ADB:Placcius, Vincent

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Artikel „Placcius, Vincent“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 220, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Placcius,_Vincent&oldid=2236209 (Version vom 31. Oktober 2014, 07:44 Uhr UTC)
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Placcius: Vincent P., Polyhistor, 1642–1699. Er wurde in Hamburg am 4. Februar 1642 als der jüngere Sohn des Arztes Dr. Johannes P. geboren. Der Vater, eines thüringischen Pfarrers, Nicolaus Plakke, Sohn, war nach medicinischen Studien in Jena und Rostock als Hofmeister vornehmer Herren viel in der Welt herumgekommen, war dann Professor der Medicin in Jena geworden und hatte sich schließlich in Hamburg als Arzt niedergelassen, wo er 1644 einer der Begründer des Collegium medicum und 1653 Subphysikus wurde. Er starb 1656; von den beiden Söhnen war der ältere, Johannes, ebenfalls Arzt in Hamburg und Mitglied des Collegium medicum, fand aber in Geisteszerrüttung ein frühes Ende. Der jüngere Sohn, Vincent, erhielt den ersten Unterricht durch Privatlehrer und besuchte dann seit 1656 das Hamburgische Gymnasium academicum, unter dessen Lehrern der Professor Michael Kirsten ihn besonders anzog. 1659 bezog er zusammen mit seinem Bruder die Universität Helmstädt, verließ diese aber bereits 1660, um mit dem Professor Joh. v. Felde einige Zeit auf dessen Landgute Neukirchen zuzubringen. Im J. 1661 studirte er in Leipzig, machte von dort aus eine Reise zu Verwandten in Wien, mußte hier aber krankheitshalber ein volles Jahr verbleiben. Nach seiner Wiederherstellung besuchte er Italien, arbeitete auf verschiedenen Bibliotheken, soll auch eine Anstellung bei der Bibliothek in Padua erhalten haben, und begab sich dann nach Frankreich. Eine neue schwere Erkrankung hielt ihn in Orleans fest; hier ließ er sich nach seiner Genesung zum Licentiaten der Rechte promoviren, besuchte dann Paris und kehrte durch Holland erst 1667 nach Hamburg zurück. Hier ließ er sich zunächst als Advocat nieder, begann aber auch bald Vorlesungen am akademischen Gymnasium zu halten und wurde am 11. Januar 1675 zum Professor an dieser Anstalt ernannt. Mit vielen litterarischen Arbeiten und einem großen Briefwechsel (u. a. mit den beiden Gronovius[WS 1], Jak. Thomasius, Leibnitz) beschäftigt, führte er ein stilles Gelehrtenleben; seine Kränklichkeit hinderte ihn an größerem Verkehre, sein bedeutendes Vermögen gestattete ihm aber eine, namentlich auch seinen Schülern zu Gute kommende, Gastlichkeit in seinem Landhause in Nienstädten an der Elbe. Er starb unverheirathet am 6. April 1699; in seinem Testamente begründete er u. a. eine große Stipendienstiftung für Studirende, die seinen Namen noch erhält, auch eine Stiftung für Proselyten aus dem Judenthume; seine namhafte Bibliothek vermachte er der Hamburger Stadtbibliothek. Seine zahlreichen Schriften verschiedensten Inhalts (juristische, philosophische, theologische, namentlich auch Gedichte) haben keinen dauernden Werth; ein vollständiges Verzeichniß bietet das Hamburger Schriftsteller-Lexikon.

Edzardus, epitaph... V. Placcii in Fabricius, mem. Hamb. IV, S. 436–454. – Moller III, S. 542–559. – Hoffmann, Hamburgische Bibliophilen im Serapeum, 1857, S. 113–128. – Petersen, Gesch. der Hamb. Stadtbibliothek, S. 54 u. a. a. O. – Hamb. Schriftsteller-Lexikon, VI, S. 59–66. – V. Placcii Stipendiaten-Ordnung. 1699.
R. Hoche.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Johann Friedrich Gronovius und dessen Sohn Jacob, beide in Leyden