ADB:Scholz von Rosenau, Laurentius

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Artikel „Scholz, Laurentius“ von Ferdinand Cohn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 229–230, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scholz_von_Rosenau,_Laurentius&oldid=1686340 (Version vom 11. Juli 2014, 14:50 Uhr UTC)
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Scholz: Laurentius S. (auch Scholtz), Sohn eines Bürgers von Breslau, geb. daselbst am 20. September 1552, erlangte seine classische Bildung auf der dortigen Elisabethschule, bezog 1572 die Universität Wittenberg, an der er sich vier Jahre aufhielt, ging 1576 nach Italien, zuerst nach Padua, später nach Bologna, um daselbst weitere vier Jahre Naturwissenschaften und Medicin zu studiren; 1579 machte er eine Reise durch ganz Italien in Gesellschaft mehrerer Breslauer Landsleute und wandte sich dann über Basel nach Frankreich, wo er an der Universität Valence zum Dr. philos. et med. promovirt wurde. Unmittelbar darauf nach Schlesien zurückgekehrt, heirathete er Sara, die Tochter des 1568 verstorbenen Breslauer Pastors und Schulinspectors Joh. Aurifaber. Zur Ausübung der ärztlichen Praxis ließ er sich zuerst 1580 in Freystadt bei Glogau, seit 1585 aber in Breslau als Arzt nieder und starb daselbst am 22. April 1599 an der Schwindsucht. Am 24. September 1596 war er unter dem Namen Scholz v. Rosenau in den böhmischen Adel aufgenommen worden. S. war kein selbstständiger Forscher, hat sich aber großes Verdienst erworben als Sammler und Herausgeber von Consilien und Briefen der berühmtesten Aerzte seiner Zeit. Schon als Student edirte er die von ihm nachgeschriebene und ausgearbeitete Vorlesung des Professors der Anatomie in Bologna: Jul. Caes. Arantii Bononiensis, philosophi ac medici clarissimi, medicinae ac anatomes in celeberrimo Bononiensium gymnasio professoris publici, De humano foetu libellus. A. Laurentio Scholzio, Silesio, ejus discipulo, in lucem editus. Basileae. A. C. 1579 mense Augusto. 8°. Zehn Jahre später veröffentlichte S. eine große Sammlung von ihm angefertigter Excerpte und Citate aus den Schriften griechischer, arabischer und zeitgenössischer Aerzte, in acht Abteilungen geordnet, welche das Gesammtgebiet der theoretischen und praktischen Medicin umfassen, unter dem Titel: „Aphorismorum medicinalium cum theoreticorum tum practicorum sectiones VIII.“ Vratislaviae, per hered. Joan. Scharffenbergii 1589, 8°. 1596 edirte S.: „Joan. Pauli Pernumia Patavini medici. Nova ac singularis omnes totius corporis humani affectus praeter naturam medendi ratio.“ Francof. 8°. Ein Jahr vor seinem Tode gab S. in Druck: „Consiliorum medicinalium conscriptorum a praestantissimis atque excercitatissimis nostrorum temporum medicis liber singularis. … Nunc primum studio et opera Laurentii Scholzii a Rosenau editus.“ Francof. ad Moen. 1598. fol.; id. Hanoviae 1610 fol. und gleichzeitig: „Epistolarum philosophicarum, medicinalium ac chymicarum a summis nostrae aetatis philosophis ac medicis exaratarum volumen.“ Francof. 1598 fol.; id. Hanoviae 1610 fol. In diesen Sammlungen ist ein werthvolles Material für die Geschichte der Medicin niedergelegt, das uns einen Einblick in das wissenschaftliche Leben der ärztlichen Kreise in- und außerhalb Deutschlands in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewährt; die Briefe und Consilien eines der berühmtesten Aerzte jener Zeit, des Crato von Crafftheim gab S. noch besonders als: „Jo. Cratonis … Consiliorum et epistolarum medicinalium liber I–V“, Francof. 1591–83, 8° heraus. S. bethätigte seinen wissenschaftlichen Sammeleifer auch auf dem Gebiete der Botanik, in der Melchior Guilandinus, der vierte Vorsteher des botanischen Universitätsgartens zu Padua, sein Lehrer gewesen war. Er begann seit der Rückkehr nach Schlesien die officinellen Pflanzen, sowie die zu seiner Zeit aus der Türkei, dem Orient, [230] Indien und Amerika in großer Zahl in die europäischen Gärten neu eingeführten Zier- und Nutzgewächse zu sammeln und vereinigte dieselben seit 1587 in einem innerhalb der Breslauer Stadtmauer gelegenen großen Garten, den er nach dem Vorbild der italienischen Villen anlegte, mit Springbrunnen, Wandgemälden und andern Kunstwerken ausschmückte und zur Stätte heitrer Blumenfeste, Floralia Wratislaviensia, bestimmte. Dieser Garten, dem an Reichthum seltner Pflanzen in Deutschland nur der des Dr. Joachim Camerarius II in Nürnberg und der des Dr. Aichholz in Wien an die Seite gesetzt wurde, ist in mehr als 80 lateinischen Gedichten besungen worden; S. selbst ließ 1594 die Verse von 40 Poeten drucken unter dem Titel: „In Laurentii Scholzii med. Wratislav. hortum epigrammata amicorum“ Wratisl., G. Baumann 1594 4°; angehängt sind ein längeres Gedicht von Valens Acidalius (1567–1595): Janus quadrifrons in hortum Laurentii Scholtzii med. Wratisl. welches die von S. für die Benutzung seines Gartens und für die Blumenfeste aufgestellten, auch besonders im Drucke erschienenen „Leges hortenses et L. convivales“ in lateinische Trimeter bringt; 2. ein Gedicht von Andreas Calagius (1549–1609): „Hortus D. Laur. Scholzii celebratus carmine“ 1592, es enthält eine ausführliche Beschreibung des Gartens und seiner Pflanzen, nach den Monaten ihrer Blüthezeit geordnet, in Hexametern; 3. „Joan. Ferschii Wratisl. Sermo de viris in materiam medicam et herbariam bene meritis ad Laur. Scholtzium med. Wratisl.“, enthält eine Geschichte der Botanik in Hexametern. S. ließ auch die merkwürdigsten seiner Pflanzen von dem Breslauer Maler Georg Freyberger nach der Natur abmalen und den Katalog seines Gartens drucken; die erste Ausgabe wird citirt unter dem Titel: „Laurentii Scholzii M. D. Hortus Vratislaviae situs et rarioribus plantis consitus, carmine celebratus, cum catalogo botanico.“ Vratislaviae. Joh. Scharffenberg’s Erben 1587. Diese Ausgabe ist bisher nicht aufzufinden gewesen, wohl aber eine zweite unter dem Titel: „Catalogus arborum, fructicum ac plantarum tam indigenarum quam exoticarum horti medici D. Laur. Scholzii med. Vratisl.“ Vratisl. A. C. MD.XCVIII.(Georg. Baumann.). A. W. Henschel hat in der Allgem. Gartenzeitung von Otte u. Dietrich vol. V. 1837, p. 61 u. f. diesen für die Geschichte der botanischen Gartenpflege wichtigen Katalog, welcher ca. 240 Arten und Varietäten in alphabetischer Ordnung aufzählt, abdrucken lassen.

Ferdinand Cohn.