ADB:Sperling, Otto
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Sperling: Otto S., Arzt und Botaniker des 17. Jahrhunderts. Er wurde am 80. December 1602 in Hamburg als der Sohn des damaligen Rectors der St. Johannisschule Paul S. (S. 138) geboren und erhieltseine Bildung an dem Jo“hanneum und dem akademischen Gymnasium seiner Vaterstadt. Er studirte dann von 1617 an in Greifswald, seit 1619 in Leyden Medicin. Nachdem er in den Jahren 1621 und 22 eine längere Reise durch Holland und Dänemark gemacht hatte, [137] setzte er seine Studien im Winter 1622/23 in Rostock fort. 1Im Sommer 1623 bereiste er zwecks botanischer Studien die dänischen Inseln und Schweden, legte für einen Kopenhagener Arzt ein Herbarium dieser Länder an und kehrte dann im Herbst nach Hamburg zurück. Bereits im folgenden Jahre (1624) brach er zu einer längeren, meist zu Fuß zurückgelegten, Reise nach Italien auf; 1626 begründete er in Venedig einen botanischen Garten für den Rathsherrn Nicolaus Contareni und wurde am 27. Aug. 1627 in Padua zum Doctor der Medicin promovirt, worauf er im Januar 1628 wieder in die Heimath zurückkehrte. Im Frühjahr desselben Jahres beabsichtigte er über Holland nach England zu reisen; ein Sturm, der sein Schiff auf der Fahrt von Rotterdam nach London überfiel, verschlug ihn an die norwegische Küste. Dies wurde für sein späteres Leben entscheidend; er entschloß sich, in Norwegen zu bleiben, und ließ sich in Christiania als Arzt nieder. Hier verheirathete er sich mit Margarethe Andreae, der Wittwe des Arztes Paul Andreae, einer Tochter des Canonicus Andreas Schwendy in Roeskilde, und siedelte infolge dessen 1634 nach dem Landgute Jernlös auf Seeland über, welches seiner Gattin gehörte. 1637 wurde er Arzt am Waisenhause in Kopenhagen, 1638 Hofbotaniker und Inspector der Königl. Gärten, auch 1641, nachdem er inzwischen eine dänische Gesandtschaft nach Spanien begleitet hatte, Stadtphysicus, mit dem Titel eines Leibarztes des Königs Christian IV. In den folgenden Jahren begleitete er mehrfach den Reichshofmeister Grafen Corfiz Ulfeld als Arzt auf dessen Gesandtschaftsreisen nach England, Holland und Frankreich, hier überall auch als Botaniker thätig. Die Differenzen, in welche Ulfeld mit dem König Friedrich III. gerieth, wurden auch für S. verhängnißvoll: er kam in den Verdacht, sich an einer Verschwörung gegen das Leben des Königs betheiligt zu haben, und wurde 165L aus seinen Aemtern entlassen. Er zog nun zunächst nach Amsterdam, wo er zwei Jahre prakticirte, unternahm von hier aus noch eine Reise nach Stockholm, wurde daselbst mit dem Titel eines königlichen Leibarztes ausgezeichnet und wandte sich dann nach dem Tode seiner Gattin1654 nach Hamburg. Auch hier betrieb er mit großem Eifer und namhaftem Erfolge die ärztliche Praxis; er wurde in daß Collegium medicum aufgenommen und erhielt auch eine Bicarie am Dome. Der dänischen Regierung blieb er dauernd verdächtig; als er im August 1658 zufällig auf einer Reife durch Glückstadt kam, ließ ihn der dortige dänische Commandant Graf Eberstein als des Einverständnisses mit den Schweden verdächtig verhaften und hielt ihn fest, bis endlich im März 1659 ein Befehl des Königs ihn befreite. Am 16. April 1664 wurde S. durch einen dänischen Officier unter dem Vorwande, daß seine ärztliche Hilfe nöthig sei, aus Hamburg gelockt, unterwegs gebunden und geknebelt und als Gefangener nach Kopenhagen geschafft. Man vermuthete, wohl nicht mit Unrecht, daß er mit Ulfeld, dessen Sohn in seinem Hause in Hamburg erzogen wurde, noch immer in enger Verbindung stehe, hoffte auch wohl aus ihm Material gegen den früheren Reichshofmeister heraszubringen. In Kopenhagen setzte man ihn in den „blauen Thurm“ und hielt ihn hier, auch nachdem Ulfeld gestorben war, fest trotz aller Proteste und Gesuche des Hamburgischen Senates und trotz der Bemühungen des Königs von Schweden, unter dessen Schutzhoheit das Hamburgische Domcapitel stand. Nach mehr als 17jähriger Haft starb S. in seinem Gefängnisse am 26. December 1681. – von seinen Schriften haben der unter dem Titel „l–10rtus 0brjstjzmeus 1642 erschienene Katalog des Kopenhagener Königlichen Gartens und der 1662 erschienene „(Jztz– 1ogus p1zr1tsrum j11(1igsnzrum“ noch jetzt ein historisches Interesse.
- Moller, 0jmbr. 1jt. 1, 640. – Jöcher 17, Sp. 730. – Gernet, Hamb. Medicinal-Geschichte S. 202. – Otto Sperlings (des Sohnesz) landschaftliche [138] Chronik von Hamburg. – Hamb. Schriftsteller-Lexicon ’711, S. 243 ff. – Ziegler, Denwürdigkeiten der Gräfin L. Ch. Ulfeld (1871).