ADB:Mende, Ludwig Julius Caspar

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Artikel „Mende, Ludwig Julius Caspar“ von Winckel. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 315–316, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mende,_Ludwig_Julius_Caspar&oldid=1684856 (Version vom 1. September 2014, 21:03 Uhr UTC)
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Mende: Ludwig Julius Caspar M., Sohn des Predigers David Mende in Greifswald, wurde daselbst den 14. Septbr. 1779 geboren, studirte Medicin in Greifswald, Berlin und Göttingen, besuchte die medicinischen Anstalten in Würzburg und Bamberg, promovirte nach Vertheidigung seiner „Diss. inauguralis de exanthemati tutorio, quod vulgo variolas vaccinas dicunt“ in Göttingen 1801 und ließ sich dann in demselben Jahre in seiner Vaterstadt als Privatdocent nieder. 1807 wurde er daselbst Adjunct der medicinischen Facultät, 1814 außerordentlicher und 1815 ordentlicher Professor der Medicin. Zugleich war er Mitglied des Sanitätscollegiums und zuletzt Director dieser, das Medicinalwesen in Schwedisch-Pommern beaufsichtigenden Behörde. Durch diese Stellung wurde M. schon früh veranlaßt, sich der Beschäftigung mit der gerichtlichen Medicin mehr als gewöhnlich zuzuwenden, durch deren Bearbeitung er sich später großen Ruf erwarb. Obwohl eine sehr ausgedehnte Praxis ihn an der Verfolgung wissenschaftlicher Entwürfe hinderte, schlug er doch aus Liebe zu seiner Vaterstadt Greifswald zwei an ihn ergangene Berufungen nach Berlin und Bonn ab und entschloß sich erst 1823 dem Rufe zu der Professur der gerichtlichen Medicin und der Geburtshülfe in Göttingen zu folgen. Sein Scheiden von Greifswald wurde dort als ein allgemeiner Verlust betrachtet. In Göttingen, wo er Nachfolger F. B. Osiander’s wurde, bestrebte er sich, die im Gebiete der Entbindungskunst excentrischen Grundsätze desselben vergessen zu machen. Sein ebenso anziehender als lebendiger Vortrag zog zahlreiche Schüler an; durch einen sehr sorgfältigen Hebammenunterricht erwarb er sich große Verdienste. Ueber seine litterarische Thätigkeit fällt Ed. von Siebold ein Urtheil, welchem wir uns durchweg anschließen müssen: „An den Fortschritten des Fachs nahm er regen Antheil und suchte in einer Reihe gehaltvoller Aufsätze die wichtigsten Fragen der Gegenwart zu erörtern. Die trefflichen Arbeiten über das Verhältniß der Perforation zum Kaiserschnitt, über die menschliche Leibesfrucht, die Geburt in rechtlicher Beziehung, sowie über die Kunstfehler der Hebammen, welche ihnen rechtlich als Vergehungen angerechnet werden können, zeigen das Gebiet, auf welchem sich M. schon während seiner früheren Laufbahn den größten Ruhm erworben hatte, nämlich das der gerichtlichen Medicin. Sein großes Werk über diese Wissenschaft, sechs Bände umfassend (1819–1832) zeichnet sich in jeder Beziehung aus und ist ein wahrhaft klassisches zu nennen.“ 1810 gab er ein „Lehrbuch der Frauenkrankheiten“ heraus, von dessen unvollendet gebliebener zweiter Auflage 1831 nur der erste Theil erschien. Schon in Greifswald an leichten Gichtanfällen leidend verschlimmerten sich dieselben 1831 und endeten mit seinem Tode am 23. April 1832. Aus seinen Werken erwähnen wir noch: „Beobachtungen und Bemerkungen aus der Geburtshülfe und gerichtlichen Medicin“, 3 Bde., 1824–1826 und die „Zeitschrift für gerichtliche Medicin“, 2 Bde., 1827–30. Von Prof. Giesler, welcher seinem verstorbenen Freunde einen Nekrolog schrieb, wird neben seiner rastlosen Thätigkeit seine [316] milde Freundlichkeit und sein Wohlwollen gerühmt, welches ihm die Liebe aller gewann.

Vgl. Giesler, Nekrolog Mende’s in der Neuen Zeitschrift für Geburtskunde von Busch etc., Berlin 1834, I. Band, S. 1–6 und Siebold’s Geburtshülfe II, 690.
Winckel.