ADB:Meier, Joachim (Jurist)
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IN1-ier: Joachim M., geb. den 1c). August 1ksksi zu Perleberg in der Mark, besuchte die Schulen zu Lüneburg und Braunschweig, neben seinen übrigen Studien der Musik eifrig ergeben, und die UnivetfitätMarburg, wo er vorzugsweise der Jurisprudenz oblag. Nach beendetem Triennium begleitete er zwei Herren von Schuleuburg auf einer Reise durch Deutschland und einen Theil von Frankreich. 1686 erhielt er am Gymnasium zu Göttingen, daß vor Begründung der Universität eine Zwischenstufe zwischen Schule und Akademie einnahm [199] und deshalb 1784 exaugurirt wurde, eine Stelle als Figuralcantor – an der untern Schule war ein Cantor choralis thätig – und als Lehrer der dritten Classe. Die kläglichen Besoldungsverhältnisse zwangen zur Nebenbeschäftigung und M. fand sie, seinen Studien getreu, in der Advocatur und Schriftstellerei. Die Marburger Universität förderte ihn 1695 zum Juris Licentiatus, 1707 zum Doctor, während er am Göttinger Gymnasium zum Professor Musices und nach Niederlegung des Cantorats zum 1’1okssSor lljstorj-te ci7j1js aufstieg (1707). Als solcher trug er den Schülern der ersten Gymnasialclasse Geschichte aller Zeitalter und Geographie vor, für drei wöchentliche Lectionen eine Besoldung von 50 Thlrn. empfangend. Nach dem Tode des Rectors Justus von Dransseld (1714) dirigirte er als Senior c011egjj p1–otes0rjj die Anstalt, wurde aber nicht an deren Spitze berufen, da die Vocation eines Auswärtigen dem Besuch der Schule vortheilhafter erschien, und ließ sich, als Heumann (Bd. R11, S. 828) 1717 die Leitung übernahm, pro csme1–jto erklären. Von nun ab lebte er ausschließlich seiner advocatorischen Thätigkeit, die ihm schon immer großen Zulauf und reiche Einnahmen verschafft hatte. Die Zahl seiner Schriften ist so groß wie ihr Inhalt mannigfaltig; ihr Werth für die Gegenwart gering. Auch daß er der gelehrteste aller Göttinger Cantoren war und die zahlreichste Bibliothek in Göttingen besaß, wird ihn in den Augen heutiger Leser kaum erhöhen. Aus seiner juristischen Schriftstellerei verdient das „Oor1zus zut–js :11mi18gii ot 1z:1rc1gii“ (1727) Hervorhebung, eine Sammlung von Abhandlungen über diesen Gegenstand von Hert, Schilter, Berger, Cocccji u. a., durch eine ,-1)jsc1uisjtj0 Juris pub1i(:i (1e up. 6t 1z21r. emti(1uits„ts er 11tj1itx1tO“ des Herausgebers eingeleitet. Unter seinen historischen Schriften sind zu nennen: „Lt-ben, Thaten und Tod Heinrichs dessLeueu“ (1694), „01–jgi11es St antiquitates 1-1es011S0S“ (1713ß)- worin er eine Vertheidigung Letzners (Bd. 18, S. 465) unternimmt und aus dessen Papieren ein Neues Plessisches Stammbuch abdruckt. Am ehesten verschafft man sich einen Begriff seines Ingeniums Aus einer Schrift, wie „.411tic1uitstes ri1r11–um et. yj11ic0rullr (1701): von einem Meier verfaßt, einem Mayer gewidmet, stellt sie Untersuchungen (1e origins 11o111j11js )1ejsi–j ver-1s;u0 0,jus Sigoiss09.tjo11e an und erreicht es durch eine aus allen Ecken und Enden zusammengetragene Gelehrsamkeit, eine einfache Sache zu verwirren und eine Ableitung :11z e(1uestrj or(lin9 mittels des gallischen111-11–, das er in der heimathlichen Möhre näher gehabt hätte, zu Stande zu bringen. Schriften ganz ähnlicher Art und Geschmacklosigkeit hat er über die Namen und Familien Böhmer, Fischer, Dransfeld verfaßt. Auch an der damaligen Mode der Romanschriktstellerei hat er sich mit einer durchlauchtigsten Römerin Lesbia (1ci90s) und mit einer Römerin Delia (1707) betheiligt, dort die Gedichte des Catull, hier die des Tibull und Horaz in einem cürieusen Romane vorstellend. Sein Singspiel „Die siegende Großmuth“ (’1693) behandelt die Werbung des jungen Heinrich, des Sohnes Heinrichs des Löwen um Agnes von der Pfalz und war vom Verfasser zur Feier der Erlangung der „neuen und neunten Churwürde“ bestimmt, doch trägt das Titelblatt des Exemplars der Göttinger Bibliothek die Notiz: solches ist Jhneu von mir J. v. Dransfeld inhibiret. Eine seiner letzten Schriften: „Unvorgreifliche Gedanken von der theatralischen Kirchen- Music“ (172es) verwickelte ihn in eine Polemik mit dem berühmten Musiker Joh. Mattheson (Bd. 1X S. 621), der ihr einen 1Ipb01–us 0totti11gensis (1727) entgegensetzte, worauf M. in dem „anmaßlichen Hamburgischen 0ritj(:us Si11e crisi“ (1727) replicirte. M. starb zu Göttingen am 2. April 1782.
Hamb. Criticus S. 9. Heumann, Progr. ju tunSre J. 1V1eierj„ Gott. 1732. Zeit- und Geschicht-Beschreibung der Stadt Göttingen, Th. 3 (1738)- S. 252. Pütter, Litter. des Staatsr. Z, S. 760. Goedeke, Grundriß §192.