ADB:Perthes, Friedrich
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Perthes: Friedrich Christoph P., einer der hervorragendsten und verdienstvollsten deutschen Buchhändler des 19. Jahrhunderts, wurde am 21. April 1772 zu Rudolstadt geboren. Schon früh lernte er die Noth des Lebens kennen, da er bald seinen Vater, den schwarzburg-rudolstädtischen Steuersecretär Christoph Friedrich P., verlor und seine Mutter mit ihrer geringen Pension von“ 21 fl. jährlich ihre Kinder nur aufs kümmerlichste ernähren konnte. Er befand sich deshalb zuerst bei seiner Großmutter und dann, nach deren Tode, bei einem Bruder seiner Mutter, dem fürstlichen Stallmeister Friedrich Heubel. Dieser, ein eifriger Verehrer de classischen Alterthums, war eben von der Universität zurückgekehrt, als sein siebenjähriger Neffe zu ihm ins Haus kam. Hier empfing er den ersten Unterricht, der später von Hauslehrern verschiedener adeligen Familien fortgesetzt [395] wurde. Nachdem er noch einige Zeit an dem Unterrichte der fürstlichen Pagen theilgenommen hatte, kam P. mit seinem zwölften Lebensjahre in das Rudolstädter Gymnasium. Geringes Sprachtalent, schwaches Zahlengedächtniß, dabei eine überaus lebhafte Phantasie, die durch eine wahre Lesesucht genährt wurde, erschwerten eine regelrechte Aneignung von Kenntnissen, so daß P. nicht zu den Schülern gehörte, welche eine große Zukunft versprachen. Diese eigenthümliche Geistes und Gemüthsbi1dung hätte ihn zum Träumer werden lassen müssen, wenn er nicht durch einen nahen Verwandten seiner Mutter, den Oberstlieutenant und Lq.ndbaumeister auf Schloß Schwarzburg Johann David Heubel eine andere Richtung bekommen hätte. Dieser Mann weckte durch vielen Verkehr in freier Natur die in dem Knaben schlummernden Eigenschaften und stählte zugleich dessen kleinen schwächlichen Körper. Nach Perthes’ Confirmation, mit 14 Jahren, mußte ein Beruf für ihn gewählt werden: ihn studiren zu lassen, war unmöglich, Kaufmann wollte er nicht werden, da nun der jüngste Bruder seiner Vaters, Justus P., Verlagsbuchhäudler in Gotha war, so dachte man an diesen Beruf. Er wurde deshalb 1786 von einem Rudolstädter Buchdruckereibesitzer zur Messe mit nach Leipzig genommen, um dort einen Lehrherrn für ihn zu finden. Nach einigen vergeblichen Versuchen erklärte sich endlich der Leipziger Buchhändler Adam Friedrich Böhme unter der Bedingung dazu bereit. ihn als Lehrling anzunehmen, daß der körperlich schwach entwickelte Knabe, den man noch nicht zum Arbeiten gebrauchen könne, noch ein Jahr zu Hause bleibe. So trat er dann am 11. September 1787, obgleich sein Wachsthum inzwischen keine großen Fortschritte gemacht hatte, seine Lehrzeit an, die sechs Jahre dauern sollte, weil er kein Lehrgeld entrichtete. Sein Lehrherr, ein verständiger, redlicher und sittlich strenger, dabei gutmüthiger aber in hohem Grade jähzorniger Mann hielt ihn sehr strenge, so daß sogar seine Gesundheit darunter litt. Obwohl er in den ersten anderthalb Jahren nur zu mechanischen Arbeiten verwendet wurde, so lernte er bei Böhme, der ein ausgebreitetes Commissionsgeschäft besaß, die litterarischen Bedürfnisse der verschiedenen Gegenden Deutschlands kennen, und wurde hier der Grund zu Perthes–’ späterer Bedeutung für den Buchhandel gelegt. Da er in dem Berufe, in der Weise wie er ihn erlernen mußte, keine Befriedigung fand, so wurde sein lebhaster Geist zum Studium angeregt. Er wollte zuerst Sprachen erlernen, weil ihn aber seine Armuth hinderte, einen Lehrer zu nehmen, suchte er durch Lesen philosophischer Schriften Kenntnisse und Bildung sich anzueignen. Nach Vollendung seiner Lehrzeit, im Mai 1793, verließ P. Leipzig, um in Hamburg in der B. G. Hoffmann’schen Buchhandlung (s. A.D. B. I-L11, 573) als Gehilfe einzutreten. Hier fand er durch reichlichen Verkehr mit gebildeten Leuten Gelegenheit, sich geistig und sittlich weiter zu bilden und zum großen Theil die Lücken seiner Kenntnisse außzufüllen. Am 11. Juni1796 eröffnete er, der ohne jegliche Mittel war, mit Hilfe einiger Freunde in Hamburg eine Sortimentsbuchhandlung unter seinem Namen. Durch seine Rührigkeit Und Tüchtigkeit, die sich besonders in dem richtigen Erkennen des Buchhandels undseiner Bedürfnisse äußerte, erwarb er sich nicht nur in kurzer Zeit einen ziemlich ausgedehnten Kreis.? Von Kunden, sondern auch von Freunden, die in litterarischer und wissenschaftlicher Beziehung hochbedeutende Namen trugen. Friedrich Heinrich Jacobi, Matthias 5 Claudius, die beiden Grafen Stolberg, deren Schwester Auguste u. A. zählten zu seinen Freunden in der Umgebung Hamburgs, während im Münsterlande ebenfalls ein treuer Freundeskreis sich bildete, dessen Mittelpunkt die Fürstin Gallitzin war. Durch seine Freundschaft mit Matthias Claudius wurde er mit dessen ältester, 174 geborenen Tochter bekannt, welche er nach der am 15. Juni 1797 erfolgten Verlobung am 2. August 1797 als– Gattin heimsührte. Im December 1798 schieden seine beiden Geschäftstheilnehmer [396] aus und zogen ihre Capitalien zurück. Mit 5000 Thalern baur, die er durch einen glücklichen Hauskauf gewonnen hatte, 10 000 Thalern geliehenen Geldes und 15 O00 Thalern Credit führte er das Geschäft allein weiter. Trotz der geringen Summe, welche er sein eigen nannte, gelang es ihm aus der 1799 die Hamburger Geschäft-Swelt schwer schädigenden Handelskrise unversehrt und mit dem Bewußtsein, größeres Vertrauen als vorher errungen zu haben, hervorzugehen. Um diese Zeit plante P. eine Verbindung seines Geschäftes mit dem englischen Buchhandel durch Errichtung einer Filiale in London. Hierzu bedurfte er aber eines sprachenkundigen Mannes, den er dann auch in Johann Heinrich Besser (geb. 1775, vgl. A. D. B.11, 571) fand. Besser war ein kenntnißreicher, ruhiger und besonnener Mann, der gewissermaßen die Ergänzung zu Perthes’ durchgreifender Kraft und zu dessen frischem und uubesiegbaren Muth bildete. Obgleich damals die Verbindung mit England nicht in der geplanten Weise ausgeführt wurde, –verblieb Besser doch bei P. als dessen treuer Mitarbeiter und wurde später sogar durch Verheirathung mit Perthes’ Schwester aufs engste verwandtschaftlich mit ihm verbunden. Dank der glücklichen geschäftlichen Erfolge konnte P. im J. 1805 ein eigenes Haus erwerben. Nachdem er in zehn sorgen- und arbeitsvollen Jahren einen gewissen Wohlstand sich errungen hatte, sollte derselbe mit einem Schlage untergraben werden. Im November 1806 rückten die Franzosen in Hamburg ein, welche jeden Verkehr mit England bei Todesstrafe verboten. Da außerdem durch die Besetzung jede geschäftliche Thätigkeit Noth litt, so war Perthes’ blühendes Geschäft vollständig lahm gelegt.
Rüstig und thatkräftig arbeitete er sich aber aus dieser Niederlage empor und trotz des französischen Druckes, der auf ganz Deutschland last:-te, wagte er sich mit einem Unternehmen hervor, daß bestimmt war, deutsche Gesinnung zu befestigen und zu bewahren. In Verbindung mit den hervorragendsten deutschen Männern aus den verschiedensten wissenschaftlichen Gebieten gab er im Frühjahre 1810 das „Vaterländische Museum“ heraus, eine wissenschaftliche Zeitschrift, welche eine lebendige Verbindung aller deutsch gesinnten Männer erhalten sollte. Als kurz vor Weihnachten 1810 Hamburg dem französischen Reiche einverleibt wurde, mußte P., dem Drange der Ereignisse nachgebend, diese Zeitschrift, welche bei den bedeutendsten Männern Deutschlands lebhafte Theilnahme gefunden hatten, aufgeben. Nicht minder störend wirkte die französische Censur auf sein Sortiment-Sgeschäft ein, doch bald benutzte er auf kluge Weise die schwachen Seiten der französischen Zoll- und Censurverhältnisse und es glückte ihm dadurch, daß sein Geschäft, trotz dieses Druckes, aufs beste gedieh. Ueber zwei Jahre hatten die Franzosen Hamburg besetzt, als die Vernichtung der großen Armee in Rußland Hoffnung auf Befreiung vom französischen Joche machte. P., in Verbindung mit einigen gleichgesinnten Männern, organisirte die hamburger Bürgerschaft und mit Hilfe eines russischen Streifcorps gelang es am 18. März 1813, die französische Besatzung und Verwaltung aus Hamburg zu vertreiben. P., mitten in der patriotischen Bewegung stehend, wirkte, nachdem der Hauptstreich gelungen war, für weitere Wehrhaftmachung des Bürgerstandes, durch Errichtung einer Bürgergarde, der sogenannten hanseatischen Legion. Dieser seiner ersprießlichen, vaterlandsfreundlichen Thätigkeit wurde durch die Wiedereinnahme Hamburgs durch Davoust Ende Mai 1813 ein schnelles Ende bereitet. Um nicht dem gleichen Schicksal, wie sein Berufsgenosse Palm zu verfallen, mußte P. mit seiner Familie aus Hamburg flüchten. Durch diesen Umschwung der Verhältnisse verlor er alles, was er besessen hatte. Seine Handlung wurde von den Franzosen versiegelt, sein übriges Vermögen mit Beschlag belegt und sein Haus, nachdem alle beweglichen Gegenstände in demselben geplündert und geraubt waren, von einem französischen General bezogen. Aber trotzdem, daß [397] seine ganze Existenz vernichtet war, verlor der thätige Mann mit seinem beneidenswerthen Gottvertrauen den Muth nicht. Auf dem gräfl. Reventlowschen kleinen Gute Aschau bei Eckernförde hatte er mit seiner in gesegneten Umständen befindlichen Frau und seinen sieben Kindern eine nothdürftige Unterkunft gefunden. Er benutzte die unfreiwillige Muße dazu, mit Hilfe seiner Handlungsbücher, die er vorsichtigerweise gerettet hatte, seine geschäftlichen Verhältnisse klar zu legen, um bei gegebener Gelegenheit seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Als die dänische Regierung ihm keinen weiteren Schutz gegen die Fran- . zofen gewähren konnte, verließ er seine Familie und wandte sich nach Mecklenburg. Hier bildete er im Verein mit mehreren gleichgesinntens Männern ein hanseatisches Directorium, welches die Befreiung der Hanfestädte von der französischen Herrschaft bezweckte. Unter unsäglichen Mühen und Drangfalen, die für ihn ihren Höhepunkt in einem Krankenlager, hervorgerufen durch einen Beinbruch und Nervenfieber, erreichten, entwickelte er eine rastlose Thütigkeit. Obwol er kein Amt und keinen Rang bekleidete, war er der Mittelpunkt der Geschäfte, welche sich auf daß Schickfak Hamburgs bezogen. So sorgte er u. a. für Herbeischaffung von Geldmitteln zur Linderung der großen Noth, welche die Unmenschlichkeiten Davoufts in Hamburg hervorgerufen hatte. Zu all diefen“ Sorgen um seine Mitbürger gesellte sich noch die näher liegende um seine eigene Familie, die sich noch im Schleswigschen, in Aschau, befand. Nachdem er im December 1813 mit einigen Abg–efandten Bremens eine Reife nach Frankfurt am Main unternommen hatte, um bei den dort anwesenden Monarchen von Oesterreich und Preußen für die Befreiung der Hanfestädte zu wirken, kehrte er durch die ihm gewordenen Zusicherungen hoffnungsfreudig nach dem Norden zurück, um bald darauf durch den Tod eines lieben Kindes, das er bei dem Wiedertreffen seiner Familie als Leiche vorfand, aufs tiefste betrübt zu werden. Eudlich, nach einer einjährigen Abwesenheit, konnte eram 31. Mai 1814 daß befreite Hamburg wieder betreten. Sein Geschäft war durch Bessers Fürsorge mit Hilfe eines treuen Dieners vor Zertrümmerung bewahrt geblieben und hatte nicht so bedeutenden Schaden genommen als er gefürchtet hatte. Er konnte deshalb, ohne sich mit seinen Gläubigern in einen Vergleich einzulassen, daß- selbe fortsetzen, zumal er versprach, in drei Jahren seine sämmtlichen Verbindlichkeiten zu erledigen. Bei dieser Gelegenheit nahm er auch seinen Schwager Besser, der zwar schon Jahre lang Theilhaber des Geschäftes gewesen war, mit seinem Namen in die Firma auf, die jetzt Perthes cK5 Besser lautete. Weil in Deutschkand bei der allgemeinen, durch die langjährigen Kriege hervorgerufenen, Erschöpfung das Geschäft wenig Absatz zu versprechen schien, so suchte er eine Anbahnung mit England. Im Frühjahre begab sich Besser nach London, doch schon im August kehrte er wieder zurück, nachdem er festgestellt hatte, daß die gehegten Hoffnungen sich dort nicht erfüllen würden. Trotzdem gelang es s beiden rührigen Männern schon nach einem Jahre, an der tostermesse 1815, zum größten Theile ihren Verpflichtungen nachzukommen und so daß Vertrauen, mit dem ihnen ihre Gläubiger entgegen gekommen waren, aufs glänzendste zu rechtfertigen.
Mit dem eingetretenen Frieden entfaltete P. eine nicht minder ersprießliche Thätigkeit wie früher in den bewegten, kriegerischen Zeiten. Er sorgte nicht nur für das materielle Wohl der durch den Krieg schwer geschädigten Bewohner Hamburgs, sonder:! auch für deren seelisches durch die Gründung der Hamburg- Altonaischen Bibelgesellschaft. Mit dem ihm eigenen klaren Blicke erkannte er, was dem Deutschen in seinen politischen Verhältnissen Noth that und suchte in seiner Weise dahin zu wirken. Als seine eigene geschäftliche Aufgabe betrachtete er ee, in Gemeinschaft mit dem gesammten deutschen Buchhandel das litterarische [398] Bedürfniß der Nation und deren einzelner Bestandtheile möglichst schnell zu erkennen, er glaubte deshalb, daß der deutsche Buchhandel einer Neubelebung und theilweisen Umgestaltung bedürftig sei, welche besonders keine Scheidung zwischen Nord- und Süddeutschland eintreten lasse. Um Oesterreich, daß in litterarischer Beziehung Deutschland entfremdet war, zu gewinnen und um den Bundes tag auf eine gesetzliche Regelung der Bestimmungen gegen den Nachdruck aufmerksam zu machen, ließ P. im Sommer 1816 eine Broschüre unter dem Titel erscheinen: „Der deutsche Buchhandel als Bedingung des Daseins einer deutschen Litteratur“. Mach dem Tode seiner geliebten Frau, am 28. August 1821, fühlte sich P. –vereinsamt und er beschloß deßhalb Hamburg zu verlassen und seinen Wohnsitz in Gotha aufzuschlagen, wo zwei seiner Töchter verheirathet waren. Am 20. März 1822 siedelte er dorthin über, nachdem er sein Hamburger Geschäft seinem Schwager Besser überlassen hatte, und gründete in Gotha ein eigenes Verlagsgeschäft, das sich nur auf Geschichte und Theologie beschränkte, und zwar in letzterer nur auf wissenschaftlich-positive Werke. Zum großen Theil verdankten die Erscheinungen seines Verlages ihre Entstehung seiner eigenen Anregung. So z. B. daß Hauptwerk seines historischen Verlages, die Geschichte der europäischen Staaten herausgegeben unter Reduction von Heeren und Ukert. Als “Richtschnur für die Bearbeitung dieses großartig angelegten Werkes stellte P. die Bedingung auf, daß niemand als Mitarbeiter zugelassen werden solle, welcher die Geschichte als ein Mittel betrachte, die Wahrheit irgend eines politischen Systems zu beweisen.? An dieses Werk schlossen sich dann verschiedene andere an, welche einzelne deutsche Territorien behandelten, z. B. Rommel, Geschichte von Hessen; Barthold, Pommern und Rügen u. A. Ferner erschien bei ihm eine Reihe von Werken über bestimmte Zeitabschnitte, über bedeutende Erscheinungen in der Geschichte: Sartorius, Ursprung der Hansa; Aschbach, Kaiser Sigismund; Droysen, Geschichte des Hellenismus; Hurter,InnocenzIII.; Ranke serbische Revolution und viele andere. In seinem theologischen Verlag nahm ebenfalls ein großes Sammelwerk den Mittelpunkt ein, die theologischen Studien und Kritiken, herausgegeben von Umbreit und Ullmann. Außerdem vertheilte sich diese Verlagsthätigkeit noch in verschiedene Gruppen, von denen hervorzuheben sind: Kirchenhistorische Werke von Neander, Ullmann, Marti-nsen, Papencordt, Kommentare zur heiligen Schrift von Umbreit und Tholuck, ferner systematische Darstellungen von Twesten, Nitzsch und Sartorius.
Mit wenig Betriebscapital und ganz allein arbeitend, begann er sein Verlagsgeschäft in Gotha, in unglaublich kurzer Zeit aber gehörte dasselbe an Umfang und Gediegenheit zu den ersten in Deutschland. „Immer wußte P. was er wollte, die Vorzüge des Menschen kamen dem Buchhändler zu Gute, und was er trieb, daß trieb er mit ganzer Seele, darin lag daß Geheimniß seines Erfolgs“. Diese Worte eines seiner Freunde kennzeichnen am Besten die Berufsthätigkeit des Mannes.
Es ist deßhalb nicht zu verwundern, daß P. eine überaus einflußreiche Stellung im Buchhandel einnahm und niemand so vielfach und nachhaltig auf daß Ganze und die einzelnen Glieder einwirkte als er. Von der Ansicht auß- gehend, daß der Buchhandel in Deutschland eine einzige deutsche Anstalt sei und die Angehörigen desselben auch solche dieser einzigen großen Verbindung sein müßten, gab er die erste Anregung zur Gründung des Börsenvereins der deutschen Buchhändler, der im Jahre 1825 ins Leben trasund heute noch die Vertretung des ganzen Standes bildet. Neben Reinhaltung des Standes von schlechten Elementen, welche entsittlichend auf das Volk wirken könnten, war sein Hauptaugenmerk auf die Festsetzung eines litterarischen Rechtszustandes gegen den sein Unwesen treibenden Nachdruck gerichtet. Außerdem regte er bei dem beabsichtigten [399] Bau einer Buchhändlerbörse im J. 1883 die Gründung einer Lehranstalt für Buchhändlerlehrlinge und eines Museums für die Geschichte des gesammten Bücherwesens, der Druckerei und der Papiermacherkunst an. Beide Anstalten traten aber erst lange nach seinem Tode ins Leben, die eine zehn Jahre nach demselben, die andere nach mehr als vierzig Jahren.
Mit zunehmendem Alter und der immer größer werdenden Ausdehnung seines Geschäftes fand er an seinem Sohn Andreaes eine Stütze, demfer in den letzten Jahren eine eigene Verlagshandlung unter der Firma Friedrich es’x Andreas Perthes begründen half, die andere Wissenschaftsgebiete als seine eigene pflegte. P., der am 13. Mai 1825 eine zweite Ehe mit der verwittweten Charlotte Hornbostel geb. Becker, eingegangen war, erhielt vor seinem Tode noch manche Ehrung für sein ersprießliches Wirken. Im J. 1834 ernannte ihn die Stadt Leipzig, bei Gelegenheit der Grundsteinlegung der Buchhändlerbörse, zu ihrem Ehrenbürger, ein Jahr darauf erhielt er das Ritterkreuz des sächsischen Cjvilverdienstordens, 1840 machte ihn die Universität Kiel zum Ehrendoctor der Philosophie und 1841 überreichte ihm die thüringische Stadt Friedrichsroda, wo er seit Jahren seinen Sommeraufenthalt genommen hatte, daß Diplom al-s Ehrenbürger. Doch alle diese Ehrenbezeugungen konnte er nur noch kurze Zeit genießen; am 18. Mai 1843 mußte er dieses Leben nach einem wochenlangen, schmerzhaften Krankenlager verlassen. An seinem Grabe standen sieben Kinder erster und vier zweiter Ehe sowie viele treue Freunde, die.er sich während eines rastlos thätigen Lebens erworben hatte. P. besaß einen großen, weiten Blick für alle Verhältnisse, besonders für die historische, gesellschaftliche und politische Lage. Dabei war sein ganzes Wesen von einer Frömmigkeit durchdrungen, welche, weit entfernt von Kopfhängerei, tief im Christenthum wurzelte, keinen Unterschied der Eonfessionen kannte und ihren Ausdruck in seiner praktischen Thätigkeit fand und auf das Segensreichste wirkte.
- Clemens Theodor Perthes, Friedrich Perthes’ Leben, nach dessen schriftlichen und mündlichen Mittheilungen aufgezeichnet. 3 Bände. 6. Auflage. Gotha 1872. – Wilhelm Baur, Stein und Perthe;., der Reich-Jfreiherr und der Bürger in der Zeit der Befreiungskriege. Zwickau 1862. – Wilhelm Baur, Friedrich Christoph Perthes. Ein deutsches evangelisches Bürgerleben aus der Zeit der Besreiungskriege. 2. Auflage. Barmen 1879. – (Böhlau, H.) Zur Erinnerung an Friedrich Perthes. Bei Gelegenheit seines hundertjährigen Geburtstages. Leipzig 1872. Separat-Abdruck aus dem Börsenblatte für den deutschen Buchhandel. – W. Alexis (W. Häring), Friedrich Perthes. Mit Bildniß. Berlin 1855.