ADB:Schaller, Julius
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Schaller: Julius S., geboren 1810 zu Magdeburg, Sohn eines dortigen. Predigers. Nachdem er das Domgymnasium absolvitt hatte, bezog er 1819 die Universität Halle, um Theologie zu studiren, widmete sich aber bald [563] unter dem Einfluß des Hegelianets Rosenkranz, gänzlich der Philosophie. Er habilitirte sich in Halle 1834, wurde dort nach vier Jahren außerordentlicher und 1861 ordentlicher Professor. Von einer ihn 1867 befallenden Gemüths krankheit erlöste ihn 1868 der in Folge von Lungenentzündung eintretende Tod. In seinen älteren Werken vertrat er die.strej1gere Richtung der Hegel’schen Schule, den Standpunkt der sogenannten „Rechten“. Er vertheidigte die Hegelsche Lehre, die er theistisch faßte gegen die zahlreichen Angriffe, welche dieselbe bald nach des Meisters Tode erfuhr, insbesondere gegen die Einwürfe des jüngeren Fichte, in der Schrift: „Die Philosophie unserer Zeit, zur Apologie und Erläuterung des Hegel’schen Systems 1837. Dem Strauß’schen „Leben Jesu“ trat er mit dem Buch: „Der historische Christus in der Philosophie“ 1838 entgegen. Indeß machte er darin schon Strauß einige Zugeständnisse, so daß man ihn danach zum „Centtum“ der Schule rechnete. In den nächstfolgenden Schriften: „Geschichte der Naturphilosophie von Baeo v. Verulam bis auf unsere Zeit“ (1841 und 46)- „-Vorlesungen über Schleiermacher“ 1844 entfernte er sich mehr und mehr vom Hegel’schen Standpunkte, der in den letzten Arbeiten kaum noch bemerkbar ist. Gegen L. Feuerbach polemisirt er in der Schrift: „Darstellung und Kritik der Philosophie L. Feuerbach’s 1847, indem er zu zeigen versucht, daß Feuerbach? Principien zur gänzlichen Vernichtung aller Moral hinleiten. Von Bedeutung sind seine Angriffe auf den Materialismus in dem Werke: ,.Leib und Seele. Zur Ausklärung über Köhlerglauben und Wissenschaft“ 1855 (mit Bezug auf den Streit zwischen Vogt und Wagner). Außetdem schrieb er „Briefe über Humboldt’s Kock-mos 1850, „Die Phrenologie“ u. s. w. 1851 und „Psychologie“ Bd. 1, 1860. Mit Giebel zusammen gab er die naturwissenschaftliche Zeitschrift „Weltall“ heraus.
- S. a. Philos. Monatshefte l, 1868, 51 f.: Nachn1f von Bergmann.