ADB:Peter von Aspelt

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Artikel „Peter von Aspelt, Erzbischof von Mainz“ von Karl Georg Bockenheimer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 465–467, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Peter_von_Aspelt&oldid=- (Version vom 19. April 2024, 03:38 Uhr UTC)
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Peter von Aspelt, Erzbischof von Mainz (1306–1320), entstammt entweder einer Trierer Bürgerfamilie Namens Aspelt, Achtspalt, Aichspalt, oder einer bürgerlichen Familie in dem bei Luxemburg gelegenen Flecken Aspelt (Heidemann, P. v. A. als Kirchenfürst und Staatsmann). Von seiner Jugend und von dem Gange seiner wissenschaftlichen Ausbildung ist nichts Näheres bekannt. Da er bei seinem ersten Auftreten (1286) als Arzt des Königs Rudolph von Habsburg bezeichnet wird und eine Reihe kirchlicher Aemter in seiner Person vereinigte, so nahm man an, er habe sein Vorankommen wol seinen medicinischen Kenntnissen zu verdanken gehabt. Er war bereits Canonicus in Trier, Mainz und Speier und Propst an der Stiftskirche in Bingen, als er in Begleitung einer Gesandtschaft Rudolph’s nach Rom kam und bei Papst Nikolaus IV. die Ernennung zum Propste in Trier durchsetzte, worüber ein heftiger Streit zwischen Rom und dem diese Beförderung nicht anerkennenden Trierer Capitel ausbrach. Wol durch Rudolph’s Empfehlung kam P. nach Prag zu König Wenzel II., als dessen Protonotar und Kanzler er lange Zeit die Politik Böhmens leitete. Ein scharfsinniger Kopf, ausdauernd in der Verfolgung seiner Ziele, gewandt in den öffentlichen Geschäften, wußte P. in geschickter Ausnützung der ihn umgebenden Verhältnisse sich nach oben unentbehrlich zu machen. Die Propstei auf dem Wyssehrad, die Stelle eines böhmischen Kanzlers (1296) und endlich die Würde eines Bischofs von Basel waren der Lohn für seine ausgezeichneten Dienstleistungen. Letztere Beförderung dankte P. wesentlich seiner Hingabe an das Haus Habsburg, auf dessen Seite der neu ernannte Bischof im Streit zwischen Albrecht von Oesterreich und Adolph von Nassau stand. Auch nach des Letzteren Tode fuhr P. noch fort, im Sinne der österreichischen Politik zu wirken, bis nach dem Ableben des Königs Andreas III. von Ungarn die Wege der Habsburger und jene Wenzels, dessen Sohn am 26. August 1301 als König von Ungarn gekrönt wurde, sich kreuzten. Von da an hat König Albrecht keinen entschiedeneren und gefährlicheren Gegner gehabt als den böhmischen Kanzler. Im Begriffe, nach seiner Diöcese Basel sich zu begeben, um von dort aus die zwischen dem französischen und böhmischen Könige eingeleiteten Verhandlungen zu fördern, fiel P. in die Gefangenschaft zweier Anhänger Albrechts (Juni 1304), aus deren Händen er erst im Frühjahr 1305 nach Zahlung eines schweren Lösegeldes befreit wurde. Eine Zeit lang schien P. von dem Schauplatz seiner bisherigen Thätigkeit verschwinden zu sollen, als nämlich nach Wenzel’s II. Tode der Einfluß der Deutschen in Prag beseitigt wurde. Da fügte es sich, daß in Mainz nach dem Tode Gerhards II. von Eppstein die Domherrn über einen Nachfolger desselben sich nicht einigen konnten, welchen Anlaß Papst Clemens V. benutzte, um auf dem Wege der Provision der Vacanz ein Ende zu machen; des Papstes Wahl fiel auf den Basler Bischof, der als Förderer des französisch-böhmischen Bündnisses und als Gegner des auch dem Papste verhaßten Albrecht ein Gegengewicht gegen die Habsburger Bestrebungen im Reiche bieten sollte. Nach einer Erzählung des Magdeburger Chronographen sollte P. unter ganz anderen Umständen Erzbischof von Mainz geworden sein. Es hätte nämlich Graf Heinrich von Luxemburg den Basler Bischof ersucht, bei dem in Poitiers [466] damals weilenden Papste die Erhebung Balduins, des Bruders des Grafen, auf den Stuhl von Mainz zu befürworten und zu betreiben; der Papst habe die Fürsprache abgewiesen, sei dann in eine schwere Krankheit verfallen, von welcher er nur durch die Kunst des Bischofs hätte befreit werden können; zum Danke hierfür habe der Papst dem Basler Bischofe die für Balduin nachgesuchte Würde ertheilt. Als der Luxemburger, der einen Verrath vermuthete, über den Ausgang der Angelegenheit in Zorn gerathen, soll P. zur Besänftigung des Enttäuschten dem Balduin zum erzbischöflichen Stuhl von Trier verholfen haben. Als Erzbischof von Mainz (10. November 1306) rechtfertigte P. die Erwartungen Derer. die an seiner Beförderung Antheil genommen. Zwar bestätigte Albrecht zu Colmar am 15. August 1307 die Wahl Peter’s durch die Verleihung der Regalien, worauf Beide in ihren geschäftlichen Beziehungen auf gutem Fuße mit einander verkehrten; als aber Albrecht von seinem Neffen Johann v. Schwaben ermordet wurde (1. Mai 1308), trat P. den Söhnen des Ermordeten entgegen. Es fehlte damals nicht an Stimmen, welche den Mainzer Erzbischof, der in den Augen der Oesterreicher für einen „Trugner“ galt, der Anstiftung zu dieser Missethat beschuldigten. P. war es, der nun die Wahl Heinrichs von Luxemburg zum Könige durchsetzte (27. November 1308). Wie er von da an der Leiter der Politik des Erwählten in Deutschland wurde, so wurde sein Wille auch in Böhmen maßgebend, als er dem Sohne Heinrichs, Johann, die böhmische Krone verschaffte und diesen in Prag krönte (7. Februar 1311). Wiederum trat der in seltener Machtfülle dastehende Erzbischof von Mainz den Habsburgern entgegen, als Heinrich von Luxemburg auf seiner Heerfahrt nach Italien verstarb (24. August 1313). Erst empfahl P. den König Johann von Böhmen zur Nachfolge, dann aber, als dieser Wahlvorschlag aussichtslos erschien, entschied er sich mit Balduin von Trier, Johann von Böhmen, Woldemar von Brandenburg und Johann von Sachsen für den Herzog Ludwig von Baiern, während die übrigen Fürsten den Herzog Friedrich von Oesterreich erwählten (19. October 1314). An dem wegen dieser zwiespältigen Wahl demnächst ausgebrochenen Kriege nahm Erzbischof P. insofern Antheil, als er König Ludwig Geld vorstreckte, für ihn warb und die Waldstätte gegen die Habsburger aufstachelte. Nur einmal treffen wir ihn in des Königs Kriegslager, als dieser Wiesbaden und den Scharfenstein belagerte. Das Ende des Kampfes erlebte er nicht mehr, indem P. am 4. Juni 1320, hoch an Jahren, verstarb.

Trotzdem P. den Schwerpunkt seiner Thätigkeit in die Verfolgung seiner politischen Laufbahn verlegte, war er eifrigst bestrebt, seinen Pflichten als Kirchenfürst gerecht zu werden. In Basel drang er auf den Synoden von 1297 und 1299 auf Wiederherstellung der Kirchenzucht, freilich ohne besonderen Erfolg. Auch als Erzbischof von Mainz war P. unablässig bemüht, durch gewissenhafte und strenge Visitationen den in der Erzdiöcese eingeschlichenen Mißbräuchen entgegenzutreten; mit aller Strenge, aber auch mit aller Gerechtigkeit verfolgte er sein Ziel, den Clerus zu Zucht und Ordnung zurückzuführen. Hauptsächlich dem letzteren Zwecke war die Synode von 1310 bestimmt. Auf derselben soll Wildgraf Hugo, Komthur zu Grumbach, mit 40 Ordensrittern erschienen sein, um feierlichst Verwahrung gegen die dem Orden zum Vorwurf gemachten Vergehungen einzulegen. Auf dem im October 1311 zu Vienne abgehaltenen Concile, welchem P. mit Erlaubniß des Papstes fernblieb, erfolgte die Aufhebung des Tempelherrnordens, dessen Güter unter Zuziehung des Erzbischofs von Mainz und der Bischöfe von Prag und Olmütz auf die Johanniter übergehen sollten. Dem ganzen Wesen des Erzbischofs, der bei allen Unternehmungen das eigene Interesse zu wahren verstand, entsprach es, daß er für die Hebung seines Erzstiftes besorgt war. Bei den Wahlen von Heinrich VII. und Ludwig dem Baier ließ [467] P. sich die Freiheiten und Privilegien der Mainzer Kirche bestätigen und sich Ersatz leisten für alle erwachsenen Auslagen und Schädigungen, selbst für solche, die mit den Angelegenheiten der Erwählten in keinem Zusammenhange standen. Insbesondere ließ er sich, im Widerspruche mit einer zwischen König Albrecht und Erzbischof Gerlach[WS 1] von Mainz wegen des Zolles in Oberlahnstein und wegen anderer unrechter Zölle getroffenen Vereinbarung vom 20. März 1302, von König Heinrich VII. den Zoll zu Lahnstein zurückgeben, worauf der Erzbischof von Köln mit ähnlichen Anforderungen auftrat und durchdrang. Auch bei Erhebung Johanns von Luxemburg auf den böhmischen Thron bedang er sich erhebliche Vortheile; als Geschenk des Königs erhielt er damals u. A. auch den goldenen Stuhl, der lange Zeit zu den Schätzen des Mainzer Domes zählte (Joannis, Rer. mog. I 97). Zu den Besitzungen des Erzstiftes fügte er eine Reihe von neuen Erwerbungen hinzu; für dargeliehenes Geld erhielt er von Ludwig von Baiern eine Anzahl von Städten und Flecken in Pfand, während er andererseits Gelegenheit fand, einzelne Gebietstheile, die verpfändet waren, wieder auszulösen. Ganz besonders erhoffte er Erweiterungen seiner Macht in Hessen nach dem Tode des Landgrafen Johann von Hessen durch den Erwerb der freigewordenen Lehen und in gleicher Weise in Thüringen durch Wiedererlangung der Mainzer Lehen. Damit kam er nun nicht zu dem erstrebten Ziele. Was er in seiner langen, mit Glück gekrönten Laufbahn für sich erwarb, davon geben die von ihm errichteten Testamente (Gudenus, Codex dipl. III, 160–179) Zeugniß; ein großer Theil seiner Schätze kam der Mainzer Kirche zu gut. „Mit Renten und Geschenken groß, mit Schmuckgeräth, das zu ihm floß, der Kirche er Macht und Reichthum ehrt, hielt sich von Lastern unverwehrt. Fromm und freigebig in der That, war er auch scharfsinnig im Rath.“ Mit diesen frei übertragenen Worten rühmt Peter’s Wirken die Umschrift um das höchst beachtenswerthe, im Ostchor des Mainzer Domes befindliche Denkmal des Erzbischofs, der nach seinem ganzen Wirken und Auftreten zu den hervorragendsten Mainzer Kirchenfürsten zählt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Erzbischof Gerlach war der Nachfolger von Peter; gemeint ist wohl Erzbischof Gerhard II. aus dem Hause Nassau.