ADB:Sparr, Otto Freiherr von

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Artikel „Sparr, Otto Freiherr von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), ab Seite 64, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sparr,_Otto_Freiherr_von&oldid=563866 (Version vom 25. Dezember 2009, 19:54 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Sparr, Johann Gottfried August
Band 35 (1893), ab Seite 64. (Quelle)
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Sparr: Otto Christof Freiherr v. S., kurfürstlich btandenb. General- feldmarschall, wurde 1605 auf dem Gute Lichterfelde bei EberZwalde (n. A. am 15.Novbr.1599 zu Prenden) im märkischen Kreise Oberbarnim geb. Von seiner Jugend und seiner Erziehung ist nichtS bekannt, e3 ist aber anzunehmen, daß er guten Unterricht genossen hat, da er tüchtige mathematische Kenntnisse besessen zu haben scheint. Vermuthlich hat er, wie viele feiner Landsleute, etwa 1626 unter Wallenstein zu den kaiserlichen Fahnen geschworen; die ersten sicheren Nach- richten stammen auS dem Jahre 1637. Damals war er Oberst. Sein Name wird bei einem fehlgeschlagenen Angriff auf Stargard in Pommern genannt, welchen er im October mit anderen KriegSobersten unternahm. Während des Winters auf 1638 war er Commandant zu Landsberg an der Warthe. Jm letzteren Jahre beabsichtigte Kurfürst Georg Wilhelm, sein LandeSherr, welcher eine Truppenmacht aufzustellen im Begriff war, ihn dabei mit der Einrichtung deZ GeschützwesenZ zu betrauen. Des Kurfürsten Plan zetschlug sich indeß und von Sparr’8 Verwendung ist nicht weiter die Rede. Wir treffen diesen dagegen bald auf dem westfälischen KriegZschauplatze, auf welchem er bis zum Ende dez 30jährigen Krieges thätig blieb. Hatzfeld sollte hier ein neueS kaiserliche8 Heer aufstellen und GallaZ, unter welchem S. bisher gestanden hatte, erhielt den Be- fehl Officiere und Truppen dahin abzugeben. Zu jenen gehörte auch S., welcher bestimmt war Hatzfeld’Z Feldzeugmeister zu werden. Auf dem Wege gerieth er in der Nähe von Warendorf am 20. October 1638 durch nächtlichen Ueberfall in pfälzische KriegZgefangenschaft, muß aber bald wieder freigekommen sein, denn im folgenden Jahre erhebt Pfalzgraf Wilhelm Wolfgang laute Klagen wegen der Vergewaltigung seiner Unterthanen durch S. und andere kaiserliche Officiere. 1641 belagerte und nahm S. im Juni und Juli die Stadt Essen und leitete die Arbeiten bei der Belagerung der am 18. September übergebenen Stadt Dorsten. 1642 bestellte ihn Johann von Werth als Commandanten von Grevenbroich; er befestigte die Stadt und unternahm von hier aus erfolgreiche Streifereien in die [65] Umgegend. Dann scheint er mit Hatzfeld nach dem Osten gezogen zu sein; 1644 wird seine Anwesenheit bei Magdeburg erwähnt. 1646 war er wieder am Rhein; er hatte an Vehlen’Z Stelle die Führung der Truppen übernommen, welche gegen die Hessen im Felde standen; später war er Melander untergeordnet. Was an KriegSthaten geschah war von geringerer Bedeutung; im Herbst lag S. einige Zeit zu Bonn an einer vor Euskirchen erhaltenen Wunde darnieder. 1647 nennt er sich selbst »der römisch kaiserlichen Majestät des Westphä1ischen CreyseZ

bestellten Generalwachtmeister, Oberst, auch Obercommandant det rheinischen

Quartiere«. Unter Lamboy war er in diesem Jahre thätig deZ.Kaiser8 Herr- schaft in Westfalen und in OftfrieSland zu erzwingen und zu behaupten. Ver- richtungen des kleinen Krieges, Angriff und Vertheidigui1g von Städten und festen Burgen waren auf beiden Seiten die hervorragendsten Gegenstände der Thätigkeit; wo e8 sich um Aufgaben auZ den Gebieten der BefestigungSkunst und de8 GeschützwesenS handelte, trat S. in den Vordergrund. A18 der Krieg zu Ende ging war er zum ältesten Generalwachtmeister aufgestiegen, welchem in Ermangelung des Oberfeldherrn der Befehl gebührte, und nachdem der west- fälische Friede geschlossen war übte er diesen Befehl im folgenden Jahre noch einmal thatsächlich au8, indem er al8 kurfürstlich kölnischer General-Feldwacl;t- meister und Generalcommandant de8 westfälischen Kreise-H mit Gewalt der Waffen eine Reichöexecution gegen Lüttich vollstreckte, dessen Bürger mit ihrem Bischofe, welcher zugleich Erzbischof von Köln war, im Streite lebten. Am 29. August 1649 zog er in die Stadt ein. – A13 damit auch die Nachwehen deS großen Krieges auf diesem Theile seines SchauplatzeS vorübergegangen waren, kehrte S. in den Dienst seines engeren Vaterlande8 und seine8 angestammten LehnSherrn zurück. Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte die letztverflossenen Jahre meist in feinen westlichen Besitzungen zugebracht und dietz hatte zu persönlichen Be- ziehungen zwischen ihm und S. geführt. So kam etz, daß zu den kriegZerfahrenen Officieren, denen der Kurfürst die Begründung einer bleibenden brandenburgischen KriegSmacht anvertraute, auch S. gehörte. Schon vom 14. Juni 1649 rührt dessen erste Bestallung, welcher am 8. October d. J. eine umfangreichere, wesent- lich günstigere folgte, aber erst im September 1650 konnte S. melden, daß er des kaiserlichen Dienstes entledigt sei und ganz zur Verfügung seineS neuen Krieg8herrn stehe. Da Colberg, wo er als Gouverneur seinen Wohnsitz zu nehmen hatte, noch von den Schweden besetzt war, blieb er vorläufig in Lippstadt, seine Thätigkeit auf BefestigungZarbeiten und auf den Betrieb von Galmeigruben in der Grafschaft Mark vertheilend. Auch politische Aufgaben be- schäftigten ihn. EZ galt in jenen Landen die Hoheit-zrechte des Kurfürsten zu wahren, die Stände zu Leistungen für die Truppen gefügig zu machen und Frieden zu stiften zwischen Lutheranern und Reformirten. A16. der Kurfürst bald darauf einen Kriegs-zug gegen den Pfalzgrasen Wolfgang Wilhelm plante, er- nannte er S. am 9. Juli 1651 zum Generalfeldzeugmeister und ,,zum 08po bei Deto itztrichtenden 8rmSe«; es kam aber nicht zum Schlagen. Wenn Kurfürst Friedrich Wilhelm sich auch, wie später noch einmal, durch die Ebbe in seinen Kassen genöthigt sah, die S. gemachten Versprechungen theilweise unersüllt zu lassen, fo war er dagegen auf der anderen Seite bei der Eintreibung von Forde- rungen behülflich, welche dieser auS den Krieg8zeiten an andere Regierungen zu machen hatte. S. ward dadurch in den Stand gesetzt mancherlei Erwerbungen an Grundbesitz in feiner märkifchen Heimath zu machen; sein Plan denselben durch Errichtung eines Fideicommisse8 feinem Geschlechts: zu erhalten ist jedoch nicht zur Ausführung gelangt. –– Am 6.Juni 1653 hielt er feinen Einzug in das von den Schweden geräumte Colberg, verließ die Stadt jedoch schon zu Anfang deZ [66] nächsten Jahres wieder um den Befehl von Hilf8völkern zu übernehmen, welche de8 Kurfürsten von Köln Lande von den in dieselben eingefallenen Scharen des HerzogS Karl von Lothringen befreien und den Kurfürsten zugleich vor dem unwill- kommenen, durch Frankreich angebotenen Schutze durch französische Truppen be- wahren sollten. Der Kölner Kurfürst hatte S. für diese Stellung erbeten; Ver- handlungen wandten aber die Krieg8gefahr ab und S., welcher nach seiner Rück- kehr seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt zu haben scheint, mußte nochmals auf die Verwirklichung der Aussicht verzichten für Brandenburg und seinen Kur- fürsten zu Felde zu ziehen. Bald aber stiegen im Osten neue Kriegs-Swolken auf. Die Gefahr ging von Schweden aus, dessen König Karl 1c. Gustav nach dem Besitze des Herzogthum8 Preußen trachtete. Friedrich Wilhelm beschloß sich einem etwaigen gewaltsamen Versuche mit den Waffen in der Hand ent- gegenzustellen, sammelte eine Macht von 26800 Mann mit zahlreicher Artillerie und übertrug am 8. April 1655 S. den Oberbefehl über diese Armee ,,daß Er dieselbe ali3 o:-rpo regieren und führen möge«. Zunächst sollte er die Schweden beobachten und nichts Feindselige8 gegen sie unternehmen, ihrem Betreten des HerzogthumZ Preußen aber, mit dessen Ständen der Kurfürst einen Vertrag ab- geschlossen hatte, sollte S. sich thätlich widersetzen. AlZ e3 soweit kam, hatten die Schweden den Polenkönig bereits geschlagen und sich seines gesammten ReicheS bemächtigt, sodaß Kurfürst Friedrich Wilhelm, welcher sich auf allen Seiten vergeblich nach Beistand umgesehen hatte, am 17. Januar 1656 noth- gedrungen mit Karl IL. Gustav den Tractat von Königsberg einging, kraft dessen er Preußen alS Lehen von Schweden empfing. S. rieth ihm zu dem Schritte, während sein Widersacher am Hoflager, Graf Georg Friedrich von Waldeck, mit welchem er in stetem, dem Gemeinwohl-: wenig förderlichen Hader lebte, den gegen- theiligen Entschluß befü1«wortete. Damit schien die Aussicht für S. im branden- burgischen Dienste Krieg8ruhm zu erringen wiederum verschwunden. Aber die Sachlage änderte sich rasch. Polen erhob sich von neuem und bald war Karl IT. Gustav der Bedrängte, welcher jetzt die brandenburgische Hilfe in Anspruch nahm. Der Kurfürst gewährte sie ihm auf Grund eines am 15. Juni zu Marienburg abgeschlossenen Bündnisse-z. Vereint zog nun die schwedisch-brandenburgische Macht den Polen entgegen. Bei Warschau kam etz zu dreitägjger Schlacht. Am dritten Kampfe8tage, dem 20.-«Z0. Juli 1656 erwarb S. unvergänglichen Ruhm, indem er, in der Mitte der Stellung kämpfend, mit dem ihm unterstellten Fuß- volke, über dessen Stärke und Zusammensetzung die Angaben auSeinandergehen, ,,mit besonderer Dexteriät und guter DiSposition« mit stürmender Hand da8 Gehölz von Praga nahm und damit den AuSgang deZ langen RingenS entschied. Die brandenburgischen Truppen kehrten dann nach Preußen zurück und fochten 1657 unter Sparr’S Oberbefehl in einer langen Reihe kleinerer kriegerischer Unternehmungen gegen die keineswegs ganz niedergeworfenen Polen und Lithauer. Am 26. Juni jenes JahreS wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt. C8 ist das erste Mal, daß diese höchste militärische Würde im brandenburgischen Heere verliehen ward. Zugleich wurde ihm die oberste Jnftanz in allen Commando-, CommissariatS-, Proviant- und Justizsachen, ,,wie sie Namen haben mögen«, übertragen. Am 19. September machte der Kurfürst mit Polen seinen Frieden und versuchte nun zwischen dieser Macht und Schweden zu vermitteln; auch S. ward mit einer diesem Endzwecke dienenden Sendung nach Warschau beauftragt, hatte aber keinen Erfolg. 1658 machte er unter dem Kurfürsten, welcher wie 1656 den Oberbefehl über seine Truppen selbst führte, dessen Feldzug gegen die Schweden in Holstein und SchleSwig mit; im folgenden Jahre war er mit der Belagerung von Demmin beauftragt, und nahm die Stadt durch Capitulation. Nachdem am 1. Mai 1660 der Friede von Oliva seinem vierjährigen Kriegsleben [67] ein Ende gemacht hatte, war S. zunächst bei der Befestigung von Berlin thätig. Als der Kurfürst 1662 auf längere Zeit nach Preußen ging, übertrug er S. seine Vertretung in den übrigen Provinzen. –– Zm folgenden Jahre wurde die schon länger drohende Türkengefahr dringlich. Der Kurfürst leistete dem Kaiser Beistand, indem er ihm Hilf8völker sandte und ihm auch S. überließ. Ein von letzterem bei dieser Gelegenheit abgegebeneZ Gutachten über die Art, wie der Krieg gegen die Ungläubigen zu führen sei, zeugt von Sparr’8 KriegSerfahrung und Einsicht. Der Feldzug ward durch die am 1. August 1664 gelieferte Schlacht bei Sanct Gotthard an der Raab zu Gunsten der christlichen Waffen beendet. S. mit seinen Brandenburgern focht in derselben mit hoher Auszeichnung. ,,Jhr habt Eure Krieg8erfahrung und Valeur bei dieser jüngsten Occasion gewiß rühmlich erwiesen" schrieb ihm Kaiser Leopold am 7. August; auch ernannte er ihn nun zum kaiserlichen Generalfeldmarschall. –– Die Unterwerfung der Stadt Magdeburg, welche sich der Herrschaft des Großen Kurfürsten nicht fügen wollte und deren Unterwerfung dieser im Jahre 1666 S. übertrug, sowie die Vorberei- tung zur Befestigung der Stadt, nachdem dieselbe, alS S. mit 10 000 Mann bereit stand seineS KriegSherrn Willen mit den Waffen durchzusetzen, am 28. Mai den Vertrag von Kloster Berge abgeschlossen und Besatzung aufgenommen hatte, waren deS FeldmarschallS letzte besonderen Leistungen. –– Neben seinen Dienst- obliegenheiten beschäftigte diesen die Fürsorge für seine Güter, deren Umfang er erweiterte ohne aber, wie schon erwähnt wurde, seinen Wunsch, dieselben seinem Geschlechte zu erhalten, zum Vollzuge zu bringen, sodaß sie sämmtlich längst in andere Hände übergegangen sind. Bei den Aufwendungen, welche er für seine Besitzungen machte, ist besonders- seine Sorge für die Ktrchen zu bemerken; namentlich die Glocken lagen ihm am Herzen. Auch die Herstellung des durch ein Wetter beschädigten ThurmeS der Marienkirche in Berlin ließ er sich viel Geld kosten. Ju dieser ward er nach seinem am 9. Mai1668 auf seinem Gute Prenden bei Bernau im Kreise Niederbarnim erfolgten Tode am 12. d. M. beigesetzt. Er starb arm, wenngleich begütert. –– S. war kein genialer Führer, aber ein tüchtiger zuverlässiger Soldat, namentlich im Geschützwesen erfahren und ein ge- schickter Organisator. Der französische Gesandte de LumbreS sagt über ihn in einem Berichte vom 28. November 1655, er sei mehr geschickt gewesen Anderer Befehle auszuführen als selbst solche zu ertheilen, mehr geeignet zur Führung seiner kleinen als einer großen Truppenmenge, brauchbarer im VertheidigungS- kriege als für die Feldschlacht. Seine späteren KriegSleistungen sprechen für die Richtigkeit dieser Beurtheilung. – Al–S am 27. Januar 1889 Kaiser Wilhelm 1l. einer Anzahl von Regimentern seines Heeres- zu Ehren und zum Andenken het- vorragender brandenburgifch·preußifcher Krieg8leute für immerwährende Zeiten deren Namen beilegte, erhielt daß 3. weftjälifche Jnfanterieregiment Nr. 16 den Namen ,,Jnfanterieregiment Freiherr v. Sparr.« –– Eine genügende Leben?-- .beschreibung Sparr’S ist nicht vorhanden. Historisch-merkwürdige Beiträge zur KriegSgeschichte deS großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm’S in der LebenZbeschrcibung Otto Chriftoph’e-S v. Sparr, Stendal1793 (vom OrdenSrath König). ––– Th. v. Mörner, Märkische Krieg45- obersten deZ 17. Jahrhundert8, Berlin 1861 (reicht nur bis zum Jahre 1661).

B. Poten.
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