ADB:Spengel, Leonhard von

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Artikel „Spengel, Leonhard von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), ab Seite 115, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Spengel,_Leonhard_von&oldid=887548 (Version vom 24. Dezember 2009, 10:34 Uhr UTC)
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Spengel: Leonhard S., seit 1875 v. S., namhafter Philologe des 19. Jahrhunderts. Er wurde am 24. September 1s0s als der Sohn wohlhabender bürgerlicher Eltern in München geboren und erhielt hier auf dem sogenannten „alten“, damals einzigen Gymnasium seine wissenschaftliche Vorbildung, besonders durch die Lehrer Johann Fröhlich und Joseph Kopp zu philologischen Studien angeregt und angeleitet. Schon als Schüler der obersten Classe fand er Zutritt zu dem von Friedr. Thiersch geleiteten philologischen Seminar; über die damals dort gewonnenen Eindrücke hat er später in seiner Schrift „Das philologische Seminar in München und die Ultramontanen“ s. 6 berichtet. Nach Beendigung seiner Gymnafialstudien (1s21) besuchte er zunächst daß unter Thiersch’i3 Leitung stehende Lyceum – die Universität war damals noch in Landshut – und legte hier 1s2s daß Examen für daß höhere Schulfach ab, trat dann aber noch nicht sogleich in die amtliche Praxis. Auf Rath seines wohlwollenden Lehrer?und Gönner53 begab er sich vielmehr, durch ein Staatsstipendium unterstützt, zunächst nach Leipzig, um G. Hermann zu hören, dann 1s25 nach Berlin, wo Boeckh und Jmmanuel Vekker seine Lehrer wurden. Durch die Bearbeitung der von der Berliner Facultät für 1s26 gestellten Preisaufgabe „R-11etorjcorum zpu(1 (31–sS(:os stu(1i0rum zrtjs(1us jpsjus 11jstorjs . .“ errang er den ersten Preis; diese Arbeit, welche die besondere Anerkennung der Facultät fand, wurde die Grundlage für ein größeres Werk, daß unter dem Titel „It-2-cr;-w;“7) ss;Cmä2sjye zrtjum s(:rjp– t“ores sb j11jrjjs usqu9 z(1 e(1jt0s .41–jst0te1js (19 1–116torjcs“ 1jbros“ 1s2s erschien. Gleichzeitig hatte er die Schrift Varro’s „(1e 1jnguz 1stjnz“ 1s26 herau3gegeben und sich durch dieselbe als geschulten Kritiker erwiesen. Jm Herbst1s26 kehrte s., nachdem er eine Professur in Kiel abgelehnt hatte, nach München zurück und trat am „alten“ Gymnasium, dessen Rector sein früherer Lehrer Fröhlich inzwischen geworden war, als Lehrer ein. In dieser Stellung, die er über 15 Jahre hindurch – zuerst als Lector, dann seit 1s30 ali-z Professor – inne hatte, hat er namentlich auf die Bildung der Schüler der oberen Classen einen tiefgreifenden und außerordentlich segenöJreichen Einfluß geübt. – Nach der Verlegung der Universität von Landshut nach München (1s26) erwarb s. am 2s. März 1s27 den philosophischen Doctorgrad und habilitirte sich darauf als Privatdocent; bald wurde er auch mit der Stellung eines zweiten Vorstande2s des philologischen Seminars betraut. In diese Periode fällt außer einer Anzahl kleinerer Schriften seine AUsSgabe „0. 0m-z0j1jj statji 00mj0j poötze (1spSr(1jr:-drum kzbu1srum krsg– m011ts-“ (1s29) und das „sp60jm(–zn ems11(1atj011u111 7sr1“oni:-1-nzrum“ (1sZ0). Jm J. 1ss5 wurde er von der Münchener Akademie der Wissenschaften zum außerordentlichen, 1s41 zum ordentlichen Mitgliede der philosophisch-philologischen Classe [116] gewählt; die Schriften derselben enthalten eine große Anzahl von Beiträgen aus Sp.engel’s Feder: 1s36 schrieb er über die Poetik des Aristoteles, über die Rhetorik des Philodemus, sowie Emendationen zu Polybiu-J und Julius Victor; . 1s39 folgte ein „spe0jmen commS11tario1–um ju :zristote1js 1jbr0s C16 Arte r11etorioz“ und eine Schrift über die dritte philippi sche Rede des Demofthenes, 1s40 eine Untersuchung über das 7. Buch der Physik des Aristoteles, 1s41 die sehr bedeutende Untersuchung über die unter dem Namen des Aristoteles erhaltenen ethischen Schriften, endlich 1s42 die Ausgaben von „t416Jcm1(1ri .1zpl1ro(1jsj9nSis qu510Stio11um natur-11ium S1; mo1–s1jum“ e-C1 :zrjstote1js p1:1j1osop11jsm j11ust1“m1c1Am 1jbrj17“ und „1v0er“cj :-u10t0rjs p:-usapl1rzsjs 1zrjst0te1js O1e110l1o1“um Sop11istjc0rum“. JM October 1s41 erhielt s. eine Berufung in eine ordentliche Professur der Universität Heidelberg und nahm dieselbe an, da das Ministerium Abel ihm die Ernennung zu einer, wenn auch nur außerordentlichen, Professur an der Universität abschlug; er verabschiedete sich von der Akademie mit einem nach Form und Gehalt vollendeten Vortrage „Ueber da-s Studium der Rhetorik bei den Alten“ (1s42). Ju Heidelberg, wo er in glücklichftem Einvernehmen mit Fr. Creuzer und K. L. Kayser eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet-e, veröffentlichte er 1s43 die Schrift „1)s :zrist0t.e1js1jbro (16ojmo 11jStorj-1e :-u1j111s.1jum et j11(:e1–to suot0re 1jbrj 75s(2s &ccF0“;c0V oommentsu“j0“ und 1s44 die Ausgabe der Rhetorik des AnaMPOximenes; im Hetbste (1s4Z) war etz ihm vergönnt, mehrere Monate Italien zu durchwandern. Datz Jahr 1s47 brachte s. die Berufung in eine Professur in München, wo inzwischen der bekannte Umschwung der Dinge eingetreten war. Cr kehrte mit Freuden in die Heimath zurück und ift dieser Stätte dann auch treu geblieben. Eine umfassende und fruchtbare litterarische Thätigkeit knüpfte jetzt vornehmlich an seine Vorlesungen an; neben seinen zahlreichen kleineren Arbeiten sind hier vornehmlich zu nennen die Schrift „Ueber die Politik des Aristoteles“ (1s47), „Ueber die Reihenfolge der naturwissenschaftlichen Schriften des AristoteleZ“ (1s4s), „Ueber die Rethorik des Aristoteles-S“ (1s51), sowie die dreibändige Ausgabe der „Rl1et01“es gr:-1S0j“ (1s5Z–56). In die Zeit des Erscheinens dieser letztgenannten großen Arbeit fällt die oben schon erwähnte Streitschrift „Das philologische Seminar in München und die Ultramontanen“ (1s54), welche der Anlaß zu heftigen Angriffen der clericalen Partei auf s. wurde und eine mit Schärfe geführte ziemlich lange dauernde litterarische Fehde veranlaßte. – Ju Wiederaufnahme der Vatronischen Studien ließ s. eine Abhandlung „Ueber die Kritik der Varronischen Bücher C1s 1ingu:1. 1stjnz“ (1s54), zu Thiersch’s 50jährigem Doctorjubiläum eine „()0mme11ts-tj0 (1e eme11(1s11(1z ratjo11e 1jbr0rum 1U. ’1’orentjjR’m“ro11is (1e 1jnguz 1:-1ti1:1z“ (1s5s“) erscheinen; 1s55 waren die Abhandlungen „Ueber daß 1. Buch der Atinalen des Tacitus“ und „Jsokrates und Plato“ veröffentlicht, denen 1s59 „Ueber die &ccit9crS(1eg sei):m1J7;,cccisc01-, ein Beitrag zur Poetik des Aristoteles“ und 1s60 „Die Jymyy0(1Zas des Demofthenes“ sowie die Untersuchung „Ueber die Geschichte des Florus“ folgte, sowie die mannigfache Widersprüche hervorrufende Schrift „Demosthenees’ Vertheidigungsrede gegen Ktesiphon, ein Beitrag zum Verständniß oes Redners“ (1s6Z). Auf eine Reihe seine weiteren aristotelischen Studien (zur Ethik, Politik und Oekonomik) zusammenfassenden Abhandlungen der nächsten Jahre, welche – wie auch die Mehzahl der vorgenannten Schriften – in den Abhandlungen der Münchener Akademie erschienen, folgten 1s66 die Ausgaben der „IOu(1Smi Rl1oäii 19e1–ipste“cjOj k1–zgme11ts“ und „’1’b9mistii ?zrapbr:–1ses Lrist0te1is 1ibr0rum“ qu:-1e supersuut-“ (2 Bände) und im folgenden Jahre die ebenfalls zweibändige Ausgabe von „:zrjstote1is 1s.rs r11Storj0z cum s(1n0tatio11e l-. s.; m3oe(1jt 7Stustu tr3u1s1ztjo 1s.ti11s.“ (1s67). Seine letzten schriftstellerischen Arbeiten waren die 1s75MPOveröffentlichten Abhandlungen „Die Grabschrist auf die bei Chaeronea gefallenen [117] Athener in Demoftheues’ Rede über den Kranz“ und „AristoteleZ’ Poetik und J. . Vahlen’s Bearbeitung derselben.“ Neben dieser reichen litterarischen Thätigkeit, bei deren Aufführung von den zahlreichen kleineren Arbeiten abgesehen worden ist, und dem akademischen Lehrberufe war s. durch Aufträge, welche die königl. H bairische Regierung ihm hinsichtlich des höheren Schulwesens ertheilte, vielfach in Anspruch genommen. Zwar lehnte er den ihm gemachten Antrag, in das Mitsisterium als ständiger Decernent einzutreten, ab, aber die im J. 1s54 erfolgte Neuregelung des Gymnafialunterrichttzplanes war doch im wesentlichen sein Werk; die Hel-ung der Gymnasien durch Hebung des Lehrerstandes und Zurückdrängung der Geistlichen au?dem gelehrten Unterricl)te, Durchführung gleicher Prüfungen für alle – weltliche und geistliche – Lehrer war der Gegenstand seiner Sorge und Arbeit; daß Verdienst, welches er sich um die bairischen Gelehrtenschulen erworben hat, muß sehr hoch angeschlagen werden. Auch seine Umfangreiche Lehrthätigkeit an der Universität wurde nicht zum wenigsten von dem klarbewußten Zwecke geleitet, tüchtige Gymnafiallehrer heranzuziehen, wofür ihm durch seine eigene frühere Gymnafialthätigkeit ein – sonst nicht häusiges – volles Verständniß innewohnte. Diesem Zwecke dienten außer seinen Vorlesungen vornehmlich die Uebungen der philologischen Seminare, dessen erster Vorstand er nach Thiersch’s Tode (1s60) geworden war; mit Vorliebe pflegte er die Interpretationen in beiden an solche Schriftsteller anzuknüpfen, welche auf der Schule gelesen werden. Er starb in München am s. November 1880, nachdem ihm einige Jahre vorher – 20. März 1877 – bei Gelegenheit seines 50jährigen Doctorjubiläums noch viele Ehren beschieden gewesen waren.

Nekrolog in Bursian’s Biogr. Jahrbuch für Alterthumskunde 1881, s. 39–59 (von Spengel’s Sohne Andreas S.) – W. v. Christ, Gedächtnißrede auf L. v. S., 1881. In den angehängten Anmerkungen findet sich eine wohl vollständige Uebersicht von Spengel’s Schriften. – Ch. Thurot, Nekrolog in Revue de Philologie, Tom. V, p. 3, pag. 181–190. – Bursian, Gesch. d. Phil., S. 735 ff.
R. Hoche.
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