ADB:Spenner, Fridolin Karl Leopold

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Artikel „Spenner, Fridolin Karl Leopold“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), ab Seite 122, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Spenner,_Fridolin_Karl_Leopold&oldid=887607 (Version vom 10. Dezember 2009, 21:34 Uhr UTC)
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Spenner: Fridolin Karl Leopold S., Professor der Botanik, geboren am 25. September 1798 zu Säckingen, † am 5. Juli 1841 zu Freiburg i. B. Spenner’s Vater, Oberamtmann in dem damals vordetssterreichischen Säckingen, ging alsbald nach der Geburt des (ältesten) Sohnes in fürstlich schwarzenbergische Dienste nach Thiengen und von da als großherzoglich badischer Kreisrath nach Villingen. An den drei Orten verlebte S. seine Jugendjahre, frühzeitig Begabung zum Zeichnen verrathend und den Wunsch tragend, sich ganz der Kunst zu widmen – Maler zu– werden. Der Vater jedoch bestand auf dem Studium der Rete, und so bezog der junge S., nachdem er im Elternhaus durch Privatunterricht vorgebildet war, im Jahre 1815 die Universität Tübingen, um philosophische und juristische Vorlesungen zu hören: sie hatten nicht die Wirkung auf den jungen Musensohn, ihn aus dem Strudel des damals in Tübingen hochgehenden Studentenlebens herauszureißen. – Es that dies des Vaters Pod, worauf S. mit Mutter und Geschwistern nach Freiburg übersiedelte, wo er sich nun dem Studium der Medicin zuwandte. Dabei gewannen die rein naturwissenschaftlichen Fächer – vor allem Botanik – sein eigentliches Interesse, und nach Abschluß des Universitätscurses im Jahre 1821 trat er entsprechend nicht in die ärztliche Praxis über, sondern wandte sich ganz der Botanik zu. Zunächst durchforschte er, was er als Student begonnen, die heimische Flora, und aus der bloßen Aufzählung der Gefäßpflanzen des Breisgaus, die er zur Ergänzung von Gmelin’s 14’tors bsc1eusis anfertigen wollte, wurde unter der Hand seine dreibändige „1s’10ra 19’rjburgsusjs, die in den Jahren 1825 bis 1829 herauskam. Es war die erste Flora eines deutschen Gebietes, die von der gebräuchlichen Anordnung nach dem Linns’schen System abwich und das natürliche System zu Grunde legte. Die Bearbeitung selbst war mit Umsicht und Sorgfalt durchgeführt und fand vielen Beifall. Der Abschnitt über die Vegetationsverhältnisse des Florengebiets erschien später (1838) nochmals umgearbeitet in der Schrift Weick’s: Freiburg und seine Umgebung. Eine ähnliche Skizze [123] über die Vegetation des Renchthales ist in Zentner: Daß Renchthal und seine Bäder (Freiburg 1827. 2. Aufl. Karlsruhe 1839) enthalten. Als Frucht von Spenner’s floristischen Forschungen sei hier auch noch die kleine) Abhandlung über „Nup11-Dr mi11jmsmjtb’ eine Pflanze des Feldbergses (FlorHa 1827) angeführt. Die Herausgabe eines größeren Werkes, einer Monographie der deutschen Orchideen, scheiterte „an der Ungeneigtheit der Verleger, die für eine ganz befriedigende Ausstattung erforderlichen Kosten aufzuwenden“.

Im Herbst 1826 siedelt S. vorübergehend nach Schwetzingen über, um das Herbarium des damaligen Gartendirectors Zeyher zu ordnen; es war ihm hier vielfältig Gelegenheit geboten, mit Fachgenossen, so besonders R. Schimper, zusammen zu kommen. Im Jahre 1829 promovirte S. zu Freiburg mit der Dissertation „I1011ogrzp11ia gene1sis Nig(z1189“ und habilitirte sich kurz darauf durch Einreichung einer „1llo110grsp11is. generis 1s’u1mo1miis (nicht im Druck erschienen). 1832 wurde S. zum außerordentlichen und 1838 zum ordentlichen Professor in der medicinischen Facultät der Universität Freiburg ernannt und ihm die „medicinischen Fächer der Botanik“ übertragen. Er laß dann auch alljährlich über angewandte und medicinische Botanik, was Veranlassung zur Abfassung eines größeren Werkes gab, daß als brauchbar und seinem Zweck dienend gerühmt wurde. Es führt den Titel: „Handbuch der angewandten Botanik oder praktische Anleitung zur Kenntniß der medicinisch-, technisch- und ökonomisch gebräuchlichen Gewächse Teutschlands und der Schweiz“ (Freiburg 1834–1836, s Theile). Auch hier legt S. daß natürliche System zu Grunde, was die Kritik jener Tage freilich nicht unbedingt gutheißen kann. Die dritte Abtheilung des Werkes ist vermehrt 1836 selbständig ausgegeben worden unter dem Titel: „Teutschlands phanerogamische Pflanzengattungen in analytischen Bestimmungstabellen“. 1838 übernahm S. die Fortführung der „0enerA p18mtzrum ktor-1e 8ermsi1i(:8.e ic0njbus St (1es0rjptj011jbus j11ustre1ts, deren Heraus Sgabe durch den Tod Nes v. Esenbeck’s unterbrochen worden war. S. hat von der 17. bis zur 21. Lieferung den Text und von der 19. ab die Tafeln angefertigt, wobei seine zeichnerische Fertigkeit zur schönsten Bethätigung kam. Mitten in der Thätigkeit und mitten im besten Mannesalter starb S. 1841 unerwartet und nach ganz kurzem Kranksein.

S. als Menschen wird schlichtes Wesen und liebenswürdiger Charakter, ein scharfes, unter Umständen auch sarkastisches Urtheil über Menschen und Dinge nachgerühmt; zu diesem Vorzug auch des Forscheres gesellten sich als dessen besondere Eigenschaften ein umfassendes Gedächtniß, ein klares Auge und eine geübte Hand; den Lehrer zeichnete bei aller Tiefe klarer und ansprechender Vortrag aus. Nach Spenner wurden benannt: von Martins die Gattung 8pen11er.:t und von Gaudin die Art 1sup118r 8psn110rjs,net.

Nekrolog von Dr. K. J. Perleb in Flora 1842 S. 161. – Pritzel, ’1’bsmirus 1iterzturAs b0tz11i08e S. 281.
Jännicke.
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