ADB:Mohnike, Gottlieb

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Artikel „Mohnike, Gottlieb Christian Friedrich“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 62–64, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mohnike,_Gottlieb&oldid=1686820 (Version vom 18. Dezember 2014, 08:32 Uhr UTC)
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Mohnike: Gottlieb Christian Friedrich M., berühmt als gelehrter Theolog, als Litterarhistoriker und Uebersetzer, geb. am 6. Januar 1781 zu Grimmen, woselbst sein Vater Kaufmann und Rathsherr war, † am 6. Juli 1841 zu Stralsund. Vorgebildet auf der Schule seiner Geburtsstadt trat er Ostern 1794 in die dritte Klasse des Stralsunder Gymnasiums ein, erwarb während eines fünfjährigen Aufenthalts besonders durch Unterweisung des Rectors Groskurd, des Conrectors Furchau und des Subrectors Ruperti die Reife für die Akademie und bezog Michaelis 1799 die Greifswalder Universität. Zwei Jahre hindurch widmete er sich hier theologischen, philosophischen, philologischen, historischen und naturwissenschaftlichen Studien unter Schlegel, Ziemßen, Parow, den beiden Muhrbeck, Möller, E. M. Arndt, mit dem er bis an sein Lebensende innigst verbunden blieb, Overcamp, Weigel und Rudolphi. Im Herbst 1801 siedelte er nach Jena über und vollendete seine Universitätsstudien unter Griesbach, Paulus, Niethammer, Augusti, Schelling, Hegel, Schütz, Voigt und Breyer, indem er weit über den engeren Kreis seiner Fachwissenschaft hinaus eine möglichst allgemeine und vielseitige wissenschaftliche Bildung erstrebte. Nachdem er heimgekehrt Ostern 1803 die erste und, durch mehrjährige Thätigkeit als Hauslehrer aufgehalten, im Sommer 1809 zu Greifswald die zweite theologische Prüfung bestanden und die dabei gehaltene Predigt als Erstling seiner reichen schriftstellerischen Thätigkeit durch den Druck veröffentlicht hatte, ward er am 1. November 1810 zum Conrector des Gymnasiums in Greifswald berufen und leitete die Anstalt nach dem bald darauf erfolgten Tode des Rectors Niz, bis Ahlwardt 1811 das Rectorat übernahm; während dieser Zeit vermählte er sich mit Karoline v. Stucker, Tochter des Medicinalassessors Dr. v. Stucker in Grimmen. In der Folge am 22. November 1813 nach Stralsund als Pastor an St. Jakobi berufen, blieb er bis an sein Lebensende in diesem Wirkungskreise, übernahm aber zugleich seit 1818 die Leitung der geistlichen und Schulangelegenheiten im Regierungsbezirk Stralsund, bis er am 1. Januar 1819 definitiv zum Consistorial- und Schulrathe und seit 1839 auch zum Superintendenten ernannt wurde, in welchem ersteren Amte er zugleich als königlicher Commissarius den Abiturientenprüfungen zu Stralsund, Greifswald und Putbus vorstand. Indeß ging seine praktische wie litterarische Thätigkeit weit über den engeren Kreis der nächsten Berufspflicht hinaus; sein lebhafter Geist umfaßte mit tiefem Interesse die universale Litteratur wie Kultur; genährt ward dieses Streben durch wiederholte Reisen, welche er nach einer mehrjährigen Krankheit, von königlicher Munificenz unterstützt, 1827 durch Mitteldeutschland, 1829 durch Schweden und Seeland unternahm, indem er sich überall mit den litterarischen Hülfsmitteln bekannt machte und mit den berühmtesten Gelehrten in geistigen Verkehr trat. Zu seinen vertrautesten Freunden gehörten der kaiserlich russische wirkliche Geheimrath und [63] Generalstabsarzt der Armee, Dr. v. Schlegel zu St. Petersburg, der königlich preußische wirkliche geheime Oberfinanzrath und Regierungspräsident Keßler zu Arnsberg, der königlich bairische Geheimrath Dr. v. Schubert in München und Dr. Fr. Jahn zu Freiburg a. d. Unstrut; in den letzten Jahren seines Lebens schloß er einen innigen Bruderbund mit Schwedens gefeiertstem Sänger, Esaias Tegnér, der ihn auch zweimal in Stralsund besuchte. Charakteristisch für seine amtliche wie litterarische Thätigkeit war, daß er alles, was ihm oblag oder wozu ihn die Neigung zog, mit dem gewissenhaftesten Eifer und der hingebendsten Liebe betrieb. Stand für ihn die Gemeinde im Vordergrund, so lag weiterhin die Stadt Stralsund sowie das gesammte Pommern und Rügen seinem Herzen nahe, und wie allgemeine Achtung er in der Heimath genoß, beweist seine Sendung im October des Jahres 1840 als Deputirter zur Huldigung in Berlin. Durch Lehre, Trost, Ermahnung und Unterstützung bewies er sein unermüdliches Interesse für Menschenwohl, er war ein patriotischer sowie populärer Mann in des Wortes edelster Bedeutung und seine ganze Erscheinung die personificirte Leutseligkeit und Humanität. Allen Extremen in der Theologie fern, hielt er sich an das einfache und praktische evangelische Christenthum und bewies Milde und Toleranz ohne Indifferenz. Obwol er in solcher Weise im Amte und im praktischen Leben auf das Höchste in Anspruch genommen war, so wußte er doch bei weiser und regelmäßiger Benutzung jedes Augenblicks Zeit zu erübrigen für wissenschaftliche Beschäftigung und seine litterarische Productivität auf den verschiedensten Gebieten war nach Inhalt und Umfang bewundernswürdig. Sie erstreckte sich einerseits auf Litterarhistorie und geschichtliche Theologie, insbesondere auf das Zeitalter der Reformation, andererseits auf die Geschichte Pommerns namentlich der Stadt Stralsund und sind in dieser Richtung u. A. die Herausgabe von Ulr. v. Hutten’s Klagen (1816), von Sastrow’s und Wessel’s Leben (3 Theile, 1823–24), sowie der Stralsunder Chroniken Bd. I (1833) Und „Geschichte der Buchdruckerkunst in Pommern“ (1840) zu erwähnen. Während der letzten 15 Jahre seines Lebens wandte er sich mit Vorliebe der skandinavischen Litteratur zu und trat auch mit der königlich nordischen Gesellschaft in Kopenhagen in nähere Verbindung. Seine Geistesschöpfungen in dieser Richtung liegen theils in selbständigen Werken, theils in Bearbeitungen und Uebersetzungen vor; außerdem finden sich von ihm Abhandlungen und Recensionen in den geachtetsten wissenschaftlichen Zeitschriften und kritischen Blättern. Ein ausführliches Verzeichniß aller dieser Arbeiten findet sich in Zober’s Nekrolog. Mit den nordischen Sprachen sowol der schwedischen und dänischen als auch der isiändischen und norwegischen war er von Naturanlage unterstützt durch unermüdlichen Eifer so vertraut geworden, daß die eingebornen nordischen Gelehrten ihm darüber ihre hohe Anerkennung aussprachen und es als sein besonderes Verdienst anerkannten, daß die skandinavische Litteratur in Deutschland eingebürgert wurde. Zu einer geistigen Vermittlung zwischen Schweden und Deutschland haben auch seine trefflichen Uebersetzungen von Tegnér’s Frithjofs-Sage (1826) und sämmtlichen Gedichten (3 Bde., 1840), sowie von Nicander’s Runen (1829) wesentlich beigetragen und überhaupt die Aufmerksamkeit Deutschlands auf die neuere nordische Litteratur gelenkt. Uebersetzungen von Reden, Schilderungen und Gedichten schwedischer und dänischer Schriftsteller enthält die von ihm und Schütt unter dem Titel „Skandinavisches“ (Stralsund 1832) herausgegebene Sammlung. Nicht minder verdienstlich sind seine Bemühungen für die Verbreitung der älteren skandinavischen Litteratur. Durch seine „Volkslieder der Schweden“ (Bd. I, Berlin 1830), „Altschwedische Balladen, Märchen und Schwänke“ (Stuttgart und Tübingen 1836) ist die reiche Sammlung von Geijer und Afzelius „Svenska [64] folk-visar“ (3 Bde., Stockholm 1814–1816) beinahe vollständig auf deutschen Boden verpflanzt worden. Von seiner Uebertragung des Hauptwerkes für nordische mythische Geschichte „Heimskringla oder Sagen der Könige von Norwegen von Snorre, dem Sohne Sturla’s“, ist der erste Band in zwei Abtheilungen erschienen (Stralsund 1835–1837); schon früher hatte er aus dem Isländischen „Die Sage von Fridthjof dem Starken“ (Stralsund 1830), die Tegnér’s Gedichte zu Grunde liegt, übersetzt und die „Faereyinga-Saga“ im isländischen Grundtext mit faröischer, dänischer und deutscher Uebersetzung (Kopenhagen 1833) in Verbindung mit Rafn herausgegeben; auch seine Uebersetzung von Rask’s Verslehre der Isländer (Berlin 1830) und von Rafn’s „Entdeckung Amerika’s im 10. Jahrhundert“ (Stralsund 1838) sind hier zu erwähnen. Unter seinen übrigen litterarhistorischen Schriften ist die unvollendet gebliebene „Geschichte der Literatur der Griechen und Römer“ (Bd. I, Greifswald 1813) ein interessanter Beitrag für die Philologie, ebenso ist auch sein schon oben zur pommerschen Geschichte erwähntes Werk „Ulrich Hutten’s Jugendleben nebst Geschichte und Beschreibung der Urschrift der Klagen“ (Greifswald 1816) für die Culturgeschichte des 16. Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Unter seinen theologischen, insbesondere kirchenhistorischen Arbeiten sind die „Urkundliche Geschichte der sogenannten professio fidei tridentinae und einiger anderen Glaubensbekenntnisse“ (Greifswald 1822) und der Nachtrag zu dieser Schrift „Zur Geschichte des ungarischen Fluchformulars“ (Greifswald 1833) als gründliche Erläuterung eines damals vielbesprochenen Gegenstandes zu nennen. Werthvolle Beiträge zur Geschichte des Kirchenliedes hat er in seinen „Hymnologischen Forschungen“ (2 Bde., Stralsund 1831–1832) niedergelegt, durch welche auch die Geschichte der Reformation in Pommern mannigfache Aufklärungen erhalten hat. Von seinen kleineren Schriften sind in dieser Hinsicht „Die Feier des Jubelfestes der augsburgischen Confession in Neuvorpommern in den Jahren 1630, 1730 und 1830“ (Stralsund 1830), „Die Krönung Christiane III., Königs von Dänemark und seiner Gemahlin Dorothea durch Dr. Joh. Bugenhagen“ (Stralsund 1832), sowie seine drei Programme über Johannes Frederus (Stralsund 1837–1840) zu nennen. Auch lieferte er mehrere Aufsätze zu Ullmann’s und Umbreit’s „Theologischen Studien“ und zu Illgen’s „Zeitschrift für die historische Theologie“. Seine ausgezeichnete litterarische wie amtliche Thätigkeit fand die allgemeinste Anerkennung; in den kritischen Blättern ward seiner Schriften auf das rühmlichste gedacht; eine große Anzahl deutscher und außerdeutscher Gelehrtengesellschaften nahm ihn als Mitglied auf. Bereits 1828 erhielt er den rothen Adlerorden dritter Klasse, später von der schwedischen Krone den Nordsternorden. Die schwedische Akademie ehrte ihn als den gründlichsten Beförderer und Verbreiter der skandinavischen Litteratur in Deutschland im J. 1840 durch ihre große goldene Medaille; in demselben Jahre übersandte ihm der Kronprinz Oskar für die ihm zugeeignete Gesammtausgabe der Tegnér’schen Gedichte in deutscher Uebersetzung eine mit des Kronprinzen Bilde gezierte goldene Medaille. Mit Recht hat ihn daher Lappe in den Blüthen des Alters S. 183 den litterarischen Ruhm seiner Heimath im Auslande und ein Orakel der Gelehrsamkeit genannt. Den litterarisch geselligen Verein in Stralsund half er mitgründen und war und blieb die Seele desselben. Seine alle Fächer der Wissenschaft umfassende Büchersammlung wurde mit der Stralsunder Raths- und Stadtbibliothek vereinigt.

Zober, Berichte des litterarisch-geselligen Vereins zu Stralsund, III, 1842, S. 33–49; Biederstedt, Nachrichten etc., Stralsund 1822. S. 80–87; Conversationslexikon der Gegenwart, Leipzig 1840, S. 700 f.; Pyl, Pommersche Geschichtsdenkmäler, Bd. IV, S. VIII.
Häckermann.