenken erregt. Indessen haben Wolfgang Menzel (Litt.-Blatt 1852 S. 241), Fallmerayer (sKritische Versuche, Leipzig 1861, S. 287 –-97), Häusser, L. Steub und Franz Pocci bie Vorzüge seiner Darstellung bereitwillig anerkannt. Außer einigen Beiträgen in Isabella Braun’s „JUgendblättern“, etlichen Reifeschilderungen und Aufsätzen über die „Breuner-Bahn“ verfaßteM. noch eine umfangreiche Bearbeitung „Leben und Thaten des Kurfürsten Max Emanuel“ und ein weiteres Buch über „Andreas Hormayr“, welche, obwol im Manuscript vollendet, doch ungedruckt verblieben, da der Autor vielleicht fühlte, daß seine Kraft hierzu nicht ausreichte. Neben ihm verdienen [139] auch seine beiden älteren Brüder Erwähnung. Der erste, Christian M., kam früh nach Baiern, durchlief mit Auszeichnung alle Schulen, hatte juridisches Talent, war schon mit 28 Jahren bairischer Hofrath, wurde 1813 Regierungspräsident in Tirol, trat wieder in baitische Dienste zurück und starb als Oberappellationsgerichtsrath zu München. Der zweite, Simon M., geb. am 28. Oct. 1779 zu Stumm im Zillerthal, folgte seinem Bruder frühzeitig nach München, wurde Dreher in der kgl. Porzellan-Manufactur zu Nymphenburg, arbeitete sich fast ohne Anleitung zum Zeichner empor, trat als solcher 1805 in die Hofbau-Intendance, leitete die Restauration des zum Sommersitze König Maximilian’s 1. bestimmten ehemaligen Klosters Tegernsee und die Neubauten im Bade Kreuth, brachte es zum Rufe eines anerkannt praktischen Baumeister-S und unter Klenze zur Stelle eines tgl. bair. Hofbauiuspectors, in welcher Eigenschaft er am 20. October 1840 zu München starb. Vgl. über Simon M. Nagler 1889 l’III, 498. Kunst-Vereins Bericht f. 1840 S. 97. Wurzbach 1868 )Ll’111, 175. Ueber Joh. Georg M. die autobiographischen Notizen in dessen obengenanntem „Mann von Rinn“ S. 330, dann den Nekrolog von F. v. T. in dem von Dr. Otto Titan von Hefner herausgegebenen „Münchner Omnibus Nr. 27 vom 27.Januar 1864 (sauch in Nr. 211 Morgenblatt der Vaietischen Zeitung vom 2. August 1864). Karl Theodor von Inama-Sternegg im )0(VII. Jahresbericht des Histor. Vereins für Oberbaiern 1865 S. 116 und Wurzbach 1868 )(1–’11l, 117.

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