ADB:Parthey, Gustav
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Parthey: Gustav Friedrich Konstantin P., Philologe und Buchhändler, geboren am 27. October 1798 zu Berlin, † zu Rom am 2. April 1872. Sein Vater, Daniel Friedrich P., ursprünglich ein Leineweber, hatte sich zum Hofrath im Generalfiuanzdirectorium hinaufgearbeitet, die Mutter war die älteste Tochter Friedrich Christoph Nicolai’s (s. A. D. B.?TI(111, 580). Sie starb bereits 1803, und der Vater heirathete in zweiter Ehe die Wittwe seines vers storbenen Schwagers David Nicolai, Charlotte geborene Eichmann. Gustav P. hatte eine Schwester Lilli, die später den Componisten Bernhard Klein (s. A. D. B. IN1, 78) heirathete, und einen Stiefbruder Moritz. Nach dem Besuch der Hartung’schen Privatschule und des Gymnasiums zum Grauen Kloster, das er als prjmus O1unj1r11 Ostern 1818 verließ, bezog er die Universitäten Berlin und Heidelberg, wo er bereits am 12. August 1820 promovirte. Den nächsten Winter verbrachte er in Paris und lernte im Hause der Herzogin von Kurland [190] (f. A. D. B. 7, 357) viele berühmte Personen der vornehmen Gesellschaft kennen. Wiederholte Reisen durch Deutschland, Frankreich, England, Italien, Griechenland, Aegypten und Palästina bereicherten seine Kenntnisse und förderten seine wissenschaftlichen Arbeiten. Er hatte Sinn und Verständniß für die bildenden Künste und die Musik, eine große Bücherkenntniß und regen Eifer zum Sammeln auf mehreren Gebieten der Kunst und Wissenschaft. Die Anregung und den Grundstock zu den Sammlungen gaben ihm die reiche Bibliothek und die Gemälde, Kupferstiche und Handschriften des Großvaters Nicolai, die er mit der ihm vom Großvater überkommenen „pedantischen Qrdnungsliebe“ hegte und ergänzte. Nur schade, daß bei der Fülle seiner Interessen keine einzeLne der Sammlungen einen hervorragenden wissenschaftlichen Werth erhielt. Sie galten ihm mehr als Mittel zur Förderung seiner eigenen Bildung und zur Erinnerung an seine Reisen. Wie aber Nicolai seine Bibliothek allezeit gern den Freunden öffnete und auf die Vignette; die er in alle seine Bücher klebte, die Inschrift gesetzt hatte: NjOOr-ti St 8miOorum, so hat auch P. stets seine Sammlungen Gelehrten auf daß gefälligste zur Benutzung freigegeben und viele durch bereitwillige Auskunft unterstützt. Auch hat er, und zwar ebenfalls nach Nicolai’s Vorgange, wiederholentlich hunderte, ja tausende von Büchern an öffentliche Sammlungen geschenkt, so an die königl. Bibliothek in Berlin, das geheime Staats archiv, die deutsche Bibliothek in Flensburg, die Universitätsbibliothek zu Straßburg und das archäologische Institut zu Rom. Seine wissenschaftlichen Arbeiten gehörten bald dem einen, bald dem andern Felde der Forschung an. Es sind meist sehr fleißige, registrirende Arbeiten, in denen oft ein großer gelehrter Apparat gewissenhaft und umständlich beigebracht wird auf Gebieten, die bisher noch wenige Bearbeiter gefunden hatten. Gerade solche Arbeiten entsprachen seiner stillen Natur, während scharfe Kritik oder gar Polemik ihm völlig fern lagen. Auch im äußeren Leben suchte er nie hervorzutreten. Davon hielt ihn eine ihm angeborene Zaghaftigkeit und Schüchternheit zurück, die er selbst öfkers nach seiner Bescheidenheit beklagt hat. Die Verwaltung der Nicolaischen Buchhandlung, die er seit seines Vaters Tode (1825) führte, nahm nicht allzuviel Zeit in Anspruch, da er zuverlässige Geschäftsführer hatte. Sein Hauptberuf war ihm sein Privatstudium und der Verkehr mit gelehrten und kunstfitmigen Freunden. Im J. 1824 verheirathete er sich mit Wi!helmine Mitterbacher aus Karlsbad, mit der er bis zu seinem Tode in glücklicher Ehe lebte. Ihr ist auch der erste Band seiner Wanderungen durch Sicilien und die Levante in einem herzlichen Gedichte gewidmet. 1837 ward er zum Mitgliede des litter. Sachverständigen Vereins und 1857 zum Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften berufen. Außer einzelnen Abhandlungen in Gubitz’ Gesellschafter, C. Köster’s zerstreuten Gedanket1blättern über Kunst, Berghaus’ Annalen der Erdkunde, in den .411r18.1i (191 lnstitut0 1zr011Oo1., Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik, Monatsberichten der geographischen Gesellschaft, in Brandes` litterarischer Zeitung, in der deutschen morgenländischen Zeitschrift, im Archiv für die zeichnenden Künste, im Serapeum und Hermes und den Monatsberichten der Akademie u. s. w., sind namentlich folgende Werke hier zu erwähnen: Millin, mythologische Gallerie, aus dem Französischen übersetzt (1820). „1)S?bi1is i11Su18„ (:0mmsi1tztiO“ (183O). „8joj1is.S 8.11tjqu.9.8 mbu1z“ (1834). „Wanderungen durch Sicilien und die Levante“, 2 Bde. und Bildertafeln (1834–1840). „Das alexandrinische Museum“ (1837. Preis schrift mit einer goldenen Medaille gekrönt). „7O0-wi11zrjum coptj(:o– 1eti11um ct 18„t–O0x)t,.“ (1844). „1tj11Sretrju1si1 L11to11i11i .4ugusti“ (1847, mit Pinder zusammen). „Wenzel Hollar. Beschreibendes Verzeichniß seiner Kupferstiche“ und „Kurzes Verzeichniß der Hollar’schen Kupferstiche“ (1858). –„k5lermstjs ’1’rismOgjs`oi ?O0111s 1.11äer“ (1854). „Die Bildersammlung in Rudolstadt“ (1857). „lsmb11or1i C19 [191] mz-Sto1sjis 1jbsr“ (1857). „Ravennas und Guido“ (186O, mit Binder zusammen). „Deutscher Bildersaal“ (1861–1864). .,-kJU88bii?3mip11j1i OuomA8tioO1r (1862, mit Larsow zusammen). „l–lioroO1jszsi1e0c1omus (1866). „19. 1Vl01z-1S c1S (:1toro– grAp11ja 1jbrj t-1–Os“ (1866). „Mir9.bj1js 130ms.e“ (1869). „1)jc11j1i 1ibe1– cke rnsi18111–8„ orbis tsrr8.e“ (1869). Außerdem sind noch zu nennen daß Verzeichniß der Mitarbeiter an der Deutschen Allgemeinen Bibliothek (1842, vom Lehrer Wetzel zusammengestellt) und die als Manuscript für Freunde herausgegebenen anregenden Schriften: „Ein verfehlter und ein gelungener Besuch bei Goethe“ (1862, neu abgedruckt 1883) und „Jugenderinnerungen“, 2 Theile (1871) mit dem für ihn bezeichnenden Motto: bene qui 1aruit- bene vj1(ir.