ADB:Schmerling, Anton Ritter von
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Schmetling; Anton Ritter von Sch., Staatsmann, stammt aus einer „ in Niederösterreich seshaften Familie, deren Adel bis mindestens in das 17. Jahrhundert zurückreicht. Sein Vater war der k. k. Appellationsrath Joseph R. V. Schmerling, seine Mutter Elise, Tochter des berühmten öfter- P reichischen Rechtsgelehrten Franz Edler V. Zeiller. Er selbst wurde am 28. August 1805 zu Wien geboren, widmete sich den Rechtswissenschaften, erwarb die Doctorwürde, trat 1829 bei dem Landrechte in Wien in den Staatsdienst als Auscultant, wurde 1842 zum Rath bei dem Landrechte, 1846 zum Appellationerath ernannt. Da seine Familie dem landständischen , z Adel angehörte, er selbst an den in ihren ersten Anfängen im Ständehausesich regenden liberalen Bestrebungen und Arbeiten innigen Antheil nahm, wurde er Vom Landtage 1846 in den ständischen Ausschus und 184-7 zum ; ständischen Verordneten gewählt, in Folge dessen er zeitweilig den Staatsdienstverlies. Bei den Berathungen, Beschliesungen, Anträgen an die Regierung, z ` wie sie damals von den Ständen an die Regierung gerichtet wurden - „ Reform der Criminalgerichte erster Instanz, Reorganisirung des Schulwesens, H- s Aufhebung von Zehent und Robot, Einführung des vierten Standes, der Ab- [57] geordneten der Städte und Märkte in die Versammlungen der Stände, Er« lassung eines Preßgesetzes, einer Gemeindeordnung, Verbesserung des Volts» Unterrichtes — welche aber alle erfolglos blieben, betheiligte sich Sch. auf das lebhafteste. Damals schon erkannte man wenigstens in dem engeren Kreise der Gebildeten Schmerling's staatsmannische Fähigkeiten, wußte, daß er ein entschiedener Gegner des Metternich'schen Systems sei und Alles, was einer besseren Zeit entgegensah, blickte vertrauensvoll auf ihn, der nicht blos durch seine Geistesgaben, auch durch seinen persönlichen Muth als warmer Vertreter d« seit Jahren gehegten, unbeachtet gebliebenen Voltswünsche gelten tonnte. In den stürmischen Märztagen des Jahres 1848 in Wien war Sch. Mitglied jener ständischen Deputation, welche sich vom Landtage in die Hof» bürg begab (13. März Nachmittag) und dort dem Alterego des Kaisers Ferdinand, Erzherzog Ludwig, und dem Bruder des Kaisers, Erzherzog Franz Karl, die Forderungen des Voltes — Aenderung des absolutistischen Regierungssystems, Preßfreiheit, Reorganisation der Landstände, Bewaffnung der Studenten, Ver» ftärtung der Nürgercorps, Berufung eines Comitüs zur Berathung der ein» üifühienden Reformen — vortrug. Metternich erschien bei dieser Conferenz und da stellte Gtaf—Bizunzr an ihn die Bitte, er möge feine Demission geben, dadurch allein könnte die Stadt und die aufgeregten Gemüther sich wieder beruhigen. In würdevollster Haltung und im ruhigsten Tone erklärte er, da« wolle er thun! Nun wurde Sch. von seinen ständischen Collegen gebeten für die am nächsten Morgen erscheinende „Wiener Zeitung" die ofsicielle Mittheilung über diefe Vorgänge und über die erreichten Concefsionen ab» zufassen. Er ließ sich dazu herbei, Erzherzog Ludwig genehmigte Schmerling's Concept und die „Wiener Zeitung" vom 14. März brachte den Artikel. Am 14. und 15. März war Sch. vollauf beschäftigt mit Angelegenheiten der Organisirung der Nationalgarde, deren Errichtung eben zugestanden und z» deren iDbercommandanten Graf Hoyos ernannt worden war, dem bei den umfassenden Arbeiten Sch. auf das thatträftigste zur Seite stand. Doch nicht lange war für Sch. des Bleibens in Wien. Als die Nach» richten von den Verhandlungen des deutschen Vorparlaments in Frankfurt »ach Wien gelangten, wurde Sch. von dem Märzministerium Ficquelmont» Pillersoorf nach Frankfurt gesendet, um als Vertrauensmann der kaiserlichen Regierung den Berathungen über den deutschen Verfassunas » Entwurf beizu» wohnen. Am 4. April mar Tch. bereits in Frankfurt angelangt und fungirte in dem Collegium des vom Nundesrathe berufenen Siebzehnerausschusses an der Seite des österreichischen Bundes»PiäsidiaIgesandten Grafen Colloredo als Vertrauensmann der kaiserlichen Regierung. Damit tritt Sch. zum ersten Vlule in einer bedeutenden, in die Geschichte von Deutschland und Oesterreich tief eingreifenden Stellung hervor. Er mar damals 43 Jahre alt, hatte sich bisher im höheren Richtelstande als ausgezeichneter Jurist und im Dienste der Stände durch glänzende Kenntnisse, Charakterfestigkeit und zeitgemäße Anschauungen hervorgethan. „Er war ein Mann von seltenen Talenten, unter denen das staatsmännische ihn vor seinen Zeitgenossen ganz besonders aus» zeichnete. Wenn er auch in seiner späteren Laufbahn als Begründer des conMutiünellen Lebens in Oesterreich nicht in allen von ihm hervorgerufenen Einrichtungen glücklichen Eingebungen gefolgt ist und manchem schweren Irrthum verfiel, fo hat er im revolutionären Sturmjahre doch unstreitig zu den Wenige« gezählt, die über die Durchführung der N undesreform und die Uebereinftimmung von Voltsmillen und Fürstenrecht gereifte und verwerthbare Ansichten befahen. Gegenüber den Kathedermanieren der felbstbewußten Pro» srfsoren, die im Ausschusse das große Wort führten, Dahlm ann, Ger v in us, [58] Zachariä u. A. machte das bescheidene, liebenswürdige, aber durch Ueberb zeugung -gefestigte Auftreten des mit d en Grundsätzen rationeller Verwaltung - wohlvertrauten, zu vornehmer Lebensführung erzogenen österreichischen Beamteneinen sehr günstigen Eindruck.“ (v. Zwiedineck.) J , P Der Bundesstag hatte, den Beschlüssen des Vorparlaments entsprechend, die Wahlen zur Nationalversammlung ausgeschrieben, die am 1. Mai zu- H sammentreten sollte. Im Siebzehnerausschusse wieÂS Sch. zum Erstaunen seiner Collegen nachdrücklich darauf hin, das die deutschen Regierungen für die Zeitdes Ueberganges und der parlamentarischen Vorarbeit ein Executivorgan fürdie gemeinsamen Angelegenheiten schaffen müsten, dem d-ie Vertretung des gg Bundes nach Ausen, also die Leitung der aswärtigen Politik und die Verfügung über die Bundesstruppen zustehen solle, und am 27. April kam manüberein, ein dreigliedriges Directorium einzusetzen, für das Preußen und Oesterreich je ein Mitglied zu ernennen hätten, während das dritte von den - - übrigen Bundesstaaten aus einer von Baiern aufgestellten liste gewählt H werden sollte. Der Fünfzigerausschus des Vorparlamentes protestirte heftiggegen diesen Vorschlag - er greise der constituirenden Gewalt der künftigen Nationalversammlung Vor.
Am 13. Mai wurde Sch. an Stelle des zurücktretenden Grafen Colloredo zum österreichischen Präsidialgesandten im Bundestage ernannt. Er nahm nicht freudig diese Last auf sich, legte in einem amtlichen Schreiben an das Ministerium des Auswärtigen in Wien dar, wie schwierig, ja wie reich an Bitterkeit unter den obwaltenden Verhältnissen der Posten eines Bundestagsgesandten sei; „der Bundestag hat durch seine Leistungen in dreisig Jahren P eine so tiefe Entrüstung bei allen aufgeklärten und wohlgesinnten Männern, einen so gerechten Has in ganz Deutschland hervorgerufen, das er auch jetzt, H wenngleich mit Männern besetzt, welche vor wenigen Wochen als Vorkämpfer H der Freiheit verehrt wurden und die zum Theile ihre freisinnige Richtung mit Kerker gebüst haben, doch kein Vertrauen einflöst und als ein, wie man esausspricht, entbehrliches Institut mit Geringschätzung behandelt wird. - Würde ich nur persönlichen Rücksichten folgen, so müste ich Seine Majestät dringend bitten, die mir gewordene Berufung zurückzunehmen. Aber ich halte es für die Pflicht eines Jeden, der sein Vaterland liebt, sich selbst zu vergessen, und übernehme mit Bereitwilligkeit einen Posten, auf dem ich vielleicht nützlich sein kann. - Bei meiner Ernennung sind mir keine Instructionen ertheilt worden; ich werde daher nach meiner Ueberzeugung und nach den Grundsätzen meines Lebens, nämlich für die constitutionelle Monarchie, mein Amt zu führen bemüht sein.
Obwohl der Bundestag in den letzten Zügen lag, gelang es Sch. doch, noch einmal frisches Leben und regen Geist in ihm zu erwecken. Er leitete die Versammlung ruhig und gewandt, dabei aber auch selbstbewust und energisch. Als Wrangel’s, des Oberbefehlshabers der preusischen und sonstigen Bundestruppen, unmotivirter Rückzug aus Jütland bekannt wurde, traf Sch. sogleich die Anordnung zur Verstärkung dieser Streitkräfte durch das zehnte deutsche Armeecorps. - Energisch trat er, als ein sardinisches Geschwader Triest bedrohte, dem Gesandten dieser Macht entgegen und verwahrte sich gegen jeden Angriff auf die zum deutschen Bundeögebiet gehörige Stadt. - Als die Nachricht von dem Pfingstaufstande in Prag einlangte und zu befürchten stand, das Windischgrätz, um ihn zu bekämpfen, die deutschen Grenzgebiete in Böhmen , von Truppen entblösen würde und die dort wohnenden„Deutschen an Eigens thum und Leben von den Tschechen bedroht würden, erfuchte er im Auftrage des Bundestages die Regierungen von Preußen, Baiern und Sachsen, in diesem . [59] Falle auf Verlangen der österreichischen Regierung entsprechende millitärische Hilfe zur Wiederherstellung der Ordnung in Böhmen und zum Schutze der Personen und des Eigenthums der dortigen Deutschen eintreten zu lassen.
Am 18. Mai wurde die deutsche Nationalversammlung eröffnet, der Sch. als Abgeordneter der niederösterreichischen Stadt Tuln an der Donau angehörte. Er schloß sich dem rechten Centrum (nach dem Versammlungsorte „Hirschgraben“, „Kasino“ genannt) an, deren Mitglieder, darunter Mathy, Bassermann, v. Soiron, Welcker, Wachsmuth, Waitz, Gagern, meist Professoren und parlamentarische Koryphäen waren und dessen Programm ein ausgesprochen constitutionell-monarchisches war.
In der Debatte (23. Mai) über den Conflict zwischen der Bürgerschaft und der preußischen Besatzung in Mainz entkräftete Sch. auf das entschiedenste die Beschuldigungen, welche der Radicale Zitz gegen die preußischen Soldaten erhoben hatte und betonte, das in einem ähnlichen Falle die österreichischen Truppen ebenso gehandelt hätten, wie es die preußischen gethan. Dankschreiben und Anerkennung von Seite der Abgeordneten aus Preußen und der preußischen Officiere in Mainz folgten diesem muthigen Auftreten Schmerling´s.
Am 29. Juni wurde Erzherzog Johann von der Nationalversammlung mit 436 Stimmen von 548 Anwesenden zum deutschen Reichsverweser gewählt, übernahm am 11. Juli in Frankfurt diese Würde, während gleichzeitig die Bundesversammlung ihre Thätigkeit schloß. Erzherzog Johann erschien in der Nationalversammlung , der Schriftführer Biedermann verlas das Gesetz über die Constituirung der Centralgewalt, Heinrich v. Gagern bat im Namen der Nationalversammlung den Erzherzog die Beobachtung des Gesetzes zu geloben, was der kaiserliche Prinz in seiner schlichten, herzgewinnenden Art Weise that.
Hierauf begab sich der kaiserliche Prinz in die Bundesversammlung, um deren Huldigung und die Üebertragung ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse auf die provisorische Centralgewalt entgegenzunehmen. Im Festsaale des Bundespalais nahm der Erzherzog auf einer hierzu errichteten, mit einem Baldachin bedeckten Estrade den für ihn bestimmten Platz ein, Sch. trat vor und hielt von sämtlichen Bundesgesandten im Halbkreise umgeben, eine längere Anrede an den Erzherzog, deren Inhalt darin gipfelte, daß die Bundesversammlung, nachdem ihre bisherigen Obliegenheiten an die Centralgewalt übergegangen seien, ihre Thätigkeit als abgeschlossen betrachte. Mit dieser Erklärung fand denn auch die Stellung Schmerling´s als Bundespräsidialgesandter gerade so wie die seiner Collegen im Bundestage ihr Ende.
An Erzherzog Joohann trat nun die Aufgabe heran, das Reichministerium zu bilden. In dem ersten Cabinete, das er berief, ernannte er (am 15. Juli) Sch. zum Minister des Innern und (am 5. August) den Fürsten Karl von Leiningen zum Präsidenten.
Ein heftiger Sturm brach in der Nationalversammlung aus, als am 4. September Heckscher, der Minister des Auswärtigen, den Abschluß des Waffenstillstandes zu Malmö zwischen Preußen und Dänemark mittheilte. Was sollte das Reichsministerium thun? Die Lage war außerordentlich schwierig und erforderte kühle Erwägung des Möglichen und des unter den gegebenen Verhältnissen im Interesse der Gesammtheit Nützlichen.
Sch. besaß die Geistesgegenwart und Ruhe, in solchen Augenblicken für den Staatsmann unschätzbare Eigenschaften, um in sich selbst jedes leidenschaftliche Aufwallen zu unterdrücken und den moralischen und physischen Muth, die als richtig erkannten Maßregeln, wenn auch mit Gefahr für das eigene Leben durchzuführen. Er bestimmte unter Darlegung der verderblichen Folgen einer Verwerfung des Waffenstillstandes, die zu Zerwürfnissen mit Preußen [60] geführt hätte, das gesammte Ministerium einschlieslich der Unterstaatsseeretäre, „ dem Reichsverweser- die nachträgliche Genehmigung der Malmöer Abmachungens zu empfehlen; auch Robert Mohl, der am längsten widerstrebte, wurde von I Schmerling’s Gründen überzeugt. In der Nationalversammlung aber wurdenach stürmischen Debatten die Sistirung des Malmöer Waffenstillstandes mits 238 gegen 221 Stimmen beschlossen. Das Ministerium Leiningen nahm seine - J Entlassung, denn es konnte diesen Beschlus nicht ausführen. „Es trat zurück , - schrieb Sch. am 6. September nach Wien, „es seinen Nachfolgern überlassend, ohne Preußen und Oesterreich einen Krieg zu führen, für welchen, außer den Turnern und Studenten, kein Mensch sich interessirt.
Der Reichssverweser versuchte, constitutionellem Gebrauche entsprechend, ein Ministerium aus der siegreichen Majorität zu bilden. Dies gelang jedoch nicht und bei der weiteren Debatte über diese Angelegenheit in der National-Versammlung wurde nach dreitägigem Redestreite die von der Minorität der I Ausschüsse beantragte Ermächtigung des in Malmö abgeschlossenen Waffenstillstandes mit 258 Stimmen gegen 287 ertheilt. Q Nun konnte der Reichsverweser an die früheren Minister die Aufforderungrichten, ihre Aemter wieder zu übernehmeti. Fürst Leiningen und Heckscher traten nicht mehr in das Cabinet. Sch. übernahm die auswärtigen Angelegenheiten und das Präsidium. An seine Thatkraft und seinen Muth wurden schonin den nächsten Tagen die grösten Anforderungen gestellt und er bewährte sich glänzend.
Es kam zu einer gewaltthätigen Erhebung des Frankfurter Pöbeles, zu einem regelrechten Aufstande. Barrikaden wurden gebaut, allenthalben zeigten sich bewaffnete Volks hausen, die Pauls kirche sollte gestürmt, die Nationalversammlung gesprengt werden. Der Frankfurter Senat wendete sich an Sch. mit der Erklärung, das die Machtmittel der Stadt zur Bewältigung der Ere hebung nicht ausreichten. Sch. traf sogleich die besten erforderlichen Vorkehrungen. Er beorderte telc-graphisch zwei Bataillone, ein österreichisches und ein preusisches, von Mainz nach Frankfurt und ließ sich in einem Frühmorgens - am 18. September abgehaltenen Ministerrath volle Actionsfreiheit zur Niederwerfung des Aufstandes zuerkennen. In Uebereinstimmung mit dem Kriegsminister v. Peucker traf er mit bewunderungswürdiger Entschlossenheit und militärischer Sachkenntniß alle zum Schutze Frankfurts und des Parlaments nothwe-ndigen Masregeln. „Die Frühmorgens am 18. ankommenden Bataillone wurden in der Umgebung der Paulskirche aufgestellt, zwei weitere Bataillone und eine Batterie aus Mainz, Cavallerie und eine Batterie aus Darmstadt, württembergische Reiter, die auf dem Rückmarsche von Holstein begriffen waren, aus Friedberg und eine bairische Batterie aus Aschaffenburg erbeten, die Verbindung mit Hanau, von wo die Aufständischen den meisten Zuzug erwarteten, durch Aufreisen der Schienen unterbrochen. Gestützt auf diese militärische Macht lehnte Sch. die Zurückziehung der Truppen, die durch Deputationen der Linken y am 18. Vormittags von ihm verlangt wurde, ab un d erklärte die Barrikaden, die in der Altstadt entstanden, stürmen zu lassen, wenn sie bis 6 Uhr Abendss nicht geräumt und abgetragen seien.“
Am Nachmittage begann der Kampf in mehreren Stadttheilen. Hätte Sch. den Forderungen der Abgeordneten der Linken nachgegeben, so wäre die Absicht der Aufständischen sich Frankfurts und seiner Reichthümer zu bemächtigen, erreicht worden. Gegen Abend ließ Sch., der die Anordnungen mit Peucker persönlich ver- I - einbart hatte, die hessische Batterie auf der Zeil gegen die Hauptbarrikade . „ vorgehen und Feuer geben. Gleichzeitig rückten die Infanterieeolonnen zum [61] 3turm vor, worauf in wenigen Stunden der Widerstand gebrochen war, so l«ß Frankfurt um 10 Uhr Abends sich vollständig in den Händen der Truppen befand. Am nächsten Tage tonnte die Nationalversammlung ungestört tagen. Vit großer Majorität wurde den Maßregeln des Reichsministeriums, auch der Kerhiingung des Belagerungszustandes über Frankfurt, die Zustimmung er» theilt und den Truppen der Dank für die bei Unterdrückung des Aufstandes bewiesene Hingebung und Mäßigung ausgesprochen. In den folgenden Monaten vermehrten sich die Schwierigkeiten für Sch. immer mehr und mehr, seine Stellung wurde von Tag zu Tag bedenklicher. Durch die Nachrichten, welche über die Octoberrevolution von Wien nach Frankfurt gelangten, kam es in der Nationalversammlung zu sehr lebhafter Bewegung, Erregung und heftigen Debatten; die vom Reichs» Ministerium veranlaßte Sendung der Abgeordneten Welcker und Oberst Rosle zu Nindifchgrätz und an den kaiserlichen Hof nach Olmütz zur fried» lichen Beilegung des Kampfes um Wien blieb ganz ergebnißlos, die von bei äußersten Linken des Parlaments erfolgte Abordnung ihrer College« Robert Blum und Julius Fröbel endete in tief betlagenswerther Weife mit Kr gegen Gefetz und- Recht erfolgten Hinrichtung Blum's, welche erklärlicher Leise die heftigsten und leidenschaftlichsten Aeußerungen in der Nationalver» ümmlung zur Folge hatte; und nach der Thronbesteigung Kaifer Franz Kosef's I. (2. December 1848) steigerten sich die Schwierigkeiten im Paria» nente und in dessen Ausschüssen noch bedeutender, da nach der bei diesem lnlass« erfolgten feierlichen Erklärung des Einheitsstaates Oesterreich die Frage des Verhältnisses dieses Reiches zum künftigen Deutschland brennend ge- miden war. Sch. mar ein unbedingter Gegner des Gagern'schen Programms, er jlmibte, das deutsche Volt werde sich mit einem erneuerten Staatenbunde begnügen, es lasse sich eine Reform des Bundes ersinnen, die den berechtigten "» tilnalen Ansprüche» zu genügen vermöge. Er suchte Zeit zu gewinnen, mdem er die Einleitung von Unterhandlungen in Aussicht stellte, um jene Rooificationen der Reichsverfassung zu vereinbaren, ohne die Oesterreichs Antritt in den Bundesstaat nicht gedacht werden konnte. Ein Antrag, der die Unterhandlungen mit Oesterreich einleiten sollte, wurde stilisirt, von Nnleiath (am 7. December) befürwortet, er bildete den Gegenstand eifriger vnathungen in den Clubs Landsberg, Kasino, Augsburger und Nürttem» beiger Hof. Jedoch der Antrag siel, die Clubs wollten zwar Unterhandlungen »» geben, wie sie das Reichsministerium wünsche, jedoch unter der Voraus» setzung, daß das Wssen des Bundesstaates nicht verletzt werde. Keinesfalls birse aber Sch. dabei betheiligt sein; er habe sich zwar als ehrenhaft deutscher R»nn gezeigt, er habe mit Umsicht und Energie das Vaterland gerettet, allein lie Verhältnisse seien stärker als die Personen. Die gegenwärtigen seien un» erträglich mit der Person des Herrn v. Sch. Da nach Annahme dieser Votion Sch. auf leine Majorität im Parlamente mehr rechnen tonnte, da es Kine nächsten Gesinnungsgenossen waren, die seine Demission verlangten, und » uch seine Ministercollegen dieser Ansicht sich anschlössen, begab er sich am ! 6. December zum Reichsverweser und bat um Enthebung von der Stelle, die n durch sechs Monate unter den schwierigsten Verhältnissen jedoch mit zlinzenden Erfolgen innegehabt hatte. Sie wurde ihm ertheilt und Erz» ^ tz°g Johann berief Heinrich v. Gagern zum Ministerpräsidenten, Minister Ki Aeußern und Innern. Sch. entschloß sich, mit lebhafter Zustimmung von Seite des Reichsver» « sns, zu einer Reise nach Oesterreich, um sich dem jugendlichen Kaiser vorzustellen [62] zustellen und die neuen Minister, namentlich Schwarzenberg und Stadion . kennen zu lernen. Unterwegs in Leipzig traf ihn der Courier mit Depeschen, „ die ihn einluden, entweder in das österreichische Ministerium zu treten, odertm den Posten eines Bevollmächtigten bei der deutschen Centralgewalt zu übernehmen. Er begab sich direct nach Wien, wo er Vom Ministerium ehrenvollst W empfangen wurde und dann nach Olmütz an das kaiserliche Hoflager. Die Minister Schwarzenberg und Stadion, die eben ins Amt getreten waren, be- P einfluste er auf das entschiedenfte gegen das Gagern’sche Programm, da in : demselben, wenn auch nicht aus gesprochen, die preusische Spitze des Bundesstaates enthalten war und bewirkte damit einen vollen Umschwung der öfterreichischen Politik in der deutschen Frage. Sein Programm stand in vollem Gegensatz gegen das Gagern’sche. Kein Deutschland ohne Oesterreich, alsokein Bundesstaat, wenn Oesterreich in demselben sich nicht einfügen läst, keindeutscher Staat, in dem Oesterreich nicht den ersten Platz einnehmen kann. Dies ist auch der Grundgedanke der Note vom 28. December 1848, die in der amap26. und 27. December unter Schmerling’s Theilnahme stattgefundenen Ministerrathssitzung beschlossen wurde. Von Wien begab sich Sch. an das kaiserliche Hoflager nach Olmütz, wo er, mit dem Vertrauen der allerhöchsten Familie beehrt, in wiederholten Unterredungen mit der Kaiserin-Mutter, der Erzherzogin Sophie,yzur Aus einandersetzung seines Programmes ermächtigt wurde, das auch da volle Billigung fand. Er übernahm nun die ihm angebotene Stelle eines Bevollmächtigten bei der deutschen Centralgewalt und kehrte nach Frankfurt zurück. Hier legte er dem Reichs ministerium jene Note vom 28. December vor, welche die scharfe Erklärung enthielt, das Gagern das Kremsierer Programm gründlich misverstanden habe, das Oesterreich sich die Freiheit der Entschliesung über den Beitritt zum Bunde unbeschränkt offen halte und für diese Frage einen gesandtschaft1ichen Verkehr entschieden ablehne, das keine Reichsverfassung rechtlich Bestand habe ohne Einvernehmen mit den Fürsten, deren erster S eine Majestät der Kaiser von Oesterreich sei. Gagern blieb auf seinem Standpunkte und beantragte am 5. Januar 1849, die Nationalversammlung möge ihn ermächtigen, zur geeigneten Zeit und in geeigneter Weise mit Oesterreich über dessen Verhältniß zu Deutschland zu Verhandeln. Schmerlingos Stellung war eine ungemein schwierige, auf das heftigste entbrannte der Kampf zwischen der österreichischen und grosdeutschen Partei mit der kleindeutschen, der preusischen Erbkaiserpartei, die in ihm ihren gefährlichsten Gegner sah; selbst ein Theil seiner früheren Anhänger waren nun seine Gegner geworden. Sch. als Führer der Oesterreicher und an der Spitze der grosdeutschen Partei stehend, arbeitete allen Bestrebungen, welche auf die Errichtung eines preusischen Kaiserthums gerichtet waren, entschieden entgegen, hatte dabei jedoch die schwersten Angriffe gegen seine Person, gegen sein Wirken, ja geradezu Schmähungen und Verleumdungen zu ertragen. Noch schwieriger und bedenklicher wurde seine Stellung, als am 4. März 1849 Kaiser Franz Josef jene Verfassung erlies, auf Grundlage deren alle Länder der österreichischen Monarchie zu einem einheitlich centralisirten Staate sollten umgestaltet werden. Wie sollte nun das Verhältniß der deutsch-österreichischen Bundesländer zu dem Bundesstaate sein, der in Deutschland gegründet werden solltes Die staatoJ-rechtliche Unmöglichkeit eines solchen Zustandes bewog Sch., um seine Enthebung von der Stelle eines österreichischen „ Bevollmächtigten bei der deutschen Centralgewalt zu bitten, der auch am 12. März stattgegeben wurde. Ungemein schwer war Schmerling’s Abschied von Erzherzog Johann für Beide. Nachdem er Ende April auch sein Mandat . als Abgeordneter der Stadt Tuln in der deutschen Nationalversammlung [63] niedergelegt .hatte, übersiedelte„ er kon. Frankfurt nach Wien und tr;1t.wieder die StellesUs.ssvekF3k??eken mst sMsdlsche; AUsschusse an. Doch Mcht lange sbl b au te em o en zwet en ange .
z w Isxt Minister z)es Innern, der ho-chb.egabt(; und edelgesinnte Graf Franz Stadion, war unhetlbar erkrankt, der Justtzmimster Dr. Alexander Bach wurde - Hs d en Stelle berufen Und Fürst Felix Schwarzenberg trug Sch. das Justiz- :1t:nissLrium an, das er aM328. Juli 1849 annahm.R
s Es war eine kritische eit, in der Sch. nun wieder in die erste eihe „ 1 d Staatssmänner trat. In Un arn wüt ete noch der Bürgerkrie , J:tIsnes)rohte von neuem der Ausbrucl? des Krisges, der dann allerdinggs durch die Heldenthaten des kaiserlichen Heeres unter Radetzky’s genialer FtFhrung s Ps bald glorreich beendet wurde, Verfassung und Verwaltung waren auch m den „ andern Ländern der Monarchie aus allen Fugen gewichen, das Alte war aufgehoben, das Neue noch nicht eingeführt. Sch. widmete sich seinem Amte mtt , der rastlosesten Thätigkeit, mit dem grösten Geschick, betheiligte sich an der Lösung aller politischen Fragen, nahm den regsten Antheil an allen Arbeiten, die zur Ausführung der einzelnen BestimInungen der Verfassung nöthig wurden. Bereits am 1. Jult 1850 war die GertchtC-organisation für alle deutsch-öster- H reichischen Bundesländer mit den Schwurgerichten als Schwerpunkt durchgeführt, für Ungarn ein Provisorium angeordnet, um in diesem Lande den dringenden Bedürfnissen. einer gsordnsten Rechtspflege aHzuhe.lfen. So war in„ kurzer Zeit die vormärzltche Patrtmontalgerrchttsbarkett, dte mtt der Grundentla1tung naturgemäs ihr Ende nehmen muste, durch die staatliche Jurisdiction ersetzt, an K die Stelle der vormärzlichen herrschaftlichen Gerichte traten die k. k. Bezirk-S- - gerichte. Die Organisirungsarbeiten für Galizien, Ungarn und Lombardos Vesietie.n w;1rden ene1sgisch gefördext und Schmerlin`gs .Anträge hatten bereits s ap thetltyetse dte Genehmigung des Kmseres erlangt, therlwetse stand ste nahe bevor. ap s All dtese Reformen beruhten auf den Bestimmungen der Verfassung Vom 4. März 1849. Wäre diese treu und ehrlich verwirklicht worden, wären ihre einzelnen Bestimmungen durch organische Gesetze ausgebaut worden, hätte die österreichische Mo13archEe zu einem centralistisch-constitutionellen Gesammtstaate ausgestaltet wer en önnen und die furchtbaren Katastrophen, die den Kaiserstaat 1859 K und 1866 trafen und die heutzutage noch nicht verwunden sind, wären aller , Wahrscheinlichkeit nach hintangehalten worden. Doch dem war leider nicht so. K Schwarzenberg, der geborene Absolutift und Bach, der um sich im Ministerium zucherhalztc;n, bald der erste Handlanger der Reaction zur Vernichtung der letzten no er a tenen Reste der freiheitlichen Errungenschaften wurde, steuerten das Staasghiff .i1Jtmer mehr einem militärisch-ahsolutistisch-hieraischischen Systeme zU-. .s ruhzetttg erkannte das Sch., der tn emer seme1J1 Gewtssen und sesnen Pollkt’sschen Ueberzeugungen nach so entgegengesetzten Regterung mcht VePble1ben zus onnen gedachte. Schon am 25. Januar 1851 nahm er seine Entlassung s als Justizminister.
Die Worte, welche er damals sprach: „Es wäre in diesem Augenblicke en) Leichtes, aus ij,Oesterreich einen s:oJ1stitutionellen EinheiFsstaa; zu schaffen; s smt pem Absoluttsmus kann man emtge Jahre lang exper1menttren, aber er s 1st nscht zu halten und man wird endlich wieder dort anfangen müssen, wo M5 1e!s atzfgehört haben, dJ inmitten liegende Zeit aber. ist eine Vsrloreneseines se:)wN)niL:nvLolIge1xdsix „zksihs.:htLten letder zum Unherle Oesterretchs und au wa r er e .
tm PuR folgtsn Schlag auf Schlag reactionäre Masnahmen. Durch das K „„s z;klseHhoch.ste Cabtnetsschreiben Vom 20. August 1851 wurde erklärt, daß das M1ster1uM nur dem Monarchen verantwortlich und von jeder Verantwortung [64] gegenüber jeder anderen politischen Autorität enthoben sei; durch die zwei - P Patente vom 31. December 1851 wurden die Verfassung vom 4.s März 1849 : und die für die nichtungarischen Provinzen kundgemachten Grundrechte außer Wirksamkeit gesetzt; die durch Sch. 1849 und 1850 durchgeführte Trennungap der Justiz von der Verwaltung wurde aufgehoben und die Bezirk58gerichte und s Bezirkshauptmannschaften wurden zu Bezirksämtern vereinigt, welche Justizund Verwaltung in erster Instanz zu besorgen hatten; die Schmerling’sche ;: Strafprocesordnung vom 17. Januar 1850, die Schwurgerichte und die Oeffentlichkeit des Verfahrens wurden abgeschafft, das Stadion’sche Gemeinde- HFT gesetz, welches den Gemeinden gewisse Freiheiten zuerkannt hatte, wurde außer Wirksamkeit gesetzt und als Krönung dieses Werkes rückschrittlicher Organisation de Kaiserstaates wurde am 18. August 1855 das unselige Concordat mit dempäpst1ichen Stuhle abgeschlossen. Vieles von dem mag Sch. vorausgesehen haben, darum wahrte er seinen Ruf als constitutionell gesinnter Staatsmann, dem Recht und Gesetz unverletz1ich gilt, durch rechtzeitigen Rücktritt aus diesem Ministerium. Auf seinem eigentlichen Gebiete, dem der Justiz, leistete er aber auch fortab die ersprieslichsten Dienste. Er wurde zum ersten Senats präsidenten des obersten Gerichtshofes in Wien, zum Mitgliede des Austrägalsenates für den deutschen Bund und des k. k. obersten Gefällsgerichtes ernannt und zum wirklichen kaiserlichen geheimen Rath (Titel Excellenz) erhoben.
In vollster Zurückgezogenheit vom öffentlichen Leben übte er fast zehn Jahre sein oberstes Richteramt mit Eifer, Ueberzeugungtstreue und Vaterlandsliebe aus. Schwere Schläge trafen während dieser Zeit Oesterreich. Die unglückselige Politik Buol-Schauenstein’s während des Krimkrieges, welche Rusland geradezu zum Feinde Oesterreichs machte und ihm gleichzeitig dieWestmächte entfremdete, die Nebenbuhlerschaft mit Preußen in Deutschland, der italienischfranzösische Krieg, der dem Kaiserstaate die Lombardei kostete, waren die bösen Früchte der unheilvollen Staats leitung von 1851 bis 1866. Der sogenannte verstärkte Reichsrath, der in den Tagen der grösten Noth und Hülflosigkeit zusammengerufen wurde, versagte, das Ministerium Goluchowski, welches durch das Diplom vom 20. October 1860 der Monarchie eine föderalistisch-ständische Verfassung verleihen wollte, erlebte durch die öffentliche Meinung die entschiedenste Verurtheilung. Es fiel. Die Kreise aller mausgebenden Gebildeten, welche dem schwerheimgesuchten Vaterlande eine bessere Zukunft wünschten, richteten ihre Blicke auf einen Mann, der Rettung und Heilung bringen könne, und das war Sch. - Und in der That, auch das Vertrauen deos Kaisers wurde ihm zu Theil, am 13. December 1860 stellte ihn der Kaiser als Staatsminister an die Spitze der Regierung. Von allen Seiten wurde er jubelnd - begrüst; selbst Moritz V. Kaiserfeld, sein nachmaliger Gegner, der entschiedenfte Vertreter deck- Verfassungsgedankens und der Autonomie der Länder schrieb damals: „Sch. als Minister bedeutet einen vollständigen Systemwechsel, das Ministerium, dessen Mitglied Sch. ist, ist dem von gestern so entgegengesetzt, s wie die Begriffe -bestimmt und ,unbestimmt , ,wollen und ,nicht wollen nur immer sein können . . . Herr V. Sch. ist die letzte Karte, welche wir auszuspielen haben. Der Einsatz ist Oesterreich. Am 4. Februar 1861 übergab Sch. dem Erzherzog Rainer; dem freisinnigsten unter den Prinzen des kaiserlichen Hauses, das Präsidium im s Ministerium, in dem er als Staatsminister blieb und in Verbindung mit Josef v. Kalchberg, Lasser, Perthaler und Plener eine Verfassung für die Gesammtmonarchie ausarbeitete, welche am 26. Februar 1861 pu-blicirt ap wurde. [65] Gleichzeitig erschienen die in ihren wesentlichsten Nestimmungen jetzt noch geltenden Landesordnungen für die einzelnen Königreiche und Länder und die Londeswahlordnungen, nach welchen die Landtage gewählt und für den 6. April 1861 einberufen wurden. Mitglieder der Landtage sind die Virilisten (Erz» und Fürstbischöfe, Rectoren der Universitäten), Gewählte aus dem landtäf» licher, (ehemals herrschaftlichen) Großgrundbesitz, den Städten, Märkten und Industrialorten, den Handels- und Gewerbelammern, den Landgemeinden. In Tirol gibt es noch eine besondere Gruppe geistlicher Würdenträger im Landtage, und im Großgrundbesitz haben dort nur die adeligen Großgrundbesitzer zu wählen; in Vorarlberg entfällt diefe Gruppe ganz und in Dal» marien treten die Höchstbesteuerten an ihre Stelle. In der Stadt Trieft ningirt der Gemeinderath als Landtag, wenn er als solcher einberufen wird. Der Reichsrath zerfallt in das Herrenhaus und in das Abgeordnetenhaus. Nitglieder des Herrenhaufes sind die Erzherzoge, Erz» und Fürstbischöfe, die Häupter jener Familien, welche großen Grundbesitz haben und vom Kaiser als ilbliche Mitglieder berufen werden, Männer, welche sich um Staat und Kirche, um Kunst und Wissenschaft verdient gemacht und vom Kaiser zu lebenslang» lichen Mitgliedern ernannt werden. — Das Abgeordnetenhaus bestand aus 353 Mitgliedern, welche von den einzelnen Landtagen nach den Gruppen «Großgrundbesitz, Städte, Märkte und Industrialorte, Handels» und Gewerbe» !«mmern, Landgemeinden) aus ihrer Mitte gewählt wurden. Die Februarveifassung wurde für alle Länder der Monarchie, alfo auch Ungarn und dessen Nebenländer, fowie Venetien für gültig erklärt. Der durch sie geschaffene Reichsrath war lein Volksparlament, er war eine Interessenvertretung «>r Kirche, des Adels, des Großgrundbesitzes, der Städte und der in ihr vorhandenen Intelligenz, der Industrie, des Handels, des kleinen ländlichen Grundbesitzes), aber die Februarverfassung war doch ein großer staatsrecht» llcher Fortschritt vom Absolutismus zum constitutionellen Leben und Sch. hat sich dadurch unstreitig ein unsterbliches Verdienst um sein Vaterland erworben, ör wollte durch sie seine eigene große Anschauung verwirklichen, wie sein Vaterland zu organisircn und zu beherrschen sei. Die ganze Monarchie, Ungarn eingeschlossen, sollte als Einheitsstaat constituirt werden ; was Kaiser Josef II. zeplant hatte, wollte Sch. vollführen. Es war eine unsäglich fchwierige Auf» gäbe, welche er zu leisten hoffte, denn unter Goluchowski war die alte ungarifche Cllmitalsoerfafsung wieder hergestellt worden, die deutschen Beamten und Lehrer mußten Ungarn verlassen und damit fehlten der Wiener Centialregierung die Organe zur Ausführung ihrer verfassungs» und vermaltungsrechtlichen Pläne. Was den Schluß des Ausgleichs hätte bilden sollen, war zufolge der unglücklichen Erbschaft nach Goluchowski fchon am Anfange geschehen. Sch. hoffte jedoch fest auf den Sieg feiner Anschauungen. Er überschätzte die Autorität les österreichischen Einheits» und Reichsgedantens und die materiellen Macht» »ittel, über welche er verfügen konnte. Er war Optimist, glaubte fest an die Verwirklichung des Einheitsgedantens und unterfchätzte die Macht und Gewandtheit feiner politifchen Gegner. Kräftig unterstützt wurde er von dem genialen Staatsmann Freiherr« v. Lichtenfels und von Erzherzog Rainer, dem Vräsidenlen"des Ministeriums^ Am I. Mai 1861 wurde die erste Session des Reichsrathes eröffnet, »elche bis December 1862 währte. Schon in dieser wurde mehrseitig an der februarverfassung gemäkelt. Die Liberalen vermißten die Feststellung der Grundrechte, der Immunität der Abgeordneten, der Verant wortlichkeit der Nimster, die offene Anerkennung der Preßfreiheit, des Vereins» und V er» »«« n,. »«»»Ich« »<»«r»Phl«. I.IV, 5 [66] sammlungsrechtes, der Gleichberechtigung der Confessionen, tadelten den großen y - Einfluß des Adels und des Clerus und den Umstand, das tas Februarpatent - zwar centralistisch gedacht sei, jedoch durch die Anlehnung an das Octobers diplom einen föderalisti.schen Anstrich erhalten habe. Die st.ändischen Kreiseund die Föderalisten, welche in der Anerkennung der historisch-politischen Individualitäten der Königreiche und Länder im Octoberdiplom eine Garantie t ihrer separatistischen Bestrebungen gesehen hatten, lehnten die neue Verfassung S ab. Der adelige Grosgrundbesitz erklärte sich in seiven Privilegien verletzt. Ungarn beharrte auf der Rechts continuität seiner Verfassung. Die Tschechen „ tm reklamirten die avgeblichen Rechte der Länder der Krone Böhmenes. Die Cleticalen bekämpften das neue Staatsgrundgesetz wie jede constitutionelle Staatsform.
So thürmten sich dem Staatsminister Schwierigkeiten aller Art entgegen. Die gröste war„ die ungarische Frage. Der Landtag in Budapest lehnte die Wahlen in den Reiclsrath ab, beharrte auf seinem separatistischen Standpunkte, verlangte Ungarns Selbständigkeit und die Persona1union. Er wurde am 2:3. August 1861 aufgelöst. Angesichtes des Umstandes, das die Ungarn an dem Wiener Reic1.erath nicht theilnehmen wollten, stellte Sch. am 5. Juni 1861 fest, das die Regierung die in Wien tagende Versammlung nicht als Gesammtreichesrath, so1dern als engeren Reicherath betrachte, mit jenen Befugnissen, welche im § 11 der Februarverfassung für ihn festgestellt sind. December 1862 schloß die erste Session des österreichischen Reichsrathes. In den inneren AVgelegenheiten war wenig zu fördern gelungen; Viel lebhafter jedoch hatten sich die auswärtigen Verhältnisse, namentlich die Frage der Vorherrschaft in Deutschland zwischen Oesterreich und Preußen allmählich zu entwickeln begonnen. Sch. erklärte bei dem Künstlerfeste in Salzburg October 1862, Deutschlands Einheit müsse mehrere Schwerpunkte haben - dagegen erscl;ollen die Worte Bismarck’s, der am 24. September 1862 an die Spitze von Preußens StaateJzleitu1-g war berufen worden, von dem schmalen Le1be Preußens, der eine zu schwere Rüstung tragen müsse, von Blut und Eisen, daß Deutschlands Einigung herbeiführen werde, von der Verlegung des Schwerpunkts Oesterreichs nach Osten. y
Ein gros angelegter Versuch, Oesterreich die Hegemonie in Deutschland zu Verschaffen, war der Fran1furter Fürstentag. Als Keim zu dieser in ihrer Art einzig dastehenden, höchst merkwürdig beginnenden und verlaufenden, schlieslich jedoch ganz in Sand Verrinnenden Versammlung ist die Denkschrift zu bezeichnen, welche Juliues Ftöbel Juni 1861 Verfaste und dem österreichischen Bundesgesandte„n in Frankfurt, Freiherrn V. Kübeck, überreichte. Ihr Grundgedanke ist, das eine Burdesreform in Deutsch1and ohne Mitwirkung der Fürsten nicht zu erreichen und die Verwi1klichung der grosdeutschen ,Idee ohne thätiges Eingreifen des Kaisers von Oesterreich nicht möglich sei. Die Einzelheiten dieser Denkschrift sind beiläufig folgende: das deutsche Reich soll auL’s allen bisherigen Buvdesstaaten bestehen. Die österreichischen und preusischen Nebenländer stehen für immer unter dem Schutze des Reiches. Dem Kaiser Franz Josef wird die erbkaiserlict)e Würde des Reiches übertragen. Das Reichsparlamtnt theilt sich in ein Fürstenhaus und ein Volkeshaus. Das Fürstenhaus besteht aus den regierenden Souver änen der deutschen Staaten, die sich , durch Prinzen ihrer Familie Vertreten lassen können. Der König von Preußen ist erster, der König von Baiern zweiter Präsident des Hauses. Oesterreich ist durch einen Erzherzog Vertreten. Das Volkeshaues besteht aus Delegationen, - die von den Volksvertretungen der Einzelstaaten gewählt werden. [67] Zur Elleichung dieses Zieles sei eine Verfassung auszuarbeiten, die Fürsten, die Minister, die Kammermehrheiten, die Presse seien zu gewinnen, Testerreich habe bei dem Bundestage einen Beschluß zu erwirken, Delegationen der Kammern auf einen bestimmten Tag nach Frankfurt zu berufen, und schließlich möge der Kaiser alle deutschen Souveräne auf denselben Tag zu einer großen Fürstenveisammlung nach Frankfurt einladen. Seine Procla» mation zum deutschen Erbtaiser werde bann höchst wahrscheinlich sein. Kübcck beförderte diese Denkschrift nach Wien, wo sie dem Kaiser und den leitenden Ministern Rechberg und Sch. vorgelebt wurde. Dieser war auf »is lebhafteste von Fröbel's Vorschlägen ergriffen, ließ ihn sogleich nach Wien lommen und verwendete ihn zur großdeutschen Propaganda, in Wien selbst bei der Gründung des in diesem Sinne wirtenden Blattes „Der Botschafter", und zu Reisen in den deutschen Mittelstaaten zu demselben Behuf«. Es währte jedoch noch längere Zeit, bis der Kaiser zu einem entscheiden» den Schritte sich veranlaßt sah; sein Schwager, der Erbprinz von Thurn und Taxis, scheint ihn dazu schließlich bewogen zu haben. Es wurde die Abhaltung eines deutschen Fürstentages zu Frankfurt beschlossen; Sch. trat auf las lebhafteste dafür ein, Rechberg war dagegen und gab seine Demission; als liefe vom Kaiser nicht mar angenommen worden, stellte er die Bedingung, daß er, und nicht Sch. den Kaiser nach Frankfurt begleiten dürfe, was wieder für den Staatsminister eine Zurücksetzung mar. August 1863 fand der Fürsten» tag in Frankfurt statt, scheiterte jedoch vollständig an der Weigerung Preußens, n» ihm theilzunehmen und der neuen Verfassung Deutschlands die Zustim» »ung zu geben. Die zweite Reichsrathsperiode umfaßte die Zeit vom 17. Juni 1863 bis «binar 1864. Die staatsrechtliche Zerfahrenheit dauerte fort, alle Versuche, die Ungarn zur Beschickung des Reichsraths zu bestimmen, scheiterten; nur »er Siebenbürger Landtag hatte die Wahlen für den Reichsrath vorgenommen und die Abgeordneten desselben erschienen im October 1863 im Reichsrath. Hingegen erklärten die tschechischen Abgeordneten aus Böhmen am 25. Juni 1863, daß sie jede weitere Mitwirkung an den Arbeilen des Reichsrathes «blehnen. Um Beginne der dritten Reichsrathsperiode, welche vom 12. November 1864 bis 27. Juli 1865 währte, übersandten die Tschechen wieder eine Rechts» «rwahrung und begründeten ihr Ausbleiben mit der Berufung auf die staats» rechtliche Stellung und Autonomie des Königreichs Böhmen. Im Hause selbst nat die autonomistische Partei hervor, welche für eine dualistische Staatsform »nd für die Selbständigkeit Ungarns plaidirte; die Lage der Regierung wurde immer schwieriger, Sch. befand sich bald in einem offenen Gegenfatze gegen das Parlament. Der Kampf gegen das Ministerium beherrschte die ganze Zession und entbrannte immer heftiger, je öfter die Regierung die Forde» rungen der ^libergllN.Parteien nach freiheitlichem Ausbau der Verfassung un» beachtet ließ" SchTsuchte sich auf die Macht der Krone zu stützen, aber auch diese Stütze sollte er bald verlieren. Zwei Jahre hatte Kaiser Franz Josef mit seiner ganzen Autorität fest «n der Staatsauffassung Schmerling's gehalten. Ein zu stolzes Auftreten desselben jedoch scheint in der Hofburg verletzt zu haben, wo er ohnehin von lnfang schon heftige und gefährliche Gegner hatte. Franz Josef hörte dann auf diese, mährend Sch. noch im Amte war, und machte sich in Gedanken mit einem andern Regierung«systeme allmählich vertraut. Ueberhaupt war Sch. i«sl während der ganzen Zeit, als er Staatsminister mar, nicht genügender Tpielraum zur Durchführung feiner Pläne gegönnt und vielfach fah er sich [68] . in der Entwicklung seiner Ideen gehemmt. Ja, im eigenen Ministerium sasen Gegner seiner Ansichten, so der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, s Bernhard Graf Rechberg, was sich insbesondere in der Beurtheilung der deuts , schen Frage und bei Gelegenheit des Frankfurter Fürstentages gezeigt hatte. P Dennoch muste Sch. in der großen Debatte vom 28. bis 30. Januar 1864 s - im Reichesrathe für Rechberg eintreten, wenn ihm das auch nicht sympathisch war. Er war ja der geachtetste Minister im Hause und ihm folgte es amehesten. Er erklärte, das Bündnis mit Preußen werde auf die innern Verhältnisse Oesterreichs nicht einwirken und das Völkerrecht - den Londoner Vertrag - müsse man achten; Oesterreich werde baldigst das gute Einvernehmen mit dem deutschen Bunde wiederherstellen und zur Politik der Bundeszreform zurückkehren. Als jedoch Rechberg’s Zollvereinosbestrebungen vollständig erfolglos blieben, drängte Sch. auf die Enthebung Rechberg’s; er erklärte dem Kaiser, das seine Stellung im Reich9Srathe unhaltbar sei, wenn er nach diesen diplomatischen Miserfolgen Rechberg an seiner Seite habe. Sch. und Rechberg baten um ihre Entlassung, der Kaiser entschied gegen diesen, da jener wenigstens noch vorläufig im Reichsrathe unentbehrlich war; Rechberg trat zurück und an seine Stelle wurde Graf Alexander Mensdorff-Pouilly, Statthalter und Landescommandirender in Galizien, berufen. Aber auch Schmerling’F- Stellung war bei Hofe bereits erschüttert. Es war ihm gelungen, Oesterreich, das nach dem Kriege von 1859 in völliger Auflösung war, mit fester Hand zu lenken, auf constitutionelle Bahnen zu führen und eine kräftige centralisirte Verwaltung zu organisiren. So wenig Rechte dem Volke nach der Februarverfassung auch zugestanden waren, so läst sich doch nicht leugnen, das Sch. der Begründer des österreichischen Constitutionalismus ist. Die liberalen Deutschen, die seine Ernennung zum Staatsminister jubelnd begrüst hatten, waren mit dem sehr beschränkten Parlamentariosmus, wie er ihn nach der Februarverfassung übte, nicht zufrieden; sie forderten insbesondere gröseren Einfluß des Reich Zrathes auf die Regierung, volle Presfreiheit, Aufhebung des Concordat-3. Diese Concessionen behagten jedoch dem Kaiser nicht und Sch. muste, wenn er mit Hülfe der Krone die Neichseinheit gegen Ungarn durchführen wollte, den Kaiser sich geneigt erhalten und daher diesen Volkswünschen entgegentreten, wodurch er wieder die liberalen Deutschen sich zu Gegnern machte.
Da trat zu Ostern 1864 der große ungarische Staatsmann und Patriot Franz Deak mit einem Ausgleichsprogramme auf; er erklärte, Ungarn werde auf die reine Personalunion Verzichten und außer der Person des Herrschers . tm noch gewisse Angelegenheiten als Oesterreich und Ungarn gemeinsam anerkennen. Damals hätte Sch. mit Deak Verhandlungen über den Ausgleich beginnen sollen, er wäre jedenfalls für Oesterreich günstiger ausgefallen, als der spätere von 1867; er stellte sich aber leider auf den Stand- - N punkt der Verwirkungstheorie: Ungarn habe durch den Aufstand von 1849, besonders dadurch, das der ungarische Reichstag in Debreczin das Haus Habsburg der Krone Ungarns für verlustig erklärte, seine avitische Verfassung verloren und das Land sei als eine eroberte Provinz zu betrachten und zu behandeln. - Nachdem die Siebenbürger Abgeordneten im Reichsrathe erschienen waren und gut begonnene Unterhandiungen mit Kroatien im Zuge ` waren, hoffte Sch. die Ungarn durch Zähigkeit im Festhalten des Einheitss gedankens zu weiterem Nachgeben zu bewegen und that ihnen gegenüber den bekannten Ausspruch: „Wir können warten. Moritz v. Kaiserfeld, der Führer der steirischen Autonomisten, der mit Deak und Eötvö6 in enger Fühlung [69] stand, wollte VesMikkfkn; Sch- lehnteb und hielt an der The rie der.Rechtsverwirkung fest- KMsesfeld, Unger, F1shhof, Herk9st und mtt thnsn dke besten politischen Köpfe unter den Deutschen htelten dafur, das Oestsrretch mcht das Recht und die Macht hätt?, Ungarn nach der Verwirkungstheorke zu behand.eln. 4s Sch. wies jegliche VermittllMg zurück - da-8 war der Capttalfehler semer Politik. Irdhosste-f-2er KAM) Werde dith? .g§statte1ä, hsFrlns:n sksaterechtlichen y -„Ps l n e zu u,Ven- er gera e er em a er o ) en errn war er mä I): : Ungnade gefallen, auch deshalb, weil die von ihm vorgeschlagene s Reformpolitik in Deutschland 9escheitert, der von ihm so warm empfohlene Frankfurter Fükstenkag kesulWtlos geblieben war. Hof Und Volk wollten Erfolge seiner Bemühungen um Ungarn sehen; seinen einstigen Anhängern, den freisinnigen Deutschen, trat er in ihrem Verlangen nach liberaler Um- -s P gestaltung des ganzen Staatswesens entgegen, um sich bei Hof und beim Kaiser zu halten. . Und jetzt wirkten die ungarischenNöagnaten klug und Vorsichtig, ober darum Vichy weniger energisch, seinen Stutz zu esielen. Gtaf Moritz Eszterhötzy, Munster ohne Vortefeuille, ein schlauer, bei Hofe hoch angesehener Intriguant, wühlte auf das heftigste gegen Sch.; er bestärkte den Kaiser in der Abneigung gegen die parlamentarischen Formen, gegen die Ansprüche der liberalen Partei. Sein Rath ging dahin, die Februarverfassung zu beseitigen, den Absolutismus wieder herzustellen. Ungarn werde die Abschaffung der esntrglistischen Verfassung mit Freuden begrüsen, in Oesterreich werde das sfretsinn;)ge Bü;kgerthum zurückgedrängt werden, der Adel könnte wieder in eine fen alen echte eingesetzt werden.
Im Winter 1864Ls kam es zu harten Zusammenstssen zwischen Sch. uns Ader deutschen .Linken im Abgeordnetenhause wegen des Erlasses eines Mmjfterverantwortltchkeitsgesetzes, wegen der Forderung, das die Verordnung, Non:Ht dc;)r Belagerungszustand über Galizien war verhängt worden, dem s ei erat e vorgelegt werden müsse, und über den § 13 der Februarverfassung, wk?lchej1ser Iesieru.?sg gestattete, sich während der Vertagung des Reich9Srathees er e en e ugm e hinwegzusetzen.
DUS alles .kam EszterhH1zy zu Gute, der nun die stärksten Hebel zum s Sturze Schmerlmgos sinsetzte.„ Juni 1.865 begab sich der Kaiser nach Buda- F3esj;t?urds do(;tffx;)eudtg begbrust, da dte mausgebendsten Kretse der ungartschen 9t`ter tn ra rung ge racht hatten, er sei ihren Wünschen nach der Komgskrönu.ng und Wiederherstellung der ungarischen Verfassung nicht Mehr ganz abgenetgt. Als am 26. Juni der ungarische Hofkanzler im Ministerium und S.chmerllsig’s Vertrauenä-mann Zichy seiner Stelle enthoben und Georg s v. Ma1lath h1erzu berufeJ1 nJurde und der Staatesminister diese Thatsachen erstnach threm Pollzugs m Exfahrung brachte, erkannte er, das sein ganzes gr.o1z„es Lebenswerk gsschettert se1. Ministerpräsident Erzherzog Rainer, Staatsxnmster und sem .ganzes Cabinet gaben am 27. Juli 1865, dem Tage oJ? IchItetzung der drttten ReichsrathÂzsession, ihre Demission, welcher am sci „zult Folge gegeben wurde. Schmerling’s Nachfolger wurde der Statt- 4 von Yohmen, Graf Rtchard Btzl;redi, dsr.für das nun folgende Ung Fahr fux OesterXetch. unseltge „Ststtrungsmtmster . „ts :„v S llk11Fh setnem Rucktsttte vom StaatÂZministerium nahm Sch. wieder die s P H2 b Ice e. emes ersten Prastdenttzn des obersten Gerichtshofes ein, welche er sich g Ps 1es ;n?l CdaTnnet vorbehalten hatte und die er mm bis zum  e er e e. o
l., lAM 21.„Ap.r1l 1Hs7 verlteh ihm der Kaiser die Würde eines lebens „ Za1ss(Jethen MttgFtedes rm Hsrrenhause des österreichischen Reichsrathes, am Q sf -1sanuar eruclNUte lhN der Kaiser zUM VicepräsideRten, am Fe- [70] P bruar 1871 zum Präsidenten dieser hohen Körperschaft; 1873, 1875, 1879 s und 1881 wählte ihn die österreichische Delegation zu ihrem Präsidenten. s Im Herrenhause trat Sch. stets für die Reich-J-einheit ein und gegen den . föderalistischen Gedanken auf. Als es im Juli 1867 zur Verhandlung überdas Ministerverantwortlichkeitsgesetz kam, machte Sch., der schon als Staatsminister im Abgeordnetenhause Gegner der Verantwortlichkeit der Minister war, einige Einwendungen gegen dasselbe. Hingegen befürwortete er (am 3. Februar 1869), seinem ehemaligen Collegen Rechberg gegenüber, die Ers richtmsg des Reichsgerichtes und die Erklätung dieses Gesetzes zum Staatsgrundgesetz. Bei der Berathung der Staatsgrundgesetze (November 1867) vertheidigte er das Festhalten an dem Principe der Februarverfassung und wies darauf hin, das sie nicht gehindert habe, die Autonomiebedürfnisse der einzelnen Lärder zu befriedigen. - Bei der Berathung der Frage über die Einflußnahme des Reichsraths auf Landtagsbeschlüsse, trat Sch. den Föderalisten evtgegen und betonte, der Reichs rath sei ein höherer Körper, da er die gesammte Vertretung des Reiches in sich schliese, die Landtage, die nur je ein Kron1and vertreten, seien nur subordinirte Körper; es sei daher der Würde der ReichsVertretung entsprechend, wenn sie in Angelegenheiten zwischen diesen beiden Körperschaften daß entscheidende Wort habe.
Bei der Verathung des Gesetzes über die Delegationen sprach er sich dahin aus , das er hoffe, das aus den Delegationen sich einst eine Reichs Vertretung entwickeln werde, die alle Theile des Kaiserstaates umfassen solle, und das in dieser Reichsversammlung alle Stämme zu einem einmüthigen Wirken sich die Hand reichen und gemeinschaftlich zu diesem Zwecke tagen werden - eine Hoffnung, die nicht in Erfüllung ging und leider nie in Erfüllung gehen wird. Als es nach dem Sturze des sogenannten Bürgerministeriums (April 1870) im Herrenhause zu lebhaften Debatten zwischen den Centralisten und Föderalisten kam, trat Sch. diesen mit aller Energie entgegen und erklärte, das nur jene Regierung als eine ihre Aufgabe richtig erfassende angesehen werden könne, welche es als ihre erste Pflicht erkennt und erstrebt, im Geiste der Verfassung und mit der Kraft der Gesetze allen gegen den Bestand und die Erstarkung der Verfassung sowie gegen die centrale Reichsgewalt gerichteten Sonderbesirebungen entgegenzutreten, um dadurch ebenso den Glanz und die Rechte der Krone, wie die Wohlfahrt des Reiches und dessen einheitliches Verfassungsleben zu wahren und zu fördern.
Gerade am Beginne des Ministeriums Hohenwart, dieses föderalistischen und feudalistischen Cabinettes (14. Februar 1871) wurde Sch. Präsident des Herrenhauses. In seiner Antritterede schon trat er dieser Regierung, die das Reich in historisch-politische Individualitäten auflösen wollte, mit den Worten entgegen: „Wir erleben noch immer, das man in Vergilbten Pergamenten s blättert, um eine Grundlage für unsere staatlichen Einrichtungen zu suchen, während uns Allen doch klar sein mus, das nur der frische und belebende Hauch der Gegenwart es ist, der auch in staatlichen Formen sich kundgeben mus, wenn dieselben gedeihlich wirken sollen. Ebenso besteht noch immer in gewissen Theilen des Reiches, ich mus es so bezeichnen, jene Kirchthurmspolitik, die es sich zur Aufgabe macht, sich immer nur in dem engsten GesichtskreiseH . zu bewegen und die noch immer nicht erkennen will, das die Autonomie und Selbständigkeit der einzelnen Königreiche und Länder nur dann gewahrt ist, f wenn das Reich sein mächtiges wärmendes Dach über sie spannt. „ s Am 9. October 1879 gelangte im Herrenhause eine Deklaration von [71] sechs vom Kaiser neu ernannten Mitgliedern aus dem tschechischen Feudaladel ,ur Verlesung, in der sie erklärten, daß sie durch ihren Eintritt in keiner Leise der staatsrechtlichen Stellung des Königreiches Böhmen prajudiciren Vlllllen. — Sch. trat dieser Enunciation energisch entgegen und legte Namens der Nerfafsungspartei Verwahrung gegen diese Deklaration ein. Als 1880 das Ministerium Taufte ans Ruder tam, bekämpfte Sch. dieses neue Reg>me7^^r ^mischte^ei ftch ^>älin , daß er diese neue Aera für eine «sch vorübergehende Epoche hielt. Namens seiner Gesinnungsgenossen erklärte «(am 23. December 188«), daß sie es für ihre patriotische Pflicht halten, „von neuem der ernsten Beforgniß Ausdruck zu geben, mit welcher uns die von der Regierung eingefchlagene Richtung erfüllt, und wiederholt in loyaler Leise vor den Gefahren zu warnen, welche für die Einheit des Reiches, für d»« feste Gefüge der Verwaltung und schließlich für die Verfassung selbst aus dem Vorgehen der Regierung erwachsen muß, welche wir daher nur mit Sorge und Mißtrauen begleiten können". Gegen die von Taufte beantragte und auch durchgeführte Wahlreform il882), welche nur gegen die Deutfchen in Böhmen gerichtet war — Bildung einer eigenen sideicommissarifchen Wählergruppe im Großgrundbesitze in Böhmen, Ihnlung der nichtfideicommissarischen Nähler des Großgrundbesitzes in fünf Lahllörper, Herabsetzung des Census für die Wähler in den Städten, Märkten »nd Industrieorten und in den Landgemeinden auf fünf Gulden — sprach iich Sch. mit den durch die soeben (Januar 190?) erfolgte Einführung des allgemeinen Wahlrechtes geradezu prophetischen Worten aus, daß dadurch die ganze Bedeutung des Großgrundbesitzes verloren und er in dem politischen ieien seinem Untergänge entgegen gehe. Das letzte bedeutsame Hervortreten Schmerling's im Herrenhause fand im Herbst 1886 statt. Iustizminister PraM hatte mehrere Verordnungen eil«fsen, welche die fortfchreitende Slavisirung der Gerichte in Böhmen und Nähren und die Verdrängung deutscher Gerichtsbeamten auch im deutfchen Tpiachgebiete zur Folge hatten. Und am 23. September 1886 erschien ein Lilaß PraZat's, welcher den Zweck verfolgte, die Unmöglichkeit des Fort» itflandes der deutfchen Sprache als Staatssprache darzulegen und die tschechische Llantsfprache für den tschechischen Staat der Zukunft anzubahnen. Gegen diesen Erlaß brachte Sch. am 20. Ociober 1886 im Herrenhause den Antrag nn, das Haus wolle eine Commission von neun Mitgliedern wählen, um diese Verordnung sowohl nach ihrer rechtlichen Seite, als in Hinsicht ihrer poli» tischen Tragweite zu prüfen, darüber Bericht erstatten und die entsprechenden ilnträge stellen. Daß gerade Sch. diesen Antrag stellte, war um so schwerer megend, da er Präsident des obersten Gerichtshofes mar. Die Regierung »nd die Hoftreise waren über diesen Antrag des obersten Richters in hohem Grade entrüstet; von den deutschen Landtagen jedoch langten gegen PraZat's Tplachantrag Beschlüsse ein, und die Deutschen in den Kronländern erließen ilirmische Kundgebungen gegen denselben. Das einst durch die Unabhängigkeit «in« Gesin nung und durch seine dem (allerdings gemähigten) Fortschritt ^»ldigenbe Haltung ausgezeichnete und die Reichseinheit hochschätzende Herren» h»us mar durch den Einfluß des Hofes und der Regierung und die Pairs» Hübe bereits so haltlos geworden, daß es in der Sitzung vom 30. April 138? den Antrag Schmerling's auf Aufhebung dieser Verordnung ablehnte »nd den Antrag Faltenhann's annahm: es liege lein Grund vor, die Ver» ndnung der Regierung von der rechtlichen Seite zu beanstanden, und es linne gegen sie auch in Hinsicht auf ihre politische Tragweite keine Ein» «ndung erhoben w er den. [72] s Als 1888 der Allianzvertrag zwischen Oesterreich-Ungarn und dem . Deutschen Reiche veröffentlicht wurde, begrüste ihn Sch. freudigstund sprachy dem Kaiser dafür glühenden Dank aus. ) Zahlreich waren die Auszeichnungen, welche ihm von Potentaten und „ von seinen Mitbürgern zuerkannt wurden. Schon 184-9 verlieh ihm der Grosherzog Leopold von Baden den Hausorden der Treue „als Zeichen dank- 4 PsI s barer Anerkennung der sehr großen Verdienste, welche er sich als Reichs gz Minister in den Septembertagen 1848, als der öffentlichen Ordnung die gröste Gefahr drohte, um Deutschland erworbenHhatte . 1855 wurde er von Kaiser f; Franz Josef zum wirklichen kaiserlichen geheimen Rathe (Excellenz) erhoben, als Staat-Sminister erhielt er das Groskreuz des kaiserlichen Leopoldordens; am 14. Juni 1862 wurde er von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaftenin Wien zum Ehrenmitgliede erwählt und später zum Curator-Stellvertreter . dieser Körperschaft berufen. Als Urheber der Februarverfassung und damit als Begründer des Constitutionalismus in seinem Vaterlande, wurde er von einer großen Anzahl deutschösterreichischer Städte zum Ehrenbürger ernannt. Durch eine lange Reihe von Jahren bekleidete er das Ehrenamt eines Obercurators der niederösterreichischen Sparcasse in Wien, eines großen, ungemein wohlthätig wirkenden Institutes.
Dreisig Jahre alt, noch ein kleiner Justizbeamter, Vermählte sich Sch. am 21. April 1835 mit Pauline, der Tochter des k. k. Feldmarschalllieutenants Josef Freiherrn V. Koudelka, einer Dame von hervorragenden Eigenschaften des Herzens und des Geistes, welche zugleich eine Künstlerin war, als Blumenmalerin Ausgezeichnetes und allgemein Anerkanntes leistete. Er lebte mit ihr in überglücklicher Ehe, doch schon nach fünf Jahren (am 31. Juli s 1840) wurde sie ihm durch den Tod entrissen; durch das ganze lange Leben, das ihm noch beschieden war, verschmerzte er diese tiefgehende Herzeneswunde nicht. Dieser Ehe entsprossen zwei Töchter: Violetta, welche mit Karl Frei- „ herrn V. Bienerth, k. k. Feldmarschalllieutenant, und Sylvia, welche mit einem Herrn V. Rohonczy Vermählt war.
- Sch. starb im hohen Alter von 88 Jahren am 23. Mai 1893 zu Wien. Arneth, Anton Ritter von Schmerling. Episoden aus seinem Leben. 1885, 1848-1849. Prag, Wien, Leipzig 1895. - Friedjung, Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland 1859 bis 1866. 2 Bde. Stuttgart 1897 f. - Kolmer, Parlament und Verfassung in Oesterreich. 4 Bde. Wien und Leipzig 1902-1907. - Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich XIX, 172-188. Wien 1875. - v. Zwiedineck- Südenhorst, Deutsche Geschichte von der Auflösung des alten bis zur Errichtung des neuen Kaiserreiches. 1806-1871. 3 Bde. Stuttgart 1897 bis 1905. - Bis marck, Gedanken und Erinnerungen. 2 Bde. Stuttgart 1898. - Sybel, Die Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm I. 7 Bde. München und Berlin 1901. - Menöik, Aus dem Tagebuche des Frhrn. v. Poche (Oesterr. Rundschau 71l, 352-362, 446-455, 523-534).