ADB:Platner, Ernst

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Artikel „Platner, Ernst“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), ab Seite 258, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Platner,_Ernst&oldid=487952 (Version vom 11. Dezember 2009, 02:25 Uhr UTC)
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Platuer: Ernst P., geb. am 11. Juni 1744 in Leipzig, † ebenda am 27. December1818, dessen Vater, der Professor der Chirurgie Johami3achariais P., im J. 1747 starb (s. u.), fand einen liebevollen Pf1egevater an dem Philologen Joh. Aug. Ernesti, welcher ihn vorerst (1758) einem befreundeten Gymnasiallehrer in Altenburg überwies und dann (1755) an der Thomasschule, deren Rector er war, selbst unterrichtete. Als Ernesti 1759 eine Universitätsprofessur übernommen hatte, besuchte P. das Gymnasium zu Gera, von wo er 1762 an die Universität seiner Geburtsstadt überging. Im J. 1766 erwarb er in der philosophischen Facultät den Doctorgrad nebst 7eniu lsgenäj und nachdem er 1767 auch in der medicinischen Facultät promovirt hatte, trat er eine Reise an, bei welcher er sich längere Zeit in Straßburg, hierauf in Paris und dann in Belgien aufhielt. Im J. 1770 wurde er außerordentlicher Professor in der [259] medicinischen Facultät und im J. 1780 ordentlicher Professor der Physiologie; außer letzterer vertrat er in den Vorlesungen auch Augenheilkunde und gerichtliche Medicin, dam-ben aber las er zugleich über Logik, Metaphysik, praktische Philosophie und Aesthetik. Daß seine Vorträge damals äußerst fesselnd aus die Studirenden wirkten, wird einstimmig gerühmt, in späteren Jahren aber war hierin eine Abnahme sichtlich, und als er 1801 als außerordentlicher und bald daraus als ordentlicher Professor auch der philosophischen Facultät angehörte, stand er in diesem Gebiete bereits nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Auch seine reiche schriftstellerische Thätigkeit war mit dem Jahre 1800 fast gänzlich beendet. Nachdem er noch 1817 sein Docentenjubiläum begangen, wurde er im Mai 1818 geisteck-krank und hinzutretende körperliche Leiden brachten eine baldige Erlösung. – Dem Gebiete der Philosophie gehört unter den SchriftenPlatner“’s, was die Anzahl betrifft, nur der kleinste Theil an, nämlich: „Anthropologie für Aerzte und Weltweise“ (2 Theile, 1772–74, 2. Aufl. 1790), sodann daß Hauptwerk „Philosophische Aphorismen“ (2 Bände, 1776–82, eine neue Bearbeitung des 1. Vandes 1784, und eine Umarbeitung des Ganzen in 2 Bänden 1793–1800), daneben „Ueber den Atheismus“ (1781, 2. Aufl. 1788), ferner „8pes iminort:1.1it-„1tis x-111i111O1ut11 1sr r:-tti0n0S ll11z–8i01ogi0sts (:011ii1sin:1ts (“1791,), schließlich „Lehrbuch der Logik und Metaphysik“ (1795), eigentlich nur eine für die Vorlesungen bestimmte Wiederholung eines betreffenden Abschnittes der Aphorismen. Er hatte sich zunächst völlig an Leibniz angeschlossen und konnte mit Recht als ein hervorragender Anhänger desselben gelten, da er mit einer seinen Auffassung der Hauptsragen auch reiche Kenntnisse in der Geschichte der Philosophie verband. Allmählich aber machte er eine Wendung, und sowie ihm schon von Anfang an die Frage über den Vorzug der prästabilirten Harmonie oder des sog. inriu1us 1211z–8i0us als gleichgiltig erschienen war, wofern nur die subjectiv praktische Bethätigung und die daraus folgende Glückseligkeit des Menschen gewahrt bleibe, so gelangte er in den Neubearbeitungen der AphoriBmen schließ- lich dazu, die ganze Leibniz’sche Lehre in den Bereich der blos subjectiven Vorstellungen zu ziehen und in objectiver Beziehung einen ausgesprochenen Skepticistnus zu bekennen. So galt ihm nur die Anthropologie als eine zur Wahrheit befähigte Wissenschaft, und indem er insbesondere die Religion als ein Ergebnis; unklarer Vorstellungen betrcffs eines höchsten Wefens betrachtete, womit die praktische, zur Glückseligkeit führende Selbsterkenntniß überhaupt Nichts zu schaffen habe, näherte er sich entschieden den Aufklärern, mit welchen er bezüglich ihres Deismus sowie in jener eigenthümlichen Teleologie übereinstimmte, deren Maßstab bei Betrachtung des Universums die menschliche Glückseligkeit war. Bei grundsätzlicher Scheidung zwischen Religion und Moral galt ihm jene selbstständige Tugendübung als die höhere, welche nicht durch den Hinblick auF göttliche Gebote oder auf ein Lohnsystem geleitet ist, so daß hiermit auch der Atheis mus keine Gefahr für wahrhafte Sittlichkeit in sich berge. Die Erkenntniss 1ehre aber entwickelte er in näherer Anlehnung an den Leibniz-Wolffischen Standpunkt. In der letzten Bearbeitung der Aphorismen bekämpfte er Kant, indem er in scharfsinniger Weise die meisten jener Punkte erörterte, welche auch noch heutzutage zu grundsätzlichen Bedenken Veranlassung geben; über die nachkantische Philosophie aber äußerte er sich in keiner Weise. H. G. Kreußler, Autobiographien Leipziger Gelehrten (1810), S. 45. – Jenaische Lit.seitg. 1819, Intelligenzbl. 38. – 1si–t1Est–i 1Il:1t110r (Cuo„SStio110S meäicj11u9 k0rensis . m–jtum 1’rmi8ri :1c1iOojt I.uc1. 0!1ou1ant (1824). woselbst auch sämmtliche Schriften Platner’s angeführt sind. – Max Heinze, Ernst Platner als Gegner Kant’s (1880 Programm zur Franckestiftung).

Prantl.
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