ADB:Sparr, Ernst Georg Graf
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Spark: Ernst Georg Graf S., kaiserlich königlicher, auch königlich pol- nischer und königlich schwedischer Generallieutenant und Generalfeldzeugmeister, war dem Stamme der S. auf Trampe bei EberSwalde,im Märkischen Kreise Oberbarnim entsprossen. Von seiner Jugend und Erziehung wissen wir nichts; selbst sein GeburtZjahr ist unbekannt. Nach der Aufschrift auf seinem in der Marienkirche zu Berlin befindlichen Bilde ist er bei seinem Tode »64 Jahr den 15. Januarii« alt gewesen, würde also 1602 geboren sein. Mörner (s. unten) nennt trotzdem 1596 und als das TodeSjahr seineS Vater8 1x-97. Er wird zu- erst 1621 genannt, wo er unter König SigiSmund von Polen seine Sporen im Kriege gegen die Türken verdiente. Der Zeitgeist und feine mißliche Vermögens- lage werden Ursache gewesen sein, daß er auS dem Soldatenstande seinen Lebenss- beruf machte; daß Krieg8leben, wie e3 damals war, mag für Sparr’S Habsucht– und die rohe, zur Gewaltthätigkeit neigende SinneSart, von welcher seine Zeit- genossen erzählen, besonderen Reiz gehabt haben. Auch muß er für dasselbe ge- paßt und militärische Kenntnisse besessen haben, denn schon 1626 betraute jyn Markgraf Christian Wilhelm von Brandenburg, der Administrator von Magde- burg, welcher sich den Rüstungen de-J niedersächsischen Kreises angeschlossen hatte, mit der Befestigung seiner LandeSgrenze. Ein Jahr später finden wir ihn im entgegengesetzten Lager, indem er in Aldringen’eS Auftrage für Wallenstein warb. Dann stand er unter Arnim, welcher ihn auch alS Unterhändler verwendete, und nahm 1628 an der vergeblichen Belagerung von Stralsund tht-il, sowie nach Aufhebung derselben an dem Angriffe auf Wolgast (22. Aug.) und der sich daran schließ-enden Verfolgung de8 König Christian von Dänemark biz zu dessen Ein- schiffung auf der Jnsel Usedom, dann, freilich weil er seine Rechnung nicht fand widerwillig und verdrossen, sodaß Wallenstein ihn zu entlassen Anstalt traf, an dem Zuge nach Westpreußen gegen die Schweden unter Arnim und dem- nächst unter dem Herzoge Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Jn dem Treffen bei Honigfelde auf der Stuhmer Haide am 17. Juni 1629, bei welchem er die Vorhut führte, trat er besOnderZ hervor. 16Z() und 1631 stand er in Pommern gegen die unter Gustav Adolf in Deutschland gelandeten Schweden im Felde; am 13. April 1631, dem Palmsonntage, gerieth, als sie mit stürmender Hand Frankfurt an der Oder nahmen, auch Oberst S. in ihre Gefangenschaft. Er muß aber nach kurzem wieder in Freiheit gesetzt sein, denn als Wallenstein bald darauf von neuem die Werbetrotnmel rühren ließ fand unter seiner Fahne sich auch S. ein, welchen er zunächst zu Unterhandlungen mit dem in tur- sächfische Dienste getretenen Arnim benutzte. Schon am 10. August 1OZ2 gerieth S. in einem bei Burgthann in Franken gelieferten Treffen, in welchem Gustav Adolf selbst befehligte, von neuem in schwedische Gefangenschaft. Dieser sandte ihn damalS zu Wallenstein um Unterhandlungen zu führen, welche aber kein Ergebnißlieferten. Der Schlacht bei Lützen wohnte S. alS Mitkämpfer bei, aber mit geringem Ruhme. Wenn ihm auch persönlich kein Vorwurf gemacht wurde, so verfiel doch sein Regiment dem Blutgerichte, welche8 Wallenstein zu Prag über die feldflüchtigen Reiter halten ließ. Er selbst war inzwischen zum Generalfeld- zeugmeister aufgestiegen. Sein Verhalten bei der Wallensteiu’schen Katastrophe, [63] brachte ihn in Haft und Untersuchung. Datz Ergebniß der letzteren hatte seine Verurtheilung zu ewigem Gefängniß zur Folge; eine ossenbare Schuld konnte ihm nicht nachgewiesen werden, höchstens UnterlassungSsünden waren ihm zur Last zu legen. Seine Gefangenschaft dauerte auch nicht lange und schon 1636 versuchte er sich dem Kaiser zu nähern, indem er demselben empfahl eine günstige Gelegen- heit zum Erwerbe von Stralsund zu benutzen. 1641 stand er von neuem in kaiserlichen Diensten. A18 Kaiser Ferdinand lll. sich dez Reich-?-tages wegen in RegenZburg aufhielt zeigte S. ihm artilleristische Versuche und von hier ward er entsandt um die seit Jahren von den Kaiserlichen und den Ligisten mehrmals vergeblich belagerte Feste Hohentwiel zu gewinnen, welche der württembergische Commandant Oberst Konrad Widerhold gegen alle Angriffe ftandhaft vertheidigt hatte. Am 19. October erschien S. vor der Feste, welche er sich berühmt hatte s ,,unter drei Monaten einzubekommen«. Aber weder Beschießung noch Minir- arbeiten, für welche Bergleute aus Tirol herangeholt waren, führten zum Ziele. Die Ausfälle der Belagetten und die Ungunft der Jahreszeit veranlaßten, daß nach kurzer Zeit die Belagerung in eine Vlokade verwandelt wurde und, al?- General v. Erlach mit weimarischen Truppen zum Entsatze nahte, zog S. unter Zurücklassung einer großen Menge von Krieg8bedarf aller Art eilig ab. Mit Recht ward ihm der übele AuSgang dez Unternehmens persönlich zur Last gelegt und mit seiner Verwendung in kaiserl. Krieg8-diensten war etz zu Ende. ––– Ver- geblich suchte er anderswo anzukommen. Zuerst in päpftlichen Diensten. Bei den Unterhandlungen beleidigte er jedoch den venetianischen Gesandten derart, daß dieser sich beim Kaiser über ihn beklagte, worauf S. Arrest erhielt und die An- gelegenheit sich zerschlug. Dann bestellte sein alter Gönner, König Wladi8lauS von Polen, ihn am 7. October 1646 unter sehr glänzenden Bedingungen zum Befehl8haber deutscher Völker, welche S. ihm zu einem Feldzuge gegen die Türken stellen sollte, und AlexiuS von Rußland, Peter’S deS Großen Vater, welcher daZ moZkowitische Ht-erwesen nach abendländischem Muster umgestalten wollte, machte ihm noch vortheilhaftere Anerbietungen. Aber der polnische Reichstag wollte von einem Türkenkriege nichts wissen und die russischen Pläne verliefen im Sande. Ebensowenig wurde etwas aus Werbungen, mit denen Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Neuburg, der Schwager des VolenkönigS, ihn beauftragte und fruchtloS blieb Sparr’S Bemühen bei den Schweden Fuß zu fassen. So kehrte er denn, nachdem der dreißigjährige Krieg beendet war, in die Heimath zurück, wo bald darauf sein Vetter Otto Christof S. (s. d.) eine gewichtige Rolle zu spielen anfing. Der Verwandtschaft mit diesem wird Ernst Georg zu danken gehabt haben, daß Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, ihm eine Pension verlieh und dadurch seiner mißlichen Lage aufhalf. Trotzdem nöthigte ihn diese seine Güter jenem Vetter zu verkaufen und bei feinem im September 1666 erfolgten Tode war sie derart, daß der Kurfürst sich inS Mittel legte um den Concur8 abzuwenden. Am 18. jenes Monats ward er in der Marienkirche zu Berlin in der Stille beigesetzt. Unter dem 17. Februar 1654 hatte ihm der Kaiser ein Patent über seine Er- hebung in den Grafenstand au?-fertigen lassen, welche ihm schon 1641 versprochen, aber au-z leichtbegreiflichen Ursachen damals nicht erfolgt war. Sein Stamm wurde durch seine in den kaiserlichen Erblanden gebliebenen Kinder fortgepflanzt, ist aber dort schon im 18. Jahrhundert erloschen. Th. v. Mörner, Märkische KriegZobersten deZ siebenzehnten Jahrhunderts, Berlin 1861.