ADB:Paldamus, Hermann

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Artikel „Paldamus, Hermann“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), ab Seite 73, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Paldamus,_Hermann&oldid=531240 (Version vom 11. Dezember 2009, 13:37 Uhr UTC)
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Paldamus: Hermann P., geistreicher Philolog und Pädagog, ward als Sohn eines wohlhabenden Arztes am 20. Juli 1805 zu Bernburg in Anhalt geboren und starb als Gymnasialprofessor und Prorector am 16. October 1854 zu Greifswald. Frühe des Vaters beraubt, erhielt er seine Vorbildung für die gelehrten Studien auf dem städtischen Gymnasium, that sich durch Anlagen wie Lerneifer hervor und bezog Michaelis 1822 mit ehrenvollem Abgangszeugniß die Universität. Sein akademisches Triennium absolvirte er von’1822 bis 1825 ausschließlich auf der Universität Halle und wandte sich mit vollem Eifer dem Studium der classischen Philologie zu. Einen allbeherrschenden Einfluß gewann auf seine geistes und Charakterbildung der berühmte Professor der [74] Alterthumswissenschaften Karl Reisig, dessen Vorlesungen er sämmtlich besuchte; die lebensfrische, aus der Anschauung des classischen Alterthums hervorgegangene Bildung des Lehrers gab auch dem geistig sittlichen Wesen des Schülers für alle Folge die Richtung. Unter dem Decanat Grubers am 8. October 1825 auf Grund der Dissertation: „1)e 1Ir0psitjj 8.1i01sumqus mi11t0rum 80rjptorum (1ujbus(18.m 1oOis 0rjtjos. St S:1egetjOs“ zum Doctor der Philosophie promovirt, übernahm er im folgenden Winterhakbjahr freiwillig einige Lehrstunden an der Hauptschule der Francke’schen Stiftungen und begab sich sodann nach Berlin. Hier ward er Mitglied des pädagogischen Seminars für gelehrte Schulen und unterrichtete von 1826–28 am Friedrich-Wilhelms Gymnasium, von da bis 1830 als Schulamtscandidat am Grauen Kloster. Während seines Aufenthaltes in Berlin begann er zugleich, von Reisig angeregt, seine schriftstellerische Thätigkeit und veröffentlichte: „88Jct.. A111–81. 1’ropsitjj (Jet1–mj118„ cum ;Jotjorc- SO1jptur8.e siis0repa11tjs„ pr86StHAntjs. 7. s. 1). l). (:on„jeOturjsujs(1us obs9rvztj011ib. OritiOis, 1827, sowie „09–„j. ’1’1–a11q. 8uet011ji lsjt,ae 8e190tas in usum SO11019.1sum“ 1829. Diese Erstlingsschriften mögen zu seiner Berufung an das städtische Gymnasium in Greifswald mitgewirkt haben. Ostern 1830 trat er das Conrectorat daselbst an, rückte 1835 ins Prorectorat auf und ward zugleich zum königl. Gymnasialprofessor ernannt. Bis an sein Lebensende hat er in solcher Stellung eifrig und anregend gewirkt, indem er zugleich von 1832–42 an der Universität als Privatdocent Vorlesungen zumeist über römische Schriftsteller hielt; neben solcher zwiefachen Lehrthätigkeit war er in mehr oder minder engem Anschluß an seine amtliche Wirksamkeit unausgesetzt als Schriftsteller thätig. Von zahlreichen Recensionen in philologischen Zeitschriften abgesehen, verfaßte er eine Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen zu jährlichen Programmen der Anstalt; hierher gehören: „l)6 peryjgi1j0 7ensrjs 1830; -„1)(s 1s(sxIstjtj011e voOum in 8SrmO110 grst9(:0 St rttir1o 1836; „1)e (J0rne1iO 0S180“„ 1842; „llOr:-ttjsz.ns 184? und „DS j111itAtj0116 11oratji“„ 1851. Erwuchsen eine „Römikche Erotik“ (1833) und eine Abhandlung „Ueber Ursprung und Begriff der Satire nebst Probe Horazischer Scholien“ (“1834) aus und mit seiner akademischen Stellung. so ward die in anmuthigem und elegantem Latein verfaßte „Fs.rrzti0 (18 0zro1o R.Sisjgj0 ’1?11urj11gO“, welche nach dem Vorbilde altholländischer Philologen dem unvergeßlichen Lehrer ein biographisches Denkmal setzt. als Festschrift des Gymnasiums zum Amtsjubiläum des Schul- und Consistotialrathes Dr. Friedrich Koch 1839 veröffentlicht und um die lateinischen Gedichte Reifig’s vermehrt in demselben Jahre monographisch herausgegeben. Als letzte und lange vorbereitete F ucht seiner Studien erschienen im Verlage von Tauchnitz: „De1–gj1jj 1llsrO11js 0p9r5t“, in typographischer Ausstattung eine 9eiljt.jo 11icj(1isj1vz. Die Vollendung einer Ausgabe des Papinius Statius hinderte der Tod. – Der Schwerpunkt seines fünfundzwanzigjährigen pädagogischen Wirkens liegt in der Vielseitigkeit der geistigen Anregung und in der innigen Verschmelzung antiker und moderner Bildung und Auffassung, welche in allen von ihm verwalteten Unterrichtsgegenstä11den den Schülern zugeführt ward. Ein geistvoller Epicuräismuß charakterisirte sein Leben und Wesen und er zählte zu den Pflegern des classischen Alterthums, welche sich demselben voll und ganz hingegeben.

H. Lehmann, Geschichte des Gymnasiums zu Greifswald, 1861, S. 188; fortlaufende Chronik des Greifsw. Gymnasiums in den Programmen von 1838 bis 1855; Schulacten des Bernburger und des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums sowie des Grauen Klosters zu Berlin; Privatmittheilung. – Dr. Hermann Paldamus. Ein pädagogisches Zeitbild (vom Unterzeichneten). Separatabdruck aus dem Greifswalder Sonntagsblatt 1884, Nr. 7–17.
Häckermann.
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