ADB:Spamer, Otto
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Spamer: Franz O t to S., Leipziger Buchhändler, geboren am 29.Aug.1820, sf am 27. November 1886. Er wurde alS der Sohn eine8 hessischen Forst- beamten in Darmstadt geboren, wo er auch seine Jugendjahre verlebte und bei dem Buchhändler Eduard Heil seine Lehrling8zeit durchmachte. Mit 18 Jahren kam er nach Aschaffenburg und später nach Leipzig, wo er mehrere Jahre in dem Hause J. J. Weber’S beschäftigt war. Dort lernte er kennen, wat-z e3 damalS in Deutschland an illustrirter Litteratur gab, und bekam einen lebhaften Eindruck von dem Werth und der Bedeutung der BuchauSstattung durch Jllustrationen. 1847 etablirte er sich; vom 31. März 1847 ist daß Schreiben datitt, da-J die Begründung der Firma Otto Spamer in Leipzig bekannt machte. Aber ehe das Geschäft noch recht in Gang kommen konnte, führte ihn daß Revolution8jahr 1848 nach Wien; von da wurde er weiter nach Osten, nach Ungarn, Sieben- bürgen, sogar biz in die Türkei verschlagen. Durch HandelSbeziehungen, die er dort anknüpfte, half er sich nach seiner Rückkehr nach Leipzig empor –– er hat zuerst da-J Jnsectenpulver nach Leipzig gebracht und in den beiden nächsten Jahren manchen andern, ähnlichen Kleinkram vertrieben. 1851 beginnt sich sein Buchverlag nach einigen vergeblichen Anläufen lebendiger zu regen und schlägt nun die Richtung ein, auf der er später feine großen Erfolge erreicht hat: zu Weihnachten dieses Jahres erschienen die ersten Bände der »Jllustrirten Jugend- und HauSbibliothek«. Jm Laufe von drei Jahrzehnten entstand dann aus diesen Anfängen die große Zahl von Kinder-, Jugend-, Familien- und Volk8schriften, die den Namen Spamer’S durch ganz Deutschland getragen haben; die bekanntesten sind: der KoZmo8 für die Jugend, das Buch der Erfindungen, die Welt in Waffen, das illustrirte KonversationSlexicon, die Bibliothek deS WissenSwürdigften auS der GewerbSkunde und technischen Chemie, die kaufmännische Bibliothek, Rothschild’S Taschenbuch für Kaufleute u. s. w. Unter dem Pseudonym Franz [32] Otto hat Spamer auch selbst für seinen Verlag Bücher gemacht, indem er die Arbeiten andrer für seine populären Zwecke benutzte, aber auch aus eignen Sachen immer wieder neues entwickelte; so ift aus dem »Glockenspiel der Pots- damer GarnisonZkirche« die vielgelesene Jugenderzählung »Der große König und fein Rekrut« und aus den Holzschnitten zur ,,Welt in Waffen" wenigstens der Ge- danke und der Anfang zu der Krieg8zeitung »Die Wucht am Rhein" hervor- gegangen. Schon die Titel seiner bekannten übrigen Bücher: Deutsche Geschichten für die Kinderstube, daß Buch berühmter Kaufleute, VaterländischeS Ehrenbuch, Alruna (der Jugend LieblingS-Märchenschotz), Auf hohen Thronen, Männer eigener Kraft, Deutsche Dichter, Denker und Wissen8fürsten, lassen die Richtung seiner Thätigkeit erkennen und sind zugleich bezeichnend für seinen Geschmack. Zwei Jahrzehnte lang, etwa von 1860 bi8 1880, hat der Spamersche Verlag die erste Stelle in der deutschen Jugendlitteratur eingenommen, verdientermaßen darf man sagen im Hinblick auf die Ehrlichkeit der Bestrebungen Spamer’S al8 VolkSbildner und auf die mehr als mittelmäßige Güte vieler seiner Bücher, wenn auch in dem bekannten Ausspruch Diefterweg’Z, mit dem Spamer seinen Verlag zu empfehlen pflegte: »Hätte ich die Anlegung von Bibliotheken für Menschen von 16 bis 18 Jahren zu bestimmen, so schriebe ich an Herrn Spamer: schicken Sie mir alle Jhre Bücher!" eine starke Ueberschätzung liegt. Vgl. C. Michael, Ein deutsches- Buchhändlerheim. Leipzig 1880.