ADB:Rutgers, Johannes

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Artikel „Rutgers, Johannes“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), ab Seite 42, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rutgers,_Johannes&oldid=691129 (Version vom 25. Dezember 2009, 12:35 Uhr UTC)
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RUtgers: Johannes (Janus) R., Jurist, Diplomat und Philologe des 16. und 17. Jahrhunderts. Er wurde am 28. August 1589 in Dordtecht als der Sohn eines wohlhabet1den und vornehmen Hauses geboren; sein Vater war Winand R., ein sehr gebildeter und vielgereister Mann, der aber eine öffentliche Stellung nicht angenommen hatte, seine Mutter Cornelia war eine geborene Musius van Holy aus einer in Südholland hoch angesehenen Familie, deren Glieder vielfach hohe Staatsämter bekleideten. Den ersten Unterricht empfing N. im elterlichen Hause, kam aber bald, nachdem Gerhard Johann Vofsius 1600 Rector in Dordrecht geworden war, unter dessen Leitung; dankbar hat er immer die außerordentliche Förderung anerkannt, die er Vossiutz verdankte. Sechszehnjährig bezog er 1605 die Universität Leiden; hier nahm sich Joseph Scaliger, Daniel Heinsius, welcher später Rutgers’ einzige Schwester Jtmingatd heirathete, und besonders Dominicus Baudius des fähigen und eifrigen Jünglings an. R. rühmt es als eine besondere Ehre, daß Scaliger, der „(1iyimi8 11eros„ ihn – 1609 – in seinem Testamente mit einem Legate bedacht habe. Sechs Jahre blieb R. in Leiden, mit philologischen und juristischen Studien beschäftigt; dann begab er sich 1611 nach Frankreich, um dort seine Studien zu vollenden. In [43] Paris verweilte er längere Zeit, namentlich im Verkehr mit Fredericus Morellius; dann war er in Orleans, wo er sich die Würde eines Licentiaten der Rechte erwarb, auch in Blois und anderen Orten, überall von den angesehensten Männern freundlich empfangen. In Paris ließ er 1613 als sein erstes Werk den „llo1–8tj11S cum 11otjs erscheinen, nach seiner Angabe vornehmlich angeregt durch die Schönheit der damals von Robert Stephanus vorbereiteten Horazausgabe. Schon diese erste Arbeit zeigte den seinen und scharfsitmigen Kritiker, als welchen R. sich auch in seinen späteren Veröffentlichungen bewährt hat; die freundliche Ausnahme, welche das Buch fand, trug wesentlich dazu bei, sein Interesse dauernd dem Alterthume zugewendet zu erhalten, auch nachdem sein Leben sich zu einem ziemlich ruhelosen gestaltet hatte. – Im September 1613 kehrte er in das Vaterland zurück und ließ sich im Haag in die Advocatenliste eintragen, nicht aus Neigung für die juristische Praxis, sondern um auf diesem Wege in eine politische Laufbahn, zu welcher er den Beruf in sich fühlte, zu gelangen. Ein unerwartetes Anerbiejen führte schneller und in anderer Richtung, als er hatte erwarten können, die“ Erfüllung seines Wunsches herbei. Der schwedische Gesandte bei den Generalstaaten, Jacob Dyke, hatte von seinem y Könige Gustav Adolf den Auftrag erhalten, einen niederländischen Juristen zum Eintritte in den schwedischen Dienst zu bewegen, und machte nun R. den Votschlag, mit ihm nach Schweden zu reifen und sich,dem Könige vorzustellen. Nach einigem Schwanken nahm R. daß Anerbieten an; im Mai 1614 segelten beide nach Stockholm ab. Als sie im folgenden Monate dort ankamen, fanden sie den König nicht, der des russischen Krieges wegen in Livland war; R. wurde aber dem Kanzler Axel Oxenstierna vorgestellt, dessen gewaltige Persönlichkeit ihn mit bewundernder Ehrfurcht erfüllte: „yjr Omni yjrtutum genere io(:om– 1zurAbj1js nennt er ihn. Oxenstierna fand an dem jungen Manne Gefallen und nahm ihn, als er bald darauf zum Kriegschauplatze abging, mit sich nach Narwa, wo R. nunmehr dem Könige selbst vorgestellt wurde. Am 1. Aug. 1614 ernannte Gustav Adolf ihn zum Staatörath, gewährte ihm aber bis zum Eintritte in dieses Amt noch einen längeren Urlaub, den R. zur Ordnung seiner Angelegenheiten in der Heimath nöthig hatte. Erst 1615 siedelte er nach Schweden über, bei seiner Abreise von seinen Landsleuten mit Ehren übers schüttet; daß sogar Daniel Heinfius und Hugo Grotius ihn „(1iyj11js vsrsib118“ “ ehrten, erfüllte ihn mit besonderem Stolze. Da der König noch immer in Livlans wa;, mußte R. den Kanzler von neuem dorthin begleiten und blieb bis in aus olgende Jahr in der unmittelbaren Umgebung des Königs. Er begleitete diesen auf seinen Reisen, u. A. in dem harten Winter 1615 auf 1616 nach. Finnland. – Vom Mai 1616 an beginnt seine eigentlich diplomattsche Thätigkeit; Jahre lang wurde er zu außerordentlichen Missionen verwendet, .die ihn an die verschiedensten Höfe führten. Wiederholt hatte er Aufträge bet den Generalstaaten, bei den mecklenburgischen Fürsten, den Städten Lübeck .und Hamburg, den Fürsten von Ostfriesland u. A. auszuführen; die Ergebmsse semer Verhandlungen befriedigten den König so, daß er R. am 21. December 1619 m den Ritterstand erhob. Wenige Tage nachher, Anfang Januar 1620, verließ R. Stockholm bereits wieder, um die schwedische Regierung am Hofe des Königs Friedrich von Böhmen zu vertreten. Die Aufträge seines Köni.gs fj1hrten ihn zunächst zu den Senaten von Lübeck und Hamburg, zum Erzb1kcho7 von Bremen, an die mecklenburgischen Höfe und dann zum Kurfürsten .von Sa.chsen; verst im 2lpril kam er nach Prag, wo er nun bis zum Sturze des.Wn;terkomgs blreb. Mtt diesem verließ er die Stadt und das Land; ein Thetl semer Hohe, worunter seine Arten, fiel in die Hände der Sieger, den Rest retteten treue Drener, die in Prag zurückgeblieben waren. Im folgenden Jahre [44] finden wir R. Von neuem auf Sendungen nach den Niederlanden, Dänemark, Holstein, Polen; 1622 befand er sich in der Umgebung Gustav Adolf’s in den baltischen Provinzen und Finnland, von wo er im März 1623 unter großer Gefahr über das eiserfüllte Meer nach Schweden zurückkehrte. Endlich bot sich die Assicht auf einen dauerden Wohnsitz und ein ruhigeres, auch seinen wissenschaftlichen Neigungen wieder mehr Raum gebendes Leben, als der König ihn zu seinem ständigen Gesandten bei den Generalstaaten ernannte; nach Erledigung dringlicher Aufträge bei verschiedenen Städten der Hansa kam er noch 1623 im Haag an und erneuerte hier die alte Freundschaft mit den zahlreichen Gelehrten, denen er früher nahe gestanden. Aber schon nach zwei Jahren, am 26. October 1625, starb er im Alter von 36 Jahren. – Es ist bewunderungswerth, daß R. während seines rastlosen Lebens, meist auch ohne die nöthigen Bücher, doch immer noch die Möglichkeit zu ernster wissenschaftlicher Beschäftigung fand: außer den „78rjs.rum 100tio11um 1ihrj l’r (1618) und den „1.e0tjones 7enusinue“ (u. a. mit dem Hotaz wieder herausgegeben 1699), auf denen sein Ruf als Kritiker vornehmlich beruht, beschäftigte er. sich mit Emendationen zu Martialis, Apulejs, Curtius (letztere von D. Heinsius 1633 herausgegeben) und anderen Autoren und verfaßte ein „(3t1osrjum gr:-te0um 8ä 0ppjzmim“ (Ausgabe von F. Strunz 1719). Die „I:I1egi:-t 2u–1 (3811um“ gab er in Gemeinschaft mit seinem Pariser Freunde F. Morellius, der eine griechische Uebersetzung dazu lieferte, 1619 heraus; auch von der’02.Vzcm.ciöctn- ä:-aygsa(ms des Sextus Julius Africanus hinterließ er eine später veröffentlichte erklärende Ausgabe. Zahlreiche kleinere Arbeiten, auch Gedichte, sind von seinen Freunden, namentlich D. Heinsius. gelegentlich in deren Schriften veröffentlicht worden. Hauptquelle über Rutgers’ Leben ist seine Selbstbiographie, welche sich u. a. in den Vit:-1S Select-1e von Christ. Gryphius, S. 162–169 findet. – Bursian, Gesch. der Philol. S. 265. – Jöcher Ill, S. 2326 u. A. – L. Müller, Gesch. der Philologie in den Niederlanden, S. 39.

R. Hoche.
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