ADB:Sigmund (Herzog von Bayern-München)

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Artikel „Sigmund (Herzog von Bayern-München)“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), ab Seite 282, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sigmund_(Herzog_von_Bayern-M%C3%BCnchen)&oldid=879952 (Version vom 23. Dezember 2009, 22:32 Uhr UTC)
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Sigmund, Herzog von Baiern-München, geboren alS zweiter Sohn Herzog Albrecht’Z 11l. am 26. Juli 1489, † im Jagdschlosse Blutenburg (Obermenzing) bei München am 1. Februar 1501. Nach dem Tode des Vaters (29. Februar 1460) übernahmen, wie dessen letzter Wille angeordnet, die zwei ältesten Söhne Johann und Sigmund gemeinsam «die Regierung; nachdem aber Johann früh (18. November [283] 1463) die Pest dahingerafft hatte, waltete S. kurze Zeit als Alleinregent. Ter Fürsorge des Vaters, der in Prag Sinn für ideale Bestrebungen eingesogen hitte, dantte er, daß die an Fürstenhosen damals noch nicht ganz verschwundene Einseitigkeit einer reirs ritterlichen Erziehung ihm erspart blieb. Noch sind Aus» > üge aus dem Buche des Aegidius von Rom de rezimiu« prineipum erhalten, » ie der als Erzieher der älteren Prinzen bestellte Magister Ulrich Greimolt von Neilheim im Dienste seines Neruses abfaßte oder abfassen ließ. Als Kämmerer im Hofdienst der Kaiserin Eleonore lernte S., ein schöner Jüngling mit krausem ylllli, ein Stück Welt kennen. Worauf die Eigenthümlichkeit gründete, bah er sich sein Leben lang in die Farben schwarz, roth, weiß kleidete, ist nicht über» liefert. Ein 1456 verabredetes Ehebündniß mit Margarete, Tochter des Kui» üiften Friedrich II. von Brandenburg, kam nicht zu Stande, da des früh ver» schuldeten Sigmund'« Ansprüche aus Mitgift am brandenburgischen Hofe zu hoch befunden wurden. S. blieb dann unvermählt, erzeugte aber mit Margarete Mttendorferin, die (später?) als Ehefrau des Lienhart Hartmein bezeichnet wird, , wei Sohne und eine Tochter.

Was uns von Sigmunds Wefen erzählt wird, läßt Anlagen erkennen, wie üt im wittelsbachischen Hause und im ganzen bairischen Stamme nicht selten > ind: eine milde, freigebige, empfängliche, aber auch sinnliche, leichtfertige und bequeme Natur, mehr für heiteren Lebensgenuß als für die ernsten Angelegen» Otiten des Staates gefchaffen. Selbstverständlich war bei einem Fürsten diefer ,^ it die Liebe zur Jagd; seltener schon die Freude an der Musik, die S. wie ' änen Vater Albrecht bis ins Alter begleitete; gute Sänger mußten stets in ieiner Umgebung weilen. „Ihm war wohl mit schönen Frauen", sagt ein zeit» genüfsifcher Chronist, „mit weißen Tauben, Pfauen. Meerfchweinchen , Vögeln md allerlei feltfamen Thierlein. auch mit Saitenfpiel. " Was die bildenden Künste betrifft, so eröffnet S. die lange Reihe wittelsbachischer Fürsten, die durch deren Pflege zugleich eigene Befriedigung fanden und dem Gemeinwohl dientm.

Nach Johann'« Tode erhob der dritte Bruder Albrecht (IV.). der bisher > n Italien ftudirt hatte und dem geistlichen Stande bestimmt war, Anspruch aus Mitregierung, Zu feinen Gunsten sprach nicht nur die väterliche Bestimmung über die Erbfolge, fondein auch die Art, wie S. das Regiment führte. Schon b,lltte sein unverhältnißmäßiger Aufwand und der große Einfluß, der zwei mächtigen Günstlingen, im Niederlande dem Erbhofmeister Hans v. Degenberg, im Oderlllnde Hans dem Fiauenoeiger zum Haag, eingeräumt und von diesen willlinlich ausgebeutet ward, die Mehrheit der Landschaft gegen S. eingenommen. Nach längerem Sträuben gegen Albrecht’s Forderung bequemte sich S. endlich t>°ch zur Einberufung der Stände nach München und auf deren Ruth, wie es icheint, willigte er dann in des Bruders Begehren. Entweder der fürstliche Rath oder der Landschaftsllusfchuß empfahl damals den Brüdern eine neue Ordnung des Hof» Haltes und andere Maßregeln der Sparsamkeit. S. aber wirthschaftete fort wie vordem, glaubte auch als älterer Bruder ein gewisses Vorrecht auf die Einkünfte geltend machen zu dürfen. Ein eigenthllmliches Mittelding zwischen getheilter und gemeinsamer Regierung, wonach die Finanzen der beiden Fürsten geschieden, hr Regiment im übrigen gemeinsam blieb, vermochte die Lage nicht dauernd zu Verbessern. Da trat S. (3. September 1467) in rühmlicher Selbsterkenntniß, aber auch unter Einwirkung früh erschütterter Gesundheit von der Regierung zurück. Infolge der Blödigkeit feines Leibes – so lautet seine eigme Motivirung ^ nicht gern Mühe und Arbeit tragend und mehr geneigt, sich ein geruhiges Wesen ohne alle Belümmerniß zu machen, stelle er das Regiment in eine Hand, unter der für Land und Leute besser gesorgt würde. Ein Zug, der "-'" ^-^. Vortrat vervollständigt, ist, daß er kurz darauf einen Gefangenen des Münchener [284] StadtratheS gewaltsam auZ der Schergenstube befreite. Bei seiner Entsagung behielt sich der Fürst nur ein jährliche8 Einkommen von baaren 4000 f1. vor, ferner die Vergebung der geistlichen Lehen und die Nutznießung mehrerer zum Teil von ihm selbst gebauten oder verschönerten Schlösser in der Umgebung Münchens: Dachau, Nanhofen, Blutenburg (Obermenzing), Starnberg, Grün- wald, die Jagd l. d. Jsar und im Grünwalder Forst. Später (1485) vertauschte er Starnberg und Grünwald mit der Schwaige Laufzorn gegen Baierbrunn, einige Höfe und die Jagd im jetzigen Englischen Garten und der Hirschau. Eifrige Kunstpflege nach der Thronentsagung sichert S. eine historische Bedeutung, die man ihm auf Grund seiner Regierung nicht einräumen kann. Einen großen Theil seines Einkommen-? widmete er fortan kirchlichen Bauten und deren Auß- schmückung. Eine Reihe von kleineren, aber hübschen gothischen Kirchen in der Umgebung Münchens, von deren reichem plastischen und malerischen Schmucke noch mancheS bewahrt ist, dankt ihm ihre Gründung, so Pipping (1478), Bluten- burg (um 1490), Untermenzing (1492), Aufkirchen (1499). Jn München selbst gab er, wie man nach der Jnschrift am Südostportal der Kirche (vgl. die Re- production mit dem Bildniß des knieenden Herzogs in den „Alterthümern und Kunstdenkmalen de8 bairischen Herrscherhause8«) annehmen muß, die Anregung (Oov8tr11j 0er11jt) zu dem Bau der neuen Pfarr-, jetzt Domkirche Unserer Lieben Frau, zu dessen Kosten er wohl auch reichlich beisteuerte. 1468 hat er dazu den Grundstein gelegt. Von Malern beschäftigte er besonderZ den geschickten Hans Olmdorfer, von dessen Werken in Schleißheim und Blutenburg Proben er- halten find.

Häutle. Genealogie des HaufeS Wittel2-bach, S. Z4. – Riezler, Gesch. BaiernS lll.
Riezler.
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