ADB:Meier, Hermann Henrich

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Artikel „Meier, Hermann Henrich“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), ab Seite 291, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meier,_Hermann_Henrich&oldid=504365 (Version vom 25. Dezember 2009, 14:40 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Meier: Hermann Henrich M., als Sohn eines angesehenen Kaufmanns geboren zu Bremen am 16. October 1809, † ebenda am 17. November 1898, hat an der Förderung des Handels und der Schifffahrt Bremens und am öffentlichen Leben seiner Vaterstadt sowol wie auch Deutschlands thätigen und erfolgreichen Antheil genommen. Nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters zog .die Mutter mit ihren Kindern nach Stuttgart, wo M. das Gymnasium besuchte. Nach einem kurzen Aufenthalte in der Schweiz kehrte er 1826 nach Bremen zurück, um in dem Väterlichen Geschäfte seine Lehrzeit durchzumachen. Es war die Zeit, in der die Gründung Bremerhavens die bremische Unternehmungslust neu anspornte, vortrefflich geeignet, den Blick eines jungen Mannes, den die Familienüberlieferung auf die Theilnahme am öffentlichen Leben hinwies, über die Sphäre des privaten Geschäftsverkehrs hinaus auf die allgemeinen Bedingungen des Handels und der Schifffahrt zu lenken. Eine Reise, die M. 1831 im Interesse seines Hauses nach England machte, vor allem aber ein sechsjähriger Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo er von 1882 bis 1838 vornehmlich in Boston als Agent des Geschäfts thätig war, erweiterten den Umfang seiner kaufmännischen Kenntnisse und schärften sein Auge für die Erfassung großer Verhältnisse. Während er noch in Amerika sich aufhielt, war er am 1. Januar 1884 Theilhaber der Firma H. H. Meier ö: Co. geworden. Im J. 1838 nach Bremen zurückgekehrt, unternahm er zunächst, um sich von den Anstrengungen seines Berufes auszuruhen, eine längere Reise durch Italien und Frankreich. Dann aber widmete er sich mit Eifer seinem Handelsgeschäfte und als Mitglied des Bürgereonvents zugleich den öffentlichen Angelegenheiten seiner Vaterstadt. Im J. 1846 ging er zusammen mit zwei anderen bremischen Kaufleuten in Vertraulichem Auftrage des Senats.s nach Berlin, um bei der preußischen Regierung eine Unterstützung der amerikanischen Gesellschaft zu befürworten, die die erste directe Dampfschifffahrt zwischen New-York und dem europäischen Continent nach Bremerhaven zu leiten gedachte. Es gelang ihren Vorstellungen in der That, Preußen zur Zeichnung von 100 000 Dollars, der gleichen Summe, die schon Vorher Bremen gezeichnet hatte, willig zu machen. Auf diese Weise und durch die von Preußen gemeinsam mit Bremen empfohlenen Zeichnungen mehrerer anderer deutscher Regierungen gelang es, in Deutschland eine Summe von 300 000 Dollars aufzubringen und so das Zustandekommen der neuen Dampfschiffslinie zu sichern. Seit dieser Zeit hat M. den bremischen Schifffahrtsangelegenheiten beständig sein lebhaftes Interesse zugewandt. Auch als Mitglied des Frankfurter Parlaments, in das ihn der Wahlkreis Bremervörde bei einer Nachwahl zu Anfang 1849 abordnete, hat er zusammen mit Duckwitz die Förderung der Schifffahrts und Handelssachen sich angelegen sein lassen und an den Arbeiten für die deutsche Kriegsmarine theilgenommen. 4

Die folgenden anderthalb Jahrzehnte gehörten, den obwaltenden Verhältnissen entsprechend, wieder ganz den heimischen Angelegenheiten. Sie waren aber auch die fruchtbarsten in Meier’s Leben. Der Plan einer von einer Privatgesellschaft zu erbauenden Eisenbahn nach Bremerhaven scheiterte freilich an dem Widerspruche Hannovers. Dagegen gelang es M. im J. 1853 eine 19* [292] UML8kW6set itts Lehe!! ZU Ulf4M IMd dadurch

„5: iuduns ap;:emens mit seinem Seelzafen wesentlich zu verbessern. Leb- ; Antheil „ . -P-nehms er gleich darauf tm dem Bau des ersten festen Leucht- “ „ in der sPWesetmündung, der 1855 und 1856 von Baurath van Ronzeln, –dem ErbauerP des Btemerhtwenet Docks, ausgeführt wurde. Im J. 1856 trwi – als– erstes großes Bankinstitut in Bremen die Bremer Bank ins Leben, dd:mhP eine A ctiengesellschaft begründet, an deren Spitze M. als Chef des Verwekltzmsraths stand. Sie hat gleich im folgenden Jahre, als eine schwere Hmidelsk7;ifis auch den bm-nischen Markt bedrohte, durch einen raschen Entsch1uß und eine geschickte Operation Meier’s dem bremischen Handel ausgezeichnete Dienste geleistet und dann unter seiner langjährigen Leitung durch solide Geschäftsführung den Credit Bremens gefördert. .

Das Jahr 1857 sah mit der Gründung des Norddeutschen Lloyd das – Institut entstehen, das am meisten dazu beigetragen hat, Meier’s Namen auch s außerh alb Bremens zu einem geachteten zu machen. Die oft aufgeworfene Frage, ob M. als der eigentliche Gründer des Lloyd anzusehen oder ob nicht die erste Anregung dazu von Anderen ausgegangen sei, ist im Grunde durchaus müssig. Ein Unternehmen, wie dieses, kann nur gedeihen, wenn es einem praktischen Bedürfnisse entspricht und einem weit verbreiteten Wunsche entgegenkommt. Ein solcher. mußte sich damals wenige Jahre nach der Gründung der HamburgersPaketfahrt-Actiengesellschaft in Bremen um so lebhafter regen, als die 0Osun–8tosm–ns7igztiou Company, die zehn Jahre lang dem bremischen Handel erhebliche Vortheile gebracht hatte, in der Auflösung begriffen war. Darauf nur kam es an, den Gedanken so zweckmäßig wie möglich auszuführen, um dem Unternehmen Dauer zu sicher-n. Und daß dies geschehen ist, das ist unzweifelhaft in hervorragendem Maaße das Verdienst H. H. Meier’s gewesen. Sein scharfer, praktischer Verstand, seine genaue Kenntniß der Handels 9 und SchifffahrtöVerhältnisse, sein mit Besonn–enheit gepaarter Wagemuth, sein P aller Kleinlichkeit abholdes Wesen, nicht zuletzt seine persönliche Uneigennützigkeit haben den Norddeutschen Lloyd glücklich durch eine Reihe schwerer Jahre hindurchgebracht, die vornehmlich infolge des bald nach seiner Gründung ausgebrochenen amerikanischen Secessioneskrieges das junge Unternehmen ernstlich gefährdeten. Sie haben den Lloyd zu einem ausgezeichneten Instrumente des bremischen und des deutschen Handels gemacht und dazu beigetragen, noch bevor es ein Deutsches Reich gab, das Ansehen Deutschlands im Auslcmde zu erhöhen. Dreißig Jahre lang hat M. den Vorsitz im Verwaltungerathe des Norddeutschen Lloyd geführt, bis die Bürde des Alters und neue Ideen, die inlder jüngeren Generation hervortraten, ihn veranlaßten, das Amt niederzu egen. Die hohe Werthschätzung, die sich M. bereits über Bremen hinaus erworben hatte, zeigte sich, als es galt, das menschenfreundliche Unternehmen einer orgemisirten Thätigkeit für die Rettung Schiffbrüchiger, das an verschiedenen Punkten der deutschen Seeküste zur Bildung von Vereinen geführt hatte, in einer großen Gesellschaft zusammenzufassen. Die zuP diesem Zwecke im Mai1865 nach Kiel berufene Versammlung stellte einmüthig H. H. Meier an die Spitze der Gesellschaft. Und diese hat das auf eine nur dreijährige Periode bemessene Amt des Vorsitzenden ihm im Laufe von mehr als dreißig Jahren immer wieder übertragen. M. hat auch für die Nettungsgesellschaft eine-überaus erfolgreiche Thätigkeit entwickelt. Die rasche Verbreitung, die die Gesellschaft in allen Theilen des deutschen Reiches fand, gestattete es, die Zahl und die Ausrüstung der Rettungsstationen an den deutschen Küsten beständig zu vermehren und zu verbessern und dabei einen sehr beträchtlichen Reserve- [293] fonds anzusammc1n. Sch1m früh, als einder dwtsch;n Socialgesetzgebung, geItmg es .“, sitze “ K –Rettungsmannschaften –ins Werks setzen und bvu;ld:IwurdeP Dutch HF F35 von Specialstiftungen für das Wohl der Mannschaften HHsgesorgt. So kann man sagen; daß unter Mei er’s -p mkckisscher Hmid– swoh lwollender Leitung durch rein private und freiwillige Th–ütigkeits eine P Organisation geschaffen worden ist, die ihres gleichen suchts –:KeHimm Htm l 2 der vielen Unternehmungen, die zu lern M. in seinem lwwgen Leben „„P bgewesen ist, hat er denn auch bis unmittelbar an sein LebenserM eitte so ßingebende Sorge gewidmet, wie der Deutschen Gesellschaft zur Rettnng SchiXsrüchiger. „ “ N P Im Sommer 1866, bald nach der Schlacht von Königg–rätz, aber michbevor über das Schicksal des Königreichs Hannover entschieden worden war, ging M. abermals im vertraulichen Auftrage des Senats nach Berli?n. Es galt für den Fall eines Friedensschlusses mit Hannover dafür zu wirken, daß s die zahlreichen Beschwerden, die Bremens Handel und Schifffahrt seit zwei Jahrzehnten gegen die von engherzigsten Bestrebungen geleitete hannoversche PoQlitik zu erheben hatte, in dem Friedensschlusse zu Gunsten Bremens als eines f treuen und aufrichtigen Verbündeten Preußens abgestellt würden. M. machte dabei, als noch während der Dauer seiner Mission die Annexion Hannovers bekannt wurde, den Versuch, eine beträchtliche Erweiterung des Bremerhavener Gebiets von Preußen zu erreichen und fand in einer Unterredung, die er gleich nach Bismarck’s Rückkehr aus dem Felde mit diesem hatte, eine gegen seinen Plan sehr wohlwollende Haltung. Seine Absichten aber sind dann doch H am Widerspruche der preußischen Ressortbehörden gescheitert. Und wenn auch seine vornehmliche Aufgabe durch die Beseitigung desKönigreichs Hannover hinfällig geworden war, so hat M. doch dazu beigetragen, freundliche Beziehungen zwischen Bremen und seinem neuen preußischen Nachbar einzuleiten. Der Senat erkannte das noch im Herbste desselben Jahres dadurchzan, daß er M. die goldene Medaille verlieh, das höchste Ehrenzeichen, das er H Bürgern Bremens zu geben vermag. In dem Begleitschreiben pries der Senat die Freudigkeit und Treue, mit der M., so oft die Vaterstadt seiner Kräfte bedurfte, sie immer von neuem der Vaterstadt zu widmen nicht müde geworden sei, und wies darauf hin, daß die unauflöslich mit Meier’s Namen verknüpften Unternehmungen unserer Stadt zur Ehre und zum Vortheil gereichten.

Dieser rühmlichen Anerkennung des Senats gab bald darauf, als es sich um die Wahl eines Vertreters Bremens für den constituirenden Reichstag des norddeutschen Bundes handelte, die Bevölkerung Bremens durch die mit sehr großer Mehrheit erfolgte Wahl Meier’s ihre Zustimmung. Auch im ersten ordentlichen Neichstage war M., der sich der nationalliberalen Partei anschloß, der Vertreter seiner Vaterstadt. Nicht nur seine genauen Kenntnisse des Handels und der Schifffahrt, sondern auch seine Persönlichkeit Verschafften ihm .im Neichstage bald eine angesehene Stellung. Und eben dieses persönliche Element, sein Charakter, seine Zuverlässigkeit, seine aufrichtig liberale Gesinnung, die doch in rein praktischen Fragen stets zu vermitteln bereit war,– haben auch später, als im Reiche die liberale Aera einer schutzzöllnerisch-reactionären gewichen war, die Stimmen der bremischen Wähler ihm wieder zugeführt. M. hatte 187si aus persönlichen und geschäftlichen Gründen eine Wiederwahl in den Reichstag abgelehnt. Dann war er 1874 und 1878 unter Umständen, deren Herbeiführung auch manche seiner damaligen Gegner später bedauert haben, in Bremen zwei Mal bei der Reichstagswahl unterlegen. 1881 aber, [294] nachdem M. inzwischen während einer Legislaturperiode Schaumburg-Lippe im ReichsBtage vertreten hatte, und nochmals 1884 fiel wieder eine „bedeutende “– Stimmenmehrheit in seinem heimischen Wahlkreise ihm zu. Von 1890 an hat er dem ReichstageMnicht mehr angehört. –

Inzwischen hatte am 16. October 1889 die Vollendung des achten Jahrzehnts seines arbeits und erfolgreichen Lebens seiner Vaterstadt Anlaß gegeben, die Verehrung, die ihm aus allen Kreisen der bremischen Bürgerschaft entgegengebracht wurde, in festlichen Veranstaltungen und Begrüßungen ihm zu bezeugen. Auch deutsche Fürsten, an ihrer Spitze der Kaiser und die alte Kaiserin Augusta, und deutsche Staatsmänner, unter denen Fürst Bismarck nicht fehlen wollte, sandten ihm ehrenvolle Grüße. In der großen Halle der Börse, deren Bau M. zu Anfang der sechziger Jahre in erster Linie mit ins Werk gesetzt hatte, in der er ein Vierteljahrhundert lang die prononcirteste Erscheinung der bremischen Kaufmannschaft gewesen war, wurde am Abend bei einem festlichen Mahle, an dem viele hundert Männer aller Berufszweige theilnahmen, seinem Wirken und seinem Charakter die verdiente Huldigung dargebracht. M. war eine ungewöhnlich stattliche und vornehme Erscheinung, und dem entsprach durchaus sein inneres Wesen. Eine wahrhaft vornehme Gesinnung hat er in allen Verhältnissen, in die sein vielgeschäftiges Leben ihn führte, bewiesen, und was immer an Unternehmungen mannichfacher Art seiner Leitung unterstellt war, das zeichnete sich nicht allein durch zweckmäßige Einrichtungen, sondern auch durch eine großzügige Anlage aus.

Bippen.
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